Vita Jennifer Benkau
Verspielt. Maßlos. Begeisterungsfähig - nein, frenetisch. Amoralisch. Erschreckend unsensibel. Blauäugig (in jedem Sinne) und ungeduldig.

Ich bin Baujahr 1980, aber wenn ich Alkohol kaufen möchte, muss ich immer noch meinen Ausweis zeigen. Den Zwang, ein guter Mensch sein zu müssen, habe ich vor Jahren abgelegt, seitdem kann ich wirklich nett sein. Meine große Klappe und meinen Sarkasmus darf man mir sowohl positiv als auch negativ auslegen und ich verberge meine Arroganz unter Schüchternheit und die Schüchternheit unter Arroganz. Vermutlich rede ich zu viel und sage zu wenig.
Ich schreibe mit ganzem Körpereinsatz. Paralysiert von meiner Muse, bewegungslos – bis auf meine Finger, die auf die Tasten einhacken. Nächtelang. Hemmungslos. Oder auch mal fluchend, herumrennend, lachend, jammernd, Türen zuschlagend, mich selbst hassend, oder vor Euphorie auf dem Sofa hüpfend. Das sieht leider sehr albern aus. Und wenn ich dann noch beginne, Dialoge nachzuspielen …
Außerdem habe ich einen Heidenspaß an Formulierungen. Verspielter Stil? Ja. Gradlinig verschnörkelt. Meine Figuren sind mehr als nur das. In ihrer penetranten Sturheit sind sie mir oft lieber als reale Gesellschaft und wichtiger als Schlaf oder Nahrungsaufnahme. Sie sind meine Engel und meine Dämonen, nicht selten in einer Person. Gerne nehmen sie mir die Arbeit ab und drängen den Plot in völlig neue Richtungen. Wie ich, tun sie grundsätzlich was sie wollen.
Wenn ich schreibe brauche ich dazu immer Musik und grundsätzlich Kaffee. Ich bete zur heiligen Senseo.
Die Phase, in der ich mich vor Drama, Action und Romantik fürchtete, habe ich schon lange überwunden.
Real romance is not for sissies!
(Quelle: Sieben Verlag)
Homepage der Autorin Jennifer Benkau
Die Autorin auf Facebook Jennifer Benkau
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Frage und Antwort (Mai 2011)
(Interview: KWG)
Liebe Jennifer, herzlichen Dank, daß Du ein weiteres Mal damit einverstanden bist, Dich meinen Fragen “zu stellen”, wenn ich das so bezeichnen darf *gg*. Stürzen wir uns also gleich zusammen ins Geschehen:
Mit welchen Erwartungen hast Du Dich dazu bereit erklärt, Dich auf dieses Interview einzulassen *grins*?
Hallo, liebe Ka. Schön, dass ich so schnell schon wieder „hier sein“ darf, bei den Happy-End-Büchern. Was meine Erwartungen betrifft, muss ich nicht lange überlegen. Ich gehe von einem Haufen KA-Fragen aus.
KA-Fragen = Keine Ahnung, woher sie immer ihre Fragen nimmt … ;-)
Am 15. Juni erscheint “Nybbas Nächte”, die Fortsetzung der Schattendämonen- Reihe, mit dem Heldenpaar Nicholas & Joana. Wenn Du die Geschichte mit zwei Kernsätzen beschreiben solltest, wie würden diese lauten?
Durch und durch verdorbene Seelen sind erstaunlich schwer zu finden. – Aber wir geben unser Bestes.
Im Vorableseexemplar von “Nybbas Nächte” bin ich auf folgende Textpassage gestoßen, die mich sehr angesprochen hat: “Je näher man sich an die Finsternis heranwagte, desto heller und durchscheinender wurde sie …” Die Heldin Joanna wird immer stärker mit der dunklen Seite von Nicholas – also dem Nybbas – konfrontiert und muss lernen damit umzugehen. Gibt es in Deinem Leben, so etwas wie Deinen persönlichen Schattendämon?
Der Satz ist einerseits auf Ängste bezogen. Ist es nicht oft so, dass Dinge aus der Ferne furchterregend scheinen, die Angst sich aber auflöst, wenn man sich näher damit beschäftigt? Gleiches gilt aber auch für Amoral und düstere Versuchungen. Je intensiver man etwas „Falsches“ an sich heranlässt, umso stärker die Gefahr, dass es Gewalt über dich erlangt.
