Anke in Mannheim
bei Marian Keyes
(Text: AS)
Meine Aufregung war groß, als die Einladung zur Lesung von Marian Keyes ins Haus flatterte. Endlich war mal was los im unserer ansonsten so beschaulichen Gegend!
Klar, dass ich alle Probleme aus dem Weg geräumt und mich Anfang September auf den Weg nach Mannheim gemacht habe, um an diesem Ereignis teilzunehmen. Und ein Ereignis ist es schon, denn wie oft bekommt man schon live die Großen und Erfolgreichen der Unterhaltungsliteratur zu sehen und zu hören. Mit Übersetzungen ihrer Bücher in 39 Ländern und mit einer Auflage von 12 Millionen Büchern, zählt Marian Keyes definitiv zu den ganz Großen im Bereich der Unterhaltungsliteratur.
Der Veranstaltungsort in der Buchhandlung Thalia in Mannheim war vollbesetzt mit Besuchern aus den verschiedensten Altersgruppen. Dass vorrangig weibliche Fans der Autorin anwesend waren, überrascht eigentlich nicht angesichts des Themas und Inhalts von Marian Keyes Büchern.
Eine Buchhandlung mit ihrem unerreichten Flair ist stets das passende Umfeld einer Lesung. Hier, zwischen Hunderten von neuen Büchern, mit ihrem eigenen Duft frisch gedruckter Seiten fühlt man sich geradezu wie zu Hause.
Aber auch die Buchhandlung Thalia hat sich sehr viel Mühe gegeben, den Besuchern ein angenehmes Umfeld zu präsentieren, nebst einem Gläschen Sekt und einer hübschen gelben Rose. So machte das Zuhören richtig Spaß.
Eine spezielle Note bekam die Veranstaltung durch die vorneweg geschickte Information, dass die Autorin Marina Keyes am heutige Tage ihren 45. Geburtstag feiere. Und so ließ es sich das Publikum nicht nehmen, Marian Keyes ein Geburtstagsständchen zu bringen, was die Autorin ehrlich anrührte.
Marian Keyes ist eine quirlig lebendige Frau, die sofort Sympathie und Bewunderung erweckt. Sie hat eine offene Art, ist für mein Dafürhalten, eine begnadete Erzählerin und hat ein komödiantisches Talent. Das kommt besonders zum Vorschein, wenn sie über ihre geliebte Familie erzählt und beschreibt, wie ihr stolzer Vater stets die Bücher in einer x-beliebigen Buchhandlung neu sortiert und damit ihre Bücher geschickt in den Vordergrund rückt. Oder wie ihre Mutter sich gerne als Lektorin betätigt und ihre Manuskripte von möglichen anzüglichen, vorrangigen Sex Szenen, editiert.
Meine ganze persönliche Bewunderung hat sie vor allem wenn man ihren Lebenslauf betrachtet, der zunächst durch eine typische Alkoholikerkarriere gezeichnet ist. 1994 ist die Autorin in den Entzug gegangen und seitdem Trocken. Sie sagt von sich, dass sie nun endlich ihren Seelenfrieden gefunden hat und ihre Freude an den kleinen und großen Dingen des Lebens entdeckt hat.
Und diese Freude am Leben und das vielseitige Interesse an allen Dingen vermittelt Marian Keyes auch ihren Zuhörern nach ihrem Motto: Mit Humor geht alles besser!
Auf die Frage was sie in der Zeit mache, die sie nicht am Schreiben sei, erklärte sie augenzwinkernd, dass sie wohl die meiste Zeit beim Zahnarzt verbringe und man diese Besuche dort, mittlerweile getrost zu ihren Hobbies zählen könnte.
Mit ihrem Debütroman „Wassermelone“ kam dann auch gleich der internationale Erfolg. Woher der Wunsch gekommen ist, schreiben zu wollen, ist ihr selber nicht ganz klar. Er wäre einfach eines Tages über sie gekommen.
Marian Keyes räumt ein das ihr das Schreiben geholfen habe, Trocken zu bleiben, aber keineswegs der Grund dafür sei. Es habe ihr vielmehr Möglichkeiten und Wege eröffnet von denen sie niemals gedacht hätte, dass es sie gebe.
