Vita Henrike Heiland

Vita Henrike Heiland      

Henrike Heiland, Jahrgang 1975, arbeitete nach ihrem Studium der Neueren Englischen Literatur als Producerin für internationale TV-Koproduktionen in München. Heute lebt sie als freie Drehbuch-, Comedy- und Romanautorin in Hamburg. Sie schreibt Kriminalromane sowohl unter ihrem richtigen Namen als auch unter dem Pseudonym "Zoe Beck". "Von wegen Traummann" war ihr erster Roman ohne Mord und Totschlag. (Quelle: Randomhouse.de, Photo: © Andreas Biesenbach)

Frage und Antwort

(Interview: SG)

Wie ist Ihnen die Idee zu dem Frauenroman "Für immer und ledig" gekommen?

Ich habe mich immer gefragt, warum die Hochzeit als der „schönste Tag im Leben„ bezeichnet wird. Ich meine, wenn man so mit, sagenwirmal, Ende 20 heiratet, hat man doch noch gute 40 Jahre im Schnitt vor sich, aber der schönste Tag soll schon gewesen sein? Also wollte ich mich dem Thema „Heiraten„ nähern, fragte ein paar Frauen, warum sie unbedingt heiraten wollten und bekam viele irritierende Antworten, die die Scheidungsrate wieder dramatisch ansteigen lassen würden.

Ich wollte, dass meine Hauptfigur Tilly einen Konflikt lösen muss, der ihr klar macht, dass sie nicht an Nebenkriegsschauplätzen rumdoktorn soll, sondern nach sich selbst schauen muss. Wer mit sich unzufrieden ist, kann so viele Beziehungen haben, wie es Menschen auf der Welt gibt, da kann sich kein Glück einstellen.


Ihre Hauptfigur Tilly hat es nicht leicht. Pech in der Liebe, Unsicherheit im Beruf und eine Familie, auf die man sich nicht unbedingt verlassen sollte. Trotzdem ist die Geschichte heiter und unterhaltsam – war es schwierig, die Leichtigkeit des Romans trotz der ernsteren Zwischentöne zu halten?

Komik entsteht meist aus Tragik. Und wenn die Figur eigentlich stark ist – auch, wenn sie das selbst erst noch gar nicht weiß – kann man ihr es auch zumuten, dass sie sich hier und da mal lächerlich macht.


Gibt es für die Figuren in Ihrem Roman teilweise reale Vorbilder aus Ihrem Familien- und Freundeskreis?

Es gibt keine durchgehende Figur, die genau so ist, wie jemand, den ich kenne. Aber Versatzstücke real existierender Personen habe ich in diesem Roman wohl häufiger hergenommen als in allen anderen meiner Bücher. Das liegt vielleicht am Setting, ich habe ja selbst sehr lange und sehr intensiv Klavier gespielt.


Wenn Sie ein Buch schreiben - wann fällt Ihnen dann der Titel dazu ein? Bereits vorher, beim Schreiben oder erst ganz zum Schluss?

Nein, mit Titeln bin ich ganz schlecht. Die wenigsten Romantitel sind von mir. Zwei von acht. Anderthalb eigentlich. Den halben habe ich mühsam erarbeitet. So gesehen ist mir wirklich nur ein einziger wirklich eingefallen, und das war noch im Exposéstadium.


Sie haben vor "Für immer und ledig" schon einige Kriminalromane veröffentlicht. Wie lange schreiben Sie im Durchschnitt an einem Buch und zu welcher Tageszeit haben Sie die besten Ideen?

So ein Buch hat ja mehrere Entstehungsphasen: Exposé, der Text selbst, die Überarbeitung. Das zieht sich dann mit Unterbrechungen meist über ein Jahr, die Nettoschreibzeit ist bei mir recht zackig, weil ich vorher das Gerüst detailliert ausgearbeitet habe. (Natürlich ändert sich beim Schreiben dann doch immer noch eine Menge, aber das gehört dazu.)

Tageszeiten? Manche Bücher habe ich total diszipliniert in zwei Schichten pro Tag – morgens vier Stunden, abends vier Stunden – geschrieben, bei anderen lief es nur, wenn ich abends anfing und beim Morgengrauen aufhörte. (Jetzt gerade ist es übrigens kurz vor drei Uhr nachts.) Jedes Buch hat seinen eigenen Rhythmus. Komisch eigentlich, wenn man so drüber nachdenkt.


Wie sieht Ihr Alltag als Autor aus?

Auch Autorinnen müssen unter die Dusche und was essen J Na im Ernst, ich habe mein Arbeitspensum, das ich schaffen muss, und als Freiberufler muss man sich das diszipliniert einteilen. Was nicht immer gleich gut klappt.


Und wie "tanken Sie auf", um weiterhin kreativ zu sein?

Sport, Bewegung ist ganz wichtig. Musik. Lesen. Die Katze ärgern. Viel zu teure Mäntel kaufen. Solche Sachen.


Welche drei Eigenschaften sind typisch für Sie?

1. Viel zu teure Mäntel kaufen.
2. Sushi essen.
3. Stadtpläne auswendig lernen.


Was war das Ungewöhnlichste, was Sie je gemacht haben, um einem Mann zu imponieren?

Uff. Suchen Männer nicht immer das Weite, wenn man als Frau imposante Dinge tut? Und womit imponiert man? Leistung, Talent, Wissen? Ich fürchte, Frauen versuchen meist, mit Dingen wie Aussehen und Anpassungsfähigkeit – „Schau her, wie gut ich zu dir passe„ – zu imponieren, und Männer wollen mit Geld und Status punkten. Die jeweils andere Seite erwartet das mehrheitlich, also wird das Spiel wacker weitergespielt, 2011 oder 1811 oder 1611, same difference.

Es ist statistisch belegt, dass Männer ein echtes Problem haben, wenn Frauen signifikant mehr Geld verdienen oder einen erkennbar höheren Status oder schlicht mehr Talent haben als sie. Da sind wir wieder: Sie sitzt besser mal hübsch und still rum, wie die kleine Meerjungfrau, die ihre Stimme weggibt, um den Prinzen zu heiraten, und er schleift Keule schwingend die fette Beute in die Höhle. Will ich da mitmachen? Rhetorische Frage. Meine Mutter hätte sich immer gewünscht, dass ihre Töchter etwas, hüstel, „weiblicher„ agieren. Ich fürchte, das hat ihr unser Vater (allerdings ganz unabsichtlich) vermasselt. Meine Schwester hat zum Beispiel eine unheimliche starke Präsenz, so wie man es sonst leider meist nur von Männern in Führungspositionen kennt. Stichwort natürliche Autorität.


Schreiben Sie bereits an einem neuen Frauenroman? Falls ja, möchten Sie unseren Lesern ein wenig darüber erzählen?

Gerade habe ich einen Krimi fertiggeschrieben, der im Juli rauskommt, dann arbeite ich an einer Idee für ein Jugendbuch, und außerdem gibt’s noch was gaaanz Geheimes – mit großen Gefühlen und großen Schicksalen natürlich. Mal sehen, wie’s wird.


Liebe Henrike Heiland vielen Dank für das Interview.

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