Vita Ralf Günther

(Text: JK)
Ralf Günther wurde 1967 in Köln geboren und begann 1989 ein Studium an der Uni Köln in der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft , sowie Germanistik, Pädagogik, welches er mit einem Magister beendete. Wie viele andere Studenten auch machte er zur Finanzierung des Studiums verschiedene Jobs vom Hilfsarbeiter in einem Krankenhaus bis zum Stahlarbeiter in der Feuerverzinkung.
Mit dem wie er sagt „lebenslangen Schreiben“, das ist ihm bewusst geworden im Alter von 16 Jahren. Sein Erstlingswerk wurde, wie auch bei vielen anderen Autoren und Autorinnen nie veröffentlicht – zum Glück, wie er selber sagt.
Bei der Wahl der Studienfächer war Ralf Günther sich vollkommen bewusst, dass sie seiner Arbeit in der Praxis nicht weiterhelfen würden, er aber hat es genossen, dass das Studium eine theoretische, kunsthistorische Beschäftigung mit den medialen Gegenständen war und er neben seiner praktischen Medienarbeit den philosophischen Ansatz nicht aus den Augen verloren hat. Er ist ein Verfechter des klassischen geisteswissenschaftlichen Studiums.
Schon während des Studiums begann er erste Texte für das Fernsehen und den Hörfunk zu schreiben, worauf hin ein Aufenthalt im Ausland nach dem Grundstudium nicht mehr zur Diskussion stand. Auch arbeitete er in verschiedenen Hospitanzen und als Assistent im Medienbereich, unter anderem beim WDR und bei freien TV-Produktionsfirmen. Nach dem Studium folgten weitere Arbeiten fürs Fernsehen, die Bühne und verschiedene Printmedien.
1993 zog er mitsamt seiner Familie nach Dresden. Seit dieser Zeit arbeitet er ausschließlich als freier Autor.
Ralf Günther ist glücklich, dass er das Schreiben heute als alleinigen Broterwerb betreiben und damit seine Familie ernähren kann. Dies hat sich herauskristallisiert, als er die „Vermarktungswege“ von Texten besser kennen gelernt hat. Seine Lebensgefährtin hat Ihn immer wieder ermutigt, den Schritt in das freiberufliche Schriftstellerdasein zu wagen.
Die Leidenschaft fürs Schreiben hat niemals nachgelassen, trotz des kommerziellen Aspekts, der sich zwangsläufig einstellt, wenn man aus der Berufung einen Beruf macht.
Eure Jana
Kleiner Auszug aus der Liste der Veröffentlichungen
1990 Dirk Bach Show (RTL), RTL-Nachtshow, Harald-Schmidt-Show (SAT1), Salto Kommunale (ZDF)
Kurzgeschichten und Kurzkrimis in Zeitungen und Zeitschriften
1991 – 94 Kriminal Hörspiel „Sonnige Zeiten“ (Bayrischer Rundfunk)
Kriminalroman „Kamelle“ - Emons-Verlag
Kinderbuch „Eine kleine Kölner Weihnachtsgeschichte“ - Emons-Verlag
1996 Kriminalhörspiel „Blut am Schuh“ (WDR)
Kabarett – Soloprogramm
„Jeder frisst sich selbst“ - Kabarett Herkuleskeule / Dresden
1997 Drehbücher für Kinderrateshow 1,2 und 3 (ZDF)
Mitentwicklung der Drehbücher für die Kinderrateshow „TKKG – Der Club der Detektive“ (ZDF/Kika)
Kabarettprogamm Dresdner Herkuleskeule
1998 Drehbücher für „TKKG (ZDF)
Sachbuch „Die Geheimnisse des Kölner Doms“ - Emons – Verlag
Mitarbeit am Spielfilm „Hagen in Berlin“ (RTL)
1999 Drehbücher für TKKG (ZDF/Kika)
Kabarettsoloprogramm
2000 verschiedene Drehbücher – Salto Kommunale, Tabaluga tivi, TKKG
Mitentwicklung der Kindercomedyserie „Die Couchmanns“ (ZDF/Kika)
2001 Sketche für „Die Couchmanns“
Drehbücher für TKKG und Tabaluga tivi
2001/2002 Teilnahme an der Winterakademie des Fördervereins deutscher Kinderfilm und der Mitteldeutschen Medienförderung mit dem Jugendspielfilmstoff „Sisters Act“
seit 2002 Drehbücher für Tabaluga tivi, Die Kinder vom Alstertal, TKKG
Gag- und Setautor Wolfgang Stumph für „Oskar, der Klomann“
Mitentwicklung und Drehbücher für Brennewitz (Sitcom)
Relaunch TKKG
2008 Kurzfilm „Die Brut“ mit und für Jugendliche, darauf aufbauend soll ein 90min Spielfilm entstehen
Fragen und Antworten
Wie fühlt man sich, in der doch meist von Frauen dominierten Sparte des historischen Romans?
