Sparrenburgfest

Nicole unterwegs.... auf dem Sparrenburgfest in Bielefeld

S
obald die Temperaturen wieder etwas steigen und die Sonne scheint, wird man gleich etwas unternehmungslustiger. Da wir, bedingt dadurch, dass wir einen kranken Kater haben, nicht in Urlaub fahren können, planen wir öfters Tagestouren.
Da mein Mann und ich schöne sehenswerte Altstädte schätzen, oder auch ein Faible für alte Burgen und pompöse Schlösser haben, denn nichts ist für uns interessanter als alte, geschichtsträchtige Gemäuer, beschlossen wir eines Sonntags, nach einem prüfenden Blick aus dem Fenster, zum alljährlichen Sparrenburgfest nach Bielefeld zu fahren.
Dieses Burgfest hat Tradition und findet schon seit 1979, (regelmäßig erst seit 1981) statt. Anlass war damals, dass die Burg genau 100 Jahre im Besitz der Stadt Bielefeld war, nachdem diese sie dem Staat zuvor abgekauft hatte.
Das Sparrenburgfest findet jedes Jahr Ende Juli an drei aufeinanderfolgenden Tagen (also Freitags, Samstags & Sonntags) statt und zieht eine große Vielzahl an Besuchern an.

Photo: Blick von oben auf das festliche Treiben

Wir machten uns also mit eingeschalteter Klimaanlage im Auto versteht sich, denn es waren fast 30 Grad draußen ;-) , auf den Weg.
Nach ca. einer Stunde Fahrt kamen wir im Ortskern an. Allerdings hatten wir zunächst arge Probleme, einen Parkplatz zu finden, da überall ganze Straßenzüge abgesperrt waren.
Ich fasste mir also, nach einem kurzen Disput mit meinem Mann, (er hasst es einfach, wenn ich gleich nach dem Weg frage; er sucht da lieber stundenlang selbst nach dem Weg, so dass er sagen kann „Seh her, ich habe es auch so gefunden, was habe ich einen tollen Orientierungssinn“ ;-) ) ein Herz und fragte einen vorbeigehenden Fußgänger nach einem geeigneten Parkplatz in der Nähe der Burg. Dieser Herr schien jedoch schon einige Mets intus gehabt zu haben. Allerdings war er sehr freundlich. ;-)
Er wies auf eine Straße die natürlich nach oben führte und erklärte uns, wir müssten nur ein Stück hinauffahren und dann einen Parkplatz suchen. Die Burg wäre nur über einen Fußweg der für Autofahrer gesperrt ist, zu erreichen. Nein, es wäre nicht weit, nur ca. 2 km. Fußmarsch!!!
Nebenbei, diese Bemerkung trug dazu bei, dass mein Mann bei der Vorstellung bei 30 Grad eine ziemlich hügelige und lange Strecke hinaufzulaufen (er bekommt zudem auch noch schnell einen Sonnenbrand, genau wie ich) entsetzt die Augenbrauen hochzog.
Nachdem ich aber nach wie vor fest entschlossen war, diese Strecke zu Fuß bewältigen zu wollen, gab er zähneknirschend nach und siehe da, wir fanden auch direkt einen Parkplatz.

Allerdings entpuppte sich der Fußweg als viel kürzer- der Mann den wir nach dem Weg gefragt hatten, hatte wohl die Schlangenlinien die seinen Weg leicht weiträumiger gestalteten, als bei uns, mit eingerechnet. ;-)

Als erstes erblickten wir den weißen Turm der Burg, bevor wir uns an den Kassenhäuschen anstellten.
Der Turm wirkt ziemlich imposant und von oben hat man eine tolle Aussicht und Rundblick auf die Stadt Bielefeld.
Die Burg selbst steht auf dem Sparrenberg. Für die begeisterten Wanderer unter Euch sei kurz erwähnt, dass die Festungsanlage direkt an einem Höhenwanderweg, dem 156 km langen Hermannsweg, liegt.
Die Burg selbst wurde Mitte des 13. Jahrhunderts vom Grafen von Ravensberg erbaut. Bis zum 16. Jahrhundert diente sie als Wohnsitz der Landesherren und sicherte nebenbei der Stadt den Handelsweg im Bielefelder Pass. Im 16. Jahrhundert folgte dann auch noch der Ausbau zur Festungsanlage. Den dreißigjährigen Krieg überstand die mächtige Festung, doch leider nagte ab Mitte des 18.Jahrhunderts langsam der Zahn der Zeit an der Burg und sie verfiel zusehens.
Im 19. Jahrhundert begann dann der Wiederaufbau, bis die Stadt Bielefeld die Burg dann im Jahre 1879 dem Staat abkaufte.

