Sinnlicher Walzer der Liebe
"Sinnlicher Walzer der Liebe" vom Laien-Autoren-Duo MiKa
“Ihr seht heute wunderschön aus, Lady Brianna. Die Farbe Eueres Kleides passt hervorragend zu Euren Augen.”, schwungvoll drehte Daimon, der Earl of Ravensclaw, Brianna im Walzertakt nach rechts. Ungeachtet dessen, was die guten Manieren verlangten, drückte Daimon die überaus weiblichen Rundungen Briannas an seine breite Brust. Wie geschaffen für ihn, passte sich Lady Brianna an seinen Körper an. Der Himmel möge ihn behüten – doch es erforderte seinen ganzen Willen, nicht hier und sofort über diese sinnliche Frau herzufallen.
“Mylord!”, zischte Lady Brianna Northfield “Hört sofort auf damit. Seht Ihr denn nicht, dass man uns schon beobachtet? Und legt Eure Hände wieder dort hin, wo sie hingehören!” Langsam kroch eine hektische Röte über Briannas Wangen. Vor Zorn! Nur vor Zorn. Mit Sicherheit nicht aus Erregung. Das jedenfalls versuchte sie sich fast panisch einzureden. “Verehrte Dame, auch das Rot Eurer Wangen kleidet Euch. Es macht Euch noch reizvoller für mich.” Ravensclaw führte ihre Hand zum Mund und küsste sie sanft. Wobei er es nicht versäumte seinen Mund etwas länger als nötig auf Briannas Handrücken zu drücken. Spürte sie da etwa seine Zunge?
“Bitte lasst das!”, Brianna entzog ihm ihre Hand. “Euer Benehmen ist unangemessen. Ihr macht uns durch Euer Verhalten zum Gespräch für die nächsten Monate!” “Warum so entrüstet, Mylady? Euer Vater hat mir Eure Hand versprochen. Kein Grund also, Euch noch länger zu zieren!”, versuchte Ravensclaw, mit einem überaus betörenden Lächeln, seine zukünftige Gattin zu beruhigen. “Mein Vater,” setzte Brianna an, “hat mich an Euch verschachtert, mein werter Herr!” Verachtung lag in ihrer Stimme. “Eines sei Euch gesagt. Sollte diese Farce von Ehe wirklich zustande kommen, werde ich Euch das Leben zur Hölle machen!” “Mylady, genau darauf hoffe ich, denn was will ich mit einem Schäfchen, wenn ich eine Wildkatze haben kann!” Amüsiert zog Ravensclaw seine rechte Augenbraue nach oben, was ihm ein noch verruchteres Aussehen gab. Bemüht darum, unbeeindruckt von dieser Äußerung zu wirken, schoss Brianna zurück: “Ihr nehmt Euch ziemlich viel heraus. Eure Dreistigkeit ist weitaus größer, als mir zu Ohren gekommen ist. Ich wäre Euch zutiefst verbunden, wenn Ihr mich zukünftig von Eurer Gegenwart befreien würdet!” Noch bevor Daimon darauf reagieren konnte, wandte sich Brianna brüsk von ihm ab und ließ in auf der Tanzfläche stehen.
Daimon dachte gar nicht daran, sie aus seinen Fängen zu lassen: “So wartet doch” rief er, ungeachtet der Aufmerksamkeit, die ihm diese Ausruf einbrachte, der davoneilenden Dame nach. “Da läuft sie weg, dieser kleine Blaustrumpf, aber ich bekomme Dich noch! Du zarte Blume wirst von mir gepflückt,” ein teuflisches Lächeln begleiteten seine leisen Worte.
