Vita Kerstin Gier
Fragne und Antworten Oktober 2007

(Text: A.S.)
Auf der DeLiA Homepage findet ihr alle Buchtitel von Kerstin Gier, ebenso wie eine Kontakt email, aufgelistet.
Bitte erzählen Sie doch ein wenig über sich?
Ich lebe mit Mann (groß), Sohn (8) und Katze (schwarz) in einem kleinen Dorf im Bergischen Land. Hier kennt jeder jeden, es regnet viel, und zum nächsten Supermarkt sind es fünf Kilometer. Wenn ich nicht schreibe, gärtnere ich mit Leidenschaft, natürlich lese ich gern und viel, und der ideale Tag endet ganz entspannt mit einem Glas Rotwein vor dem Kachelofen.
Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Da habe ich schon oft drüber nachgedacht. Ich glaube, es hat damit angefangen, dass ich als Kind immer so unglücklich war, wenn ein schönes Buch zu Ende ging. Um mich nicht ganz von den lieb gewonnenen Personen trennen zu müssen, habe ich einfach Fortsetzungen dazu geschrieben, die erste war der vierte Band von Kalle Blomquist J Später habe ich dann gleich eigene Geschichten erfunden.
Ist die Schriftstellerei von Anfang an Ihr Traumberuf gewesen?
Ja, absolut, vor allem im dritten Schuljahr. Aber je älter ich wurde, desto unwahrscheinlicher erschien es mir, dass ich damit Geld verdienen könnte. Also habe ich nach dem Abitur erst einmal Germanistik studiert, das kam der Sache irgendwie am nächsten. Aber es gefiel mir nicht, also habe ich auf Pädagogik umgesattelt, und das habe ich bis zum Diplom durchgezogen, nur um dann doch den Mut zu haben, einen Roman zu schreiben. Jetzt habe ich meinen Traumberuf, aber natürlich hat der auch jede Menge Schattenseiten. Unsicheres Einkommen und eine schlechte Altersvorsorge sind nur zwei davon. Dass man ganz allein an seinem Schreibtisch sitzt und einsam vor sich hinwurschtelt, finden manche möglicherweise auch furchtbar, aber ich mag gerade das: Wo kann bitteschön im Schlafanzug zur Arbeit gehen?
Sie sind Mitglied der DeLiA (Vereinigung deutschsprachiger Liebesroman-Autoren und –Autorinnen). Für wie wichtig erachten Sie Organisationen/Vereine wie die DeLiA?
DeLiA ist ein Verein, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, das doch eher schlechte Image des Liebesromans in Deutschland zu verbessern und aufzuzeigen, wie vielfältig dieses Genre ist. Während in den USA und anderswo ein Roman dann gut, ist, wenn er gut unterhält, gilt hierzulande immer noch: Unterhaltung und hochwertige Literatur schließen einander aus. Bei Delia sind jede Menge hochkarätige und sehr erfolgreiche Autoren Mitglied. Bei unseren jährlich stattfindenden Delia-Tagen gibt es neben der feierlichen Preisverleihung für den Delia-Literaturpreis auch immer Workshops und Vorträge, bei denen selbst Profis noch etwas lernen können. Gerade in diesem „einsamen“ Job ist ein Austausch und eine Gemeinschaft mit anderen Gleichgesinnten sehr wichtig. Wir alle profitieren voneinander.
Sie schreiben heitere Contemporary Romane. Könnten Sie sich auch vorstellen, etwas völlig anderes zu Schreiben; zum Beispiel historische Romane?
Vor historischen Romanen schrecke ich ein wenig zurück, weil mir die Recherche sehr zeitaufwändig scheint. Aber sie ist die Basis für gute historische Romane, die ich gern lese. Schlecht recherchierte Romane sind mir ein Gräuel. Wenn im 11. Jahrhundert in Deutschland auf Seite 14 Pellkartoffeln gegessen, lege ich das Buch gleich wieder zur Seite.
Auch Krimis lese ich gern, aber mich drängt es nicht, einen zu schreiben.
Meine Aufmerksamkeit würde ich gern verstärkt auf das Jugendbuch verwenden und hier auch im Bereich Fantasy schreiben.
Unter Umständen ist eine Idee für ein Buch schnell gefunden, aber wie wird aus einer Idee ein ganzes Buch?
