Vita Corinna Kastner
(Text: NG)
Wie Sie auf ihrer Homepage angeben, lieben Sie das Reisen. Können Sie während Ihres Urlaubs vollkommen abschalten, oder ist eine Autorin vielleicht auch unbewusst immer auf der Suche nach neuen Anregungen für das nächste Buch?
Corinna Kastner: „Vollkommen“ nicht, nein. ;-) Es ist schon so, dass ich immer gucke und schaue und finde. Auch unbewusst, wenn ich mal gar nicht dran denke, passiert es, dass mir plötzlich etwas auf- oder einfällt. Selbst wenn ich einen Ort schon kenne – wie Wustrow, wo wir nun schon oft waren –, geht mir das so. Das Schöne und Reizvolle am Schreiben ist aber natürlich auch gerade darin zu sehen: Schreiben und Reisen gehört zusammen; beides lässt sich wunderbar verbinden.
Frage und Antwort
Ihr aktuelles Buch, "Die verborgene Kammer", spielt auf dem "Fischland". Haben Sie einen besonderen Bezug zu den von Ihnen im Buch sehr malerisch beschriebenen Orten dort und welche Orte und Sehenswürdigkeiten haben einen bleibenden Eindruck bei Ihnen hinterlassen?
Corinna Kastner: Das Fischland hat mich gleich vom ersten Moment an fasziniert. Mein Mann Jörg und ich sind eher „zufällig“ dort gelandet (ich glaub allerdings nicht recht an Zufälle), nachdem wir zuerst woanders Station machen wollten. Aber manchmal gibt es solche Orte, die einem sofort gefallen – besser ausgedrückt: denen man verfällt. Beim Fischland war das so. Ich wusste gleich, ich würde einen Roman schreiben, der dort spielt – ohne zu dem Zeitpunkt auch nur ansatzweise eine Idee zu haben, worum es darin gehen könnte. Dann habe ich mich in Wustrow weiter inspirieren und von der Gegend weiterhin faszinieren lassen – und schließlich ist „Die verborgene Kammer“ daraus geworden.
Bezogen auf die „Kammer“ waren sicher die beeindruckendsten Orte Wustrow selbst in seiner Gänze wegen der fantastischen Lage genau zwischen rauer Ostsee und viel sanfterem Bodden, wegen der wunderschönen kleinen Kapitänshäuser an den urwüchsigen Straßen (die teilweise nicht asphaltiert sind, was sie noch reizvoller macht) und der Vorstellung von der Geschichte des Landstriches. Angefangen von den Wenden, die einst dort gelebt haben, bis heute war das ja eine sehr wechselvolle Historie, und auch und gerade die Seefahrt hat immer eine bedeutende Rolle gespielt. Aber auch Stralsund hat mich gepackt – die historische Altstadt ist voll von beeindruckenden Bauten, und das Meeresmuseum muss man einfach gesehen haben.
Wenn ich jetzt von der „Kammer“ weggehe, mich allgemeiner fasse und noch mal aufgreife, was ich eben von Orten gesagt habe, denen man von Anfang an verfällt, so gilt dies auch für die Kanalinsel Guernsey, wo mein erster Roman, „Eileens Geheimnis“, spielt. Als wir 1995 dort mit einem kleinen Flieger landeten und uns das Taxi zum Hotel brachte, wusste ich sofort: DAS ist es. Hier wird’s Dir gefallen. Und so war Jahre später die Frage nach meinem ersten Romanschauplatz nicht schwer zu beantworten.
Ihre Romanheldin Viktoria in "Die verborgene Kammer" ist ebenfalls eine Romanautorin. Gibt es da gewisse Gemeinsamkeiten – Parallelen zu Ihrem Leben, oder ist die Romanfigur völlig fiktiv zusammengesetzt? Ich denke da zum Beispiel an die Szene, als Viktoria Martin Niemann während ihrer Lesereise begegnet und insgeheim beschließt, ihn als Vorlage für eine Romanfigur in einem ihrer nächsten Bücher zu benutzen. Ist Ihnen so etwas auch schon mal passiert?
Corinna Kastner: Ja, natürlich gibt es einige Gemeinsamkeiten. (Bei einer Leserunde auf www.buechereule.de ist es übrigens schon passiert, dass mich Leserinnen mit Viktoria verwechselt und statt ihres Namens meinen gepostet haben. Ich habe das als Kompliment aufgefasst!) In jeder meiner Protagonistinnen steckt ein kleiner Teil von mir, aber da Viktoria und ich denselben Beruf haben, ist es da natürlich ein bisschen mehr geworden. Es hat Spaß gemacht, einige eigene Erfahrungen einzubringen. Ihre und meine Art der „Schauplatzfindung“ und des „Atmosphäreschnupperns“ ist auf jeden Fall identisch. Und sicher lasse ich mich auch schon mal von Menschen zu Romanfiguren inspirieren – es passiert durchaus, dass man einen interessanten Menschen sieht und dass es da innerlich sofort anfängt zu rotieren und man sich vorstellt, was man aus dem wohl machen könnte – ohne je etwas Konkretes über ihn zu erfahren. Das kann aber auch mit historischen Personen passieren (wie es z. B. bei „Die geheimen Schlüssel“ mit Paracelsus der Fall war, auch wenn der dort keine wirklich große Rolle spielt). Und natürlich mit Orten (s. o.).