Das ist Joanas Problem: Kann sie menschlich, im Sinne von human, bleiben, wenn sie das Leben mit einem Dämon teilt? Oder verliert sie sich in seiner Dunkelheit?
Ich für meinen Teil bin ganz froh, dass das Schreiben mein einziger Schattendämon ist ;-)
Eine weitere Textstelle lautet: ” Wenn doch immer Nacht wäre, und man die Realität im Dunkeln ignorieren könnte.” Es handelt sich dabei um einen Gedanken, der in Nicholas herumschwirrt. Würdest Du Dich diesem Gedanken anschließen?
Nein, gar nicht. Ich mag es eher weniger, ein Deckchen über ein Problem zu legen und es um einer Weile Frieden willen totzuschweigen.
Nicholas ist da anders, aber er hat auch mehr Zeit als ich, und weniger Probleme mit groben Unwahrheiten und Maskierungen.
Elias, der Ilyan, ist ein sehr vielschichtiger Charakter in Deiner Schatten-dämonen-Reihe. Wie beschreibst Du das Verhältnis zwischen Elias, und Nicholas, sowie Elias und Joana?
Einem guten Verhältnis zwischen Nicholas und Elias steht die Tatsache im Weg, dass sie sich lieben, sich gegenseitig aber nicht als gleichwertig respektieren können. Es ist ein ewiger Kampf zwischen den beiden: Wer besitzt die Macht über wen? Ganz ehrlich? – Ich weiß es selbst nicht.
Joana und Elias haben ein recht tragisches Verhältnis zueinander, denn sie fühlen sich verbunden, könnten allerbeste Freunde sein … wenn sie nicht denselben Mann lieben würden.
Es passiert selten, dass sowas lange gut geht.
Es gibt Neues aus Deiner Feder. Nachdem Du “Phoenixfluch” – sozusagen als außerordentlichen Leckerbissen – zwischen “Nybbas Träume” und “Nybbas Nächte” geschrieben hast, folgt im Herbst nun das Buch “Schwanentanz”, das Du unter dem Pseudonym Jean Francis schreibst. Was hat Dich dazu bewogen, ein Pseudonym zu erschaffen?
Schwanentanz ist kein Fantasy-Liebesroman mit Erotik, sondern ein erotischer Roman mit Liebe und Fantasy, und damit völlig anders gewichtet. Das Pseudonym soll falschen Lesererwartungen entgegenwirken, die „einen Benkau“ mit ein bisschen mehr Sex erwarten. Oh nein, meine Lieben. Mit Jean Francis ziehen wir andere Saiten auf. Härtere.
Da ich unter meinem Namen ja auch für den Young Adult – Verlag Script 5 schreibe (der erste Titel erscheint voraussichtlich im Januar 2012) und dann auch jugendliche Leser ab 15/16 ansprechen möchte, schien es mir sinnvoll, die Erotikromane unter Pseudonym zu veröffentlichen. Jean schafft also eine klarere Linie zwischen den Romanen. (Danke Jean, sehr nett von dir.)
“Schwanentanz” wird laut SiebenVerlag der Dark Fantasy mit einem Touch düsterer Erotik und Spannung zugeordnet. Wie beschreibst Du selbst in kurzen Worten dieses Buch?
Der „Touch“ ist schon eine gute Portion.
Die ehemalige Ballerina Suzanna möchte nach einer Verletzung, die ihre Karriere beendete, eigentlich nur eine Weile ausspannen und sich neu orientieren. Dabei quartiert sie sich ungewollt in einem Cottage ein, in dem ihr schon in der ersten Nacht das Herz in die Hose rutscht, da unheimliche Dinge geschehen. Was sie nicht ahnt: Ihr Häuschen steht auf einem Hügel, unter dem sich der Palast der Sídhefürstin Cara befindet. Für Cara steht fest, dass die Menschenfrau vertrieben werden muss. Ihr oberster Krieger Brandon allerdings ist sich da nicht so sicher, nachdem er Suzanna erst kennengelernt hat. Sich Cara zu widersetzen ist jedoch alles andere als unklug, und ob er Susannah vertrauen kann, steht noch auf einem ganz anderen Blatt.
