Vita Jeanine Krock

Jeanine Krock, gebürtige Braunschweigerin, zog es nach ihrer Kindheit beruflich nach Europa. Sie arbeitete unter anderem als Kostümbildnerin und Model-Bookerin in Frankreich, Großbritannien und Griechenland. Zu ihren großen Vorlieben gehören Vampire, gutaussehende Highlander in Kilts, mystisch anmutende Burgen und einsame Landschaften; ob in Schottland oder auch in Norddeutschland. Außerdem liebt sie neben dem Schreiben natürlich auch das Lesen; dass einen großen Teil ihrer Freizeit bestimmt. Bekannt wurde sie durch Bücher wie „Wege in die Dunkelheit“ oder „Der Venuspakt“. „Der Venuspakt“ landete auf dem dritten Platz der Ubooks Verkaufsrangliste und bekam somit Bronze. Weiterhin sind Kurzgeschichten von ihr in diversen Anthologien erschienen.
Frage und Antwort 2007
im Rahmen unseres besonderen Themas Paranormaler Liebesroman im April 2007
Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Jeanine Krock:
Geschrieben habe ich schon immer recht gern. Zum Romanschreiben allerdings bin ich vor etwa 12 Jahren nach einem Reitunfall gekommen. Ziemlich immobil und ohne Internet hatte ich als fast schon Lesesüchtige praktisch keine andere Wahl und habe mir schließlich meine Geschichten selbst geschrieben.
Welche Bücher lesen Sie gerne, wenn es mal kein paranormaler Roman sein soll?
Jeanine Krock:
Neben diversen Klassikern steht auch viel Fachliteratur in meinen Regalen. Auf dem Lesetisch direkt neben meinem Ohrensessel liegen derzeit unter anderen die Bestseller »Watching the English«, »The Know-it-All: One Man's Humble Quest to Become the Smartest Person in the World« und der außerordentlich berührende Roman »Glückstadt« von Gabriela Jaskulla. Ich liebe außerdem den Humor von Autoren wie Jane Austen oder Oscar Wilde, die ich deshalb am liebsten im Original genieße. Junge, deutsche Literatur würde ich gerne häufiger lesen, meist aber bleibt es beim guten Vorsatz...
Haben Sie bestimmte Autorinnen als Vorbild?
Jeanine Krock:
Auf eine gewisse Weise beeinflussen mich alle Texte, die ich lese oder höre, aber ein Vorbild, jemanden, dem ich nacheifere, habe ich nicht. Allerdings bewundere ich viele meiner Kolleginnen und Kollegen für ihren Fleiß und natürlich für ihr außerordentliches Talent.
Wie schwer war es für Sie Ihre erste Sex- Szene zu schreiben?
Jeanine Krock:
Augen zu und los ;-) Anfangs war es vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig und ich finde, die deutsche Sprache ist auch nicht besonders reich an »salonfähigen« Formulierungen, aber inzwischen macht es durchaus Spaß.
Welche Hauptprotagonisten aus Ihren Büchern sind Ihnen am meisten ans Herz gewachsen?
Jeanine Krock:
Meine besondere Aufmerksamkeit gilt immer den Protagonisten des Romans, an dem ich gerade schreibe. Allerdings habe ich eine gewisse Schwäche für Kieran aus »Der Venuspakt« entwickelt. Schade, dass er schon vergeben ist, aber er hat ja noch einen Zwillingsbruder...
Wie muss Ihrer Meinung nach ein Liebesromanheld „gestrickt“ sein; bzw. ist ein „Tortured Hero“ für einen paranormalen Liebesroman zwingend erforderlich?
Jeanine Krock:
Wenn man bedenkt, dass diese Kerle normalerweise umwerfend aussehen, über außerordentliche Fähigkeiten – beispielsweise im Kampf – verfügen und am Ende des Buches auch noch ihre Traumfrau »kriegen«, sollten sie doch wenigstens eine dunkle Seite, emotionale Defizite oder ein paar andere Macken haben, finde ich. Das wäre ja ansonsten nicht auszuhalten.
Was macht das paranormale Genre für Sie so interessant?
Jeanine Krock:
Meine Leidenschaft für Vampire habe ich in der Post-Punk-Szene der frühen 80er Jahre entdeckt und aus meinen Fantasy-Geschichten sind sie seither nicht mehr wegzudenken. Außerdem eignen sie sich bestens zum Über-Helden und das macht mir zusätzlich Spaß.