Dieser impertinente Kerl! Wie konnte mir Vater das nur antun? Bin ich ihm so gleichgültig geworden, dass er mich an einen Wüstling wie Daimon Ravensclaw verkauft? Was soll ich nur tun? Brianna nahm sich ein Glas Champagner vom Tablett eines vorbeieilenden Lakaien und verließ fluchtartig den Ballsaal um auf der Terrasse ein wenig Ruhe zu finden. Wo war nur wieder ihr Tante? Immer wenn man sie brauchte, war Tante Bernadette nicht zur Stelle. Hoffentlich hatte sie keiner dabei beobachtet, als sie ohne Anstandsdame den Saal verlassen hatte. Der Eklat auf der Tanzfläche war genug für einen Abend. Sie konnte die Matronen schon hören, wie sich sich gehässig darüber die Schnäbel wetzen würden. Noch einen Skandal würde sie wahrlich nicht verkraften. Oh, wäre nur nicht diese vertrackte Situation. Was gäbe Brianna dafür, frei zu sein. Frei um das zu tun, was sie wollte. Doch wegen ihres Vaters musste sie sich nun mit Daimon Ravensclaw vermählen. Sie dankte dem Herrn im Himmel, das er nichts davon wußte, dass sie ihn schon seit Jahren heimlich liebte. Sogar als ihm der Ton fast geschlossen den Rücken gekehrt hatte hielt sie an ihrer Liebe zu diesem sinnlichen Mann fest. Sie wusste nicht woran es lag. An seinen blauen Augen, den schwarzen Haaren, die unanständig und ungebändigt bis zu seinen breiten Schultern reichten? An der Leichtigkeit mit der er sich in der Gesellschaft bewegte, und das obwohl er einen Skandal heraufbeschworen hatte? Vielleicht war es die Summe all dessen, was ihn ausmachte.
Nun war er wieder in London und alles was er in ihr sah, war eine Möglichkeit, auf legale Weise an das Grundstück ihres Vaters zu kommen, das an seines grenzte. Warum sollte er ihr auch überhaupt einen Blick gönnen. Sie war als Blaustrumpf bekannt. Und mit ihren üppigen Formen und diesem schrecklich rotem Haar, entsprach sie so gar nicht dem grazilem, blondem Schönheitsideal, das momentan vorherrschte. Ganz zu schweigen von den Sommersprossen! Wie gut, dass die meisten dieser Quälgeister unter der Kleidung verborgen waren! Liebe. Pah! Brianna war für Daimon nicht mehr wert, als ein Grundstück, durch dass ein reißender Bach floss. Doch sie hatte nicht vor, es ihm leicht zu machen. Nie sollte er erfahren, wie sehr sie ihn liebte, denn Liebe sollte auf Gegenseitigkeit beruhen. Das Daimon Frauen liebte, wusste sie. Die Betonung lag jedoch bei Frauen! Er würde sich kaum mit einer, nämlich mir ihr, zufrieden geben. Allein wenn sie daran dachte, was ihn diesbezüglich für ein Ruf begleitete, wallte der Zorn erneut in ihr auf. Sogar bis aus Spanien, waren die Gerüchte über seinen sexuellen Eskapaden, nach London vorgedrungen.
Unbemerkt hatte sich Daimon auf die Suche nach Brianna gemacht. Als er sie auf der Terrasse so alleine im schwach beleuchteten Dunkel stehen sah fiel ihm auf, dass sie noch immer wütend war. Das Sektglas in ihrer Hand zittert leicht und ihr Blick huscht immer wieder zurück in den Ballsaal. Immer wenn er in Briannas Nähe war, konnte er nicht anders. Er musste sie einfach necken. Wollte diese kühle Fassade, die sie wie einen Panzer um sich gelegt hatte zum Einsturz bringen. Zu schön war dann das Funkeln in ihren ausdrucksvollen Augen, die eine eigene Sprache zu sprechen schienen. Oh nein, Brianna würde ihm nicht entkommen. Entgegen dem, was sie vermutete, hatte Ihr Vater sie nicht leichtfertig an Daimon abgetreten. Die Schulden, die er wegen seiner Spielsucht angehäuft hatte, hatten Briannas Vater bereits bis zum Halse gestanden. Das war der wahre Grund, warum sich Northfield dazu entschlossen hatte, einen Ehemann für seine einzige, widerspenstige Tochter zu suchen. Im Gegenzug würden seine Schulden vom zukünftigen Bräutigam getilgt werden. Daimon war sehr froh darüber, dass er zu diesem Zeitpunkt wieder in London eingetroffen war, um alle anderen Anwärter, die sich mit einer Lady schmücken wollten, aus dem Rennen zu stoßen. Dabei kam es ihm ganz gelegen, dass das Grundstück, mit dem er schon seit langem liebäugelte, Brianna als Mitgift zustand.
