Tarot - Wahrsagen mit Karten
Schon immer hat mich die Wahrsagerei in seinen Variationen gefesselt, so auch das Tarot. Ich habe Unmengen an faszinierenden Büchern zum Thema gelesen, mir selbst ein Rider-Waite-Tarot zugelegt und versucht Decks zu legen und zu deuten.
Doch so richtig hatte ich nie das Gespür für die Karten und ihre Deutung. Denn meiner Meinung nach geht das Legen des Tarots weit über das reine Wissen um Bedeutungen und Stellungszusammenhängen hinaus. So sind unter anderem Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen und die Kunst ein aufmerksamer Zuhörer zu sein existenziell für einen guten Kartenleger.
Ein wenig Geschichte
Spielkarten wurden für das 12. Jahrhundert in Korea und China nachgewiesen. Wie diese nach Europa gelangten ist jedoch nicht klar. Es wird vermutet, dass die Spielkarten über den Orient von Arabern, Ägyptern und fahrendem Volk importiert wurden.
Für das 14. Jahrhundert wurden verschiedene Quellen, meist im Zusammenhang von Spielverboten, zusammengetragen, die jedoch entweder wiederlegt oder nicht von zeitlich vergleichbaren Dokumenten gestützt werden konnten. Das älteste erhaltene europäische Spiel (datiert auf 1427-1431) stammt aus Stuttgart und zeigt Jagdszenen der Hofgesellschaft. Solche handgemalten Karten waren jedoch reiner Luxus und dem Adel vorbehalten.
Für eine breitere Masse wurden Spielkarten erst mit der Verbreitung der Holzschnitttechnik zwischen 1400 und 1550 erschwinglich.
Die Kartenspielfamilie, aus der später die Tarotkarten zur Deutung entstanden, heißt Tarock. Im deutschen Sprachgebrauch trennt man Tarock (Spielkarten) und Tarot (Wahrsagekarten), in anderen Sprachen werden die Karten für beide Zwecke Tarot genannt.
Tarockkarten wurden erstmals in Italien um 1430-1440 zum reinen Spielen nachgewiesen. Erst Ende des 18. Jahrhunderts erhielten die Tarotkarten zunehmend symbolische Inhalte.
Das Tarock unterscheidet sich in folgenden Merkmalen von anderen Kartenspielfamilien:
20 - 22 Trumpfkarten, nummeriert mit römischen oder arabischen Ziffern. 18 - 56 Karten in vier verschiedenen Farben (französisches oder italienisches Deck). Und in manchen Spielen 1-2 Sonderkarten, für die besondere Regeln gelten.
In allen Tarock Spielen wird um Stiche gespielt, wobei jedoch primär der Wert der gewonnenen Karten den Ausschlag gibt, nicht die Anzahl der Stiche.
Die Tarotkarten
Es gibt eine riesige Auswahl an Tarotkarten Decks aus denen man nach seinem Geschmack ein Spiel wählen kann. Wie bereits erwähnt hatte ich mich für das Rider-Waite-Deck entschieden.
Gemeinsam mit der Künstlerin Pamela Colman Smith (1878 - 1951) entwarf der Okkultist und Mystiker Arthur Edward Waite (1857 - 1942) im Jahr 1909 das Rider-Waite-Deck. Dieses populäre Deck schmückt nun nicht mehr nur Zahlen, sondern ist, angelehnt an das Sola-Busca-Spiel, szenisch illustriert; was die Deutung nachvollziehbarer macht.
Ein Tarotspiel setzt sich aus der großen Arkana (22 Karten, auch Trumpfkarten genannt) und der kleine Arkana (56 Karten) zusammen.
Die Trumpfkarten (Große Arkana) bestehen aus folgenden Karten:
(Aus der wikipedia.de:)
O - Der Narr
Unbeschwertheit, Sorglosigkeit, Leichtigkeit, Leichtsinnigkeit, Lebendigkeit, Lebenslust, Unbefangenheit
I - Der Magier
Meisterung und gute Handhabung aller Energien, Verbindung zwischen Ideenwelt und Realität, Ausgewogenheit, Klarheit, Ideen und schöpferische Kraft
II - Die Hohepriesterin
Intuition, beide Seiten einer Situation sehen oder sich ansehen müssen, Klärung der Situation und deren Vergangenheit, auch Klugheit und Umsicht
III - Die Herrscherin
Innere Kraft und Stärke, Selbstvertrauen und Verantwortungsbewusstsein, innerer Reichtum, Fruchtbarkeit, Durchsetzungskraft
IV - Der Herrscher
Äußere Kraft und Stärke, Selbstbeherrschung und -kontrolle, Wille, Stabilität
V - Der Hierophant
Religiosität, Güte, Gnade, Beistand höherer Macht, erfahrener Rat, Lehre
VI - Die Liebenden
Innige Verbindung, Liebe im höchsten Ausmaß, eine harmonische Liebesbeziehung, starke Verbundenheit, Leidenschaft, Anziehungskraft, Reiz.