Warum ausgerechnet Vampire? Was fasziniert Sie so an dieser Gattung?
Jeanine Krock:
Vampire stehen für mich ganz oben auf der Favoriten-Liste paranormaler Geschöpfe. Sie sind sexy, verfügen über beeindruckende Kräfte und ihre erotische Ausstrahlung ist meist nicht ohne. Dies gilt vielleicht nicht für »den kleinen Vampir« Rüdiger, den ich selbstverständlich verehre, aber schon sein Bruder Lumpi ließ früher mein Herz ein wenig höher schlagen...
Haben Sie eine besondere Vorliebe für ein bestimmtes Setting? Und warum?
Jeanine Krock:
Ich finde, dass Vampirromane gut in die Gothic-Szene passen, weil es ein paar ganz praktische Parallelen gibt. So bevorzugt man nächtliche Aktivitäten, außergewöhliche Blässe, und nicht die sommerliche Bräune, gilt als erstrebenswert und historisches Ambiente wird allgemein sehr geschätzt.
Nach welchen Kriterien suchen Sie die Namen für Ihre Protagonisten aus?
Jeanine Krock:
Namen sind eine wirklich spannende Angelegenheit. Ich gehe zwar nicht so weit wie einige andere Autoren und erfinde sie komplett neu, doch die Auswahl ist auch bei mir ein langwieriger Prozess und ich scheue mich nicht, meine Figuren auch einmal umzutaufen, wenn ihr Charakter sich während der Geschichte ändert, oder ich mit ihrem Namen nicht richtig »warm werden« kann.
Es ist mir meist wichtig, dass die ausgewählten Namen eine Bedeutung haben, die mit dem Charakter der jeweiligen Figur verknüpft ist. Außerdem sollten sie auch möglichst angemessen klingen. Denn ausgesprochen bekommt ein Name erst seinen ganz besonderen Zauber.
Welche Bücher aus diesem Genre (Paranormal/Vampir) würden Sie den Lesern empfehlen?
Jeanine Krock:
Wo soll ich da anfangen? Es gibt auf jeden Fall ein paar sehr beliebte Bücher deutschsprachiger Autorinnen und Autoren. Die Übersetzungen vieler Romane von britischen oder amerikanischen Autoren kenne ich leider nicht (ich lese diese Bücher gerne im Original) und kann sie deshalb auch nicht beurteilen. Kürzlich bin ich auf »Twilight« von Stephenie Meyer aufmerksam geworden. Ich habe zwar keine Ahnung, warum ausgerechnet eine Mormonin einen Jugendroman über Vampire schreibt, aber sie tut dies definitiv auf eine fesselnde Art und Weise.
An was arbeiten Sie momentan? Gibt es aktuelle Neuveröffentlichungen?
Jeanine Krock:
Zurzeit bin ich auf mehreren »Baustellen« tätig. Kleinere Projekte sind in Arbeit, u. a. bereite ich ein Exkurs über das Leben in den schottischen Highlands der Vergangenheit für die Booklover Conference (BLC) Anfang Mai in Wiesbaden vor. Ein neues Manuskript gibt es bereits und die Ideen für den dritten Vampirroman und einige andere Geschichten werden allmählich konkreter.
Fragen und Antworten 2008
(Text: AS)
Titel und Cover Ihres neuen Buches wurden im Internet vieler Orts diskutiert. Es wurde sogar Bedauern darüber laut, dass es nicht im Stil von „Der Venuspakt“ gestaltet wurde. Nachdem ich das Buch gelesen habe, finde ich persönlich allerdings dass das Cover und der Titel ganz hervorragend den Inhalt des Buch widerspiegelt.
Wie war Ihr Eindruck zu dem Coverbild? Und hatten Sie Einfluss auf die Entscheidung des Verlages?
Ich möchte vorausschicken, dass Autoren in den seltensten Fällen Einfluss auf Ausstattung, Coverdesign oder Klappentext ihrer Veröffentlichungen haben, dies ist Sache des Verlags.
Agnieszka Szubas Arbeiten sind mir vor Jahren in einer Ausstellung aufgefallen und ich habe mir sehr gewünscht, dass sie die Titel meiner Vampirbücher gestaltet. Dieser Wunsch wurde mir von Ubooks erfüllt.
Die zauberhafte Fee von »Der Venuspakt« braucht die Konkurrenz nicht zu fürchten, sie ist einmalig. Nichtsdestotrotz stimme ich Ihnen zu: Das Cover der Sternseherin passt auf seine ganz eigene Art zur Story.