Durch das Erscheinen von Briannas Tante wurde er aus seinen Überlegungen gerissen. Von den beiden unbemerkt, warf er einen Handkuss in ihre Richtung und trat den Rückzug an. Was sollte er nur mit ihr machen? Er brauchte das Grundstück um seine Leidenschaft, die Pferdezucht, die er in Spanien erlernt hatte, weiterzuführen, um echte Andalusier zu züchten. Er wäre sehr froh, wenn Brianna ihn wenigstens etwas mögen würde. Er selbst hatte sich bereits in sie verliebt, da war sie ein niedliches kleines Mädchen gewesen, mit herrlich rotem, gelocktem Haar und diesen wunderschönen, braunen Augen. Er hatte sie heimlich dabei beobachtet, wie sie von einem kleinen Mädchen zu einer wunderschönen jungen Frau heranwuchs. Doch da sie von Kindesbeinen an, mit einem anderen verlobt worden war, hielt er sich zurück und kam ihr nie nahe. Er hatte sie stets aus der Ferne bewundert, was gar nicht so einfach war, da Brianna und seine Schwester sich kannten. Die Gefahr war zu groß gewesen, sich von einer Verliebtheit in Liebe zu stürzen. Und jetzt, was sollte er tun um Brianna gefügiger zu machen und vor allem: Wie sollte er es tun? Er würde morgen mit ihren Vater nochmals ein Gespräch führen müssen. Vor Vorfreude, Brianna wieder zu sehen, zog ein Lächeln über seine Gesichtszüge. Daimon schaute nochmal in ihre Richtung und ging seufzend davon. Er musste unbedingt seine aufgestaute Erregung los werden. Entweder er ging in den Club um Karten zu spielen oder zu seiner Noch-Mätresse? Er lachte über sich selber ob dieser Überlegungen und ließ sich – alleine – in sein Stadthaus fahren. Zurück in seinem Salon, nahm sich Daimon einen Scotch und setzte sich vor den Kamin. Seine Gedanken schweiften zurück zu Brianna und der dringlichen Frage, wie er ihre Zuneigung gewinnen könnte. Diese Gedanken verfolgten Daimon bis ins Bett, wo er sich vorstellte, was sie zusammen in eben selbigem anstellen würden.
Während dessen lag Brianna in ihrem Bett und konnte ebenfalls nicht schlafen. Ihre Erinnerungen schweiften zurück zu dem Tag, als Nigel Broderic ihr die Jungfräulichkeit auf so schmerzahfte und eigennützige Weise geraubt hatte, noch bevor sie sich vor dem Altar das Eheversprechen gegeben hatten. Warum war diese Ehe auch schon arrangiert worden, als sie noch keine fünf Jahre zählte! Oh, was war sie doch für ein unschulidger, unwissender Blaustrumpf gewesen. Das Wissen aus Büchern hatte nicht ausgereicht, um das, was dieser Widerling Nigel dann mit ihr gemacht hatte, auch nur ansatzweise zu erklären. Der körperlich Schmerz war vergangen. Doch zurück blieb das Gefühl benutzt und beschmutzt worden zu sein. Was die Situation dann gänzlich zum Eskalieren brachte, war die Tatsache, das sie Nigel vor dem Traualtar stehen ließ. Sie hätte sich nach Nigels Vergehen niemals unter dessen eheliche Knute zwingen lassen. Lieber hat sie sich dem daraus resultierenden Skandal gestellt. Das war nun sieben Jahre her. Kurz vor dieser Katastrophe, hatte Daimon bereits London verlassen. Inzwischen war sie 25, also längst aus dem Backfischalter heraus. Die Leute munkelten schon, dass sie den Rest ihrer Tage als jungfräulicher Blaustrumpf fristen würde. Blaustrumpf ja, jungfräulich, Dank Nigel nicht mehr! Müde geworden von diesen Grübeleien, fiel Brianna schließlich in einen unruhigen Schlaf, in dem ihr ein blauäugiger, schwarzhaariger Mann, die Sinne raubte.
