Vita Corina Bomann

Fragen und Antworten

(Text: NG)

Bitte erzählen Sie unseren Lesern doch zunächst etwas über sich.

CB: Ich bin 34 Jahre alt und eine Büchernärrin, ich schreibe, seit ich 14 bin und habe eine große Liebe für die Geschichte. Wenn ich mal Zeit habe, male ich und spiele Gitarre, ansonsten lebe ich auf einem Bauernhof im schönen Mecklenburg und genieße es, besonders jetzt bei diesem schönen Wetter im Freien schreiben zu können.

Historische Romane sind zurzeit sehr gefragt - was gab jedoch für Sie persönlich den Ausschlag, einen historischen Roman zu verfassen?

CB: Geschichte ist faszinierend. Schon als Kind habe ich sehr oft Schlösser besucht und mir heimlich gewünscht, dass ich mal in einem dieser alten Gemäuer eingeschlossen werden würde und alles ganz allein erkunden könnte (besonders irgendwelche Geheimgänge). Mich haben die alten Bilder und Kleider interessiert, später wollte ich dann wissen, wie die Menschen damals gelebt haben. Meine Geschichtsliebe ist schon sehr lange in mir, genau genommen seitdem ich zum ersten Mal „Die drei Musketiere“ als Film gesehen und später auch das Buch gelesen habe. Einen historischen Roman zu verfassen habe ich mir schon lange gewünscht.

Was machte gerade die Regierungszeit Elizabeth I. so interessant für Sie bzw. für ihren ersten historischen Roman?

CB: Königin Elisabeth I. war eine sehr faszinierende Person, als Königin und als Mensch. Francis Walsingham war gewissermaßen ihr Schatten und ich habe mich gefragt, wie dieser Mensch wirklich gewesen sein konnte. Auf die Ereignisse um die Armada bin ich schon vor viele Jahren aufmerksam geworden, und plötzlich war dann meine Heldin Alyson da, die ich auf die Reise durch die Zeit geschickt habe, um Elisabeth, Walsingham und die Ereignisse um die Armada kennenzulernen. Natürlich ist sie fiktiv, allerdings ist nachgewiesen, dass zwei Spione entsandt wurden, um die Schlachtpläne des Marques de Santa Cruz zu stehlen.

Alyson, die starke Heldin in ihrem Buch, wird zwar zunächst von Sir Francis Walsingham gerettet, allerdings entwickelt sie im Laufe der Zeit jedoch sehr zwiespältige Gefühle gegenüber ihrem "Mentor", was völlig verständlich in ihrer Situation ist. Auch der Leser tappt bis zum Ende des Buches im Dunklen, was den "obersten Mann des Geheimdienstes", ausmacht und was ihm, außer seiner Frau und der Königin wirklich wichtig ist. Was denken Sie persönlich, wie weit Ihre Romanfigur vom "wahren" Sir Francis Walsingham abweicht? Haben Sie während der Recherche für Ihr Buch bestimmte Erkenntnisse und charakterliche Merkmale die Sir Francis betreffen, entdecken können?

CB: Ich denke, ich habe Francis Walsingham ziemlich genau nach historischen Quellen angelegt. Ein sehr gutes Buch zu dem Thema ist die Walsingham-Biografie von Alan Hayes, die es aber leider nur auf Englisch gibt. Walsingham war Puritaner und treusorgender Familienvater. Die Königin war sein Ein und Alles, denn er erkannte, dass sie dem Volk gut tat und eine gute Herrscherin war. Walsingham war sehr gläubig, diszipliniert, gebildet, konsequent und darauf bedacht, seine Person stets im Hintergrund zu halten. Er trug meist nur schwarze Kleider, sicher auch deshalb, weil er der Schatten der Königin sein wollte. In seiner Zeit als französischer Botschafter hatte er um sein Leben fürchten müssen, aber dennoch war er mutig genug, um Verfolgten Unterschlupf zu gewähren. Er tut, was notwendig ist, um den Staat zu erhalten. Im Gegensatz dazu steht, dass er ein leidenschaftlicher Gärtner war. Gewiss wollte er aber, dass nicht allzu viel über ihn bekannt wurde. So hat er auch angeordnet, dass er bei Nacht und ohne großes Geleit beerdigt werden wollte, wie es bei Staatsmännern eigentlich angebracht war.

Die örtlichen Beschreibungen in Ihrem Roman sind für mich sehr bildhaft dargestellt, was mich sehr fasziniert hat. Waren Sie persönlich auch schon einmal an den Orten, von denen in Ihrem Roman die Rede ist?

CB: Ich muss zugeben, nein, weil das London des 16. Jahrhunderts heute nicht mehr existent ist. Sicher gibt es noch den Tower, doch der hat seit damals zahlreiche Umbauten erfahren. Und London selbst wurde beim großen Stadtbrand 1666 zum größten Teil zerstört. Der Whitehall-Palace, in dem die Königin residierte, ist ebenfalls bis auf die Grundmauern runtergebrannt. Ich habe mich an altem Kartenmaterial orientiert, das aus englischen Archiven zu haben war. Ich habe mir Gemälde aus der Zeit angeschaut und viele Bücher gelesen, teilweise sehr alte, die ich mir aus Antiquariaten besorgt habe. Und ich hatte eine Tower-Karte aus elisabethanischer Zeit.