„Die Sternseherin“ würde ich zu den eher ernsten Vampirromanen zählen und ich gebe zu, ohne andere Bücher abwerten zu wollen, denn auch diese haben ihren Reiz, war es eine Wohltat, nach vielen lustigen paranormalen Liebesromanen, „Die Sternseherin“ zu lesen. Liegt Ihnen als Autorin, das Dunkle und Geheimnisvolle näher, als das Schreiben von witzigen paranormalen Geschichten?
Ich lese gerne heitere paranormale Romane und bin überzeugt, dass besonders der angelsächsischen Humor perfekt zum zu dieser Facette des Vampirgenres passt.
Beim Schreiben sieht dies für mich etwas anders aus, meine Vampire verbinde ich mit dunkleren Szenarien, was nicht heißen soll, dass mein »literarisches Personal« nicht auch seine heiteren Momente haben darf.
Eine ganz besondere Begeisterung empfinde ich für Ihre literarischen Figuren. Da wären zum Einen die wunderschöne Auswahl an Namen, wie Estelle und Asher, und zum Anderen die hervorragend beschriebene und unterschiedliche Charakterisierung der Protagonisten. Zumeist sind die Figuren auch nur schwer zu durchschauen und diese geheimnisvolle Aura macht einen zusätzlichen Reiz aus.
Wie entwickeln Sie diese Figuren oder besser gefragt, woher kommen Ihnen die Ideen dazu?
Danke für dieses Kompliment. Für die Namenssuche nehme ich mir ausgiebig Zeit. Ideal finde ich Namen, die in ihrer Bedeutung und im Klang zu einer Figur passen. Manchmal benenne ich während des Schreibens auch jemanden um, wenn ich das Gefühl habe, sein Name passt nicht mehr zum Charakter.
Die Frage nach der Inspiration ist schwieriger zu beantworten. Ereignisse, selbst Erlebtes oder Eigenschaften von Menschen, denen ich in der Vergangenheit begegnet bin, helfen mir, eine Figur zu entwickeln.
Die Figur Kieran ist ein „Vengador“, auch Asher hat einst diesen Dienst versehen. Zuerst dachte ich dieser Begriff wäre evtl. der Fantasie einer Autorin entsprungen, dann habe ich entdeckt, dass dem nicht so ist.
Würden Sie uns kurz erklären was dieser Begriff bedeutet und warum Sie ihn ausgewählt haben?
Der Begriff stammt aus dem Spanischen. Ein »ángel vengador« ist ein Racheengel und diese Bezeichnung fand ich sehr passend für diese Vertreter des Magischen Rats. Ich spreche nicht besonders gut Spanisch, aber wenn ein Muttersprachler mir heiserer Stimme »Vengador« flüstert, dann sehe ich sofort einen Krieger wie Kieran vor mir.
Die Figur Estelle, kann nicht nur von Menschen die Auren lesen, sondern auch die von Gegenständen, insbesondere Büchern. Asher hat sich viele Jahre seines Daseins als Bibliothekar mit Büchern beschäftigt. Nicht nur dass mich diese Konstellation fasziniert hat; vor allem die Möglichkeit Bücher nicht nur lesen zu können, sondern zu spüren, wie Estelle; ich habe mich auch gefragt ob Bücher in Ihrem Leben evtl. ebenfalls eine bedeutende Rolle spielen? ;-)
Das kann man mit gutem Gewissen behaupten! [lacht] Beruflich habe ich mit Büchern zwar erst seit wenigen Jahren zu tun, aber in meinem Umfeld befanden sich schon immer »Bücherwürmer« und ich darf mich getrost ebenfalls zu dieser merkwürdigen Gattung zählen.
Unweit meines Geburtsortes galt die Herzog August Bibliothek zu Wolfenbüttel bereits um 1660 als eine der bedeutendsten Sammlungen Europas. Inzwischen bewahrt man dort gut eine Millionen Bücher auf. Viele davon sind ungeheuert wertvoll, unter anderen auch das Evangeliar von Heinrich der Löwe. Dort habe ich zum ersten Mal das Gefühl gehabt, die Bücher würden zu mir sprechen. Daraus ist später die Idee zu Estelles besonderer Begabung entstanden.
