Cassandra Clare
| (Original) Ausgabe | Titel | Titel Original | Held | Heldin |
Anthologien
(2009) The Mirror House - "Vacations from Hell"
(2009) I Never - "Geektastic"
(2009) Other Boys - "The Eternal Kiss"
(2010) Cold Hands - "Zombies Versus Unicorns"
Chroniken der Schattenjäger / Infernal Devices
| Teil (Original) Ausgabe | Titel | Titel Original | Held | Heldin |
| 1. (2010) | ---- | Clockwork Angel | ||
| 2. (2011) | ---- | geplant ... The Clockwork Prince | ||
| 3. (2012) | ---- | geplant ... The Clockwork Princess |
Chroniken der Unterwelt / Mortal Instruments
| Teil (Original) | Titel | Titel Original | Held | Heldin |
|
1. (2007) |
City of Bones (Anke) / Hörbuch City of Bones (Kathi) |
City of Bones | ||
| 2. (2008) |
City of Ashes (Anke) / Hörbuch City of Ashes (Kathi) |
City of Ashes | ||
| 3. (2009) | City of Glass (Kathi) | City of Glass | ||
| 4. (2011) | City of Fallen Angels (Kathi) | City of Fallen Angels | ||
| 5. (2012) | ----- | geplant ... City of Lost Souls | ||
| 6. (2013) | ---- | geplant ... City of Heavenly Fire |
Verbotene Liebe, Dreiecksbeziehungen und haufenweise unerwiderte Liebe
(Text: KR)
Cassandra Clare beschreibt in ihrer Fantasy-Trilogie viele unterschiedliche Arten von Liebe. Besonders den schwierigen Beziehungen widmet sie viele Worte, Sätze, Zeilen, Absätze, ja, ganze Kapitel.
„Verbotene Liebe“ – das ist so ein Schlagwort, nicht ganz unbekannt durch die gleichnamige ARD-Soap. Doch was genau erwartet den Leser in dieser Hinsicht, wenn er ein Fantasy-Buch in Händen hält? Vielleicht die Liebschaft zwischen einem Vampir und einem Menschen? Die Beziehung eines Werwolfs mit einer Fee? Ja, vielleicht. Vielleicht könnte man so etwas erwarten, aber ich hatte keine Ahnung, welche Emotionen sich hinter den „Chroniken der Unterwelt“ verbergen – zumal die Klappentexte auch keine Hinweise in dieser Richtung geben.
Ich habe „City of Bones“ sowie „City of Ashes“ gelesen und bin vom Spannungsgehalt, der mitreißenden Erzählweise, aber besonders von den vielen „Liebesbanden“ überrascht worden. Ich wusste nicht, wie vielschichtig interessant man eine Romanreihe, die aus purer Spannung und Action gewoben ist, durch die vielfältigsten Arten zwischenmenschlicher Liebesgefühle machen kann. Und all das ohne die Spannung auszubremsen und „schmusig“ zu machen. Im Buch spiegelt sich unerwiderte oder unglückliche Liebe, wohin man auch blickt – bedingt durch mehrfach verschachtelte Dreiecksbeziehungen oder die Unmöglichkeit einer Liebesbeziehung: der verbotenen Liebe zwischen Geschwistern. Gespannt warte ich auf den Juni, denn in diesem Monat erscheint der finale Teil der Trilogie: „City of Glass“. Wie werden sich wohl die Verstrickungen lösen? Welche Liebe wird glücklich enden, welche nicht?
An alle weiblichen Leser, die einen Bruder haben (oder mehrere):
Könnt Ihr euch vorstellen, dass Euer Bruder der einzige Mensch ist, zu dem Ihr Euch hingezogen fühlt, dessen Küsse Euch die Sinne rauben? Könnt Ihr Euch vorstellen, dass schon durch seine Blicke und das Aussprechen Eures Namens eine lodernde Leidenschaft in Euch erweckt wird?