VII - Der Wagen
Erfolg trotz derzeitiger Stagnation, Suche nach dem rechten Weg, Ausruhen nach dem Erfolg, Entscheidungsnotwendigkeit, Triumph, errungener Sieg
VIII - Die Gerechtigkeit
Fairness, Verantwortlichkeit, Regelung von öffentlichen Angelegenheiten, Gerechtigkeit, Richterspruch (auch im eigenen Inneren)
IX - Der Eremit
Die Suche nach dem eigenen Lebensweg, Isolation und Resignation, Distanz, Abgeschiedenheit, Weisheit, Einsamkeit, Reifezeit
X - Das Rad des Schicksals
Das Leben geht immer weiter, Schicksal, größerer Erkenntnisprozess, Wechsel, Auflösung alter Erblasten, einschneidende Veränderungen.
XI - Die Kraft
Große Kraft und Stärke, Mut, Energiereserven, innere geistige Kraft, Selbstvertrauen, gute körperliche Konstitution u.a.
XII - Der Gehängte
Ruhephase, Verzicht, Rückzug aus dem aktiven Leben, Unterwerfung, Verschnaufpause, Überdenken der eigenen Situation, gedankliche Bindung.
XIII - Der Tod
Transformatorischer Prozess, große, tiefgreifende Loslösungsprozess, Verlust, Loslassung von alten Bindungen
XIV - Die Mäßigkeit
Im Fluss sein, guter, gemäßigter Energiehaushalt, Geduld, Gleichklang der Energien, Ausgewogenheit, Abwägen der Prioritäten
XV - Der Teufel
Abhängigkeit, feste Grenzen, das Negative überwiegt, Versuchung, an die Materie geschmiedet
XVI - Der Turm
Drastische Veränderungen, Zusammenbruch des Egos, alte Systeme stürzen ein, Auseinandersetzung, innere Unruhe, Durchleben von stürmischen Zeiten
XVII - Der Stern
Offenheit, Klarheit der Gefühle, Bereitschaft zur Aufnahme von kosmischen Energien, Erfüllung, Hoffnung, eine kleine Erleuchtung
XVIII - Der Mond
Das Erwachen der Gefühle, Grenzen müssen überschritten werden, intuitives Verständnis, kontinuierlicher Wandel, den jetzigen Weg weitergehen
XIX - Die Sonne
Beachtung des inneren Kindes, große Offenheit, Reinheit, Zufriedenheit, Problembereinigung, Selbstbestätigung, Liebe zu sich selbst
XX - Das Gericht
Auferstehung, Neubeginn, das Hören auf innere und äußere Botschaften, Beginn einer neuen Phase, Wiederkehr, das Ende von Leidenszeiten steht bevor
XXI - Die Welt
Entfaltung der Persönlichkeit, Erreichen eines wichtigsten Zieles, starke Selbsterkenntnis, das Gefühl, alles zu haben, was notwendig ist, Erfüllung, innere Freiheit, Entfaltungsmöglichkeiten eröffnen sich, Selbstausdruck
Die kleine Arkana besteht aus vier Reihen: Die Schwerter (Pik), die Kelche (Herz), die Stäbe (Kreuz) und die Münzen (Karo). Jeder der Reihen unterteilen sich in zehn Zahlenkarten (Ass = 1 bis 10) und vier Hofkarten (Bube, Ritter, Königin und König).
Zusammen mit der Zuordnung der Karten zu den vier Elementen
König = Feuer
Königin = Wasser
Ritter = Luft
Page = Erde
(Anmerkung: Es gibt jedoch auch andere Systeme, mit abweichender Zuordnung. Diese ist jedoch die am häufigsten angewandte.)