Genau wie auch Ihr Mann Jörg Kastner schreiben Sie. Sehen Sie das eher als Fluch oder als Segen, dass Sie und Ihr Mann zur Autorenriege gehören? ;-) Wie kann man sich einen normalen Tagesablauf bei den Kastners vorstellen?
Corinna Kastner: Das ist eindeutig ein Segen! Es hilft schon sehr, wenn der Partner versteht, wovon man redet, wenn man gerade im Schreibprozess ist, etwas besonders Schönes dabei passiert – oder man auch mal feststeckt. Man kann sich austauschen, das ist sehr wertvoll. Außerdem sind wir jeweils unsere ersten „Testleser“ oder „Lektoren“. Jörg kriegt mein Manuskript (allerdings erst, wenn’s fertig ist, nicht zwischendurch) zuerst zu lesen und umgekehrt. Erst danach geht es an den Verlag bzw. ins echte Lektorat. Und nicht zuletzt betrifft die Frage ja auch die gemeinsamen Urlaube, die wirklich zumeist mit Recherche verbunden sind – mit Jörgs oder meinen. Da ist es schon schön, wenn Verständnis dafür herrscht, dass man jetzt eben gerade mal beispielsweise nach Rom „muss“. J
Ein normaler Tagesablauf bei den Kastners sieht vermutlich nicht viel anders aus als bei anderen auch, was daher kommt, dass ich nicht hauptberuflich schreibe, sondern noch einen Vollzeitjob habe, für den ich um 6 Uhr morgens aufstehe. Dann wird kurz gefrühstückt, ich fahr ins Büro, Jörg geht in seins – und abends komm ich nach Hause, und wir essen zusammen. Der Abendablauf unterscheidet sich dann vermutlich etwas von dem anderer. Dann verschwinde ich nämlich in mein Arbeitszimmer und Jörg wieder ins Büro – und irgendwann zwischen 21 und 22 Uhr treffen wir uns wieder im Wohnzimmer.
Zusammen mit Ihrem Mann haben Sie vor Jahren "Die Steinprinzessin", ein Jugendbuch, geschrieben. Wird es in Zukunft weitere gemeinsame Projekte geben?
Corinna Kastner: Es sollte ursprünglich sogar eine Fortsetzung zur „Steinprinzessin“ geben, dann kamen jedoch meine Solo-Projekte dazwischen. Es war zeitlich für mich einfach nicht drin, meinem Vollzeitjob nachzugehen, meine eigenen Romane und dann auch noch ein gemeinsames Buch mit Jörg zu schreiben.
Zurzeit allerdings denken wir tatsächlich über ein gemeinsames Projekt nach – was aber nichts mit der „Steinprinzessin“ zu tun hat. Mal sehen, was die Zukunft bringt…
In Ihren Romanen geht es unter anderen um spannende Themen wie Reinkarnation und mystische Begebenheiten. Glauben Sie auch privat an übernatürliche Phänomene, daran, dass sich nicht alle Dinge zwischen Himmel und Erde rein wissenschaftlich erklären lassen?
Corinna Kastner: Tatsächlich ist „Die verborgene Kammer“ der erste Roman, der keine übersinnlichen Elemente enthält.
Ich glaube daran, dass es die berühmten „Dinge zwischen Himmel und Erde“ gibt, die sich heute noch nicht oder vielleicht nie wissenschaftlich erklären lassen. Bitte nicht danach fragen, welche genau das sind. Da ist mein „Glaube“ recht diffus, muss ich zugeben. Ich bin außerdem davon überzeugt, dass allen möglichen Leuten diese Dinge passieren können – nur mir nicht. Dazu bin ich dann doch zu rational. Glaube ich. ;-)
Wie ich oben schon mal erwähnte, glaube ich aber auch nicht so recht an „Zufälle“. Die Geschichte, wie mein Mann und ich uns kennenlernten, ist da sehr bezeichnend. Manche würden das einen gigantischen Zufall oder das zufällige Zusammenspiel mehrerer kleiner Ereignisse nennen. Ich nenne es eher „Schicksal“…
Der Bastei Lübbe Verlag hat Ihren Roman mit einem sehr stimmungsvollen Cover versehen, wie ich finde. Hatten Sie bei der Auswahl Mitspracherecht?
Corinna Kastner: Nein. Ich bin aber vollkommen begeistert von der gesamten Gestaltung des Buches – nicht nur von dem wirklich stimmungsvollen Cover (das ich kannte, von dessen schönem metallischen Glanz ich aber nichts wusste, bevor ich das Buch in den Händen hielt), sondern auch von den unterschiedlich gestalteten Romanteilen (ich will jetzt hier nicht verraten, was genau wie dargestellt wird, vielleicht möchte ja die eine oder der andere das Buch noch lesen)!
Welches Buch liegt zurzeit auf Ihrem Nachttisch?
Corinna Kastner: „Die siebte Stunde“ von Elisabeth Herrmann. Sehr spannender zeitgenössischer Thriller, der in Berlin spielt.
Gibt es schon Pläne für Ihr nächstes Buch? Wenn ja, wo wird es spielen?
Corinna Kastner: Pläne gibt es – aber noch nichts Konkretes. Ich arbeite zurzeit mehrere Stoffe aus und bin selbst schon gespannt, welcher davon als nächstes ein Roman wird.
Vielen Dank für das informative Interview Frau Kastner und weiterhin viel Erfolg mit ihren Romanen.
Quellennachweis
Photo Corinna Kastner: © Corinna Kastner