Vita Marie Cordonnier

(Text: NG)

Heute möchte ich in unserem monatlichen Autorenporträt einmal eine deutschsprachige Autorin vorstellen, die seit einigen Jahren zu meinen Lieblingsautorinnen im historischen Liebesromanbereich gehört. Marie Cordonnier alias Valerie Lord, alias Marie Cristen.

Das Schreiben machte ihr schon in der Schulzeit immer sehr viel Spaß. Frau Schuster betont, dass sie dies mitunter ihrer Deutschlehrerin zu verdanken hat, die ihre Phantasie und ihren Hang zum Schreiben niemals einschränkte. Zuletzt arbeitete sie als Chefredakteurin bei der Jugendzeitschrift „Mädchen“, doch dort wurde ihr irgendwann klar, dass sie dadurch immer weniger Zeit zur Verfügung hatte, sich selbst ihrem Hobby, dem Schreiben zu widmen, weil der Job sehr umfangreich war. Nach der Geburt ihres Sohnes, gab sie ihren vorherigen Beruf auf und wurde schließlich zur freien Autorin.

Gaby Schuster, so lautet ihr richtiger Name, schrieb mehrere Jugendbücher, die im Schneider, Arena und Loewe Verlag veröffentlicht wurden. Ebenfalls wurden auch einige Heftromane von ihr veröffentlicht.

1987 erschien dann ihr erster historischer Liebesroman mit Frankreichsetting mit dem Titel „Isabelle“. Danach folgten weitere Teile der erfolgreichen Buchserie und auch andere „Historicals“, mit dem Handlungsort Frankreich; dem erklärten Lieblingssetting, der Autorin.

Ihre historischen Liebesromane, die unter dem Pseudonym Marie Cordonnier erschienen sind, bestechen alle durch eine unterhaltsame Handlung und der historische Hintergrund der Geschichte ist immer sehr gut recherchiert. Im Gegensatz zu Büchern von Autorinnen wie zum Beispiel Kinley MacGregor oder Julie Garwood, haben Romane von Marie Cordonnier meist einen etwas ernsteren Hintergrund. Die Hauptprotagonisten werden nie geschont und müssen eine Menge an Abenteuern bestehen, bis sie endlich ihr (Liebes) Glück finden. Was ich gerade bei dieser Autorin interessant finde, ist die Tatsache, dass sich ihre Bücher vom sehr guten mitreißenden Schreibstil her, nicht von denen ihrer englischsprachigen Kolleginnen unterscheidet. Gerade im historischen Liebesromanbereich gibt es meiner Meinung nach leider sehr wenige deutschsprachige Autorinnen, wo man diesen Unterschied nicht bemerkt. Eine ganze Zeit lang waren die Cordonnierromane OOP (Out of Print) , doch der Weltbild Verlag hat mittlerweile fast alle Titel neu herausgebracht und man dürfte sie nun wieder ohne Probleme bekommen.

Später kamen weitere historische Liebesromane hinzu, die statt Frankreich, das mittelalterliche England als Setting hatten. Darunter befindet sich auch die beliebte Familienserie um die Töchter des Rosenturms. Diese Romane wurden unter dem zweiten Pseudonym der Autorin, unter dem Namen Valerie Lord, bei Verlagen wie Heyne veröffentlicht.

Mittlerweile schreibt Frau Schuster noch unter einem dritten Pseudonym (Marie Cristen) reine historische Romane/Romanbiographien.

Weitere Informationen findet Ihr nun in dem nachfolgenden Kurzinterview. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal herzlich für die ausführliche Beantwortung meiner Fragen bei der Autorin bedanken.

Eure Nicole

Interview


Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?


Marie Cordonnier:
Schreiben ist für mich Beruf und Hobby zugleich. Ich bin von Beruf Zeitungsredakteurin, war lange Jahre Chefredakteurin der Zeitschrift "Mädchen" und habe mich als Autorin selbstständig gemacht, als mein Sohn 1981 auf die Welt kam.


Haben Sie eine Vorliebe für ein besonders Setting? Und warum?

Marie Cordonnier:
Ich schreibe am liebsten über Gegenden, die ich selbst gesehen habe. Frankreich, England und Italien bieten sich da an.


Wie viel Zeit benötigen Sie, bis ein Buch fertig ist? Also von der Recherche angefangen, bis hin zum fertigen Manuskript?

Marie Cordonnier:
Das hängt von der Seitenzahl und vom Genre ab. Jugendbücher mit 120 Seiten, 3 Monate, historische Liebesromane mit bis zu 400 Seiten 4 - 5 Monate, ein großer historischer Roman mit über 500 Seiten sicher ein Jahr, denn dafür ist wesentlich mehr Recherche und Vorarbeit nötig.


Meine Lieblingsbücher von Ihnen, sind die, um die Marivauxfamilie und die Rosenturm-Reihe. Sind in Zukunft weitere Familienserien von Ihnen in Planung?