Was denken Sie, wie stark Sir Francis wirklich am endgültigen Fall der Maria Stuart und ihrer späteren Verurteilung zur Hochverräterin, ihrer Hinrichtung führte, beteiligt war?

CB: Bis heute ist nicht erwiesen, ob die Briefe, die Maria Stuart zu Fall brachten, von ihr selbst geschrieben oder von Walsinghams Leuten gefälscht wurden. Thomas Phelippes war ein fähiger Kryptograph und es ist auch anzunehmen, dass er Schriften gezielt fälschen konnte. Maria selbst beteuerte, die Schreiben nicht verfasst zu haben, in ihrem Prozess beschuldigte sie Walsingham offen. Aber das Gesetz war in diesem Fall nicht auf ihrer Seite, denn sie konnte keine Beweise gegen Walsingham vorlegen. Den im Roman erwähnten Mordbefehl seitens Elisabeth gab es wirklich, Amyas Paulet war aber so klug, ihn nicht durchzuführen, sonst wäre sein Kopf gefallen.

Welche Gefühle hat eine Autorin die ihren ersten Roman der Öffentlichkeit präsentieren kann?


CB: Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Man ist stolz, das Ergebnis langer und manchmal harter Arbeit in der Hand zu halten. Und man hat Angst. Wird der Roman ankommen? Werden die Leute verstehen, was ich mit dem Text bezwecke? Das sind Fragen, die einem durch den Kopf gehen. Es ist wie Lampenfieber, das ein Musiker hat, der mit neuem Album zum ersten Mal ein Konzert gibt.

In einem Pressebericht auf Ihrer Homepage ist zu lesen, dass es Parallelen zwischen dem Buchinhalt und Ihrem Leben gibt. Können Sie dass ein wenig für unsere Leser konkretisieren?


CB: Die Parallelen sind dergestalt, dass auch ich meine Eltern sehr früh verloren habe und für meine Geschwister sorgen musste. Auch ich komme aus einfachen Verhältnissen und habe einen ungewöhlichen Weg eingeschlagen. Alles andere ist allerdings Fiktion.

Lesungen sind bestimmt nicht nur für den Zuschauer eine spannende Angelegenheit, sondern auch für die Autorin. Erzählen sie uns ein wenig von ihren Erfahrungen?

CB: Meine bisher schönste Lesung hatte ich bislang in Wittstock. Im Anschluss an meinen Vortrag entbrannte eine angeregte Diskussion, und aus der einen Stunde wurden drei. Mir wurden sehr viele Fragen gestellt, und ich hatte die Gelegenheit, viele Zusatzinfos zu geben. Das Publikum an sich war sehr interessiert und lebhaft, so etwas wünscht man sich bei jeder Lesung.

Sie haben ein Reihe Kurzgeschichten veröffentlicht. Es scheint zum Werdegang eines Autoren zu gehören mit Kurzgeschichten anzufangen oder verbindet sie mit Kurzgeschichten eine besondere Vorliebe?

CB: Kurzgeschichten sind eine wunderbare Fingerübung für junge Autoren. Sie haben damit die Möglichkeit, erste Veröffentlichungen zu bekommen, weil in einer Kurzgeschichte niemand ein Risiko sieht. Man kann mit einer Kurzgeschichte testen, wie eigene Texte ankommen und es ist eine Streicheleinheit fürs empfindsame Schriftsteller-Ego, wenn sie veröffentlicht wird. Außerdem hat man in ihnen die Möglichkeit, eine Idee, die nicht für einen Roman reicht, auszuformen und zu verdichten. Ab und an schreibe ich gern Kurzgeschichten.

Für 2009 ist auch ein Jugendbuch geplant 'Kirschblütenküsse'. Was reizt sie daran ein Jugendbuch zu schreiben bzw. wird es ein Genrewechsel oder bleiben Sie auch dem historischen Romangenres treu? Und wenn, was dürfen die Leser von historischen Romanen in Zukunft von Ihnen erwarten?

CB: Es wird in der Tat ein Genrewechsel, der Roman ist ein Gegenwartsroman mit Liebesromanelementen. Ich schreibe gern in verschiedenen Genres. Meine Jugendbücher werden vorrangig Gegenwartsromane sein, obwohl ich dort auch etwas historisches plane.
Dem historischen Genre bleibe ich aber natürlich im Erwachsenenbereich treu. Mein nächster Roman wird zum Teil am Hofe August des Starken spielen und eine sehr ungewöhnliche Heldin haben (eine, die sich sehr stark von Alyson unterscheiden wird) und weitere Exposés warten darauf, verwirklicht zu werden.

Ich möchte mich ganz herzlich bei Corina Bomann für das interessante Interview bedanken.

Quellennachweis

Photo: © Corina Bomann

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