Vita Tanja Kinkel
(Text: NG)
Heute möchte ich Euch eine deutsche, sehr beliebte Autorin von hauptsächlich historischen Romanen vorstellen- Tanja Kinkel.

Die Autorin wurde am 27. September 1969 in Bamberg geboren. Sie gibt in ihrer Biografie an, dass sie vermutet, dass ihr Interesse an der Historie u.a. vielleicht ein wenig daher rührt, dass ihre Grundschule nur knapp 100 m vom gotisch/romanischen Dom, einer barocken Residenz und einer Renaissance Kaiserpfalz entfernt lag.
Sie begann mit 8 Jahren mit dem Schreiben; zunächst Gedichte und Geschichten und gewann 1987 erste Preise.
Ab 1988 studierte die Autorin Germanistik, Theaterwissenschaft und Kommunikationswissenschaft und machte nach Abschluss ein Praktikum beim Süddeutschen Verlag.
1990 erschien ihr erster Roman "Wahnsinn, der das Herz zerfrißt". Sie bekam kurz darauf ein Jahres- Stipendium an der Hochschule für Film und Fernsehen in München, bis es dann nahtlos weiterging mit der Veröffentlichung weiterer Romane.
Tanja Kinkel gehört zum Kuratorium des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg von der Bayerischen Staatsregierung ins Leben gerufen und hält dort regelmäßig Vorträge.
Die Autorin engagiert sich besonders für karitative Zwecke wie etwa die Aktion "Brot und Bücher", die es ermöglicht Schulen in Afrika zu finanzieren und hat bereits mehrere Reisen in das Land unternommen um sich auch vor Ort über Fortschritte und auch Land und Leute zu informieren. Außerdem ist sie seit Ende 2007 Schirmherrin der Deutschen Kinderhospiz-Stiftung.
Frage und Antwort (April 2010)
Ihr aktuelles Buch "Im Schatten der Königin", ist ein historischer Kriminalroman, der seine Leser in das elisabethanische Zeitalter entführt.
Haben Sie ein besonderes Interesse an dieser Epoche?
Ja, schon seit vielen Jahren. Sie quillt nur so vor interessanten Persönlichkeiten über, war eine Umbruchszeit, in der viele Gewissheiten erschüttert und neu geformt wurden, und war literarisch gesehen eine der fruchtbarsten Epochen überhaupt.
Man erfährt, aus Sicht der ergebenen Zofe und "Ersatzmutter" Kat Ashley auch einiges über die englische Königin, dennoch bleibt sie nur eine Nebenfigur in diesem Roman.
Was hat sie dazu veranlasst, die Geschichte nur aus der Sicht von Thomas Blount und Kat Ashley zu erzählen?
Zum einen wollte ich die in den Biographien nur schattenhaft erwähnten Figuren ins Zentrum rücken, zum anderen hat mir das auch ermöglicht, die Leser auf dem gleichen Wissenstand wie Tom Blount und Kat Ashley zu halten, und sie über die gleichen Fragen rätseln zu lassen, während sie bei einer Schilderung aus der Sicht von Elizabeth oder Robert Dudley genau gewusst hätten, was nun in den beiden vorgeht.
Historiker vermuten mittlerweile, Amy Robsart, Robert Dudleys Frau habe womöglich Selbstmord begangen. Interessant fand ich auch Ihre geschilderte Option. Stießen Sie im Zuge Ihrer Recherchen für diesen Roman auf diese Variante, oder haben Sie sich schon früher einmal mit diesem Thema
auseinandergesetzt?
Es ist sehr schwer, die Frage zu beantworten, ohne meine Option zu verraten, aber ich werde es versuchen! (Und so neutral wie möglich formulieren). Eine der beteiligten Personen ist in der Tat schon lange vor mir als jemand vorgeschlagen worden, der/die die Finger im Spiel gehabt haben könnte. Aber die Motivation der anderen Person, die/der letztendlich die Entscheidung traf, ist noch nicht anderswo vorgeschlagen worden. Ich habe mich gefragt: was ging in ihr/ihm vor, was wollte er/sie erreichen?
Dass Elizabeth I. romantische Gefühle für Robert Dudley hegte, gilt als bekannt, denken Sie, diese Gefühle wurden von ihm erwidert? Schließlich galten alle Dudleys als extrem ehrgeizig.
Robert Dudley, der spätere Earl of Leicester, hatte lange Zeit bei den Historikern das Problem, dass man das Wort „Günstling“ im Gegensatz zu „Mätresse“ immer negativ oder zumindest leicht verächtlich besetzt. Erst ab dem 20. Jahrhundert kamen Biographen zu einem sehr viel positiveren Bild von ihm. Sarah Gristwood, Autorin der jüngsten Leicester-Biographie, weist darauf hin, dass er öfter an Ratssitzungen teilnahm als jedes andere Kronratsmitglied (mit Ausnahme von Cecil und Elizabeths Vetter, Francis Knollys), seinen durch Elizabeth gewonnen Status als Politiker und Diplomat stetig nutzte (und zwar konstruktiv, im Gegensatz zu seinem Stiefsohn, Robert Devereux, dem Earl of Essex, der nach Robins Tod zu Elizabeths Alterstragödie werden sollte), und sein Geld einsetzte, um einer der wichtigsten Patrone für Wissenschaftler und Künstler im Land zu werden.
Natürlich war Robert, wie die meisten Männer seiner Zeit und wie Elizabeth selbst, immens ehrgeizig. Ich hätte auch um alles in der Welt nicht mit ihm verheiratet sein mögen. Als Onkel und Vater war er übrigens besser als Ehemann. Seine Nichten und Neffen vergötterten ihn nachweislich, und in einer Zeit, in der Adelige Kleinkinder eigentlich meist erst zu Ammen und dann in andere Haushalte gaben, kümmerte er sich ungewöhnlich intensiv um seinen Sohn aus zweiter Ehe.
