Vita Christiane Gref

(Quelle: Elysion Books)

Christiane Gref wurde 1975 geboren. Sie lebt und arbeitet in Hanau.

2005 schlug sie den klassischen Weg des Schreibens über die Kurzgeschichte ein, zahlreiche Texte verschiedener Genres wurden bisher in Anthologien und Magazinen veröffentlicht. Sie gehört der Autorengruppe "Drachenkinder" an, ferner ist sie ehrenamtliche Redakteurin beim "Trekzone-Network" und beim "Phantastik-Journal".
2008 belegte sie in der Kategorie "beste Kurzgeschichte" Platz 4 sowie Platz 2 für die "beste Anthologie" des Deutschen Phantastikpreises.
2009 erlangte die Anthologie "Geschichten eines Krieges" Platz 3 des Deutschen Phantastikpreises.

"Das Meisterstück", ein historischer Roman, der im Dreißigjährigen Krieg spielt, ist ihr Debütroman und erschien im April 2010 beim Verlag M. Naumann.

Sie ist Vorstand im neu gegründeten Verein für kreatives Schreiben, der "Autorengruppe ZwanzigZehn".

Rezension auf Happy End Buecher
Im Bann der Engel (Ka)

Homepage der Autorin Christane Gref

Frage und Antwort

Liebe Christiane, wie Sie sich sicher denken können, war ich mitunter auch auf Ihrer Homepage "Autorenkrise" unterwegs, um für das Interview mit Ihnen gerüstet zu sein. Und jetzt haben Sie es geschafft. Ich bin etwas sprachlos.
Um den Lesern zu erklären warum, fangen wir von vorne an: Sie sind 35 Jahre alt, arbeiten ganztags im Qualitätsmanagement, sind verheiratet und haben einen dreijährigen Sohn. Wann schreiben Sie?


Ich teile mir den Tag immer sehr genau ein, plane meine Schreibzeiten und hüte sie eifersüchtig. Unter der Woche schreibe ich abends, wenn mein Sohn im Bett ist. Wobei ich darauf achte, mir auch mal einen schreibfreien Abend zu gönnen. Da läuft dann - außer Erholung - nicht mehr wirklich viel. Am Wochenende kommt es schon mal vor, dass ich einen ganzen Vormittag oder Nachmittag am Manuskript sitze.


Wie bringen Sie neben Arbeit, Familie, Schreiben noch Ihre Lesungen unter, die Sie in großer Zahl halten?

Die Lesungen finden größtenteils am Wochenende statt, entweder begleitet mich meine Familie oder mein Mann passt auf unseren Sohn auf.


Hält Ihnen Ihre Familie den Rücken frei?

Ja, das tut sie. Anders wäre dieses Pensum auch kaum zu bewältigen. Ich bin dankbar, dass mein Mann und meine Schwiegereltern mich unterstützen und auch in Zeiten, in denen ich fast drauf und dran war, die Schreiberei an den Nagel zu hängen, immer ermutigt haben, am Ball zu bleiben.


Sie schreiben, dass der Sinn, warum Sie Geschichten erfinden, darin zu sehen ist, diese anderen Menschen zu erzählen. Was bewegt Sie, wenn Sie vorlesen?

Mir ist aufgefallen, wie sehr gerade Erwachsene es genießen, einer Geschichte zu lauschen. Lesungen haben für mich etwas Ursprüngliches. Als noch keine Schrift existierte, waren Menschen darauf angewiesen, Informationen mündlich überliefert zu bekommen. Heute im Zeitalter der multimedialen Überfrachtung sehnen sich viele Leute danach, einfach mal nichts tun zu müssen - nur Zuhören.


Finden Sie in Ihrer, nennen wir es "bürgerlicher" Arbeit, Halt für die "kreative" Arbeit als Autor?

Finanziell auf jeden Fall. Seelisch ist es bei mir umgekehrt. Die Arbeit als Autorin ist für mich ein Anker, mein notwendiger Ausgleich zum Broterwerb. Ich sehe die kreative Arbeit auch nicht als Belastung an, vielmehr gibt sie mir Energie und fordert mich in Bereichen, die mein Broterwerb nicht abdeckt.


Haben Sie, neben ihrem mit Sicherheit ausgeprägten Organisationstalent, Ihrer Leidenschaft zum Schreiben noch andere, verborgene Talente, vielleicht Megamultitasking, *grins*?