Nach einer äußerst unruhigen Nacht ging Daimon in den Speisesaal und ließ sich von Edward, dem Butler, das Frühstück servieren, “Mylord, möchtet Ihr Tee?” Damien sah ihn an und nickte nur, er war nicht in der Lage zu sprechen. Denn innerlich schwelgte er noch in seinem Traum, in dem er und Brianna unbeschreiblich Sinnliches angestellt hatten. Plötzlich schwang die Tür auf und Daimons Stiefmutter stürmte herein, “Guten Morgen mein Lieber, hast du schon deine Hochzeitspläne überdacht oder willst du wirklich diese impertinente, rothaarige Person ehelichen? Du bist Dir sicherlich bewusst, dass sie vom Ton nur geduldet wird, weil ihre Vater ein hochrangiger Adliger ist? Daimon hörst du mir eigentlich zu? Dein Vater würde sich im Grabe umdrehen! Denke doch bitte auch an mich und Deine Schwester Amalie!” Ravensclaw rollte mit den Augen, er hatte keine Lust sich schon am Morgen mit seiner Stiefmutter auseinanderzusetzen. Außerdem wußte er, dass seine Schwester Brianne sehr gerne mochte und nichts auf das Geschwätz der anderen gab. Schließlich kannten sich die beiden schon von Kindesbeinen an. Der Gedanke an seine zurückhaltende Schwester erinnerte ihn wieder daran, dass sein Vater seine Pflicht versäumt hatte, Amalie einen anständigen Ehemann zu suchen. Nun musst er sich dringend dieser Tatsache annehmen. Doch alleine der Gedanke daran ließ in zaudern. Ihm war bewusst, dass Amalie niemals würde heiraten wollen. Zu schmerzlich war damals der Tod ihres Verlobten gewesen. Zudem haderte sie immer noch mit dem Schicksal, das sie seit diesem Unglück mit einer Narbe im Gesicht leben musste.
Und Amalies Mutter? Sie trieb ihn mit ihrer spitzen Zunge oftmals zur Weißglut. Doch seine Stiefmutter hatte ihm überhaupt nichts zu sagen. Sein Vater hatte seine damalige, wohlgemerkt, adelige Mätresse geheiratet, weil er sie geschwängert hatte, als seine Mutter schon dem Tod ins Auge blickte. Er wollte ihr nichts nachsagen, den sie hatte sich sehr um seinen Vater gekümmerte, dafür war er ihr dankbar. Aber was und wenn er liebte oder heiratete, ging sie nun wirklich nichts an. ”Verehrte Stiefmutter, Diskussionen über Brianna werde ich nicht mit Dir führen. Die Entscheidung, dass ich sie heiraten werde steht fest und nichts und niemand kann mich davon abhalten. Oder hast Du etwa vergessen, was man auch mir nachsagt? Nicht umsonst nennt man mich hinter vorgehaltener Hand `Dämon´!” Nachdenklich zog er die Stirn kraus, als ihn die Erinnerung an die Ereignisse überflutete, die dazu geführt hatten, dass er damals London verlies. Nur gut, dass er sich nicht viel um die Meinung des Ton scherte, der in seit diesem Skandal auch nur widerwillig duldete. Wenigstens eine kleine Gemeinsamkeit, die er sich mit Brianna teilen konnte.