Nein? Aber genau diese Empfindungen von Clary bilden den Mittelpunkt im „Liebesknäuel“ – umwickelt von vielen weiteren „Liebesfäden“ der anderen Charaktere.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, meinen Bruder auf diese Weise zu liebeN. Allerdings weiß ich auch schon von Geburt an, dass mein Bruder auch mein Bruder ist!
Clary hat diesen „Vorteil“ nicht. Sie sieht Jace zum ersten Mal, als sie 15 Jahre alt ist. Er ist 17, arrogant, sarkastisch und selbstgerecht, wenn auch sehr attraktiv. Außerdem hält sie ihn für einen Mörder. Das ist er allerdings nicht oder nur bedingt – er ist ein Schattenjäger und tötet „nur“ Dämonen sowie Werwölfe, Vampire, Feen und Hexen/-meister, wenn sie gegen das Friedensabkommen verstoßen haben. Clary ist auch eine Schattenjägerin, aber davon weiß sie noch nichts. Sie weiß nicht, dass ihre Mutter eine Schattenjägerin ist. Sie weiß auch nicht, dass ihr Nachname „Fray“ gar nicht der Mädchenname ihrer Mutter ist und sie in Wirklichkeit „Morgenstern“ heißt. Sie weiß nicht, dass sie das „Zweite Gesicht“ hat, somit alle übersinnlichen Wesen sehen kann und das auch, wenn sie sich mit Zauberglanz vor menschlichen Augen verbergen. Tja und dann geht alles ganz schnell. Clarissa erfährt, wer/was sie ist und während der Suche nach ihrer gekidnappten Mutter verliebt sie sich Hals über Kopf in den arroganten Schönling, der auch so einfühlsam und zärtlich ihr gegenüber sein kann. Doch dann wird auch Jace verschleppt. Clary findet ihn. Sie umarmen sich. Plötzlich steht Jace’ tot geglaubter Vater vor ihnen. Doch dieser ist nicht Michael Wayland, wie alle Welt bis zu diesem Zeitpunkt glaubte, sondern Valentin Morgenstern – Clarys Vater. Sie wiederum hatte bis vor kurzem noch nicht einmal den Hauch einer Ahnung, dass nicht der verunglückte Jonathan Clark, sondern eben dieser Valentin Morgenstern ihr Vater ist. Auch hatte sie ihn nie zuvor gesehen. In dem Moment, als sich Valentin an der Qual seiner Kinder labt und die Familienverhältnisse klärt, bricht für Clary und Jace eine Welt zusammen.
Dann ist da noch Clarys bester Freund – Simon. Sie liebt ihn wie einen Bruder und er liebt sie auch. Nur nicht, wie man eine Schwester und auch nicht, wie man eine beste Freundin liebt. Er will mehr.
Auch Jace hat einen Verehrer – ja, einen Verehrer, keine Verehrerin. Der Sohn seiner Adoptiveltern, sein Ersatzbruder und Partner im Kampf gegen die Dämonen ist schwul. Alec findet allerdings nicht den Mut, offen mit Jace über seine Gefühle zu reden. Eigentlich redet er mit niemandem offen darüber. Die Ausnahme bildet ein kurzes Gespräch mit Clary, die ihm zuvor in einem Streit lautstark ihre Meinung sagte.
Im Laufe des zweiten Bandes – „City of Ashes“ – beginnt Alec dann eine Beziehung mit dem Hexenmeister Magnus Bane, der schon in „City of Bones“ Interesse an ihm zeigte. Womit wir schon bei dem Dritten wären, dessen Gefühle nicht erwidert werden. Alec ist zwar mit Magnus zusammen, aber er liebt ihn nicht. Er mag ihn, aber er liebt ja eigentlich Jace.
