Der Schrecken der Meere - Piraten voraus!
Letztlich ist wohl Lord Byron mit seiner Verserzählung „Der Kosar“ Schuld daran, dass wir heute Piraten und Piraterie nur zu gerne romantisieren. Dabei war und ist die Piraterie weder in der Vergangenheit noch Heute ein romantisches Geschäft. Ganz im Gegenteil, wirft man mal einen Blick in die Nachrichten und schaut sich die brutalen Verbrechen auf „Hoher See“ im indonesischen Raum oder vor der Somalischen Küste an.
Trotz der moderner Schrecken, deren sich Piraten heute schuldig machen, bleibt doch der historische „Pirat“ als Berufswunsch unter den Sechsjährigen genauso aktuell, wie als Filmthema „Der Fluch der Karibik“ oder … eben als Liebesromanheld.

Jene draufgängerischen, und natürlich sehr reinlichen, Teufelskerle, die ihr Schiff und ihre Mannschaft hart, aber gerecht führen und sagenhafte Schätze anhäufen, in dem sie vornehmlich böse Gegenspieler ausrauben und dabei dem widerlichen Flottenkapitän die liebliche Jungfer rauben, die sich dann unsterblich in den harten, aber unglaublich attraktiven Piraten, mit einem adeligen Hintergrund verliebt.
Ohne diese Helden wäre das Genre des Liebesromans um einiges ärmer und weniger bunt, zumal so eine Traum-Schifffahrt exakt dazu angetan ist, romantische Gefühle zu wecken. Bevor wir uns aber den Lesetipps zu diesem Thema widmen, wenden wir uns zunächst einmal ein wenig der Geschichte der Piraterie zu.
Bereits die alten Griechen hatten mit Piraten zu kämpfen. Im Mittelmeer, aber besonders in den Ägäis, das sich mit seinen vielen Grotten, Buchten und seiner zerklüfteten Küste bestens für Piraten eignete, wurden nicht nur küstennahe Handelsschiffe von Piraten überfallen, sondern auch Dörfer. Mit dem Aufstieg griechischer Stadtstaaten und dem Anstieg der Bedrohung durch Piraten begründete man schließlich eine eigene Flotte die Jagd auf Seeräuber machte und Handelsschiffe zum Schutz begleitete.
Im Jahr 166.v. Chr. erlebte der römische Freihafen Delos (seit 1990 zum Weltkulturerbe erklärt) eine wirtschaftliche Blüte und zog Handelsschiffe, wie Piraten gleichermaßen an. 67 v. Chr. ging Gnaeus Pompejus ein römischer Politiker und Feldherr so erfolgreich gegen Piraten vor, dass das Mittelmeer relativ sicher wurde.
Schon seit es Handel auf der Ostsee und Nordsee gibt, gibt es dort auch Seeräuber. So betätigten sich die Nordmänner in langer Tradition als Seeräuber, in dem ihre küstennah lebenden Stämme vorbeifahrende Handelsschiffe ausraubten. Ihre nautischen Fähigkeiten gaben ihnen schon bald die Möglichkeit sich aufs offene Meer hinauszuwagen und so lag es nahe die nicht allzu entfernten fremden Küsten zu überfallen.

Die europäischen Kreuzfahrer bezeichneten ihre muslemischen seeräuberischen Gegenspieler als „Barbaresken“. Die Piraten von der Berberküste überfielen mit Beginn der Kreuzzüge christliche Schiffe und brachten die Besatzungen als Sklaven nach Afrika. Im Abendland gefürchtet wurden die Barbaresken in der islamischen Welt zu Helden.
Der Malteserorden der sich für die Verhandlungen mit Piraten um ihre christlichen Gefangenen auszeichnete, führte schon bald eine eigene Flotte. Nach der Belagerung Maltas (1565) baute man vor, um sich für weitere Übergriffe der Barbaresken zu schützen. Waren Ordensritter der Malteser anwesend auf den Schiffen der Korsaren von Malta, so ging es augenscheinlich um christlichen Eifer mit dem die Heiden bekämpft wurden. Den Korsaren dagegen ging es mehr um Piratenbeute und so brachten sie Malta bis ca. 1680 großen Reichtum ein. Ein darauffolgendes Abkommen zwischen den europäischen Mächten und den Barbaresken brachte schließlich den Rückgang der Piraterie auf dem Mittelmeer.
Zwischendrin ein paar Sätze zum Kaperwesen. Die ersten Kaperbriefe stellte der englische König Heinrich im Jahr 1243 aus. Der Besitzer eines Kaperbriefes wurde die Erlaubnis erteilt Feinde der Engländer auf See und Land anzugreifen. Der Gegenwert war, in der Regel die Hälfte der Beute für den Aussteller des Briefes. Großzügig überlas man hierbei allerdings, dass nur Kriegsgegner überfallen werden durften und kaperte alles was einem vor den Bug kam. Ab dem 13. Jahrhundert boten zunehmend auch Piraten ihre Talente auf den privaten Kaperschiffen an. Große Kaperkapitäne waren z. B. Sir Francis Drake, der 1581 von Elizabeth I. zum Ritter geschlagen wurde oder der französische Korsar Rene Duguay-Trouin (Erfolgsquote: in 23 brachte er 16 Kriegsschiffe und 320 Handelsschiffe auf) .
Auch der Korsar Rene Duguay-Trouin nannte seinen Heimathafen Saint Malo, an der bretonischen Küste, wie viele andere Korsaren auch. Sie haben die Geschichte der Stadt geprägt und zum Reichtum beigetragen. Im Jahr 1693 wollten sich die Briten endlich der Stadt und der lästigen Korsaren entledigen und schickten ein Brandschiff gegen die Bewohner der Stadt. Der Angriff misslang grandios und als einziges Opfer auf französischer Seite ist eine Katze in die Analen der Geschichte eingegangen. Sehr zu empfehlen sei an dieser Stelle ein Besuch in Saint Malo. Wer sich in der trutzigen Ville Close einmal umschaut, kann heute noch die Atmosphäre vergangener Zeiten erspüren.