“Mrs. Smith! Mrs. Smith! Wo steckst Du denn schon wieder.” Auf allen Vieren unter dem Esszimmertisch kriechend, schrie Brianna nach ihrer Hündin, einer absolut reizenden Promenadenmischung. Diese kleine diebische Elster hatte sich mit Briannas Slipper von dannen gemacht. Sich absolut unbeobachtet fühlend, bemerkte sie nicht, dass der Earl of Ravensclaw mit der Schulter am Türstock zum Esszimmer lehnte und mit sichtlichem Vergnügen Briannas üppiges Hinterteil musterte, das unter der herunterhängenden Damasttischdecke hervorlugte. “Liebste Brianna, ist es etwa das, was Ihr sucht?”, mit einem spitzbübischen Grinsen im Gesicht, ließ er den Slipper zwischen zwei Fingern hin und her baumeln. Brianna war so perplex, dass sie auf allen Vieren zur Salzsäule erstarrte, nur um kurz darauf, sozusagen in Windeseile unter dem Tisch hervor zu kriechen. “Daimon Ravensclaw, wer sonst! Was bildet ihr Euch eigentlich ein, einfach unangemeldet hier zu erscheinen?” “Oh Wildkätzchen, ich komme gerade von Eurem Vater. Ich habe geklopft aber Ihr wart ja zu beschäftigt Eure Mrs. Smith zu suchen. Was ich da so sah gefiel mir, warum sollte ich mir die Aussicht darauf noch mehr zu sehen, zerstören” Er grinste unverschämt. Sie war so wütend auf ihn, doch irgendetwas wie Verletzlichkeit strahlte sie aus seinen Augen an. Trotzdem regte sich wieder ihre Wut: Denke daran Brianna sagte sie sich, du wurdest an ihn verschachert! Er liebt dich nicht so wie du ihn liebst! “Kann ich euch aufhelfen kleine Wildkatze, um mit Euch über unsere bevorstehende Hochzeit zu sprechen?” Er wappnete sich innerlich auf ihre Erwiderung und freute sich diebisch auf das bevorstehende verbale Duell mit ihr.
Briannas Gesicht lief rot an vor Zorn, was sich immer schrecklich mit ihrem Tizianrotem Haar biss: “Daimon Ravensclaw. So leid es mir tut”, äußerte sie sarkastisch “muss ich darauf bestehen, dass bei diesem Gespräch meine Tante Bernadette ebenfalls zugegen ist. Sie ist, was Hochzeiten anbetrifft, wahrlich ein Quell der Inspirationen. Und, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, Lord Frauenverführer, traue ich Euch nicht weiter als bis hier her.” Wobei sie demonstrativ mit ihrem zierlichen, nur mit einem Strumpf bekleideten Fuss, kurz vor sich auf den Boden tippte. “Lady Brianna”, bemerkte Ravensclaw mit einem spöttischen Zug um den Lippen “die Tage, in denen ich Frauen verführt habe sind vorbei. Ich möchte jetzt nur eine Frau verführen. Nämlich meine zukünftige Frau. Wenn Ihr erlaubt, Mylady, würde ich Euch gerne in Euren Slipper helfen.” Daimon ging vor ihr in die Knie, fasste nach ihrem Fuss, um ihn auf sein Knie zu stellen. Wobei er es nicht versäumte, leicht bis zu ihrer Kniekehle zu streichen. Brianna bemühte sich verzweifelt, keine Reaktion zu zeigen, obwohl ein Wonneschauer nach dem nächsten über ihren Rücken jagte. Bleib stark, bleib stark, bleibt stark Brianna, murmelte sie gedanklich vor sich hin. Kaum hatte ihr Ravensclaw in den Schuh geholfen, entriss im Brianna ihren Fuß.
“Lord Ravensclaw, wenn Ihr glaubt, ich würde Eurer Äußerung Glauben schenken, so muss ich Euch enttäuschen. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass Ihr mit der Witwe des Earl of Worcester eine Liaison habt. Also verschont mich mit Euren Lügen.” Mit fliegenden Röcken wendete Brianna sich von Daimon ab. “Von Euch mein Wildkätzchen pfeifen sie ja auch so einiges und wenn ich mich nicht irre, nicht gerade zu Eurem Vorteil Mylady.” Er grinste wieder so teuflisch auf sie herab, das ihr ganz kribbelig in der Bauchgegend wurde. So blieb Brianna also an der Tür stehen, um ihm eine Antwort zu zu säuseln: “Nun Mylord, dann lasst doch mal hören, was Ihr Euch unter der Ehe vorstellen, die Ihr mit mir zu führen gedenkt? Oh ich weiß! Ihr geht den ganzen Tag Euerer Arbeit und den Vergnügungen nach. Und die Nächte verbring Ihr, wie heißt sie noch, äh ja, mit Lady Constance!” Brianna war unbescheinlich schön in ihrer Wut und er musste sich sehr zusammen nehmen, um sie nicht an sich zu reisen. “Nun Wildkätzchen,” wie selbstverständlich kam ihm das Du über die Lippen: “du kannst dein Krallen wieder einzuziehen. Ich werde mich natürlich um meine Geschäfte kümmern müssen, um mein liebenswerte Schwester und um meine scharfzüngige Stiefmutter. Doch um dich, meine kleine Wildkatze werde ich mich besonders kümmern, versprochen!” Er lachte ihr frech ins Gesicht und beim Rausgehen sagte er ganz nah und leise an Briannas Ohr “… und wie ich mich um dich kümmern werde, mein Kätzchen! Du wirst keinen Grund zur Klage haben.”, dann gab er ihr einen zarten Kuss aufs Ohr und verschwand durch die Tür.