Ich finde es reizvoll, wenn man eine Grundidee für einen Roman findet, so wie bei „Für jede Lösung ein Problem“. Was wäre, wenn Freunde, Verwandte und der Chef wüssten, was man wirklich über sie denkt? Und wie mache ich da eine Geschichte draus? Viele kleine Ideen ergeben sich aus solchen Fragen von allein, andere finden einen im Schlaf, wieder andere während des Schreibens. Ich finde, es ist immer auch ein bisschen Magie mit dabei, wie aus der Idee am Ende das ganze Buch entstanden ist.
Wie viel Zeit benötigen Sie in der Regel, bis aus einer Idee ein fertiges Buch entstanden ist?
Ich schreibe einen Roman im Jahr. Die Idee entsteht etwa anderthalb Jahre vor dem Abgabetermin, das Schreiben selber dauert drei Monate, das Sammeln von Ideen, Strukturieren und Entwerfen des Plots nimmt viele Monate in Anspruch. Erst wenn alles genau geplant ist, kann ich richtig loslegen.
Nimmt die Recherche viel Zeit bei Ihnen ein oder spielt dieser Faktor bei Ihrer Arbeit an einem Buch eine eher untergeordnete Rolle?
Ich schreibe ja möglichst nah an meinem persönlichen Umfeld über Dinge, die ich kenne, aber es gibt doch immer eine Menge abzuklären. Meine Protagonistinnen im aktuellen Roman wollen ein Schuhgeschäft aufmachen, was also liegt da näher, als jemanden zu interviewen, der ein Schuhgeschäft führt? Viele Fragen ergeben sich aber erst beim Schreiben, da bin ich sehr froh, dass es Google und Co. gibt, im Internet finden sich ja unendlich viele Informationen.
Ihr Erstling "Männer und andere Katastrophen" wurde mit Heike Makatsch in der Hauptrolle verfilmt. Wie wurde aus dem Buch ein Film und hatten Sie die Möglichkeit am Drehbuch mitzuarbeiten?
Nein, in diesem Fall gab es ein Buy-Out, und ich hatte keinerlei Möglichkeit, auf das Drehbuch Einfluss zu nehmen. Ehrlich gesagt finde ich auch nicht, dass der Film noch viel mit dem Buch gemein hat, aber er ist süß. Und Heike Makatsch mag ich immer sehr gern anschauen.
Drehbuchschreiben ist etwas, was mich überhaupt nicht reizt. Aus meiner Sicht eine sehr anstrengende und undankbare Aufgabe, weil einem ständig reingeredet wird und das Drehbuch Dutzende Fassungen durchläuft, während im Hintergrund immer noch geklärt wird, ob der Film überhaupt jemals gedreht wird.
Nehmen wir einmal an, Sie dürften entscheiden, welche Bücher von Ihnen verfilmt werden und auch die Schauspieler dürften Sie ganz spontan selbst dazu aussuchen; welche Wahl würden Sie treffen?
Im Augenblick gibt es vielversprechende Angebote, „Für jede Lösung ein Problem“ und „Die Mütter-Mafia“ zu verfilmen, was mich natürlich sehr freut. Ich finde aber, dass sich „Lügen die von Herzen“ kommen, „Die Braut sagt leider nein“ und vor allem „Ein unmoralisches Sonderangebot“ wunderbar verfilmen lassen würden.
Was die Besetzung angeht: Es gibt so viele wunderbare Schauspieler hier in Deutschland, ich glaube, da könnte ich mich überhaupt nicht entscheiden. Ich finde Christiane Paul toll und Anja Kling. Zum Beispiel.
Verraten sie uns zum Schluss noch ihre/n Lieblingsfilm/e?
Und täglich grüßt das Murmeltier
Grasgeflüster
Die fabelhafte Welt der Amélie
Ich möchte mich herzlich das sympathische Interview bei Kerstin Gier bedanken.
Frage und Antwort Oktober 2008

Die Autorin über sich:
Ich lebe mit Mann (groß), Sohn (8) und Katze (schwarz) in einem kleinen Dorf im Bergischen Land. Hier kennt jeder jeden, es regnet viel, und zum nächsten Supermarkt sind es fünf Kilometer. Wenn ich nicht schreibe, gärtnere ich mit Leidenschaft, natürlich lese ich gern und viel, und der ideale Tag endet ganz entspannt mit einem Glas Rotwein vor dem Kachelofen.
