Vita Tania Krätschmar

Tania Krätschmar wurde 1960 in Berlin geboren. Nach ihrem Germanistikstudium in Berlin, Florida und New York arbeitete sie als Bookscout in Manhattan. Heute ist sie als Texterin, Übersetzerin und Autorin tätig. Sie lebt mit ihrem Sohn in Berlin.
(Quelle: Droemer/Knaur)
Homepage der Autorin Tania Krätschmar
Frage und Antwort
(Text: AS)
Was macht Tania Krätschmar aus?
Carpe diem, und das mit Leidenschaft! Dann eine optimistische Grundeinstellung, mit der ich allen, die nicht so sind, gründlich auf die Nerven gehen kann. Ich bin neugierig auf Menschen und fremde Orte, habe aber auch überhaupt nichts gegen Alleinsein. Ich ziehe das kleine Abenteuer von Second-Hand-Läden dem kalkulierbaren von Labelboutiquen vor. Beruflich bin ich sehr diszipliniert, genau das Gegenteil von einer last minute-Schreiberin. Ich denke, es ist eines der schönsten Geschenke, wenn man im Leben früh weiß, was man machen will, und bei mir war es was mit Büchern. Schreiben, Rezensieren, Übersetzen, Verkaufen, Vermarkten … habe ich alles auch wirklich gemacht, bzw. mache es immer noch.
Welche Fähigkeiten bewundern Sie?
An Frauen: Humor, Intelligenz, Treue, Großherzig- und Großzügigkeit, den Mut zur eigenen Meinung.
An Männern: dasselbe, natürlich!
Worüber können Sie herzhaft lachen?
Über ulkige, ein bisschen doofe Witze („Wie nennt man einen Keks unterm Baum? Ein schattiges Plätzchen…“), über Situationskomik, über Wortwitz, über skurrile Situationen. Das Lachen im Halse dagegen bleibt mir stecken bei Fernsehsendungen, bei denen kleine Kinder von Schaukeln fallen und im Hintergrund brüllendes Gelächter eingeblendet wird. Da kommen mir eher die Tränen.
Was hat in Ihnen den Wunsch geweckt, Geschichten zu erzählen und aufzuschreiben?
Ich denke, das muss WER heißen. Meine Mutter hat immer geschrieben, privat und beruflich. Vermutlich hat sie mir das Schreib-Gen vermacht. Vor einigen Jahren hat sie beim Agatha-Christie-Krimipreis mitgemacht: „Gefährliche Gefühle“ hieß das Thema. Ich hatte Lust, es auch mal zu versuchen, und bin gleich unter die 25 Glücklichen gekommen, deren Kurzkrimis im Fischer Verlag in einer Anthologie erschienen. Damit hatte ich bei den Verlagen vielleicht nicht den Fuß, aber immerhin den großen Zeh in der Tür.
Was ist das Schönste am Schreiben? Was das Schlimmste?
Das Schönste ist, wenn der Verlag die nächste Romanidee freudig abnickt und es bei mir am Computer einfach läuft. Wenn ich mich selbst in der Handlung verliere, alles genau vor mir sehe. Ich finde es großartig, wenn ich mich ein bisschen in die männliche Hauptfigur verliebe, wenn die Protagonistin wie eine gute Freundin für mich ist. Ich lasse auch gern Personen aus früheren Romanen auftauchen. Diejenigen, die keinen Vorgänger-Roman gelesen haben, werden das überhaupt nicht merken, aber die anderen denken vielleicht: Ach, schau mal, da ist ja Tinke! Wie geht’s der denn? Viel Spaß macht auch das Recherchieren, weil man in eine Materie eindringen muss, die man vorher nur oberflächlich kannte.
Das Schlimmste ist, wenn das, was man schreibt, einen selbst nicht überzeugt, wenn es einem fade erscheint. Da hilft nur noch die Delete-Taste, egal, wie lange man daran saß.
Wirklich hassen tue ich unfaire Kritiken von bornierten Menschen, die sich nicht mal die Mühe gemacht haben, den Roman aufmerksam oder gar bis zum Ende durchzulesen.
In Kritiken kann man wiederholt lesen, dass die Autorin Tania Krätschmar die Kunst beherrscht, dem Leser Stimmungen und Schwingungen in Geschichten zu vermitteln. Was ist Ihr Geheimnis dabei, wie "zaubern" Sie Atmosphäre in eine Geschichte?
Es gefällt mir, Landschaften, Jahres- und Tageszeiten und das Wetter relativ ausführlich in die Handlung einzubinden, sie gewissermaßen zum Spiegel der inneren Vorgänge zu machen. Wenn man zum Beispiel schreibt: "Die Tür öffnete sich. Sie betrat das Zimmer. Draußen regnete es.", klingt das ganz anders als: "Der Sturm riss die Tür auf, als wolle er sie in den Raum wehen. Sie trat ein, Regentropfen in ihren dunklen Wimpern, von ihrem Burberry-Regenschirm tropfte es. In Windeseile bildete sich eine kleine Pfütze auf dem blanken Parkett …" Und schon sind wir mitten in Stimmungen und Schwingungen. Und natürlich auch mitten im Genre!
Was haben Sie zuerst im Kopf: eine Idee zum Plot, die Figuren oder der Spielort? Im übertragenen Sinne also "Was war zuerst das Ei oder das Huhn?"
