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Tinas Bewertung

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"Eine wahre Geschichte aus dunkler Zeit", wie auf den Buchcover zu lesen ist, ist wirklich eine passende Überschrift für diesen Roman von Petra Schier. Und tatsächlich beinhaltet die Geschichte keine reine Fiktion, sondern beruht auf einen Tatsachenbericht.

Hermann Löher ist ein tapferer Mann. Er hat einen gesunden Menschenverstand und versucht immer ein gerechtes Urteil zu fällen.
Aber weiß auch wie es ist, wenn jemand aus dem persönlich Umfeld in einen Hexenprozess hineingezogen wird. Er weiß, dass nicht nur die Opfer selbst zu leiden haben, sondern auch ihr Umfeld muss mit "Schuld" und "Beschuldigung" leben.

Und dann hat der aufrechte Mann auch noch den Neid und den Hass eines besonderen Gegenspielers auf sich gezogen, der nur auf seine Chance wartet, endlich seiner Wut freien Lauf lassen zu können.

Petra Schier hat das Talent eine Geschichte lebendig und sehr bildlich zu erzählen, sodass man beim Lesen praktisch "live" in die Prozesse und Folterungen eintaucht. Ist man, ein empfindlicher Geist, ist das nicht immer ganz so einfach zu ertragen. Und auch mich hat die Geschichte zum Teil doch sehr mitgenommen, weil sie mir sehr nahe gegangen ist, ich förmlich mitgelitten habe und hoffte, dass es nicht zu einem weiteren "Scheiterhaufenopfer" kommt.

Trotz dieser Belastung (oder vielleicht gerade deshalb, weil es mich so intensiv beschäftigt hat), war es für mich persönlich, seit langer Zeit endlich mal wieder ein historischer Roman, der mich gefesselt hat.

Dabei hat die Autorin natürlich das ihre dazu beigetragen, aber der Roman hat mich auch sehr nachdenklich gemacht, denn Menschlichkeit, war zu der damaligen Zeit wirklich nicht mehr feststellbar. Warum dieser Hass und diese Niedertracht? Es zählt nur noch das pure Überleben und die Angst, in die Zielgerade des Gerichts oder der Hetzer zu gelangen.
Aber hat sich da bis heute wirklich etwas daran geändert?

Kurz gefasst: "Der Hexenschöffe" ist ein Buch, das auch nach Beendigung noch lange nachklingt. Petra Schiers Geschichte weiß den Leser wachzurütteln und zum Nachdenken anzuregen. Und macht neugierig, auf andere Werke der Autorin


Nicoles Bewertung

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Die Familie des Schöffen und angesehenen Kaufmanns Hermann Löher, lebt im beschaulichen Rheinbach, alle acht Kinder sind gesund und munter und der älteste Sohn, Bartholomäus hat bereits ein tüchtiges und liebes Mädchen für sich im Sinn, das er heiraten möchte. Doch die Idylle trügt. Bereits fünf Jahre zuvor, wurden in Rheinbach unschuldige Bürger angeklagt, sich der Hexerei schuldig gemacht zu haben und wurden, nach grausamer Folter, bei lebendigem Leib, dem Feuer überlassen. Auch Hermanns Schwiegervater war einst unter diesen Opfern, sowie die Mutter von Bartholomäus Zukünftiger.
Damals konnte der Wahnsinn lediglich beendet werden, weil dem damaligen Hexenkommissarius Dr. Buirmann einige grobe Fehleinschätzungen unterliefen, die zu seiner Versetzung führten.

Doch das grausame und schmutzige Geschäft ist zu lukrativ, um es aufzugeben, denn überführte Hexer und Hexen können enteignet werden. So füllen neben Ländereien, durchaus auch einige Gold und Silberstücke die Taschen der Häscher.
Damals half Hermann das „Schmieren“ eines Amtmanns, um seine Familie vor den Hexenjägern zu retten, doch nun ist erneut ein Hexenkommissarius in der Stadt, der noch grausamer und berechnender ist, als Dr. Buirmann. Dr. Möden fackelt auch nicht lange, sondern lässt, sobald er Rheinbach erreicht hat, die erste „angebliche“ Hexe in Gewahrsam nehmen. Seine Methoden sind mehr als zweifelhaft und als Hermann, der als einer der Schöffen, stets seine Zustimmung zu Verhören oder Todesurteilen geben muss, entdeckt, dass Dr.Möden sogar ein Untersuchungswerkzeug für seine Zwecke manipuliert hat, lassen ihn das grausame Morden und die ungerechten Anklagen von bislang unbescholtenen Bürgern keine Ruhe mehr. Er will nicht länger nach der Pfeife des Hexenkommissarius und seinen Schergen tanzen, doch er weiß genau, dass er sich und seine Familie durch seine Gegenwehr in Lebensgefahr bringt…

In ihrem aktuellen historischen Roman steht ein Mann im Fokus des Geschehens, dessen Leben und Wirken historisch verbürgt ist. Hermann Löher, einst Schöffe in Rheinbach und später entschiedener Gegner der Hexenverfolgung, der viele Jahre später, im hohen Alter eine Klageschrift über die damaligen Geschehnisse verfasste.

