Vita Anke Greifeneder

(Text: SG)

Anke Greifeneder studierte Jura in Konstanz, wo sie weder Gerechtigkeit noch einen Ehemann fand. Sie tauchte ab in die Medienweltund leitete zunächst die Programmplanung für MTV in London, dann die Abteilung Einkauf und Showentwicklung für MTV und VIVA in Berlin. Als Channel Managerin für Comedy Central war sie am Aufbau des Kanals beteiligt und wechselte im Oktober 2007 zu Turner Broadcasting System nach München,wo sie als Programmdirektorin die Sender Cartoon Network, Boomerang,TNT Serie und TNT Film verantwortet. Fremd Flirten ist ihr vierter Roman.

Frage und Antwort

Im Mai diesen Jahres ist ihr Roman „Fremd flirten“ bei Lübbe erschienen. Mir hat Ihr leichter und warmherziger Schreibstil gut gefallen – vielleicht mögen Sie unseren Lesern ein wenig über die Handlung und die Entstehung des Romans erzählen?

Es geht um Dr. Stella Raabe, im Alltag Therapeutin, die bei ihrer Freundin Anne in London untertaucht, um dem Exfreund und einer Jobkrise zu entfliehen. Prompt findet sie sich inkognito als Nanny bei den oberen Zehntausend wieder. Ein großer Spaß - bis Stella Edward kennenlernt, einen echten Lord, ziemlich verlobt ... und höchst bereit, nicht nur Tips zur Kindererziehung mit ihr auszutauschen ... Der Roman spielt in London, hauptsächlich in Hampstead. In diesem Stadtteil habe ich über 2 Jahre gelebt, als ich für den Musiksender MTV in London gearbeitet habe. Da ich mich in London gut auskenne und das Land sehr liebe, wollte ich immer einen meiner Romane dort spielen lassen. Auch die Ausgangssituation Stellas, die sich überarbeitet hat, wieder zu sich kommen muss und eine Auszeit braucht, kenne ich selber.


Sie sind Programmdirektorin von vier TV-Sendern von Turner und schreiben auch Romane. Verraten Sie uns, wie sie diese beiden zeitintensiven Tätigkeiten unter einen Hut bringen?

Für mich ist Schreiben abgesehen von der immer drohenden Deadline Entspannung. Wenn ich im Fluss bin, eine gute Szene oder einen witzigen Dialog geschrieben habe, ist das Belohnung pur. Außerdem ist Schreiben eine sehr zurückgezogene Angelegenheit und damit eine gute Abwechslung zu meinem meistens doch sehr schnellen, lauten Alltag, der von sehr viel Austausch und Kommunikation mit anderen Menschen geprägt ist. Noch bekomme ich beides gut unter einen Hut, wobei das schon auch mit Disziplin und Konstanz zu tun hat. Ich kann nicht immer warten, bis mich die Muße küsst oder um Eingebung meditieren, vieles beim Schreiben hat für mich auch mit Handwerk zu tun, wobei das jetzt nicht sexy klingt, denn im Vordergrund steht immer die Lust Geschichten und Figuren zu erzählen und Leser zum Lachen zu bringen.


Die letzte Frage führt mich zu folgender: Wie können wir uns einen typischen Anke-Greifeneder-Tag vorstellen?

Definitiv zu kurz! Manche meinen auch, ich leide unter ADHS… Ich fange meistens um 9.30h beim Sender zu arbeiten an (ich freu mich jeden Tag darauf), habe Besprechungen mit meinem Team, treffe Studios, um Filme, Serien oder Kinderprogramme zu kaufen, bin ab und zu beim Dreh für verschiedene Sendungen, die wir produzieren, reise viel - immer noch auch nach London - und habe mit meinem Tip Top Turner Team immer wieder viel zu lachen. Abends bin ich manchmal auf Veranstaltungen oder Premieren oder treffe mich mit Freunden oder Familie. Sport schaffe ich leider zu selten, kochen hingegen öfter, Klavier spielen je nach Gemütslage und Kino geht eigentlich immer. Tja und spät abends oder am Wochenende schalte ich den Laptop an, kraule meine beiden Katzen (nein, ich bin nicht wunderlich, nur weil ich Katzen habe…) und denke mir lustige Geschichten aus. Ich gehe ziemlich spät ins Bett und bin eigentlich ständig unausgeschlafen.


Wann haben Sie gemerkt, dass Sie Talent für das Schreiben haben?