Der Held der Geschichte, Brandon Cnocach, ist ein Krieger der Sidhefürstin Cara, die ihn mit einem Bann belegt hat. Die Túatha Dé Danann, denen Cara angehört, kamen laut irischer Legende aus dem Norden, oder aus Griechenland, wo sie ihre magischen Fähigkeiten erlernt hatten. Wenn Du magische Fähigkeiten hättest, welche sollten es sein und was würdest Du damit bewirken wollen?
Magische Fähigkeiten für mich? Oha, da muss ich überlegen. Eine magische Verbindung zu Tieren wäre wundervoll – sie zu verstehen und mich ihnen verständlich mitzuteilen. Oder lieber noch würde ich mich unsichtbar machen können und die Menschen heimlich belauschen, wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Andererseits kommt so vermutlich zu viel ans Licht, was man nie erfahren wollte.
Bei den Túatha Dé Danann ist die Zahl Vier eine magische Zahl. Dürfen wir LeserInnen daraus schließen, daß uns nach “Schwanentanz” drei weitere Geschichten rund um die Sidhe erreichen werden?
Oh, auch die Drei, die Sieben und die Neun sind bedeutungsvoll. Ebenso die Eins, für die Einzigartigkeit.
Tut mir leid, ich weiß es noch nicht. Denkbar wäre durchaus eine Fortsetzung, die sich mit Brandons bestem Freund Aiden beschäftigt, aber weiter überlege ich noch nicht.
Die Hauptprotagonisten in “Schwanentanz” sind Brandon, Cara und die Ballettänzerin Suzanna. Wie charakterisierst Du sie?
Suzanna ist Tänzerin und hat es damit vor ihrer Verletzung zu großem Erfolg gebracht. Ein wenig Glanz der Londoner Schickimicki-Künstlerwelt schimmert trotz ihrer Behinderung durchaus noch auf ihren Wangen. Gleichzeitig ist sie bodenständig genug geblieben, um neue Probleme anzufassen, wie sie sich ergeben. Die Hausspinne, vor der sie sich anfangs fürchtet, ernennt sie zum Beispiel kurzerhand zur Mitbewohnerin. Suzanna hat mir beim Schreiben den größten Spaß gemacht.
In Brandon regt sich auch nach vielen erfolglosen Versuchen, sich Cara zu widersetzen, immer noch Kampfgeist. Aber er ist müde …
Er hat gewisse Probleme, sein Temperament zu zügeln, meist lässt er es an den überall im Síd herum huschenden Gnomen aus, die ihn nie in Ruhe lassen. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass Caras jahrelanger Missbrauch durchaus Spuren auf seiner Seele hinterlassen hat. Er ist ein eher kantiger Typ – und manchmal hätte ich ihn schlagen wollen!
Cara – und ich hoffe, damit verraten ich nicht zu viel -, ist trotz ihrem grausamen Charakter im Grunde eine sehr tragische Figur. Sie hat es einer garstigen Intrige zu verdanken, dass sie in der Menschenwelt bleiben musste als ihre Volk, darunter auch ihr Geliebter und ihr Sohn, nach Avalon gingen. Cara ist vor allem eines: Einsam.
Woher nimmst Du die Ideen für Deine Bücher? Dämonen, Flüche, Túatha Dé Danann, Racheengel, bzw. wer hat Dich in Deiner Art zu schreiben beeinflusst?
Wenn ich wüsste, woher die Ideen kommen, hätte ich schon längt ein Patent darauf. Man könnte es vielleicht so beschreiben: Irgendetwas Inspirierendes, vielleicht ein Song, eine Liedzeile, ein schöner Name oder ein Bild, bringt einen Prozess in Gang, durch den eine Seifenblase entsteht. Diese fliegt los und andere Ideen, Gedanken, Bedenken wirken – teils unbewusst – auf sie ein wie Windstöße. Manche wirbeln sie herum wie Sturm, andere hauchen sie nur zaghaft in eine Richtung. Irgendwo platzt die Seifenblase und an der Stelle, genau dort, ist die Geschichte vergraben. Dann fange ich an zu buddeln, d.h. zu schreiben, zu experimentieren und zu recherchieren.
Was macht für Dich eine gute Geschichte aus, oder formulieren wir es anders: Was ist das Schlüsselelement für eine gute Geschichte?