Weitere Veröffentlichungen folgten und steigerten die Beliebtheit der Autorin bei ihren Fans. Der aktuelle Roman, der auf der Lesung vorgestellt wird ist „Märchenprinz“. Die Geschichte um 4 Frauen, Lola, Grace, Marnie und Alicia, deren Leben alle irgendwo, mit demselben Mann, Paddy de Courcy, verknüpft sind.
„Märchenprinz“ ist der bisher längste Roman der Autorin. Dazu hat sie, nach eigenen Aussagen 2 Jahre gebraucht, so lange wie für kein anderes Buch vorher. Auch ist das Buch ein wenig dunkler und ernsthafter als die vorangegangenen Geschichten. Marian Keyes greift in „Märchenprinz“ das Thema „häusliche Gewalt“, auf. Sie selbst sieht sich nicht als Ratgeberin oder gar als anklagende Stimme, aber sie wurde sich freuen, wenn das Thema durch ihr Buch ein wenig mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückt und mehr diskutiert wird.
Und so möchte sie, dass das Herz der Geschichte, wie sie sich ausdrückt, ernst sein soll, aber eben auf leichte und humorvolle Art präsentiert wird. Dass darin kein Widerspruch liegt und ganz wunderbar harmonisiert, sieht man aber vor allem dann, wenn man die Autorin kennengelernt hat. Man kann nicht anders als Marian Keyes als „authentisch“ zu beschrieben, den sie ist, was sie schreibt.
In „Märchenprinz“ ist es die Figur der Marnie, die Marian Keyes am nächsten kommt und durchaus biographische Züge hat. Eigentlich sollte man meinen, dass es besonders schwer ist über die eigenen negativen Erfahrungen zu schreiben, doch das bestreitet die Autorin. Denn so sagt sie, gerade weil sie es selbst erlebt hat, ist ihr das Schreiben über Marnie besonders leicht gefallen und dieser Teil schrieb sich praktisch von selbst, obwohl Marian Keyes während ihrer Zeit als Alkoholikerin weder Kinder noch einen festen Partner hatte, im Gegensatz zu der Figur der Marnie.
Der Journalist Günter Keil hat charmant und sehr gekonnt durch die Vorlesung geführt. Vorgetragen wurde ein Teil auf Englisch, gelesen von Marian Keyes, und auf Deutsch, gelesen von der Schauspielerin Katherina Spiering, die vor allem für ihre Theaterengagements, aber auch Hörspielproduktionen bekannt ist und in einer Reihe Kino- und Fernsehfilme mitgewirkt hat.
Katherina Spiering hat ein besonderes Talent zu lesen, sie trägt gekonnt, mitreißend und unterhaltsam vor. Durch ihre schauspielerische Ausbildung untermalt, werden die Figuren beim Lesen lebendig.
Der Wunsch nach einer Hörbuchproduktion der Bücher von Marian Keyes mit Katherina Spiering drängt sich so förmlich auf.
Aufgrund ihrer besonderen Kenntnisse des Textes ist es natürlich allemal ein Genuss, wenn die Autorin selber aus ihrem Buch vorliest.
Obwohl Marian Keyes ein sehr sorgfältig ausgesprochenes Englisch spricht, fiel es mit doch ein wenig schwerer ihrem Vortrag zu lauschen. Was ihn, das möchte ich hier betonen, nicht weniger amüsant machte, sondern mich eher daran erinnert, das mein Englisch nicht so besonders gut ist. ;-)
Die Möglichkeit im Anschluss an die Lesung noch Bücher signieren zu lassen wurde lebhaft und von fast allen Besuchern wahrgenommen. So habe auch ich mich in die Schlange der Fans eingereiht um ein Buch signieren zu lassen.
Es war ein vergnüglicher Abend, den ich nicht hätte missen wollen und ich hoffe und wünsche mir, dass sich bald wieder einmal eine Gelegenheit für die Teilnahme an einer Lesung bietet.
Eure Anke
Quellennachweis
Photos: © Frank Gauert