Wenn ich noch andere Talente habe, dann sind sie mir in der Tat bislang verborgen geblieben.


Ich habe gelesen, dass Sie neben Kurzgeschichten im Genre Krimi und Phantastik auch für Kinder geschrieben haben. Ihr historischer Hanau-Roman "Das Meisterstück" ist bereits erschienen und der Verlag elysion-books hat im März Ihren erotischen Steampunk-Thriller "Im Bann der Engel" herausgegeben. Fast hätte ich es vergessen, bei dem Projekt der Drachenkinder "Geschichten eines Krieges" waren Sie selbst Herausgeberin. Wenn man Sie heute fragt - rückblickend auf Ihre bis dato geleistete Arbeit rund um den Bereich des Schreibens - was Ihnen bisher am besten gefallen hat, was antworten Sie darauf?

Au weia, jetzt haben Sie mich eiskalt erwischt. Wenn ich zurückblicke, kann ich sagen, dass all diese Projekte mir gleichermaßen gut gefallen haben. Kurzgeschichten zu schreiben liebe ich aus dem Grund, weil sie kurz und in sich abgeschlossen sind. Wenn ich in einem Romanprojekt "hänge", dann genieße ich es, eine Kurzgeschichte zu verfassen, weil diese Art zu schreiben sich grundlegend von größeren Texten unterscheidet. Kurzgeschichten machen den Kopf wieder frei.
Die Arbeit als Herausgeberin von "Geschichten eines Krieges" war sehr spannend. Zuerst einmal schätze ich die Zusammenarbeit mit meinen Autorenkollegen der Drachenkinder. Auch heute halten wir nach wie vor Kontakt, obwohl wir derzeit kein gemeinsames Projekt am Laufen haben. Aber wir unterstützen uns mit Rat und Tat. Spannend war "Geschichten eines Krieges" deshalb, weil wir einmal die "andere Seite" des Schreibtisches gesehen haben. Hoffnungsvolle Autoren sandten uns ihre Texte zu und wir waren in der Pflicht, die besten davon auszusieben. Das war nicht einfach, denn wir wussten als Autoren, wie viel Herzblut in den Texten steckte. Außerdem wurden wir mit vielen organisatorischen Dingen konfrontiert, in die wir uns erst hineinarbeiten mussten.
Der historische Roman, "Das Meisterstück", erforderte sehr viel Recherche und Umschreiben. Dies war für mich Neuland, weil ich vorher im Genre Phantastik oder in unserer Neuzeit unterwegs war. Bei dem historischen Roman gefiel mir das Abtauchen in eine andere Epoche. Oft habe ich mich in die Menschen von 1621 hineinversetzt und versucht, deren Alltag nachzuvollziehen.
"Im Bann der Engel" ist mein jüngstes Werk. Ich liebe Steampunk, weil diese Kunstform für mich etwas sehr Ästhetisches besitzt und darüber hinaus sehr viele Möglichkeiten birgt, der Fantasie freien Lauf zu lassen. Außerdem hatte ich noch nie einen erotischen Text verfasst und sah in dem Stoff des Romans eine große Herausforderung.


Apropos erotischer Steampunk-Thriller. Was war für Sie am Schwersten bei "Im Bann der Engel" um zusetzten?

Zweifelsohne die Erotik. Aus meiner Sicht ist es eine Gratwanderung für Autoren, jenes "Knistern" in den Text zu bringen, das den Leser dazu bringt, das Buch nicht frustriert in die Ecke zu werfen. Anfangs hatte ich immer die Befürchtung, dass sich die Leser vor Lachen kugeln werden, weil die Liebesszenen misslungen sind. Jennifer Schreiner hatte sehr viel Geduld mit mir und ich war froh, sie als Profi dieses Genres um Rat fragen zu können. Die ersten Entwürfe meiner Liebesszenen waren auch recht kläglich, zu kurz und zu gehemmt. Aber ich denke, ich habe dazugelernt.


Ich liebe zwar Happy-Ends, doch nichtsdestotrotz war ich positiv überrascht, dass innerhalb der Erzählung einmal einer der "Guten" sein Leben lassen musste, das hört sich jetzt richtig makaber an, oder? Trotzdem: Warum ist es zu diesem "Cole-Debakel" gekommen?