Für mich sind die Figuren das A und O, und das E, I und U noch dazu. Als Leser bin ich jederzeit bereit, auch einer gradlinigen, durchschaubaren, altbekannten Geschichte zu folgen, wenn die Figuren mich in ihren Bann ziehen, wenn sie authentisch und glaubwürdig sind und mich berühren – egal, ob ich sie gern habe oder mit Vergnügen verachte.
Warum glaubst Du, ist der run auf das paranormale-romantisch-erotische Genre so groß?
Diese Romane beinhalten all das, was viele Menschen anspricht: (Verbotene) Liebe, die alles überwindet; das Leben & Sterben, martialische Kämpfe; Grusel und Spannung; die Bereitschaft, kompromisslos alles für jene zu tun, die man liebt. Aussichtslos erscheinende Missionen und die Gewissheit, dass (fast) immer am Ende alles gut wird.
In solchen Geschichten können Leserinnen und Leser (die männliche Leserschaft wird immer größer!) das ausleben und genießen, was in Wahrheit vermutlich niemand haben wollen würde (den tollen Sex mal ausgenommen). Genuss ohne Risiken & Nebenwirkungen.
Das Veröffentlichen von Büchern ist, wie Du und Deine Leserschaft wissen, ein zyklisches Geschäft. Denkst Du, dass dem Genre “Paranormal” zugeordnete Geschichten auf Dauer weiter bestehen werden, oder glaubst Du, dass der Kamm der Beliebtheitswelle bald erreicht ist?
Das „Genre“ scheint recht neu zu sein und ein Trend – aber ist das wirklich so? Ich glaube nicht. Die Grundzüge der paranormalen Romanze finden sich schon unter Klassikern und Märchen: Das Phantom der Oper; Die Schöne und das Biest, um nur zwei zu nennen.
Paranormales und Liebe werden immer zwei wichtige Elemente in der Unterhaltung sein. Vermutlich werden sich Schwerpunkte verschieben, die Geschichten werden sich mit der Zeit ändern und vermutlich werden noch dutzende neuer Bezeichnungen erfunden werden, die die alten ablösen. Es wird zu Höhepunkten und Tälern kommen. Aber die Verbindung „Paranormal & Liebe“ wird es geben, solange es Bücher gibt. Jede Wette.
Auf Deiner Facebook-Seite habe ich unter “Aktivitäten und Interessen” folgendes gefunden: Augenscheinlich findest Du unter anderem Gefallen an der Midnight Breed Reihe von Lara Adrian und der phantastischen Schreibe von Gesa Schwartz. Was fasziniert Dich an den beiden Schriftstellerinnen?
Die Midnight Breed Reihe habe ich nicht ganz gelesen, das tu ich selten bei langen Reihen. Meist reicht es mir nach zwei oder drei Büchern und ich suche mir lieber wieder eine neue „Welt“. Besonders der Teil um Tegan und Elise hat mich aber sehr berührt. Und Lara als Facebook-Kontakt zu haben ist einfach eine Ehre. Sie ist unheimlich nett und findet hin und wieder auch Zeit für einen Schnack :-)
In Gesa Schwartz‘ Grim-Büchern fasziniert mich vor allem die Masse an Phantastik, die sie stimmig und rund in ihren Geschichten unterbringt. Ein Sammelsurium aus tollen Ideen. Und ihr Protagonist Grim ist einfach nur zum Anbeten!
Du widmest Dein Können als Schriftstellerin dem paranormalen Genre, was gefällt Dir am Schreiben von paranormalen Büchern am besten?
Die vielen Möglichkeiten. Es gibt nahezu keine Grenzen. Ich kann jedwede Wesen auf die Welt loslassen, die Zeit nach Belieben drehen oder mir einfach eine eigene Welt schaffen, wenn ich das will.
Weiterhin fasziniert mich das vom Menschsein losgelöste Spiel mit der Moral.
Es ist klar, dass Du eine tiefe Leidenschaft dafür hast, paranormale Bücher zu schreiben, die ich persönlich sehr gerne lese. Würdest Du Dich auch an einen historisch-erotischen Roman wagen?