Ob Robert Elizabeth den Hof gemacht hätte, wenn sie nicht Königin gewesen wäre? Schwer zu sagen; von dem Zeitpunkt ihrer Krönung an war er gewiss nicht in der Lage, an sie zu denken, ohne den Umstand, dass sie die mächtigste Person im Land war, mit einzubeziehen. Aber sie kannten einander schon von dem Zeitpunkt an, als Elizabeth acht Jahre alt war, bei Hof nur „der kleine Bastard“ genannt wurde und kaum Freunde hatte. Ihre Beziehung hielt nach der Erschütterung durch den Tod von Amy, der jede Hoffnung, die er sich auf eine Ehe gemacht haben konnte, ein für allemal zerstörte, noch über dreißig Jahre bis zu seinem Tod, trotz weiterer Günstlinge auf ihrer und einer zweiten Ehefrau, viele Jahre später, auf seiner Seite. Ob man das von seiner Seite aus nun wahre Liebe oder wahre Freundschaft nennen kann, weiß ich nicht, aber die wichtigste Beziehung in seinem Leben war es bestimmt.
Welche Autoren/Romane können Sie begeistern und fesseln?
Zu viele, um sie alle aufzuzählen. Was den historischen Roman betrifft, so stehen Lion Feuchtwanger unter den Klassikern und Sharon Penman unter den lebenden Autoren an erster Stelle.
Gibt es Bücher, die Sie auch nach dem Lesen nicht losließen?
Für mich ist ein Roman nur dann wirklich gelungen, wenn ich auch über ihn nachdenke, wenn ich nicht gerade darin lese, und ihn gleich nach der ersten Lektüre noch einmal verschlinge.
Wie würden Sie diesen Satz beenden? Schreiben bedeutet für mich....
Schreiben bedeutet für mich...
…am Leben zu sein.
Schaut man sich einmal auf Ihrer Webseite um, wird man sehen, wie vielseitig und aktiv Sie sind. Neben dem Schreiben engagieren Sie sich auch stark für die lobenswerte Aktion "Brot und Bücher". Würden Sie unseren Lesern vielleicht ein wenig darüber berichten?
Ich sage es mal mit einem unserer Leitsprüche. „Sobald eine kleine Quelle versiegt, trocknet der ganze Strom aus“. Brot und Bücher ist so eine kleine Quelle, aber wir investieren in die Zukunft von Generationen. Da, wo Kinder überhaupt keine Chance hatten sich im großen genetisch bedingten Pool auf unserer Welt einen sicherer Ort für ihre Jugend auszusuchen, sich körperlich und geistig gesund entwickeln zu können, da helfen wir. Dort, wo in Afrika und Indien sonst keine Bildung ermöglicht wird, bauen wir Schulen. Dort, wo vor unserer Haustür in Deutschland in die Natur kindlicher Entwicklung über längere Zeit mit psychischer oder physischer Gewalt eingegriffen wurde, geben wir den Kindern eine Chance auf eine neue Heimat und auf liebevolle Behandlung. Nur so können wir die Fortsetzung von Hilflosigkeit und Gewalt unterbrechen, um nachfolgenden Generationen eine bessere Ausgangsbasis zu geben.
Hätten Sie die einmalige Möglichkeit eine Zeitreise machen zu können.
Welche historische Persönlichkeit würden Sie gerne einmal treffen? Oder welche (antiken) Länder würden Sie dann gerne bereisen?
Einmalig? Nur ein Land oder eine Person? (Und bitte mit Rückfahrtschein, denn ich möchte in keiner vergangenen Epoche tatsächlich leben.) Hmmmm.
Was antike Länder betrifft, keine Frage, ich würde liebend gerne das Ägypten der Pharaonen sehen, ehe die Luftverschmutzung von Jahrtausenden und seit dem Bau des Assuan-Damms der gestiegene Grundwasserspiegel die großen Monumente der Zeit auffressen. Wenn ich nur eine einzige historische Persönlichkeit treffen dürfte – Shakespeare. Schon, um hinterher allen Oxfordianern hämisch versichern zu können, dass der bürgerliche Mann aus Stratford tatsächlich der Barde war, und nicht ihr adeliges Jüngelchen Edward de Vere.
Ich habe auf Ihrer Webseite erfahren, dass eines Ihrer Bücher "Die Puppenspieler", als Zweiteiler für die ARD verfilmt wird.
Ich könnte mir vorstellen, dass man als Autor dessen Romanstoff verwendet wird immer ein wenig zwiegespalten ist. Zum einen wegen der Auswahl der Schauspieler und zum anderen besteht auch die Gefahr, dass die Umsetzung des Romanstoffes durch eventuelle Kürzungen auf der Strecke bleibt. Wie sehen Sie das?
Ich bin zu gleichen Teilen erfreut und nervös. Aber ich hatte sehr viel Glück bei der Umsetzung meines Romans „Die Löwin von Aquitanien“ in ein Theaterstück, und bin entschlossen, das als gutes Omen zu betrachten.
Ist ein neues Buch bei Ihnen in Planung und können Sie uns schon ein wenig darüber verraten? Wo wird es spielen?
Über noch nicht abgeschlossene Bücher rede ich leider nie, die bleiben Top Secret, bis sie bei meinem Lektor auf dem Tisch liegen.
Herzlichen Dank liebe Frau Kinkel für das interessante Interview!
Quellennachweis
Photo Tanja Kinkel: © Copyright Finepic, München
Homepage der Autorin www.tanja-kinkel.de