Ohne zu viel verraten zu wollen: Der "Gute" musste aus dramaturgischen Gründen sein Leben lassen, damit der Plot funktioniert. Cole war von Anfang an als mein tragischer Held konzipiert. Zugegeben, ich war trotzdem traurig beim Schreiben, als sich sein Schicksal erfüllt hat. Aber ich wollte es schließlich nicht anders.


Steampunk ist ja geschmückt mit Maschinen, die mit Dampfkraft angetrieben werden. Hat Ihnen während des Schreibens an "Im Bann der Engel" auch ab und an der Kopf geraucht?

Ja, und zwar nicht zu knapp. Der Dampf quoll mir sozusagen aus den Ohren, als ich meine eigene Romanstruktur während des Schreibens verlassen habe und die Figuren ein Eigenleben entwickelten. Ich musste die ganze Bande wieder einfangen und sie dazu bringen, das zu tun, was sie sollten. Das waren Momente, in denen ich am liebsten in den Tisch gebissen hätte. Meinen Zähnen zuliebe habe ich dann doch lieber Gummibärchen zum Reinbeißen genommen.


Wie sind Sie darauf gekommen, Ihre Geschichte im Steampunk "anzusiedeln"?

Die Idee kam während eines Telefonats mit Jennifer Schreiner. Es war eines unserer ersten Brainstormings. Es reizte mich, über Engel zu schreiben. Meine Engel sollten aber nicht durch die Bank weg liebe Geschöpfe sein, sondern auch gefährlich und emotional agieren dürfen. Was lag da näher, als das Setting "Steampunk" zu wählen, das stets etwas Düsteres und Geheimnisvolles ausstrahlt.


Madame Hazard, "der Boss" - die Antiheldin Ihres Romans - ist, nun ja, ein "Miststück". Wann hat sich die Dame bei Ihnen manifestiert?

Interessant, dass Sie es ansprechen. Tatsächlich entstand diese Figur zuerst. Ich sah sie bildlich vor mir und griff sofort nach Stift und Block, um sie zu verewigen. Die Idee eines weiblichen Antagonisten gefiel mir auf Anhieb.


Was denken Sie - ganz persönlich - über Ihre Helden, Elena und Amenatos?

Elena und Amenatos stehen, am Ende meines Romans, ganz am Anfang ihrer Beziehung. Sie lernen sich gerade auf einer tieferen Ebene kennen, die über die akute Verliebtheit hinausreicht. Die beiden haben noch einen langen Weg vor sich, zumal die Ereignisse sie ständig auseinandergetrieben haben. Ich denke, dass sie es schaffen würden, sich eines Tages vorbehaltlos zu vertrauen und gemeinsam alt zu werden. Obwohl sie sehr unterschiedliche Charaktere sind. Oder vielleicht gerade deshalb?


Basieren die Charaktere, welche "Im Bann der Engel" vorkommen auf Personen, die Sie kennen?

Nein, ganz und gar nicht. Meine oberste Direktive lautet, niemals Personen in meinen fiktiven Texten zu "verwursten", die ich kenne. Ich denke, dass diese Trennung von Realität und Fiktion einem Text nur gut tun kann. Schließlich haben Romane eine Erzählstimme, nicht ich als Autorin vertrete darin meine Ansichten, sondern die Geschichte ist abgekoppelt von meinen tatsächlichen Empfindungen, sprich: Sie ist frei erfunden.


Was gehört für Sie zu einem guten Buch und wer ist Ihr Lieblingsautor?


Zu einem guten Buch gehört für mich, dass es mich unterhält. Wenn ich Zeit und Raum vergesse und völlig in die Handlung abtauchen kann. Wenn ich beim Lesen weder Hunger noch Durst habe.

Lieblingsautoren habe ich einige, als da wären: J.R.R. Tolkien, Terry Pratchett, Frank Schätzing, Andreas Eschbach und Lois McMaster Bujold.


Liebe Christiane Gref, ich bin froh, dass ich meine Sprache wiedergefunden habe. Und sage herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben für dieses Interview. Ich wünsche Ihnen Leser, denen es wie mir gehen soll, als ich "Im Bann der Engel" gelesen hatte: Fasziniert eingefangen, in einer düsteren, erotischen Atmosphäre rund um Elena und Amenatos! Da stößt man beim Lesen Dampf aus den Ohren heraus, soviel dazu!

Ganz herzlichen Dank für das Interview und für die lobenden Worte zu meinen Engeln.

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