Photo: Händer boten stilecht ihre Waren dar

Nachdem wir also dann schnaufend aber glücklich unser Ziel erreicht hatten und die Eintrittskarten in Händen hielten, liefen wir über die Zugbrücke und gelangten so dann zum Festgelände.
Und es gab allerhand zu sehen. Neben unzähligen Handwerksständen, die Schmuck, Wachssiegel und allerlei Tonschüsseln und andere Dinge feilboten, ist mir da nebenbei in Erinnerung geblieben, dass es an einem Stand für die Kinder kleine Flöten gab, die , wenn man hineinblies, Vogelgezwitscher ertönen ließen. Da fast jedes Kind, das uns entgegen kam, solch eine Flöte hatte, könnt Ihr Euch sicher vorstellen, in wie viele genervte Elterngesichter wir bei unserem Rundgang über das Festgelände blickten. ;-)

Photo: Zukunftsvisionen direkt aus dem Mittelalter

Da wir beim Aufstieg zur Burg ja doch die ein oder andere Kalorie verbraucht hatten, nahmen wir das zum Anlass, uns erst einmal ordentlich zu stärken.
Und ich muss ehrlich sagen, bei so vielen verschiedenen und leckeren Gerichten, passend natürlich zum Mittelalter wie Fladenbrot, Spanferkel oder andere Speisen, fiel uns die Wahl sehr schwer.
Zudem waren die Stände auch sehr liebevoll gestaltet. Wie zum Beispiel ein Stand der leckeres Zuckerwerk, Waffeln, orientalische Süßspeisen und Mokka anbot. Ringsherum waren bunte Teppiche und Sitzkissen auf dem Boden ausgebreitet, auf die sich die Besucher niederlassen konnten.

Photo: Fabula - Spielen "Musik aus den 4 Winden" - Melodien aus dem Mittelalter sowie traditionelle Stücke (Herkunft z.B. Schottland, Bretagne, Skandinavien, Spanien...) und Eigenkompositionen.

Ein absolutes Highlight jedoch war für mich das Programm, denn im Gegensatz zu anderen Mittelalterfesten gibt es beim dreitägigen Sparrenburgfest nicht nur Marktstände zu sehen, sondern es treten auf der Hauptbühne auch die verschiedensten Künstler auf, die mit ihren originalgetreuen Kostümen und ihren Darbietungen das Mittelalter zum Leben erwecken.
In besonders guter Erinnerung ist mir da die musikalische Darbietung der Band „Fabula“ geblieben. Junge gutaussehende und gutgebaute Männer, die nur mit einem knappen Lederrock bekleidet, super mitreißende Dudelsackmusik zum Besten gaben.
Außerdem traten Gaukler, Jongleure, Narren und Tanzgruppen auf. Selbst für die kleineren Kinder gab es einiges zu sehen, denn neben der Hauptbühne war ein paar Meter weiter auch eine Puppenbühne aufgebaut.

Photo: Ein brandgefährlicher Jongleur

Im Burghof gab es zudem noch ein Restaurant und dort konnten sich auch die Besucher stärken, die vielleicht eher Appetit auf modernere Speisen hatten.
Interessant fand ich auch die Stände der Handwerker. Zum Beispiel den Stand des Schmieds oder den des Glasers. In unserer modernen Zeit macht man sich kaum noch Gedanken darum, wie mühselig und mit wie viel harter Arbeit es verbunden war, kleine Kunstwerke in früheren Zeiten zu erschaffen.
Zudem waren die Handwerker auch den Kindern gegenüber sehr aufgeschlossen und beantworteten bereitwillig deren neugierige Fragen.

Photo: Der Schmied und ein zukünftiger Lehrling ;-)

Nach drei Stunden verabschiedeten wir uns dann gestärkt und gut unterhalten von der Burg, jedoch mit dem festen Vorsatz irgendwann nochmals zurückzukehren. Vielleicht sogar beim nächsten Sparrenburgfest. ;-)
Ich kann den Lesern unter Euch, die in NRW oder in der Nähe von Bielefeld leben, nur empfehlen, dieses mittelalterliche Fest einmal im Sommer zu besuchen, wenn Ihr Zeit habt.
Es mag zwar bei schönem Wetter sehr voll sein, jedoch ist es trotzdem über alle Maßen sehenswert!

Eure Nicole

Homepage Sparrenburgfest

Quellennachweis

Photos: © Frank Gauert

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