Dann gibt es da noch Luke oder wie er richtig heißt: Lucian Graymark. Er ist ein Werwolf. Er war ein Schattenjäger und in Kindertagen der beste Freund von Jocelyn – Clarys Mutter. Dann gab er für sie sein gesamtes bisheriges Leben auf, um neben ihr eine Figur in diesem Versteckspiel vor Dämonen, Schattenjägern und vor allem vor Valentin zu sein. Wie bei Simon wurde auch bei Luke aus Freundschaft Liebe, die er Jocelyn allerdings nie gestand. Jetzt liegt sie in einem komatösen Zustand im Krankenhaus – wahrscheinlich hervorgerufen durch einen Bann oder Fluch.
Einen Charakter aus „City of Ashes“ hätte ich fast vergessen: Maia. Sie ist ein Werwolfmädchen aus Lukes Rudel im Alter von Clary und Simon. Hier nenne ich den „Menschen“, der in Simon verliebt ist – oder zumindest verknallt. Der jedoch mag sie nur. Er liebt ja schließlich Clary. Allerdings werden dieser „Liebschaft“ nur wenige Zeilen gewidmet. Maia ist eine neue Figur im zweiten Teil und sie muss erst richtig in die Geschichte integriert werden. Ich denke, wir werden im finalen Band der Trilogie genug Möglichkeiten bekommen, auch an dieser Verliebtheit emotionalen Anteil zu nehmen.
Neben dieser Menge an „leidenschaftlicher Liebe“ kann man auch viele Arten „familiärer Liebe“ finden. Diese beruhen allerdings nicht nur auf Blutsbanden, sondern vor allem auf emotionaler Wahrnehmung.
Hier werde ich nur einige – die wichtigsten – Beispiele nennen.
Clary sieht Luke als ihren Vater an, er sie als seine Tochter. Er verletzt sie sehr, als er ihr nach der Entführung ihrer Mutter sagt, er sei nicht ihr Vater und sie solle ihn in Ruhe lassen. Doch er will sie in dieser Situation nur schützen. Im weiteren Verlauf des Buches nimmt er wieder voll und ganz die Vaterrolle ein.
Ihren leiblichen Vater erkennt Clary allerdings nicht als den solchen an. Sie hasst ihn. Sie hasst ihn für sein Tun – sein „faschistisches" Denken und das Abschlachten von Schattenwesen; das Im-Stich-lassen ihrer schwangeren Mutter; das Töten ihrer Großeltern; die Art und Weise, wie er Jace aufgezogen, belogen und dann durch einen vorgetäuschten Tod allein gelassen hat; seinen Willen, alles und jeden, der oder das nicht hundertprozentig hinter ihm steht/sein Werkzeug ist, körperlich, als auch geistig zu zerstören … die Liste ist ellenlang – und dafür, dass er ihr die Chance auf eine Beziehung mit Jace genommen hat, weil er ihrer beider Vater ist.
Clary liebt ihre Mutter. Sei findet sie manchmal übervorsichtig und auf jeden Fall zu streng, wenn es um das Erteilen von Hausarrest geht. Auch findet sie, dass ihre Mutter manchmal komisch ist und ohne Grund ausflippt. Nun weiß sie, dass es schon immer einen Grund dafür gab. Clary ist verletzt, weil ihre Mutter ihr so viel verschwiegen und sie belogen hat. Andererseits erkennt sie die Liebe ihr gegenüber in diesem Verhalten. Wenn Clary Halt und Geborgenheit sucht, ist ihre Mutter die Erste, an die sie denkt. Danach kommt Luke.
Eigentlich dachte Clary immer, sie wäre ein Einzelkind. Als sie herausfindet, dass das nicht der Fall ist, könnte sie eigentlich glücklich sein, einen Bruder zu haben. Doch natürlich freut sie sich nicht, sondern ist wie erschlagen. Jeder wäre besser als Jace! Jace sollte ihr Freund und nicht ihr Bruder sein.