Das ist von Buch zu Buch unterschiedlich. Bei der "Wassergärtnerin" war es zuerst das Bild von einem blühenden blauen Garten an einer vermüllten Stelle von Berlin, bei "Seerosensommer" begann es mit der Landschaft der Müritz und einem Ausflug auf einem Hausboot, bei "Winterherz" waren es die Wölfe, was wiederum das Bild des Protagonisten, einem klassischen einsamen Wolf, getriggert hat.
Autoren beteuern immer wieder, dass Romanfiguren mitunter sehr eigenwillig sein können. Haben Sie diese Erfahrung ebenfalls gemacht?
Ja, habe ich. Dass Severin einen eigenen Roman bekommen hat (Bruder von der Protagonistin aus der „Wassergärtnerin“), hat mich selbst gewundert. Das war echt nicht geplant. Im Moment schreibe ich an Nr. 4. Da überraschen mich auch so einige. Ich muss sie aber in Schach halten, sonst wird der Roman zu lang.
Wie findet man den perfekten Spielort für eine Geschichte? Durch Zufall oder wohlgeplante Überlegungen?
Ich schreibe nur über Orte, an denen ich selbst schon war. Manchmal bin ich irgendwo und denke, hier könnte eigentlich toll ein Roman spielen. Wenn mir dann eine Handlung einfällt, dann denke ich an diesen Ort. Einmal habe ich etwas konstruiert, das ich nicht wirklich empfunden habe, und das wurde auch prompt in einer Kritik bemängelt. Berlin ist sowieso meine Stadt, da kenne ich mich gut aus, die Müritz hat mich sofort verzaubert, und für Wölfe kommen ja am besten einsame Gebiete in Brandenburg in Frage, Buchen- und Kiefernwälder, Endmoränenlandschaft mit Feldern und kleinen Seen, sandige Wege, viel Einsamkeit. Da war ich, das kenn ich, das mag ich. Das fühle ich.
Auf Ihre Homepage ist zu lesen, dass „Seerosensommer“ im September verfilmt wird. Konnten Sie schon einen Blick auf die Dreharbeiten werfen?
Ja. Ich bin mit der Producerin nach Gut Schloss Golm gefahren worden, einem traumhaften Anwesen am Zernsee bei Potsdam. Dort fanden gerade Innenaufnahmen statt, sie haben sich sehr viel Mühe gegeben, alles so zu gestalten, wie es im Buch beschrieben ist. Bis in kleinste Details, großartig. Sie haben extra einen langen Steg bauen lassen, an dem das romantische Hausboot von Severin, dem Protagonisten, liegt. Ich hätte auf der Stelle einziehen können! Der Regisseur Donald Krämer hat mir alles erklärt, die Schauspielerinnen Lara Joy Körner, Diana Körner und Claudia Rieschel haben an diesem Tag gespielt, einfach super. Die zweite Hälfte der Dreharbeiten findet an der Müritz statt. Ich kann es kaum erwarten, den fertigen Film im ZDF zu sehen! Sendezeit: Sonntagabend.
Was für ein Gefühl ist das, wenn die eigenen Romanfiguren auf der Leinwand zum Leben erwachen?
So ungefähr das beste … Im Film haben sie den Titel und die Namen aller Personen beibehalten, und es war lustig, als der Regisseur zu mir sagte: "Wir haben den Pyrotechniker das Lagerfeuer machen lassen, an dem Severin und Josephine sich küssen. Aber sie hat den Kuss ja nicht durchgehalten." Ja, dachte ich. Ich weiß. Hab ich mir ja selbst ausgedacht.
Kochen ("Seerosensommer"), Gärtnern ("Die Wassergärtnerin") und Wölfe ("Winterherz"): Teilen Sie die Leidenschaften Ihrer Figuren?
Definitiv! Wobei ich das Wolfsthema durchaus differenziert sehe. Über Rittersporn oder Lachspastete kann man längst nicht so geteilter Meinung sein, finde ich.
Bitte erzählen Sie uns zum Abschluss noch ein wenig mehr über Ihr neues Buch "Winterherz".
Die Protagonistin in „Winterherz“ ist Ella Ridder, eine Wildbiologin, die seit einem Jahr in der Schorfheide nordöstlich von Berlin lebt und arbeitet. Ihr großes Thema sind Wölfe, die von Polen aus zurück nach Deutschland kommen, über die Neiße oder die Oder. (Tatsächlich gibt es in der Lausitz bereits sechs Rudel!) Sie ist die Schwester von Josephine aus „Seerosensommer“, besitzt aber ein ganz anderes Naturell: temperamentvoll, eigensinnig und spontan. Als ihr zahmer Halbwolf Jack abhaut, landet er auf dem Gelände des spröden Museumsbetreibers Sander Engelbrecht. Sander reagiert kalt, und Ella findet ihn einfach grässlich. Aber dann werden sie quasi zum Schulterschluss gezwungen, erwärmen sich füreinander trotz sinkender Temperaturen, und gleichzeitig passieren in Ellas Umfeld rätselhafte, gefährliche Dinge … genug verraten! Das Buch erscheint am 4. Oktober.
Liebe Tania Krätschmar, vielen Dank für das Interview.
Quellennachweis
Photo © Tania Krätschmar