Möglich, das weiß man nie so genau. Ich habe derzeit ein Projekt in der Startphase, das teilweise in der Vergangenheit spielt und gerade sitze ich am Exposé einer Reihe, die in einer alternativen, victorianischen Welt angesiedelt ist, die man durchaus als historisch bezeichnen kann.
Was daraus wird, weiß ich noch nicht. Aber selten sag ich nie.
Was kannst Du Deinen LeserInnen über Dich selbst sagen, was sie, wenn sie Deine Bücher lesen, nie von Dir vermuten würden *gg*?
Wehe, einer lacht. Ich bekomme Schweißausbrüche, wenn ich jemanden anrufen muss. Und ich heule bei nahezu jedem Disney-Film. Vor allem, wenn sie singen …
Gesetzt dem Fall, Du könntest eine “Wunschwelt” erschaffen, wie sieht “JennifersWelt” aus?
Oh no – ohne mich. Es würde mich zu sehr locken, Veränderungen zu kreieren, die zwar gut gemeint sind, aber hinterher gewiss in Katastrophen enden.
Die Verantwortung für eine Welt würde ich nicht haben wollen. Nicht ohne die „ENTF“ Taste auf meinem Laptop.
Nein, ehrlich, wir haben eine wunderschöne Welt. Sie ist nicht perfekt, aber besser als alles, was der Mensch zu erschaffen imstande wäre.
Liebe Jennifer Benkau! Auch jetzt muss ich wieder auf folgenden Satz zurückgreifen, der da lautet: “Real romance is not for sissies!”, den Du so deutlich geprägt hast. Er trifft bis dato auf das zu, was ich aus Deiner Feder kommend gelesen habe. Danke dafür und danke für das Beantworten der Fragen. Ich wünsche weiterhin erfolgreiches, erfülltes Schaffen und: Halte Dich von Angra Mainyu fern!
Meine liebe Ka, es war mir wie immer ein Vergnügen. Und Fernhalten von Angra Mainyu, sagst du? Och, ein Ausflug ins Persisch-Historische lockt mich nicht erst seit „Prince of Persia“! Da könnte man doch … ich sehe Derwische und diese beschwörende Tänzer … Entschuldigt mich bitte, ich muss dringen nachdenken.
HA! Dann sind wir jetzt wohl alle gespannt wie ein hunnischer Reflexbogen, was bei Jennifers Nachdenken bei ´raus kommt!
Eure Ka
Frage und Antwort (Nov. 2010)
(Interview: KWG)
Hallo Jennifer Benkau. Danke, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben.
Immer gerne, ich freu mich sehr über Euer Interesse.
Ich falle jetzt gleich mit der Tür ins Haus:Sie schreiben in Ihrer Vita, dass es in Ihrem Familienleben drei Kinder, zwei Katzen und einen Ehemann gibt. Wie schaffen Sie sich den Freiraum, den Sie zum Schreiben brauchen?
Das ist eine gute Frage. Zum einen brauche ich keine Ruhe zum Schreiben. Ruhe ist Luxus, den ich genieße, wenn ich ihn bekommen kann; aber im Alltag schreibe ich auch im größten Tohuwabohu. Unterbrechungen werfen mich nicht raus. Zum anderen bin ich Nachtmensch und werde richtig munter, wenn alle anderen schlafen. All das ginge aber nicht ohne sehr viel Verständnis meiner Familie. Nun ja, mit dem Pizzataxi straft man bei uns aber auch niemanden ;-)
Auf der Homepage des Sieben Verlags kann man lesen, dass Sie zum Schreiben Musik und Kaffee brauchen. In welche Richtung geht Ihr Musikgeschmack, bzw. wie hoch ist ihr Kaffee Konsum (in Tassen oder Litern? ;-) ) zu diesen kreativen Stoßzeiten?
Meine Lieblingsmusik ähnelt dem, was ich schreibe. Sie ist laut, emotional, gerne dramatisch und immer auf irgendeine Weise romantisch. Jemand sagte mal, ich mache "alternative rock auf Papier". Das gefällt mir, denn diese Musik höre ich persönlich am liebsten. Ich liebe Bands wie Breaking Benjamin, Skillet und ich vergöttere Hoobastank. Zur Inspiration höre ich aber auch gerne die Musik, die meinen Figuren gefallen würde. Manchmal lerne ich dadurch ganz neue Musikrichtungen schätzen.Dazu drei bis fünf Tassen Milchkaffee am Tag und schon bin ich zufrieden - so viel ist es also nicht, aber die müssen sein, ohne geht gar nichts.