Jace möchte seinen leiblichen Vater gerne hassen, aber dazu fehlt ihm die Kraft. Valentin war schließlich 10 Jahre lang seine Familie. Die darauf folgenden 7 Jahre hat er um seinen vermeintlich ermordeten Vater getrauert. Man kann doch die Gefühle des Jungen nachvollziehen. Der Mensch, den er am meisten liebte, ist plötzlich nicht – wie angenommen – tot, sondern lebendig. Natürlich fühlt er sich auch weiterhin zu seinem Vater hingezogen und liebt ihn. Doch diese Liebe nimmt rapide ab, als er durch das Netz aus sehr überzeugenden Lügen schaut und die wahre Gesinnung seines Vaters erkennt. Er würde seine eigenen Kinder für Macht opfern.
Zu seiner Mutter – Jocely, bei der Clary aufwuchs – hat er keine emotionale Bindung. Er hatte nie eine leibliche Mutter, dachte, sie wäre bei seiner Geburt gestorben. Nun befindet sie sich in einem komaartigen Zustand. Sicherlich wird diese Mutter-Sohn-Beziehung in „City of Glass“ noch für einigen Wirbel sorgen.
Richtige – wenn auch nicht leibliche– Eltern findet Jace in Maryse und Robert Lightwood, seinen Adoptiveltern. Er dachte immer, sie wären die besten Freunde seines verstorbenen Vaters gewesen. Das stellt sich ja mit Valentins Bekenntnis, er habe Michael Wayland (den tatsächlichen Freund der Lightwoods) und seinen Sohn ermordet und mit Jace ihre Plätze eingenommen, als unwahr heraus. Fortan fühlt er sich ungeliebt von Maryse und Robert und denkt, sie wollten ihn nie wirklich bei sich haben. Zu dieser Annahme geben ihm die Beiden allerdings auch nicht nur einen triftigen Grund. Doch der Schein trügt. Sie wollen ihn vor dem Rat beschützen, weil er ihnen am Herzen liegt. Wobei Maryse auch Angst davor hat, wie schon von Valentin, nun auch von Jace verletzt zu werden. Liebe macht verletzlich und schlechte Erfahrungen schüren das Misstrauen.
Auch Hodge war so etwas wie ein Ersatzvater für Jace. Er war sein Tutor, sein Lehrer. Jace hat Hodge respektiert – das will schon etwas heißen – und gemocht. Er hat ihm vertraut, doch dieses Vertrauen hat Hodge missbraucht und sie alle egoistisch hintergangen.
Was Jace’ Geschwister angeht, so hat er diese in Alec, Isabelle und Max Lightwood gefunden, nachdem er adoptiert wurde. Clary kann und will er nicht als Schwester anerkennen. Er liebt sie auf eine andere Weile, als die Lightwood-Kinder und kann seine Gefühle nicht einfach ausschalten. Es versucht, Clary zu hassen, weil dann alles leichter wäre, aber auch das schafft er natürlich nicht – die Liebe ist stärker.
Nun zu Valentin. Er ist in den „Chroniken der Unterwelt“ der Böse. Allerdings schafft er es immer wieder durch Tricks sowie den Einsatz seines starken Charismas Wesen (ich fasse mich hier so allgemein wie möglich, da er, der Dämonen hasst, nicht einmal vor der Zusammenstellung einer Dämonenarmee zurück schreckt) für sich und seine Zwecke zu gewinnen. Dafür ist er sich keiner Lüge zu schade. Valentin entspricht nicht dem normalen, dem gesunden Vaterbild. Er hat zwei Kinder, betrachtet sie aber eher als sein Eigentum. Eines davon – den älteren Sohn, Jace – zog er 10 Jahre lang auf, doch er hat nie eine emotionale Bindung zu ihm aufgebaut. Wollte er das nicht oder konnte er einfach nicht? Seine Kinder – und nicht nur die – halten ihn für geisteskrank und machthungrig. Das ist er ohne Frage, aber kann er wirklich keine emotionalen Bindungen aufbauen? Ich denke, dass er es schon könnte, aber es für unnütz, sogar für gefährlich und hinderlich – denn sie machen verletzlich – hält. Jace musste schon in jungen Jahren von ihm lernen „dass lieben zerstören heißt und dass geliebt zu werden bedeutet, derjenige zu sein, der zerstört wird“ (Zitat Jace: „City of Bones“, S. 214, Z. 29 - 30). Genau das will Valentin vermeiden. Er will keinen Angriffspunkt bieten, über den man ihn zerstören könnte. Nicht noch einmal. Denn das ist der Punkt: Valentins Seele bekam einen Riss, als sein Vater bei einem Werwolfangriff ums Leben kam. Er muss ihn sehr geliebt haben, denn der Verlust machte ihn wahnsinnig. Danach ließ er niemanden mehr richtig an sich heran. Das gilt übrigens nicht nur für die Bildung einer Beziehung zu seinen Kindern, sondern für die Bildung alle emotionalen Bindungen. Auch Jocely, seine Frau, liebte er nicht wirklich. Er war vielleicht von ihr fasziniert, aber mehr Gefühle hat er sich nicht gestattet. Auch gegenüber seinen vermeintlich engsten Freunden, zu denen auch Luke einst gehörte, empfand er nie etwas. Sie waren einzig und allein Werkzeuge in seiner Hand. Nie wieder sollte etwas so viel Macht über ihn haben, wie der Tod seines Vaters. Das würde ihn vollständig zerstören.