Marie Cordonnier:
Im weitesten Sinn zur Rosenturmserie gehört auch "Duell der Sinnlichkeit", das im Februar bei Heyne erschienen ist. Wie es jedoch weiter geht, hängt vom Verlag ab. Marie Cordonnier liegt zu meinem großen Kummer ein wenig auf "Eis", da
man beim Verlag die Meinung vertritt, dass Frankreich im Moment nicht so gefragt ist wie England.


Welche Hauptprotagonisten aus Ihren Büchern sind Ihnen am meisten ans Herz gewachsen?

Marie Cordonnier:
Im Grunde immer diejenigen, die gerade in meinem Computer entstehen. In dieser Phase lebt man regelrecht mit seinen Protagonisten und hat sie ins Herz geschlossen.


Wie muss Ihrer Meinung nach ein Liebesromanheld "gestrickt" sein?

Marie Cordonnier:
Darauf gibt es nur eine subjektive Antwort. Für mich muss er so sein, dass ich mich an Stelle meiner Heldin in ihn verlieben könnte. Wenn ich ihn und seine Reaktionen nicht ausstehen kann, dann ist die ganze Geschichte für mich unmöglich.


Wie schwer war es für Sie, die erste erotischere Liebesszene zu schreiben?

Marie Cordonnier:
Eigentlich gar nicht, denn Erotik gehört zur Liebe. Das ergibt sich ganz von selbst, da meine Heldinnen lebensechte Storys erleben sollen. Glücklicherweise habe ich noch nie ein Buch im Computer gehabt, in dem mir an bestimmten Stellen - wie es leider manchmal üblich ist - die Liebesszenen vorgeschrieben wurden. Das fände ich schwierig.


Sind ihre Bücher auch in anderen Ländern veröffentlicht worden?


Marie Cordonnier:
Russland, Tschechien, Slowenien, Polen, Litauen, Estland, Polen, Frankreich, Niederlande, Griechenland, China, Norwegen... ich hoffe, ich habe nichts vergessen.


Was lesen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Marie Cordonnier:
Sehr viel Historisches, aber auch Sachbücher, Biographien, Reisebeschreibungen, wenige Krimis, moderne Romane, alles was mir in die Finger kommt und mich interessiert. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht wenigstens ein paar Seiten lese.


Gibt es Autorinnen, die Sie bewundern? (Vorbilder) Und wenn ja, warum?


Marie Cordonnier:
Mein erstes großes Vorbild war mit 14 Jahren Anne Golon, die die Angélique-Bände geschrieben hat, dann Georgette Heyer. Damals entstand mein Wunsch, selbst einmal solche Bücher zu schreiben. Heute habe ich kein bestimmtes Vorbild, aber ich bewundere Autoren die eine spannende, anrührende und gleichzeitig informative Geschichte schreiben
können. Diana Gabaldon zum Beispiel, aber auch Patricia McKillip, die für ihre Fantasy Bücher geradezu eine eigene Sprache erfindet und Donna Leon und....eigentlich sind es zu viele um bestimmte einzeln herauszuheben.


An was arbeiten Sie im Moment?

Marie Cordonnier:
Am Exposé für einen großen historischen Roman für den Knaur Verlag. Das Nachfolgebuch für "Beginenfeuer" und "Die Stunde des Venezianers", das im September von Marie Cristen erscheint.


Wie ich lesen konnte, schreiben Sie nun auch unter dem Namen Marie Cristen historische Romane. Wie stark unterscheiden sich Ihre historischen Romane von Ihren historischen Liebesromanen, Ihrer Meinung nach?

Marie Cordonnier:
Die Bücher von Marie Cristen unterscheiden sich von den historischen Liebesromanen insofern, als sie mehr die gewählte Zeit und ihre Umstände, denn die Liebe in den Mittelpunkt stellen. Hier geht es um menschliche Schicksale in historischen Zeiten und die Liebe ist nur ein Aspekt von vielen. Ein solcher Roman benötigt mehr Recherche, mehr Schreibaufwand
und auch mehr dramaturgische Arbeit. Es werden mehr Personen charakterisiert und mehr Lebensfäden miteinander verbunden. Generell habe ich mich jedoch auch in meinen historischen Liebesromanen stets darum bemüht, die Ereignisse und historischen Personen nicht zu verfälschen. Es ist ein wenig mein Markenzeichen, dass ich auch bei unterhaltsameren "leichteren" Büchern, historisch korrekt bin.


Sind auch weitere historische Romane von Ihnen geplant? Und wenn ja, über welches Thema werden Sie schreiben?

Marie Cordonnier:
Auch der neue Roman, dessen Exposé ich eben erarbeite, wird wieder auf die Familienstrukturen, der beiden ersten Bücher zurückgreifen. Im weitesten Sinne ist es eine Geschichte der Familie Andrieu und eine Geschichte Brügges, zu Zeiten der großen Herzöge von Burgund.

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