Eine Reise durch die Normandie

(Text: NG)

Doch wo liegt die Normandie nun genau?

Die Normandie ist eine Region im Norden Frankreichs. Sie ist aufgeteilt in die Haute-Normandie, mit den Départements Seine-Maritime und die Basse-Normandie mit den Départements Orne, Calvados und Manche.

Neben vielen sehenswerten Orten gehört der Klosterberg Mont-Saint-Michel zu den besonderen touristischen Attraktionen. In der Regel ist der Norden von Frankreich im Sommer nicht so überlaufen, wie der Süden, aber dennoch sollte man, vor allem am Mont-Saint-Michel mit Menschenmassen rechnen.

Die größten Städte der Normandie sind Rouen, Le Havre, Caen und Cherbourg. Heute ist Caen Hauptstadt von Basse-Normandie und Rouen von Haute-Normandie. Früher war Rouen alleiniger Hauptsitz der Provinz Normandie.

Wie kam die Normandie zu ihrem Namen?

Die Normandie erhielt ihren Namen von den Normannen. Bei den Normannen handelte es sich um ein Völkergemisch das hauptsächlich aus (zumeist dänischen) Nordgermanen und romantisierten (Romanisierung = eine sprachliche und kulturelle Anpassung unter Aufgabe oder Umgestaltung eigener Kulturformen) gallischen Bewohnern bestand.

Nachdem die Nordmänner im Jahr 911, unter Herzog Rollo (Gånge Rolf), in Nordfrankreich einfielen, wurde der Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte beschlossen, in welchem sie das untere Seine-Becken von Karl III. von Frankreich als Lehen empfingen. Die Nordmänner brachen den Friedensvertrag und Rollo und sein Nachfolger Wilhelm Langschwert eroberten weitere angrenzende Gebiete. Ganz allmählich verdrängte so die kriegerische normannische Oberschicht den fränkischen Adel. In der Folge nahmen die Normannen die französische Sprache an und entwickelten eine eigenständige kulturelle Identität.

Herzog Rollo (Gånge Rolf)

In Frankreich war der letzte große Übergriff der Nordmannen im Jahre 911, angeführt von einen Nordmann, höchstwahrscheinlich ein Däne, der den fränkisch lateinischen Namen „Rollo“ (* 860 (?); † 931 oder 932) trug. Er schloss mit Karl dem Einfältigen einen Vertrag (Vertrag von Saint- Clair sur Epte) ließ sich taufen und bekam dafür ein Gebiet am Unterlauf der Seine als Lehen. Außerdem nahm er Poppa von Bayeux zur Frau, mit der er eine Tochter (Adele, Herzogin von Poitou) und einen Sohn (Willhelm I.) hatte.

Rollos Sohn, Wilhelm I., genannt Langschwert war Graf von Rouen und Jarl der Normannen. Sein Sohn Richard I. genannt Ohnefurcht, wurde dann der erste Herzog der Normandie und zu seinen späteren Nachfahren gehören auch der spätere König von England, Willhelm der Eroberer, ein illegitimer Sohn von Robert I. der Normandie, der 1066 bei der Schlacht von Hastings seinen Anspruch auf die englische Krone erfolgreich untermauerte. Rollos Nachfahre Wilhelm, Herzog der Normandie, gelang 1066 die Eroberung Englands, was ihm den Beinamen „der Eroberer“ einbrachte. Er ließ sich dort zum König krönen. Die Normandie war bis 1087, von 1106 bis 1144 und von 1154 bis 1204 ein Teil Englands. Während des Hundertjährigen Krieges (1337–1453) war sie von 1346 bis 1360 und nochmal von 1415 bis 1450 von englischen Truppen besetzt.

1204 eroberte Frankreich den kontinentalen Teil der Normandie zurück. Die normannischen Inseln blieben bis heute unter der Herrschaft der Könige von England, die in dieser Funktion auch weiterhin den Titel Herzog der Normandie tragen. Unter den Valois wurde der Festlandteil des Herzogtums Normandie mehrmals dem Thronerben oder einem der Söhne des Königs zugesprochen.

Die ersten Herzöge der Normandie

911–927: Rollo, Graf von Rouen, Jarl der Normannen

927–942: Wilhelm I. Langschwert (Guillaume Longue Épée), Sohn von Rollo und Graf von Rouen, Jarl der Normannen.

Die Herrschaft der Anjou-Plantagenet mit dem Titel Herzog der Normandie

1144–1150: Gottfried Plantagenet, Graf von Anjou und Maine, Herzog der
Normandie, Sohn von Fulko V. und Schwiegersohn von Heinrich I.

1150–1153: Heinrich II., Graf von Anjou und Maine, König von England

1153–1156: Wilhelm († 1156), Sohn Heinrichs II.

1156–1189: Heinrich II., zweites Mal

1168–1183: Heinrich III., Sohn Heinrichs II.

1189–1199: Richard I. Löwenherz (Lionheart, Cœur-de-Lion), König von England,
Graf von Anjou und Maine, Herzog von Aquitanien.

