Vita Katarina Fischer

Katarina Fischer wurde 1982 in Hamburg geboren. Nach zwei lehrreichen Jahren in London lebt sie seit 2006 wieder in der Hansestadt, arbeitet als Fotoredakteurin, Gelegenheits-DJ und schreibt. Inzwischen hat sie einen guten Draht zu dem Mann der im Baumarkt die Farben mischt. Sie mag lange Haare. (Quelle: Heyne)
Frage und Antwort
(Text: SG)
In Ihrem Buch „Liebe geht anders“, das im Oktober 2010 erscheint, erzählen Sie von einer jungen Frau, die auf der Suche nach der großen Liebe ist. Sie erlebt dabei Witziges und Trauriges, zieht auch innerlich stellenweise das Resümee, das dem Titel des Romans entspricht. Würden Sie sagen, dass Ihre Protagonistin eine Idealistin in Sachen Liebe ist?
Daphne hat eine Idee davon, wie Liebe aussehen sollte und manche Beziehungen in ihrer näheren Umgebung entsprechen dem dann auch – oberflächlich betrachtet. Eigentlich gibt es so etwas wie eine fehlerfreie Beziehung oder eine ideale Liebe aber nicht und wenn man diesem Mythos hinterherjagt, muss am Ende ja einfach enttäuscht und frustriert sein. Ich mag Daphne zu gern, um ihr das anzutun. Deswegen ist sie keine Idealistin in Sachen Liebe. Sie versucht lediglich das Spiel zu verstehen, um ihr Herz zu schützen. Was ihr nicht gelingt. Weil die Liebe ziemlich kompliziert ist. Zum Glück. So bleibt sie spannend…
Sie schreiben sehr berührend bzw. Ihre Ich-Erzählerin wirkt auch sehr authentisch. Wie viel "Katarina Fischer" steckt in Ihren Büchern? Beschreiben Sie teilweise selbst erlebte Situationen?
Ich bin ein Freund der Idee, dass man über das schreiben soll, was man kennt. Dann stimmt der Inhalt und der Text liest sich automatisch flüssiger. Natürlich erfinde ich aber auch neue Geschichten und Figuren - weil mir das sehr viel Spaß macht. Man kann definitiv sagen, dass sich in meinem Buch Realität und Fiktion die Klinke in die Hand geben. Wenn nicht offensichtlich ist, wo das eine anfängt und das andere aufhört: umso besser.
Sie sind nicht nur als Schriftstellerin tätig, sondern auch als Fotoredakteurin und als Gelegenheits-DJ. Wie können wir uns Ihren sicherlich abwechslungsreichen Alltag vorstellen bzw. gibt es überhaupt einen typischen "Katarina-Fischer-Tag"?
Ich stehe wie jeder Mensch morgens auf und gehe abends schlafen. Dazwischen versuche ich so viele Dinge wie möglich zu erledigen und zu erleben. Meistens nehme ich mir zu viel vor, denn neben den Dingen, die ich tun muss gibt es mindestens so viele Dinge, die ich tun will: dazu gehört in erster Linie das Schreiben, aber auch Treffen mit meinen Freunden sind mir sehr wichtig.
Kein Tag ist wie der andere, soviel ist sicher. Wenn das so wäre, würde ich anfangen, mir Sorgen zu machen. Nichts gegen Routine. Aber für einen allzu geregelten Tagesablauf bin ich einfach noch zu jung.
Haben Sie Schreibgewohnheiten, z.B. bestimmte Orte, Tageszeiten oder Schreibutensilien?
Ich schreibe am liebsten morgens, gleich nach dem Aufwachen, im Bett. Dann ist der Kopf frei und aufgeräumt. Zum Arbeiten brauche ich meinen Laptop (ich habe eine schreckliche Handschrift, die niemand lesen kann) und ein Glas Tee mit Honig. Leider bleiben mir meistens nur ein bis zwei Stunden bevor ich aufstehen und zur Arbeit gehen muss. Deswegen nutze ich die Wochenenden, so gut es geht, oder nehme mir frei, damit ich in Ruhe Schreiben kann.
Welche Aspekte gefallen ihnen sehr gut am Schreibprozess, welche finden Sie eher anstrengend?
Schreiben ist seit Grundschulzeiten mein Hobby, insofern gibt es für mich eigentlich keine negativen Aspekte daran. Aber natürlich macht es einen Unterschied, ob man für sich allein schreibt oder ob man weiß, dass das Geschriebene veröffentlicht und anderen Menschen zugänglich gemacht wird. Und wenn Letzteres der Fall ist, muss ich mir während des Schreibens eben öfter als sonst die Frage stellen, ob der Text verständlich genug ist. Das empfinde ich manchmal als anstrengend. Manchmal ist es aber auch ganz befriedigend, weil es mir das Gefühl gibt, ein echtes Handwerk auszuüben, bei dem man nicht schludern darf.
Lesen Sie selber auch gerne Bücher? Wenn ja, welches Genre bevorzugen Sie und gibt es Lieblingsautoren?
Ich lese sehr viel und bin immer unglaublich glücklich, wenn ich ein Buch in der Hand habe, das mich so in seinen Bann zieht, dass ich es nicht mehr weglegen kann. Das ist eigentlich das einzige Kriterium, das ein Buch für mich erfüllen muss, Genres sind mir im Prinzip egal. Ich lese zwar nicht oft Historienromane, aber wenn mir jemand eine gute Empfehlung in dem Bereich machen würde, würde ich dem Buch eine Chance geben (ist bisher allerdings noch nicht passiert).
Genauso wenig wie von Genres lasse ich mich von Autoren leiten. Es gibt einige Autoren, die mich sehr beeindruckt haben, T.C. Boyle, Neil Gaiman und auch J.K. Rowling (ich bin Harry Potter Fan), aber selbst ihre Bücher sind nicht alle ausnahmslos fantastisch.
Man muss eben viel lesen, um die Rosinen im Kuchen zu finden. Gut, dass Lesen so ein schöner Zeitvertreib ist.
Welchen Traum möchten Sie sich in Ihrem Leben gerne erfüllen?
Irgendwann würde ich gern vom Schreiben leben können. Das würde mich sehr glücklich machen.
Bitte vervollständigen Sie den folgenden Satz:
Liebe ist… immer anders.
Was ist Ihrer Meinung nach das schönste Liebeslied?
Schwer zu sagen. Ich finde, jede Liebe verdient ihr eigenes Lied, das zu den Umständen und zu den Menschen passt, die diese Liebe teilen. Es muss den richtigen Text, die richtige Stimmung, das richtige Tempo haben. Irgendwann stolpert man darüber und weiß: das ist es. Und ich meine nicht das berühmte gemeinsame Lied, zu dem man zum ersten Mal getanzt oder rumgeknutscht hat. Ich meine das Lied, das man noch zehn Jahre, nachdem die Liebe erloschen ist hören kann, und das einem das Gefühl von damals für drei Minuten irgendwas wieder zurück bringt.
Ich habe ein paar von diesen Liedern. Aber ich behalte sie für mich.
Sammeln Sie bereits Ideen zu einem neuen Roman oder schreiben Sie sogar schon daran? Falls ja – möchten Sie unseren Lesern ein wenig darüber verraten?
Zurzeit arbeite ich fleißig an meinem zweiten Buch. Verraten möchte ich aber noch nichts. Stattdessen wünsche ich lieber viel Spaß bei der Lektüre von "Liebe geht anders".
Liebe Katarina Fische vielen Dank für das Interview.
Quellennachweis
Photo Katarina Fischer: © Benni Bock