(Auszug Interview aus dem Jahr 2007)
(Text: SG)
Gerade ist ihr neues Buch „Gegensätze ziehen sich aus“ erschienen. Wovon handelt es? Was möchten Sie unseren Lesern darüber erzählen?
Gegensätze ziehen sich aus ist der dritte Mütter-Mafia-Roman, den ich geschrieben habe. Die meisten Liebesromane enden ja mit dem Finden des Traummannes, aber ich wollte zeigen, dass es auch noch ein aufregendes Liebesleben geben kann, wenn man schon Kinder hat. Außerdem geht es um die Frage, ob man es schaffen kann, die herrlichen Schmetterlinge des Verliebtseins auch im stressigen und chaotischen Alltag einer Patchworkfamilie zu erhalten.
Eine Frage zu Ihren Schreibanfängen. Es ist z.T. sehr schwierig, für einen Erstling einen Verlag zu finden. Wie sind Sie zu Bastei Lübbe gekommen?
Das war ein bisschen wie in einem Märchen. Eine Freundin zwang mich, mein Manuskript dort vorbeizubringen (es lag praktischerweise sozusagen nebenan), und einen Tag später rief die Lektorin an und sagte, sie wollten es bitte kaufen. Heute weiß ich, dass das keineswegs der normale Weg war, aber damals dachte ich, ja, so ist das eben.
Was mögen Sie am liebsten beim Schreiben von Frauenromanen?
Ich mag es, dass man sich sozusagen seine eigene Traumwelt erschaffen kann (besonders in Bezug auf Männer), aber gleichzeitig all die kleinen Katastrophen des Alltags überzeichnet aufarbeiten kann.
Sie schreiben ja derzeit auch an einem Jugendbuch. In welchen Genres könnten Sie sich noch als Autorin vorstellen?
Das Jugendbuch geht ja in Richtung Fantasy, da könnte ich mir vorstellen, auch im Erwachsenenbereich etwas für zu schreiben.
Welches Buch lesen Sie derzeit?
Drei: Die souveräne Leserin von Alan Bennett, Die Fliegenfall von Frederik Sjöberg und Dem Tode nah von Linwood Barclay. Davor habe ich „Der Seelenbrecher“ von Sebastian Fitzek verschlungen.
Haben Sie ein Lebensmotto? Wenn ja, welches?
Zur Zeit ist es: think dangerous, act safely.
Welches Tier wären Sie evtl. gerne und warum?
Ich glaube, ich wäre ungern ein Tier. Aber wenn ich eins sein müsste, dann entweder ein Delphin (die sehen immer so glücklich aus) oder ein Raubvogel, vielleicht ein Falke. Dann könnte ich endlich meine Flugangst überwinden.
Wenn Sie den Jackpot im Lotto gewinnen würden, was würden Sie mit dem Geld machen und sich evtl. für sich selbst leisten?
Na, als erstes würden wir das Haus endlich mal fertig bauen, unsere Pläne diesbezüglich sind sozusagen ein Fass ohne Boden. Und ich würde mit der Familie nach Vancouver fliegen und dort unter anderem Whale Watching machen.
Können Sie uns etwas über Ihre nächsten Schreibprojekte verraten und ob evtl. schon ein neuer Frauenroman in Arbeit ist?
Das Jugendbuch, das ich gerade fertig geschrieben habe, ist nur der erste Teil einer Trilogie. (Rubinrot heißt der erste Band, der zweite wird Saphirblau heißen, der dritte Smaragdgrün.) Es geht um Zeitreisen und Magie und eine sehr romantische Liebesgeschichte. Die beiden nächsten Teile wollen so schnell wie möglich geschrieben werden. Aber das nächste Projekt für den Lübbe-Verlag ist auch schon begonnen: Es wird eine Komödie über eine verrückte Familie, ein Erbe, zwei Frauen und die große Liebe. Der Arbeitstitel lautet: „Erben bringen Glück“.
Ich möchte mich herzlich für das Interview bedanken.
Gern geschehen.
Quellennachweis
Photos : © by Kerstin Gier