Finden Sie jetzt, als erfolgreiche Autorin, selbst noch Zeit ein Buch zu lesen? Wenn ja, wer zählt zu Ihren Lieblingsautoren?
*Lach* Am Erfolg will ich noch ein bisschen arbeiten. Wenn ich allerdings gar keine Zeit mehr zum Lesen fände, würde etwas schieflaufen. Ich lese nicht mehr so viel wie früher, aber immer noch mindestens ein Buch pro Woche. Einen Lieblingsautor habe ich ehrlich gesagt nicht, schon mit Lieblingsbüchern tu ich mich schwer. Das letzte Buch, das mich regelrecht überwältigt hat, war Felix J Palmas "Die Landkarte der Zeit". Von diesem Schriftsteller will ich definitiv mehr lesen, ebenso von Andrew Davidson ("Gargoyle"). Die beiden haben Potential meine Lieblingsautoren zu werden.
Wie viel Stunden verbringen Sie auf Ihrem Fahrrad? Grund meiner Frage ist der: Sie schreiben nämlich, dass neben Büchern und zu lauter Musik, zu ihren größten Schwächen: Chips, Schokolade, Schokoladenchips, Schokoladenflakes gehören? ;-)
Och, so zehn bis zwanzig Fahrradstunden kommen schon zusammen. Im Jahr, versteht sich *lach*. Ohne die Gene meiner Mutter würde ich vermutlich auseinandergehen wie ein Hefekloß. Ich hoffe, die Figur bleibt freiwillig bei mir, ich weiß nicht, ob ich fleißig genug wäre, aktiv etwas dafür zu tun.
Gibt es noch andere Rituale oder Regeln, die Sie einhalten, wenn Sie der Schreib-Wahn packt?
Keine, die mir aufgefallen wären. Fragen Sie meinen Mann ;-)
Sie laufen - im SiebenVerlag - als Autorin unter "Phantastische Romane". Können Sie sich vorstellen, auch ein Buch in einem anderen Genre zu schreiben?
Ich kann mir sehr viel vorstellen, vom psychodramatischen Thriller bis hin zum Horror, aber bislang bin ich mit der romantischen Phantastik gut ausgelastet. Wohin es mich sehr zieht ist der Jugendbuchbereich dieses Genre, da würde ich mich sehr gerne in absehbarer Zeit versuchen.
In "Nybbas Träume" zitieren Sie Edgar Allen Poe: "So manchem Traum liegt Wahres inne." Glauben Sie, dass, so etwas wie eine Parallelwelt zu unserer existiert?
Fragen Sie mich hier und jetzt und ich sage: "Nein." Fragen Sie mich kurz nachdem sich eine meiner Figuren verselbstständigt hat oder der Plot sich plötzlich dreht, ohne dass ich zuvor nur diese Richtung gedacht hätte … dann wird mir dieses "Nein" im Hals stecken bleiben. Es gibt Momente, die sich zu magisch anfühlen, um Magie auszuschließen, auch wenn ich dies als Kopfmensch gerne würde. Ich hätte schrecklich gerne eine logische Erklärung für Phänomene wie Déjà-vus, Vorahnungen und besonders aussagekräftige Träume. Bis ich diese bekomme, akzeptiere ich einfach deren Existenz. Generell könnte man sagen: Ich glaube an nichts, schließe noch weniger aus und würde gerne alles wissen.
Was genau hat Sie dazu bewogen sich für die Schattendämonen als Helden Ihrer Erzählung zu entscheiden. War es wirklich diese stürmische, dunkle Nacht am Strand, als Sie die Muse in Form von Nicholas/Nybbas küsste *GRINS*? Oder war es eher der Post-Grunge von Breaking Benjamin, der Ihnen ins Ohr brüllte?
Das klingt wirklich kitschig, oder? War aber so, ich kann nichts dran ändern. Eine Sturmnacht am Meer, Wolkenschatten überall, ein toller Song über bösartige, zerstörerische Liebe, und ein Gedanke: "Was wäre, wenn ich einfach aus meinem Körper könnte und alle Grenzen und Moral hinter mir ließe …" Nicholas war da, als hätte er mir aufgelauert. Ich hatte ihn am Hals und wurde ihn nicht mehr los. Der Grundplot der Trilogie stand nach zwei Stunden. Dass Nicholas der Nybbas sein würde, klärte sich aber erst viel später.