Ich habe schon als Jugendlicher gern historische Romane gelesen, wusste aber nicht, dass sie für ein bestimmtes Genre stehen, und erst recht nicht, welche Gesetzmäßigkeiten da vorherrschen. Ich schreibe ein Buch so, wie ich es für richtig halte - dem Thema und seinen Figuren angemessen.
Was mir am Umfeld des historischen Romans gefällt ist, dass es kein Gefühlstabu gibt. Man darf über Emotionen schreiben - und auch sehr emotional schreiben. Es ist schön, sich beim Schreiben von Gefühlen tragen zu lassen und die Gefühlswelten meiner Figuren sind mir wichtig. Ich nehme Gefühle ernst. Aber Vorsicht: Nicht jeder meiner Romane endet happy.
Wie kamen sie dazu?
Ich schrieb an einem Roman über Carl Gustav Carus, einen der Leibärzte der Wettiner, des sächsischen Fürstengeschlechts. Er lebte vom Ende des 18. bis ins letzte Drittel des 19. Jahrhunderts. Dass es sich dabei um einen historischen Roman handelte, erfuhr ich erst, als ich das Manuskript veröffentlichen wollte. Ich weiß, dass wir nicht ohne Schubladen auskommen. Aber man sollte sie offen halten.
Wie kommen Sie zu Ihren Themen bzw. Handlungen?
Sie suchen mich auf. Jederzeit. Mehrmals. Und wenn sie so aufdringlich geworden sind, dass man sie nicht mehr loswird, beginnt man zu schreiben.
Wie kann man sich den Werdegang eines Romans bei Ihnen vorstellen?
Zunächst wird die Stoffidee geboren, dann weiterentwickelt. Bevor ich mit dem Ausschreiben beginne, gibt es einen Handlungsbogen. Doch dann, beim Schreiben der ersten Fassung, muss man sich den Figuren überlassen. Die haben ihre eigenen Ansichten darüber, wie sie mit der Geschichte umgehen. Im schlimmsten Fall nehmen sie sie einem aus der Hand! Doch wenn man Glück hat, sind sie einverstanden mit dem Plan und fügen sich halbwegs ein. Auf jeden Fall wird die Story erst durch die Mithilfe der Figuren richtig gut und stark. Es ist immer ein wunderbares Abenteuer, sich auf die Figuren einzulassen. Die sind frech und reden durcheinander...
Wann können Sie am Besten schreiben, morgens oder abends?
Morgens und vormittags zwischen sieben und elf. Die anderen Tageszeiten sind der Recherche vorbehalten - und meinen Kindern. Es kann allerdings passieren, dass unbedingt etwas heraus will. Dann ist jede Tages- und Nachtzeit möglich. Vor ein paar Tagen erst habe ich eine Kurzgeschichte zwischen drei und fünf Uhr morgens aufgeschrieben.
Was war der Beweggrund von Köln nach Dresden zu ziehen?