Besonders problematisch wurde die Kaperschifferrei bald in der Karibik (schaut auch in unsere kleine Photogalerie). Aus diesem Grund widerrief der englische König Jacob I. nach seiner Krönung im Jahr 1603 alle Kaperbriefe. Allerdings wurde das Problem damit nicht gelöst, sondern an ihre Stelle traten die Bukanier deren Feinde hauptsächlich die Spanier waren. Von Hispanola (Haiti) aus, griff die Bruderschaft zunächst kleine, dann immer lohnendere Ziele an. Zulauf bekamen sie vor allem durch Strafgefangene, Vogelfreie und entlaufene Sklaven. Ihre eigenen brutalen Gesetze brachten einige grausame Helden zum Vorschein, wie. z.B. den Franzosen Lonlonnois, Rock Braziliano oder der portugisische Bartolomäus Portugues. Auch walisische Bukanier Sir Henry Morgan stand dem in nichts nach. Und doch wurde er für seine kühnen Angriffe auf spanische Kolonien geadelt und zum Gouverneur von Jamaika ernannt.
Eine wichtige Rolle hatten Piraten und Kaperer auch im nordamerikanischen Bürgerkrieg. So bekämpfte die amerikanische Marine mit nur 34 Schiffen, aber 13 mal soviele Kaperer legten mit ihren Schiffen den englischen Handel lahm. Amerikanische Helden waren z.B. der Schotte John Paul Jones. Aber auch späterhin gab es erfolgreiche amerikanischer Kaperer, wie Jean LaFitte und sein Bruder Pierre.
Im 19. Jahrhundert fand die organisierte Piraterie und das Kaperwesen sein Ende als 1856 die meisten der Seemächte die Pariser Seerechtsdeklaration und Grundsätze des Seekriegsrechts festgesetzt wurden. Nach 5000 Jahre lang segelten die „Schrecken des Meeres“ über die sieben Ozeane geblieben ist ein romantisch verklärtes Bild das uns noch heute in Liebesromanen zu erfreuen weiß.
Also dann Piraten Ahoi!
Eure Anke
- Lesetipps zum Thema Piraten und Liebe auf hoher See
Leben auf hoher See
Ein gutes Piratenschiff musste, je nachdem in welchen Gewässern man unterwegs war, bestimmt Eigenschaften haben. Es musste schnell und wendig sein, einen geringen Tiefgang haben, da Piraten oft in Küstennähe agierten, über eine ordentliche Bewaffnung verfügen und einer Mannschaft, die in der Regel sehr viel größer war als die auf Handelsschiffen, zumindest einen kleinen Platz bieten.
Der Jolly Roger

Woher der Begriff „Jolly Roger“ für die Piratenflagge ursprünglich stammte, ist nicht bekannt. Und Deutungen dagegen gibt es viele. Durchaus möglich wäre z.B. die Abstammung vom französischen Wort joli rouge (hübsches Rot), da Piratenflaggen nicht immer schwarz sein mussten. Vielmehr Schrecken verbreitet die aber die rote Flagge (damals wurde sie von unter Quarantäne stehenden Schiffen gesetzt) sie verhieß Blut und Tod. Oder aber der Begriff „Jolly Roger“ eine Verballhornung von „Old Roger“, wie vielerorts der Teufel genannte wurde war.
Piratengalerie
Aus "Der Piratenlord" von Deborah Martin:
"Sie (die Piraten) waren sauber und ordentlich gekleidet….keiner von ihnen war mit einer Augenklappe verunstaltet…Doch sie kleideten sich so auffällig, wie es Piraten eben tun. Lederwesten überwogen und wurden oft ohne Hemd getragen….sie hatte noch nie so viele Männer mit schulterlangen Haaren gesehen.
….er (der Kapitän) war sehr groß. Und seine Kleidung von feinster Qualität… und obwohl er sorgfältig rasiert war, sah er herausfordernd männlich aus… "
Quellennachweis
(Dieser Text wurde von AS zusammengestellt)
Information Quellen:
Wikipedia.de
Sehen Stauen Wissen Piraten Gerstenberg
Ars Edition Piraten
Meyers Konversations-Lexikon
oppisworld.de
Bilder Quellen:
Howard Pyle illustration of pirates fighting over treasure, from Howard Pyle's Book of Pirates. wikicommons / Some rights reserved / GNU-Lizenz für freie Dokumentation , wenn nicht anders gekennzeichnet.
Photos Karibik: © Ralph Stieber und Susanne Laubenberger-Adler