Was haben Sie empfunden, als Sie "Nybbas Träume" zum ersten Mal - sozusagen frisch aus der Druckerpresse - in Händen halten konnten?
Ich habe mich gewundert, weil ich mit mehr Emotionen meinerseits gerechnet hätte. Tatsächlich war es eher ein zufriedenes: "Okay. Das ist er also jetzt, der Roman. Mal sehen, wie er sich da draußen schlägt." Der aufregendste Moment für mich war immer der, wenn ich das Cover zum ersten Mal zu sehen bekam. Dann war es real. Echt, da stand mein Name drauf. Das ist immer völlig verrückt!
Im Dezember kommt Ihr neuer Roman "Phoenixfluch" auf den Büchermarkt. Was fasziniert sie an der Legende des Phoenix?
Unsterblichkeit & Feuer, Angst & Faszination.Feuer bedeutet uns Menschen unglaublich viel. Wir bewundern es, wir spielen damit, wir fürchten es, wir brauchen es. Mit der Unsterblichkeit verhält es sich ähnlich. Wollen wir diese oder fürchten wir uns vor der Vorstellung? Bei mir persönlich überwiegt die Furcht. Der Phoenix muss brennen, um wiedergeboren zu werden, das ist der Preis seiner Unsterblichkeit. Und ich habe mich immer gefragt: Wer will denn eine solche Unsterblichkeit? Was kann er getan haben, um mit einem solchen Schicksal gestraft zu werden?
Wie lange haben Sie am "Phoenixfluch" gearbeitet?
Knappe vier Monate von der ersten Idee bis zum letzten Wort (das da lautet: "besonders"), exklusive Lektorat. Eine durchschnittliche Zeitspanne bei mir.
Was war für Sie der schönste Moment, als Sie am "Phoenixfluch" schrieben, was der Schlimmste?
Das ist so eine schöne Frage, danke dafür! Das Schönste war eindeutig, dass ich mich in diesem Roman nochmal sehr intensiv mitverliebt habe. Ich fühlte mich tatsächlich wie frisch verknallt und schwebte ein paar Tage wie auf Wolken. Wenn mir gelungen ist, davon etwas an ein paar Leser weiterzugeben, bin ich sehr, sehr glücklich.Außerdem habe ich die Traumsequenzen unheimlich gerne geschrieben. Der schlimmste Moment war eindeutig der, als mir bewusst wurde, was es mit Samuels Vergangenheit auf sich hatte. Ich musste das so schreiben wie es mir in den Kopf kam, eine Änderung wäre Betrug an meiner Figur gewesen. Aber ich musste zuvor eine massive Grenze aus Zweifeln durchstoßen.
Hat Sie während Ihrer Arbeit an "Nybbas Träume" schon mal die Muse in Form von Samuel, dem Helden aus "Phoenixfluch" geküsst? Oder besser gesagt, hat er sich zu diesem Zeitpunkt schon Gehör verschafft?
Nein, Phoenixfluch kam später, als ich bereits an der Dämonen-Fortsetzung "Nybbas Nächte" saß, gerade unzufrieden war und ein halbes Manuskript gelöscht habe, um nochmal von vorne zu beginnen. Die Idee zu "Phoenixfluch" erreichte mich über Helena, bzw. ihren Hund. Dieser Roman begann also mit einem mit völlig fremden Hund, den ich gerne in einem Roman haben wollte :-) Samuel kam nur langsam ins Spiel. Seine ganze Geschichte entwickelte sich, bzw. zeigte sich mir erst während des Schreibens. Ich habe bei diesem Roman auch selbst erst am Ende erfahren, wie sich alles auflöst.
Wie muss man es sich allgemein vorstellen, wie Ihre Romanfiguren mit Ihnen Kontakt aufnehmen?