Hermann Löher, wird als offener und ehrlicher Mensch beschrieben, der seine Kinder zu Gehorsam und Aufrichtigkeit erzieht und auch kein Hehl daraus macht, wie sehr sein Gewissen ihn ob seines Schweigens bezüglich der Verurteilungen in Rheinbach peinigt. Um diesen Mann und seine Familie spinnt Petra Schier eine sehr aufwühlende Geschichte, die mich auch nach dem Lesen noch lange beschäftigt hat.
Neben Löhers Familie, finden aber auch weitere Rheinbacher Mitbürger in diesem Roman Erwähnung, die wichtig für das Voranschreiten der Handlung sind.
Zum einen die Frau eines Schöffen, die der Hexerei beschuldigt wird. Was Möden und seine Helfershelfer mit der armen Frau anstellen, ist nichts für zarte Gemüter, da die Folterung schonungslos realistisch geschildert wird. Aber dieser schonungslose Realismus ist auch meiner Meinung nach sehr wichtig, um den Lesern zu verdeutlichen, welcher Grat von Grausamkeit in manchen Menschen steckt, wenn er denn, dem Zwecke dienlich ist. Stößt Berechnung, Grausamkeit und Missgunst dann auch noch auf Naivität, Beeinflussung, Aberglaube und Dummheit, ist der Weg geebnet für Verfolgungen jeglicher Art.

Des Weiteren lernt der Leser eine junge Frau kennen, die unglücklich verliebt in Hermann Löhers Sohn ist, deren klatsch und rachsüchtige Mutter, und neben anderen, auch der Vogt Dr. Schweigel, der wie Hermann, ebenfalls ein Gegner der Hexenverfolgung ist.
Menschen also, die hinsichtlich ihrer Meinung zur Hexenverfolgung, quer durch die damaligen Bevölkerungsschichten, auf verschiedenen Posten stehen, was dem Leser interessante Perspektivwechsel ermöglicht.
Man sollte, wenn man zu diesem historischen Roman greift, keinen unterhaltsamen Schmöker erwarten, der einem unbeschwerte Lesestunden beschert. Vielmehr ist es ein Roman, der den Leser aufrütteln soll, was der Autorin meiner Meinung nach hier sehr gut gelungen ist.
Petra Schiers wie immer sehr eingängiger und zeitgemäßer Schreibstil und die vielschichtige Charakterisierung ihrer Romanfiguren sorgen dann auch dafür, dass man, trotz des schwierigen Themas, den Roman nicht mehr zur Seite legen möchte, bis er dann ausgelesen ist.

Kurz gefasst: Ein emotional, sehr aufwühlender und nachdenklich machender Historienroman, der den Leser auch nach dem Lesen noch lange beschäftigen wird.


Der Hexenschöffe

Petra Schier

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Originaltitel: ----
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3499268007
Erscheinungsdatum: Oktober 2014
Genre: Historischer Roman

Klappentext

Eine wahre Geschichte aus dunkler Zeit. Anno 1636 ist ganz Deutschland vom Hexenwahn ergriffen. Schon einige Jahre zuvor traf es auch das beschauliche Rheinbach – eine Zeit, an die sich keiner gern erinnert. Und nun hat der Kurfürst den Hexencommissarius erneut in die Stadt beordert. Hermann Löher, Kaufmann und jüngster Schöffe am Rheinbacher Gericht, hat Angst um Frau und Kinder. Sein Weib Kunigunde gehört zur «versengten Art»: Angehörige ihrer Familie wurden damals dem Feuer überantwortet. Löher glaubt nicht an Hexerei und an die Schuld derer, die vor Jahren den Flammen zum Opfer fielen. Eine gefährliche Einstellung in diesen Zeiten. Als die Verhaftungswelle auch auf Freunde übergreift, schweigt der Schöffe nicht länger. Und schon bald beginnt für ihn und seine Frau ein Kampf gegen Mächte, die weit schlimmer sind als das, was man den Hexen vorwirft ...

(Quelle: Rowohlt)