Zur Deutung dieser Karten werden ihre Eigenschaften, ihre Zuordnung zu den Elementen, ihre numerologische und astrologische Bedeutung herangezogen, sowie die symbolische Bedeutung des verwendeten Kartendecks, sofern vorhanden. (siehe z.B. Rider-Waite-Tarot)
An dieser Stelle die Bedeutung aller 56 Karten der kleinen Arkana aufzuführen würde allerdings den Rahmen sprengen. Als Beispiel habe ich hier nur die Grundbedeutungen der König der Reihen aufgeführt.
Der König der Stäbe = dunkelhaarig, feurig, geschmeidig, lebhaft, leidenschaftlich, vornehm, ehrlich und gewissenhaft.
Liegen die Karten umgekehrt = gut, aber streng, asketisch, aber tolerant.
Der König der Pokale = blond, Geschäftsmann, Jurist, Theologe, verantwortungsbewusst, kreativ
Liegen die Karten umgekehrt = unehrlich, Gaunerei, Erpressung, Ungerechtigkeit
Der König der Schwerter = Macht, Gebot, Gesetz, Autorität
Liegen die Karten umgekehrt = Grausamkeit, Hinterhältigkeit, böse Absichten
Der König der Münzen = Mut, praktische Vernunft, mathematische Begabung, geschäftstüchtig.
Liegen die Karten umgekehrt = Laster Schwäche, Bestechung, Gefahr
Tarotkarten legen
Welches Legesystem man wählt, ob man besondere Rituale beim Mischen der Karten oder andere Arrangements, wie Kerzen, Musik oder Räucherwerk für die Grundstimmung benötigt werden, bleibt dem Kartenleger überlassen. Es ist zwar nicht zwingend vorgeschrieben, aber natürlich kann es durchaus sinnvoll sein, ein Legesystem entsprechender Fragestellung anzuwählen.
Ich stelle euch hier das keltische Kreuz vor.
In der abgebildeten Reihenfolge gelegt steht die Karten für
1. Repräsentiert den Fragesteller und seine Ausgangssituation
2. Unter diesen Einfluss oder vor diesem Hindernis steht der Fragesteller
3. Die Idealvorstellung, das was er will, ihm aber noch nicht gehört
4. Das gehört ihm, damit kann er arbeiten
5. Jüngere Vergangenheit, das liegt hinter ihm.
6. Nähere Zukunft, das liegt vor ihm
7. Der Frager Selbst, seine Haltung
8. Umwelt, Umgebung, Heim
9. Hoffnungen und Ängste
10. Ergebnis, dorthin führt es, die Zukunft
(Anmerkung: Hinsichtlich der Legereihenfolge und Bedeutung der Karten 3-6 bestehen ja nach Lehre Differenzen.)
Warum das Tarot funktioniert
(Erklärung aus der wikipedia.de:)
Die esoterisch-spirituelle Erklärung stützt sich auf Gustav Jungs Begriff der Synchronizität. Ein inneres Ereignis (eine lebhafte, aufrührende Idee, einen Traum, eine Vision oder Emotion) und ein äußeres, physisches Ereignis, welches eine (körperlich) manifestierte Spiegelung des inneren (seelischen) Zustandes bzw. dessen Entsprechung darstellt und synchron daherkommt.
Es besteht nach diesem Erklärungsmodell also eine Parallelität zwischen dem, was in einer Legung dargestellt wird, und Ereignissen im Leben des Fragenden.
Und die psychologische Erklärung: Sie sieht in einer Tarotlegung lediglich einen Spiegel innerer und äußerer Prozesse. Nach dieser Erklärung zeigen die Tarotkarten grundlegende, typische menschliche Erfahrungen, die beim Anblick eine subtile emotionale Reaktion hervorrufen, wenn das abgebildete Thema mit der eigenen Befindlichkeit korrespondiert.
Nicht vergessen sollte man, dass der Glaube Berge versetzt und schon allein ein offenes Gespräch mit einem für die Probleme anderer empfänglichen Menschen Erleuchtung bringen kann.
Aber vielleicht ist auch genau diese Mischung aus esoterisch-spirituellen, psychologischen Erklärungen, Glaube und zum Kartenleger entgegengebrachtes Verständnis das uns ein Tarotdeck eine Antwort auf unsere Frage näher bringt.
Quellennachweis
(Dieser Text wurde von AS zusammengestellt)
Information Quellen:
Wikipedia.de / Tarot
Die Welt des Tarot - Sergius Golowin
Das Tarot - S.R. Kaplan
Bilder Quellen:
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Bild: Das keltisches Kreuz by Alex Regh
Photos: Raider Waite Tarot by Ralph Stieber