Entrüstet über diesen selbstgerechten Flegel, stemme Braianna ihre Arme in die Hüften und stampfte so gar nicht damenhaft mit ihrem – nun beschuhten – Fuss auf. “Na warte, dem werde ich es noch zeigen, diesem, diesem …” stammelte Brianna wütend vor sich hin. “Wem willst Du was zeigen, liebe Brianna?” erklang plötzlich eine Stimme neben ihr. “Oh, Tante Bernadette. Bitte entschuldige, ich habe Dich gar nicht hereinkommen hören.” “Ja, das habe ich bemerkt! Du scheinst mir etwas aufgelöst zu sein, mein Kind. Was ist der Grund dafür?”, fragte Tante Bernadette mit neugierigem Lächeln. Brianna war sich nicht sicher, wieviel sie ihrer Tante von dem eben Geschehenen erzählen sollte, doch schließlich berichtete sie ihr in groben Zügen von seiner Impertinenz, dem Earl of Ravensclaw. Doch wider Erwarten war Tante Bernadette so gar nicht entrüstet. Vielmehr stahl sich ein wissendes Lächeln auf ihre Lippen. “Ah, dieser attraktive Teufel ist also endlich zum Angriff übergegangen. Ich habe mich schon darüber gewundert, dass er so lange gezögert hat!” Bernadette war so perplex, dass sie nicht wusste, was sie zu dieser Äußerung sagen sollte. “Liebes, Du siehst mich gerade an, als hätte ich Mrs. Smith getreten! Mein liebes Kind, ist Dir denn nicht aufgefallen, wie verliebt Dich Lord Ravensclaw betrachtet, wenn er sich unbeobachtet fühlt?” “Verliebt? Ich glaube, Du irrst Dich Tante. Das hat nichts mit Verliebtheit zu tun, sondern mit Jagdfieber. Der feine Herr will mich unbedingt in sein Bett bekommen und das bestenfalls vor der Hochzeit! Und liebe Tante Bernadette, Du weisst, was das letzte Mal dabei herausgekommen ist. Du die Einzige, die die wahren Gründe der Misere mit Nigel kennt. Eines möchte ich Dir versichern, ich werde mich keinesfalls auf die Spielchen einlassen, die dieser feine Gentleman zu spielen vorhat.”, endete Brianna ihre kleine Rede. “Wenn Du mich jetzt entschuldigen würdest, ich muss nach Mrs. Smith suchen.” Würdevoll und mit gehobenen Haupte verließ Brianna das Zimmer, ohne zu merken, dass ihre Tante Mühe hatte, sich ein Lachen zu verkneifen.
Am späten Nachmittag brachte ein Bote ein Dutzend rote Rosen. Am Abend brachte ein weiterer Bote ein abgedecktes Körbchen in dem es leise miaute. Brianna war ganz verdutzt als sie das Tuch wegnahm und ein kleines rötliches Kätzchen darin lage, das sich gerade streckte und den kleinen Mund aufmachte um herzhaft zu Gähnen. An dem Körbchen war ein Zettel befestigt den sie gleich las: Dieses Kätzchen, liebste Brianna, erinnerte mich sofort an Dich als ich es heute morgen in meinen Stallungen fand. Es ist wissbegierig, leidenschaftlich, munter, hitzig, kämpferisch, liebebedürftig ( und: es hat rotes Fell! ). Alles Eigenschaften die ich bei Dir fand oder noch kennenlernen möchte. Schenk ihm Deine Liebe. Ich hoffe sehr. dass Dir mein Geschenk gefällt und ich damit Deine Gunst erringen kann. Gleichzeitig würde ich gern eine Einladung zum Ball nächste Woche aussprechen und mich als Dein Begleiter anbieten. Ich wäre entzückt, ein Ja von Dir zu erhalten, bis dahin verbleibe ich Dein Daimon.