Ich denke, es führt zu weit, wenn ich alle Familienbande aufzähle, die in diesen Romanen beschrieben werden. Nur noch so viel:
Isabelle sieht Jace als ihren Bruder an. Sie hat mal ein bisschen für ihn geschwärmt. Vielleicht war das aber auch nur das Austesten der weiblichen Reize in ihrem Alter. Alec hingegen hat es schwerer. Jace lebt wie Alecs Bruder bei den Lightwoods. Alec empfindet auch eine Art Bruderliebe für ihn, aber da ist noch mehr. Denn eigentlich kam Jace ja erst in die Familie, als er 10 Jahren alt war. Deshalb ist er für Alec eher ein Freund, der schon fast zur Familie gehört, als ein richtiger Bruder. Aus Freundschaft kann manchmal ganz schnell Liebe werden, wie das auch bei Simons Gefühlen für Clary der Fall ist.
Zwischen Alec und Isabelle besteht eigentlich ein recht gutes Geschwisterverhältnis. Sie haben einander lieb und tun alles, um einander zu schützen und zu helfen. Auch mit ihrem kleinen Bruder Max verstehen sie sich sehr gut. Er fühlt sich allerdings, wie alle Jungs in seinem Alter, nicht gerecht behandelt. Er ist der Meinung: „Ich bin doch kein kleines Kind mehr!“. Seine Eltern und Geschwister behandeln ihn aber genau so: als ein noch zu kleines Kind. Was angesichts der großen Gefahren auch nur von der Liebe ihm gegenüber zeugt. Max vergöttert Jace. Er ist für ihn so etwas wie ein Held.