1199–1204: Johann (John Lackland, Jean Sans Terre), König von England

Nicole Reisebericht

Nachdem wir im Jahre 2001 nach einer mehrstündigen Autofahrt mit unserem alten, aber damals noch rüstigen VW Golf endlich unseren Urlaubsort Deauxville erreicht hatten, freuten wir uns nur noch auf unsere Ferienwohnung, ein leckeres Essen und Ruhe. Unsere beiden verwöhnten Kater Charlie & Kimba, die uns einige Stunden lang mit ihrem entrüsteten Miau bei jedem überfahrenen Schlagloch in den Ohren gelegen hatten, sprangen nun voller Eifer aus ihren Transportkisten, inspizierten neugierig die Räume, um sich dann zunächst einmal über den Inhalt ihres Fressnapfes herzumachen und sich danach genüsslich auf dem Bett niederzulassen, das eigentlich noch zuvor gemacht werden sollte. Wer selbst Katzen hat, wird wissen, dass es fast unmöglich ist, die kleinen Teppichmonster wieder von ihrem einmal ausgewählten Platz zu vertreiben und so hatten wir dann auch unsere liebe Mühe die beiden davon zu überzeugen, dass die Couch eigentlich bequemer als das Bett sei. ;-)

Deauxville

Nachdem wir erst einmal ausgeschlafen und ausgiebig gefrühstückt hatten (natürlich Baguette und Croissants mit Marmelade; in Frankreich schmeckt es einfach besser *schmunzel*) machten wir uns zuerst auf in den Ort um ein paar Sachen einzukaufen und die Sehenswürdigkeiten von Deauxville zu betrachten. Ansehen sollte man sich auf jeden Fall das weiße, sehr exclusiv aussehende Casino und das Hotel Normandy ansehen, sehr schön von außen, aber auch leider sehr teuer.

Honfleur

Was uns auffiel war, dass in vielen Orten die in der Normandie liegen wunderschöne, alte Fachwerkhäuser in kleinen gemütlichen Gassen stehen, wobei die Art des Fachwerks sich sehr von unserer Bauart sehr unterscheidet.

Honfleur ist ein kleines, verschlafenes Dörfchen mit einem kleinen Hafen, das uns in sehr guter Erinnerung geblieben ist. Überall findet man Maler mit ihren Staffeleien, die das Treiben am Hafen bildlich festhalten möchten.
Nebenbei, es gab dort auch eine kleine Patisserie, die sehr leckere Erdbeertörtchen verkauft hat. ;-)
Aber der Ort hat auch eine ganz tolle Kirche zu bieten! Die Kirche Sainte- Catherine ist bis auf die Grundmauern völlig aus Holz gebaut. Sie entstand ca. im 15/16.Jahrhundert und ist die größte Holzkirche in ganz Frankreich mit einem separaten Glockenturm, die auch ein echtes Wunder zu bieten hat. Im Jahre 1944, als die Normandie befreit wurde, drang eine Granate durch die Apsis des linken Chores, schlug dann auf die Pflaster ein, ohne jedoch zu explodieren.

Etretat & Falaise

Der dritte Reisetag begann ziemlich witzig. Im Gegensatz zu meinem Mann sind meine französischen Sprachkenntnisse zwischen bescheiden und gar nicht vorhanden. ;-) Als wir durch den Nachbarort Trouville fuhren, fiel mir auf, dass es genau wie auch zuvor in Deauxville und Honfleur dort ein Hotel de Ville gab. Ich vermutete dahinter schnell eine Hotelkette, fand aber dann ziemlich kleinlaut heraus, dass Hotel de Ville die französische Bezeichnung für das Rathaus ist. ;-)
Nun ja, wir machten uns anschließend auf nach Etretat, ein Ort der an der Küste liegt ungefähr in Richtung Calais und der berühmt ist für seine tollen Felsen, die man auch hochkraxeln kann, wenn man mag. Für weniger Wagemutige gibt es auch befestigte Wege.

Weiter ging es danach nach Falaise. Falaise ist die Geburtsstadt von Wilhelm dem Eroberer, dem ersten Normannenkönig von England, oder wie er in Frankreich heißt Guillaume le Conquérant. Die Burg Falaise, die auf einem Felsen gebaut wurde, stammt aus dem 10. Jahrhundert und war bis 1066 der Sitz der Herzöge der Normandie. Der Ort selbst ist relativ überschaubar, die Burg von außen sehr interessant anzusehen. Man kann sie auch von Innen besichtigen, doch eigentlich lohnt es sich nicht wirklich, da jegliches, altes Inventar nicht mehr vorhanden ist.

Château de Robert le Diable bei Moulineaux

Auf der Strecke nach Rouen sahen wir von der Straße aus eine ziemlich ramponierte, aber imposant aussehende Burgruine und wir beschlossen, sie einmal aus der Nähe anzuschauen.
So weit ich weiß kann man sie heute nicht mehr besichtigen, im Jahre 2001 war es aber noch möglich.