Rein privat. Meine Lebensgefährtin hat sich beruflich verändert. Ich bin ihr hinterher gezogen. Schreiben kann man (fast) überall.
Was gefällt Ihnen in beiden Städten gleich und was ist anders?
Das braucht mehr als drei Sätze, aber ich versuch's kurz: Dresden ist sehr stolz auf seine Geschichte. Das hat Köln nicht nötig. In Köln nimmt man das Leben zu leicht, in Dresden zu schwer. Mit der Mentalität der Menschen komme ich an beiden Orten ganz gut klar. Der Dresdner Humor ist tiefgründiger, verschmitzter, der Kölsche ist deftiger. Ich mag beide Arten. Es gibt hier Menschen, die ihre Herkunft aus der DDR offensiv verteidigen, und solche, die sich nach der Wende einfach nur buntere Klamotten angezogen haben. Die ersteren sind mir lieber. Wunderbar, die rasante Entwicklung dieser Stadt und dieses Landstrichs in den letzten fünfzehn, zwanzig Jahren beobachten zu können. Ich war dabei...und es war beileibe nicht immer
einfach!
Der direkte Vergleich ist allerdings unfair: In Köln habe ich meine Kindheit und Jugend verbracht, in Dresden bin ich zum Familienvater gereift. Das sind unterschiedliche Weltsichten. Aber die Reihenfolge geht absolut in Ordnung!
Wie bringen Sie die unterschiedlichen Arten der Medienarbeit unter einen Hut?
Man kann sie nicht unter einen Hut bringen, daher trage ich viele Hüte. Es erfordert allerdings einen strengen Zeitplan und Selbstdisziplin. MeinSternzeichen - Jungfrau - ist dabei dienlich. Ich möchte keine meiner Schreib-Arbeiten missen. Ich genieße das Privileg, das zu tun, was mir Spaß macht!
Welches Genre gefällt Ihnen persönlich am Besten?
Ich lese nicht nach Genres. In allen gibt es gute wie schlechte Bücher, Bücher, die mir gefallen, die mich vielleicht sogar begeistern, und Bücher, die mich enttäuschen. Schubladen sind mir ein Graus. Sie vereinfachen zwar das Leben, nehmen ihm aber auch Reichtum und Überraschung.
Was sind Ihre Lieblingsstadt, -land, -buch, -essen?
Seit meiner Jugend liebe ich Amsterdam. Das ist von Köln aus recht gut zu erreichen und eine wunderbare Herbststadt. Seit einem USA-Aufenthalt steht auch Chicago weit oben auf der Hitliste. Lieblingsland ist eindeutig Italien. Ich feile seit Jahren an einem italienischen Stoff. Es wird schon werden...
Lieblingsbuch kann ich in neuerer Zeit nicht nennen, das wechselt zu rasch. Für meine jungen Jahre, als ich anfing mit dem Schreiben, war es eindeutig 'Der Graf von Monte Christo' von Alexandre Dumas d. Ä. Ein wahrhaft historischer Roman, mit einer auf den ersten Blick schwerfälligen, aber atemberaubend gut funktionierenden Dramaturgie. Tolle Beschleunigung zum Ende hin!
Lieblingsessen? Von deftig böhmisch bis Sushi ist alles möglich, je nach Tageslaune.
Bleibt noch Zeit für Hobbys?
Reiten. Aber bitte jetzt keine Schublade...
Was haben Sie zuletzt gelesen und welchen Film gesehen?
Zuletzt gelesen: Jane Eyre von Charlotte Bronte. Allerdings auch aus beruflichem Interesse, denn mein nächstes Buch wird im England der ersten Hälfte des 19. Jh. spielen.
Zuletzt gesehen: Der Baader-Meinhof-Komplex. Allerdings enttäuscht, da die politischen Hintergründe zu kurz kommen. Es ist leider ein ziemlicher Actionfilm draus geworden.
Wir bedanken uns herzlich bei Ralf Günther für das Interview.
Quellennachweis
Photo Ralf Günther: © HL Böhme