Ich bewundere Cassandra Clare. Sie hat sich mit ungewöhnlich vielen emotionalen Regungen auseinander gesetzt. Sie betrachtet sowohl die sich „normal entwickelnde“ Erste Liebe zweier Jugendlicher, als auch eine aus Freundschaft resultierende Liebe. Sie schildert Geschwisterliebe sowie die Liebe von Kindern zu ihren Eltern und umgekehrt. Clare macht eine allgemeine Aussage über die Familie – leiblich oder rein emotional – und definiert sie mit der Liebe und dem Zusammenhalt mehrere Personen zueinander. Jede Schilderung der Beziehungen ihrer Charaktere hat eigene Facetten, doch sie alle haben eines gemeinsam: die Liebe. Diese zieht sich wie der Rote Faden durch die „Chroniken der Unterwelt“. Cassandra Clare behandelt sowohl Hetero-, als auch Homosexualität, schließt damit niemanden aus. Vor Tabu-Themen scheut sie sich nicht. Sie beschreibt eine Liebe zwischen Geschwistern, die so nicht sein dürfte. Und damit meine ich nicht nur Clary und Jace. Auch Alec ist zumindest Jace’ Adoptivbruder, doch das ändert nichts daran, dass er Jace liebt. Sie beschreibt sowohl die Hochgefühle, als auch besonders die Ängste, den Kummer und den Schmerz der Liebenden. Warum schuf sie nicht zwei Liebende (meinetwegen auch zwei oder drei Paare), die einfach nach den üblichen Schwierigkeiten klischeehaft glücklich miteinander sind und sich gegenseitig in den Gefahren Kraft geben, sich stützen?! Ich denke, das ist genau der Punkt: An dieser Trilogie (zumindest in den ersten beiden Teilen, die bisher erschienen sind) ist nichts Klischeehaftes. Clare zeigt die Liebe als Außenstehende ohne einen Blick durch die rosarote Brille. Liebe wird schließlich nicht immer erwidert, Eifersucht gehört zur Tagesordnung. Auch können Liebende manchmal durch äußere Umstände nicht miteinander glücklich werden. Dennoch ist es wichtig – diese Botschaft übermittelte Cassandra Clare mir mit ihren Büchern – nicht den Blick für das Schöne an Liebe und Freundschaft zu verlieren, auch wenn das manchmal nicht so einfach ist. Gerade wenn es Probleme gibt, ist es wichtig, jemanden zu haben, den man liebt und von dem man geliebt wird. Ist das der Grund dafür, dass Alec mit Magnus zusammen ist, obwohl er Jace liebt? Braucht er jemanden der ihn liebt, so wie er seinen „Bruder“? Und in wie weit spielt das Gefühl der Schuldigkeit in einer Beziehung eine Rolle? Wenn man jemanden liebt, vielleicht nur freundschaftlich liebt, will man ihn nicht verletzen. Das will Clary auch nicht – sie will Simon, ihrem besten Freund, nicht wehtun. Deshalb stößt sie ihn nicht weg, als er sie als seine Freundin bezeichnet, sondern beginnt eine Beziehung mit ihm. Sie liebt ihn schließlich … irgendwie. Doch glücklich ist sie nicht. Es ist „nett […], entspannt und angenehm und behaglich“ (Zitat Clary: „City of Ashes“, S. 103, Z. 2 - 3) wenn er sie küsst. Doch sollte es nicht leidenschaftlich sein? So wie bei einem Kuss von Jace? „Sein Kuss hatte sich angefühlt, als hätte er tief in ihrem Inneren eine Ader zu einem unbekannten Gefühl geöffnet, zu einer Empfindung, die heißer und süßer und bitterer war als Blut“ (Zitat Clary: „City of Ashes“, S. 103, Z. 6 - 9). Es reicht nicht, ein „halbes Herz“ zu verschenken. Simon trennt sich letztendlich von Clary, weil er lieber eine „ganze“ Freundschaft, als eine „halbe“ Liebe haben möchte.
Beim Lesen habe ich die Vielzahl verschlungener Emotionen miterlebt. Ich wusste vorher nicht, dass man eine spannungsgeladene Fantasy-Reihe auf diese Weise mit Liebe und solchen Gefühlen spicken kann. Ich kann sie hier nur andeuten und weiß, dass meine Ausführungen auch nur einen kleinen Einblick geben. Dennoch habe ich bisher kein Buch gelesen, indem annähernd so viel unerwiderte Liebe eine Rolle spielte. Und dann sind die „Chroniken der Unterwelt“ – ich weiß, ich wiederhole mich – ja nicht irgendwelche Bücher, sondern Fantasy-Bücher mit einem Action- und Spannungsgehalt von 99,9 Prozent. Interessante Mischung, oder?! Mich hat sie fasziniert!
Ich denke, Cassandra Clare wollte ihre Leser für die Liebe – selbst in schweren, stressigen und nervenaufreibenden Tagen – sensibilisieren. Bei mir hat sie das geschafft. Sie zeigt, dass es Liebe, auch wenn sie nicht glücklich endet, immer wert ist, gefühlt zu werden.
Eure Kathi