Oh dieser Teufel, dachte Brianna, was bildet er sich eigentlich ein! Am liebsten würde sie ihm die Geschenke vor die Füße werfen, aber das Kätzchen konnte ja nichts dafür. So nahm sie es aus dem Korb und schmiegte es an ihr Herz, worauf das Kätzchen anfing zu schnurren, was Brianna ein liebevolles Lächeln entlockte.
In der Zwischenzeit ging Daimon mit einem Dauerlächeln im Gesicht in den Club. Er dankte dem Herrn, dass ihm Brianna seine Geschenke nicht zurückgeschickt hatte. Doch am meisten begeisterte es ihn, dass sie seine Einladung zum Ball angenommen hatte. Das erste gemeinsame Auftreten auf einem Ball. Er hatte vor die Gunst der Stunde zu nutzen, um öffentlich ihre Verlobung bekannt zu geben. “Daimon” rief sein Freund Simon und winkte ihn zu sich an den Tisch. Simon, der Duke of Leinster, Marquess of Kildare, saß bequem, seine langen Beine weit von sich gestreckt, in einem Clubsessel und sah Daimon erwartungsvoll an. “Na, wie ist es mit Deiner Wildkatze gelaufen, Daimon? Hast Du sie schon davon überzeugen könnten, vor der Ehe, die sinnlichen Freuden mit Dir zu teilen, oder werde ich bald um 1.000 Pfund reicher, weil Du die Wette verloren hast!” Die Wette! Diese verdammte Wette! Der Himmel möge behüten, dass das Brianna jemals herausfand. Das würde das Fass ihrer Abneigung ihm gegenüber endgültig zum Überlaufen bringen! Noch vor zwei Wochen hatte er sich beschwingt, durch ein wohlgemerkt sehr illustres Stelldichein mit Constance und reichlich Alkohol, dazu verleiten lassen, diese Wette mit seinem besten Freund und Schwerenöter Simon abzuschließen! Kurz, nachdem er Briannas Vater überzeugt hatte, ihm die Hand seiner Tochter zu überlassen. Seitdem stellte er Braianna wahrlich erbarmungslos, ja gar schon liebestoll nach. Fast könnte ihm die hitzige Wildkatze leid tun, aber nur fast, resümierte er mit einem Grinsen. Womit Daimon jedoch nicht gerechnet hatte, war die Tatsache, dass die Verliebtheit, die er heimlich schon immer gegenüber Brianna empfand, sich in weitaus tiefere Gefühle verselbständigt hatten. Darüber hatte er diese dumme Wette ganz vergessen.
Was er und Simon in diesem Moment jedoch nicht bemerkten war, dass sie einen heimlichen Lauscher hatten: Nigel Broderic! Der sich mit einem bösartigen Lächeln auf den Lippen, sofort zurückzog, als er die Äußerung Simons vernommen hatte. “Simon! Diese verfluchte Wette hätte ich fast vergessen! Wenn ich ehrlich sein soll, ist es mir wesentlich mehr wert Brianna in mein Bett zu bekommen ob nun vor oder nach der Hochzeit, als diese tausend Pfund! Als Dein Freund, bitte ich Dich, diese unsägliche Wette zu vergessen!” Über Simons ganzes Gesicht zog sich ein strahlendes Lächeln: “Dich scheint es ja ganz schön erwischt zu haben, Daimon! Weiß Deine Holde wie sehr? Aber ja, wenn Du möchtest, ist diese Wette gestorben. Wozu sind wir schließlich Freunde?” Nach dieser Aussage änderte sich der Gesichtsausdruck Simons schlagartig und machte tiefer Wehmut Platz.
(Fortsetzung folgt … vielleicht)
©Karin Wühr-Gschwind und Michaela Kühne