Ob es ein Talent ist liegt ja meistens im Auge des Betrachters J Ich denke, ich habe auf alle Fälle das Talent zu unterhalten. Ich habe ziemlich früh angefangen Geschichten zu schreiben, schon mit 12 Jahren. Mit 16 begann ich für Lokalzeitungen zu schreiben und mit 28 meinen ersten Roman „Klatschmohn“. Keine Ahnung, ob es was zu bedeuten hat, aber im Deutschunterricht hatte ich immer sehr gute Noten, wenn mir auch oft fehlender Ernst attestiert wurde, weil ich zu viel gelacht habe… Ich kann mich wirklich an einen Lehrer erinnern, der mir keine eins geben wolle, obwohl ich schriftlich glatt auf eins stand, weil er fand, dass ich den Unterricht und das Leben nicht ernst genug nehmen würde.


Wie kommen Sie zu den Ideen Ihrer Romane? Fantasie und/oder viele Einflüsse aus dem real life?

Wenn ich ehrlich bin vieles aus dem wahren Leben. Ich kann das einfacher glaubhafter erzählen, wenn ich es selbst erlebt habe oder zumindest im Freundeskreis oder beruflichen Umfeld mitbekommen habe. Natürlich wird das dann auch mal ausgeschmückt oder übersteigert und manches dazu erfunden, aber sehr vieles ist wirklich passiert. Wichtig ist, dass meine Eltern nicht glauben, ich hätte ein Alkoholproblem nur weil im ersten Buch meine Hauptfigur Pia gerne über den Durst getrunken hatHaben Sie spezielle Schreibgewohnheiten? Wenn ja, welche (PC/per Hand, bestimmte Tageszeiten und/oder Orte)?Ideen, die mir irgendwo einfallen schriftlich schreibe ich in ein Notizbuch oder auf einen Zettel. Ansonsten nehme ich immer den Laptop und schreibe entweder auf dem Sofa, Bett oder am Schreibtisch. Kann eigentlich überall schreiben, so lange es ruhig und gemütlich ist. Zeitbedingt eben am Wochenende/Urlaub und am Abend.


Lesen Sie persönlich auch gerne? Wenn ja, welche Genres mögen Sie und haben Sie Lieblingsautoren?

Ich bin als Lehrerkind pädagogisch wertvoll ohne Fernsehen aufgewachsen, wir hatten wirklich keinen, bis ich 16 Jahre alt war. Aus diesem Grund habe ich alles gelesen, was mir in die Finger kam. Ich gehörte zu den Mädels, die die Stadtbücherei leer geliehen und nachts noch mit der Taschenlampe unterm Bett heimlich gelesen haben. Heute habe ich weniger Zeit zu lesen, mag aber eigentlich jedes Genre. Ich möchte einfach unterhalten, informiert, berührt oder aufgerüttelt werden, da ist mir das Genre oder der Autor egal, wobei ich sagen muss, dass Astrid Lindgren in jungen Jahren bestimmt einen sehr wichtigen Einfluss hatte, auch Enyd Blyton ( ja, gebe ich hiermit öffentlich zu!) später Hesse und inzwischen queerbeet


Wie würden Sie sich selbst beschreiben? Welche Charaktereigenschaften sind typisch für Sie?

Meistens sonnig und gut gelaunt, lache gern, habe tausend Ideen, liebe Menschen, bin neugierig und interessiert, sinnlich, manchmal zu gutmütig, versuche oft zu viel unter einen Hut zu bringen und es allen Recht zu machen und kann ganz schlecht Menschen weh tun. Ich mags harmonisch, bin sehr spontan und flexibel, mag aber keine großen Veränderungen. Ich loyal und ne echt schlechte Autofahrerin, außerdem habe ich Höhenangst und hasse Achterbahn fahren.


Was war die beste Entscheidung Ihres Lebens?

Beruflich: Jura komplett sein zu lassen und in die Medien zu gehen. Nur weil man einen Gerechtigkeitssinn hat und einem Schwarz steht, sollte man nicht gleich überlegen Anwältin zu werden. In den Programmbereich zu gehen und mit Inhalten zu arbeiten, war die beste berufliche Entscheidung.
Privat gab es schon ganz viele und ich hoffe, dass es noch mehr sein werden.


Können Sie uns etwas über Ihre nächsten Schreibprojekte verraten und ob evtl. schon ein neuer Frauenroman in Arbeit ist?

Ja, ich schreibe bereits an meinem fünften Roman.


Vielen Dank für das sympathische Interview.

Quellennachweis

Photo: © Anke Greifeneder

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