Ich versuche mal es bildhaft zu beschreiben, ohne dass das bitte jemand zu wörtlich nimmt. Es ist noch nicht soweit, dass ich Stimmen höre ;-) Aber rein gefühlsmäßig verhalten meine Figuren sich im Umgang mit mir sehr charaktertreu. Nicholas hat mich im Genick gepackt und ohne zu fragen zu seinem Eigentum erklärt. Irgendwann wird er das bereuen, aber noch lacht er über meine Drohung. Joana sah mich schief von der Seite an, als ich nach einer passenden Figur suchte. "Meinst du mich? Sicher? Muss das sein?" Helena stand mit einem Das-ist-übrigens-mein-Hund-und-hier-bin-ich-Grinsen im Raum und Samuel war der Typ, dessen Blicke man immer im Rücken spürt, der aber schnell wegsieht, sobald man sich umdreht.
Wie würden Sie Samuel und Helena in je einem Satz beschreiben?
Helena ist eine behutsame Draufgängerin - und nein, das ist kein Widerspruch.Samuel ist, um es mit Helenas Worten zu sagen, "einfach ein verdammt alternatives Wunder."
Können Sie uns an dieser Stelle, einen kleinen Einblick - fern vom Klappentext - in Ihren neuen Roman gewähren?
Sehr gerne möchte ich Georg erwähnen, einen Mann, der ebenfalls eine bedeutende Rolle in dem Buch spielt. Georg stellt sich selbst als einen Ritter vor, der - ganz dem Klischee entsprechend - Jungfrauen vor Drachen rettet, auch wenn er es mit der Jungfräulichkeit nicht so streng nimmt. Worauf Helena ihn daran erinnert, was häufig die letzten Worte solcher Ritter sind: "War doch nur ein Drache."
"Phoenixfluch" spielt in der Nähe von Freiburg. Hatten Sie ein besonderen Grund, sich für diesen Ort zu entscheiden?
Eigentlich nicht, nein. Das habe ich spontan und ohne Nachdenken so entschieden, weil ich den Schwarzwald mag.
Konnten Sie sich als Autorin in die Gestaltung des Buch-Covers "Phoenixfluch" mit einbringen?
Die Coverdesignerin hat sich bei mir ihre Inspiration geholt, außerdem durfte ich mehrere Entwürfe ansehen. Die Entscheidung hat aber der Verlag getroffen, worüber ich glücklich bin. Ich hätte das nicht entscheiden wollen, die Entwürfe waren alle toll. Ich muss gestehen, dass ich dieses Cover fantastisch finde, ich liebe die Art, wie der Mann sich hinter dem Feuervogel verbirgt und dem Betrachter erst auf den zweiten Blick ins Auge fällt. Das ist Samuel.
Was wäre - Ihrer Meinung nach - der Mensch ohne Phantasie?
Nicht hier.Ohne jede Fantasie würde es den Menschen, in der Form, die wir kennen, nicht geben, denn selbst der Urmensch, der sich zum ersten Mal ein Feuer angezündet hat, wird dazu Fantasie benötigt haben und die Vorstellungskraft, etwas zu schaffen, was ihm nutzen kann. Jeder Mensch hat Fantasie, Fantasie ist nichts anderes als Neugierde und die Frage: "Was passiert, wenn …" Sie mag sich unterschiedlich äußern, künstlerisch, verschroben, wissenschaftlich oder berechnend kühl - und das ist gut so. Aber existent ist sie in jedem.
Liebe Jennifer Benkau! Frei nach Ihrem Ausspruch "Real romance is not for sissies!" möchte ich Ihnen - na klar - für dieses Interview danken, aber noch mehr dafür, dass Sie wie ein frischer Wirbelwind über die deutschsprachige Phantasy-Romance-Szene hinweggefegt sind. Ich persönlich stehe in den Startlöchern und warte auf "Phoenixfluch" und "Nybbas Nächte" und wünsche Ihnen im gleichen Atemzug viele Leserinnen und Leser. Und vor allem keinen dämonischen Bilwis!
Dafür - und für die interessanten Fragen - danke ich ganz herzlich und hoffe, auch mit den nächsten Büchern Staub aufzuwirbeln. :-)
Viele Grüße ans Team und die Leser von Happy-End-Bücher
Jenny Benkau
PS: Verfressene Bilwis werden hier übrigens gebannt und dekorativ ins Regal gestellt.
Quellennachweis
Photo : © Jennifer Benkau
Vita Autorin Quelle: Sieben Verlag