Was mich an „Der Venuspakt“ und auch an „Der Sternseherin“ fasziniert, ist, dass Feen, bzw. Feentöchter mitspielen. In meinen Ohren gibt es kaum ein wundervolleres Wort als „Feentöchter“, was gleich eine Vielzahl an Visionen im meinem Kopf starten lässt.
Den strahlenden und lebendigen Feen gegenüber stehen die dunklen und nicht weniger mächtigen Vampire.
Kann man es so verstehen, dass die Feentöchter, als Lichtelfen und die Vampire als Dunkelelfen eine Art Ying und Yang darstellen, die die Welt Ihrer Bücher im Einklang halten sollen?
Für »Die Sternseherin« und »Der Venuspakt« gilt dies gewiss. In diesen beiden Büchern sind Feen das Licht, das die Dunkelheit der Vampire erst greifbar macht.
„Die Sternseherin“ spielt an einigen besonderen Plätzen und Orten, die, wie mir scheint, einige Ihrer Lieblingsorte aufzeigen. Was bedeuten für Sie Länder wie Schottland, Irland und Frankreich?
Man sagt, Autoren sollten am besten über Dinge schreiben, die sie gut kennen. Ich bin häufig gereist und habe an verschiedenen Orten gelebt. Die britischen Inseln sind mir dabei besonders ans Herz gewachsen, die französische Lebensart – und das empfinde ich keineswegs als Widerspruch – ebenfalls.
Schon der Heinrich der Löwe, Braunschweig war seine Residenzstadt, heiratete Richard Löwenherz’ Schwester Mathilde. Ihre Eltern waren Eleonore von Aquitanien und der englische König Heinrich II. (Plantagenet). Vielleicht liegt mir das Anglo- und Frankophile also einfach im Blut, wer weiß?
Bisher machten stets Vampire einen Teil des Mittelpunktes Ihrer Geschichten aus. Werden wir Leser eines Tages auch mehr über die Werwölfe um die Figur von Erik oder andere Gestalten aus der magischen Welt von Estelle und Nuriya erfahren?
Ideen dazu hätte ich schon. Aber wie es weitergeht, liegt nicht bei mir, sondern in den Händen des Verlags. Im dritten Band, der im Herbst 2009 erscheinen soll, wird – soviel ist bereits sicher – eine Vampirin im Mittelpunkt der Ereignisse stehen.
Aktuell ist aber nicht nur Ihr Roman „Die Sternseherin“, auch in dem Bildband von Annie Bertram „Wahre Märchen“ gibt es eine Geschichte von Ihren.
Was mich zudem interessieren würde: Was war zuerst da; ihre Geschichte zu der Annie Bertram die Photos gemacht hat; die Photos zu denen Sie eine Geschichte geschrieben haben oder verlief die Zusammenarbeit eher parallel?
Ich habe die Fotos gesehen und daraufhin beschlossen, eine Geschichte zu schreiben. Nachher erzählte mir Annie Bertram, dass sie beim Lesen den Eindruck hatte, ich wäre als heimliche Beobachterin beim Shooting dabei gewesen. In meiner Märcheninterpretation der kleinen Meerjungfrau hat sie Bilder gefunden, die einigen undokumentierten Ereignissen während des Fotoreise offenbar nahe kamen. Das hat mich sehr berührt.
Den Namen der Autorin Jeanine Krock auszusprechen und nicht an Nixen, Feen, Vampire und viele andere sagenhafte Gestalten zu denken, ist fast unmöglich. Ich persönlich glaube an eine magische Welt, in der eine Reihe von Sagengestalten zu Hause sind.
Glaube Sie auch an magische Gestalten wie Feen und Nixen?
Eine Glaubensfrage, über die man zweifellos lange philosophieren könnte. Der Konstruktivismus beispielsweise – übrigens eine philosophische Richtung, der ich große Sympathie entgegenbringe – schließt den Zugriff auf die absolute Realität aus und beschränkt sich auf »funktionierende Beschreibungen«. Im Umkehrschluss bedeutet dies für mich auch, dass es Dinge jenseits unserer (momentanen) Verständniswelt gibt.
In meinem Garten wohnen so sicher Pixies, wie es auf meinem Dachboden manchmal spukt. Ich bin überzeugt, wer einmal die schottischen Highlands oder Islands Landschaften durchquert hat, kann leichter glauben, dass sich hinter manchem Stein oder Erdhügel ein verwunschener Eingang in eine Anderswelt verbirgt.
Herzlichen Dank für das nette Gespräch.
Es hat mir großen Spaß gemacht, vielen Dank.