Gebaut wurde sie im 11-12 Jahrhundert, angeblich durch Robert den Prächtigen († 1035), auch Robert der Teufel genannt, dem Vater von Wilhelm dem Eroberer. Selbst Richard Löwenherz soll sich eine zeitlang dort aufgehalten haben und in die Bautätigkeiten auch selbst involviert gewesen sein. Im Jahre 1203 flüchtete sich sein Bruder Johann Ohneland (John- Nachfolger auf dem englischen Thron nach dem Tode Löwenherz), nach dem Verschwinden des eigentlichen Thronfolgers Arthur von der Bretagne auf die Burg, wo er jedoch nicht lange blieb, da er dort der massiven Bedrohung des französischen Königs Philipp II. August ausgesetzt war, der ihn verdächtigte, etwas mit dem Verschwinden (der Ermordung ? ) Arthurs zu tun zu haben. John ging dann zurück nach England. In den Jahren 1430-1431 hielt sich nochmals eine berühmte Persönlichkeit der Geschichte auf, allerdings unfreiwillig, denn Johanna von Orleans wurde dort gefangen gehalten.

Wenn man sich erst einmal über die wackelige Zugbrücke aus Holz gewagt hat, gelangt man ins Innere des Burghofs und damals konnte man darin ein originalgetreu nachgebautes Wikingerschiff besichtigen. Allerdings fiel es, wie auch andere Ausstellungsstücke mit der Zeit blinder Zerstörungswut zum Opfer. Interessant fand ich den Turm, in dem verschiedene Szenen des Burgalltags der Adligen mit Wachsfiguren nachgestellt wurden und natürlich das dunkle Verlies. Allerdings umgab diese Burg wie ich fand eine etwas gruselige Atmosphäre, was wohl auch an den vielen blutrünstigen Geschichten liegt, die sich um die Burg ranken.. ;-)

Rouen

Nach der Besichtung der Burg fuhren wir dann weiter nach Rouen. Victor Hugo hat die Stadt einmal als Stadt der hundert Kirchtürme bezeichnet. Zahlreiche Bauwerke wurden durch die Bombardements während des zweiten Weltkriegs zerstört, vor allem im Bereich zwischen Kathedrale und Seine. Dennoch sind heute noch an die 2000 Fachwerkhäuser erhalten und verleihen der Stadt das besondere Flair.
Neben der berühmten Kathedrale von Rouen, in der das Herz von Richard Löwenherz bestattet wurde und wo man den Sarkophag besichtigen kann, gibt es auch viele andere geschichtsträchtige Plätze in der Stadt.
Zum Beispiel wurde Johanna von Orleans am 30.Mai 1431 in Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Der Platz, an dem sich die Hinrichtung zugetragen hat, existiert noch heute, allerdings reihen sich nun an der Stelle zahlreiche Postkartenshops und weitere Touristenfallen.

Chateau Fontaine-Henry

Am nächsten Tag beschlossen wir uns nach den vielen alten Bauwerken auch einmal etwas geschichtsträchtiges jüngeren Datums anzusehen und so fuhren wir zum Chateau Fontaine Henry.

Wer sich einmal in der Nähe befindet, sollte dort auf jeden Fall eine Führung mitmachen. Das Haus ist mit wertvollen Möbeln und Gemälden aus verschiedenen Epochen bestückt. Daneben kann man auch kostbares Porzellan u.a. Dinge bestaunen. Interessant fand ich, dass bei Umbauten ein alter Kamin zu Tage kam, der das Wappen des damals mächtigen Adelgeschlechtes d´Harcourt trug.
Zum Schloss gehört auch eine wunderschöne kleine Kapelle, die man sich ebenfalls unbedingt ansehen sollte.
Es existiert zum Schloss eine Webseite mit vielen Bildern, die besser geworden sind als unsere, daher benutzt Ihr besser diesen Link um Euch das Schloss einmal näher anzusehen. ;-) Homepage Chateau de Fontaine-Henry

Wie Ihr sehen konntet, für Geschichtsfans hat die Normandie und natürlich auch Frankreich allgemein sehr viel zu bieten. In den 14 Tagen die wir damals dort waren konnten wir gar nicht alles besichtigen, leider. Die Liste ist lang an Dingen die wir gerne noch mitgenommen hätten. Zum Beispiel den Teppich von Bayeux, das Chateau Galliard (Richard Löwenherz Burg, jetzt leider nur noch eine Ruine), das Kloster Fontevrault wo die Eltern Henri II und Eleonore von Aquitanien begraben sind und Richard Löwenherz Körper beigesetzt wurde, Mont Saint Michel oder auch Schloss Anet, das der berühmten Mätresse von König Heinrichs II. von Frankreich (1519–1559) Diane de Poitiers gehört hat. Man sollte also wenn möglich viel Zeit mitbringen!
Wer mit Geschichte nicht viel am Hut hat, dürfte ebenfalls auf seine Kosten kommen. Orte wie Etretat am Meer sind wunderschön und laden zu ausgedehnten Wanderungen ein.

Eure Nicole

Quellennachweis

Information Quellen:
wikipedia.de

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