Vita Ursula Niehaus

Fragen und Antworten

(Text: JK und AS)

- Bitte stellen sie sich den Lesern und Besuchern kurz vor?

Ich wurde 1965 in Köln geboren, absolvierte eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau und danach ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Köln. Im Jahr 1993 habe ich mich mit einem Einzel- und Versandhandelsgesellschaft für Stoffe selbstständig gemacht. Heute lebe ich mit meinem Mann in einem kleinen Winzerstädtchen am Rhein und widme meine Zeit ausschließlich dem Schreiben.

- Ihr Werdegang als Autorin: War es schon immer Ihr Wunsch Bücher zu schreiben? Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ja. Ich habe schon als Kind und Jugendlicher gerne geschrieben. Die Liebe zu Büchern ist mir wohl vererbt worden. Eigentlich kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, dass meine Großeltern Buchhändler waren und von neun Geschwister meiner Mutter acht ebenfalls Buchhändler sind. Nach dem Abitur wollte ich Germanistik und Geschichte studieren, doch mein Vater befand das als „brotlos“. Also entschied ich mich für die Betriebswirtschaft. Jahrelang ließ mir meine Arbeit keine Zeit zum Schreiben, doch als mein Mann vor acht Jahren Köln aus beruflichen Gründen verließ, sah ich mich gezwungen mein Geschäft zu veräußern. Und mit einem Mal war genug Zeit da. Also begann ich zu schreiben…

- Einen historischer Roman schreiben braucht Zeit, mich würde interessieren wie Sie ihren Schreiballtag organisieren?

Wie die meisten anderen „Büromenschen“ setze ich mich morgens gegen neun Uhr an den Schreibtisch, schalte den Computer an und arbeite bis Mittag. Dann gehe ich mit dem Hund spazieren. Das macht den Kopf frei, und oft finde ich dabei Lösungen für Schwierigkeiten, die ich mit den Personen oder Handlungen des Buches habe. Nachmittags wird dann weiter geschrieben oder recherchiert.

- Finden Sie neben dem Alltag Zeit für Hobbies? Welchen Vergnügungen geben sie sich hin, einmal vom Schreiben abgesehen ;-) ?

Ich liebe Farben, und da mir die Arbeit mit meinen Stoffen ein wenig fehlt, habe ich mich das Malen verlegt. Außerdem versuche ich mich in der Bildhauerei und lese nach wie vor viel.

- ‚Die Seidenweberin‘ spielt, wenn ich es richtig in Erinnerung haben, um das Jahr 1470. Was fasziniert Sie an Geschichte und warum haben Sie sich für diese Zeit entschieden? Und warum haben Sie die Stadt Köln als Spielort für die 'Die Seidenweberin' ausgesucht?

Durch Zufall bin ich auf die historische Besonderheit der reinen Frauenzünfte der Seidenmacherinnen gestoßen, die se im Mittelalterlichen Köln gab. Das Thema hat mich sogleich fasziniert, da ich eine ausgeprägte Leidenschaft für Stoffe hege, Köln meine Heimatstadt ist und ich mich zudem für Geschichte interessiere. Fygen Lützenkirchen und Tryngen Ime Hofe waren die erfolgreichsten Seidenweberinnern ihrer Zeit. Da lag es für mich nahe, ihr Leben zu erzählen….

- Was verbindet Sie mir dem Weberhandwerk, bzw. mit der Seidenweberei?

Meine Mutter hat früher viel genäht und als Kind durfte ich in den Flicken wühlen und damit Spielen. Seitdem liebe ich Stoffe, und Seide ist ein ganz besonders faszinierender Stoff aufgrund seiner Feinheit, seines Glanzes, ja schon alleine durch die Besonderheit seiner Entstehung. Um keinen anderen Stoff ranken sich so viele Geheimnisse, soviel Mystisches.

- Wie gestaltete sich Ihre Recherchearbeit zur ‚Seidenweberin‘? Welche Hürden gab es zu nehmen, um die passenden Informationen zu erhalten?

Über das mittelalterliche Köln gibt es Informationen in Hülle und Fülle. Köln war in jener Zeit eine bedeutende Reichstadt mit entsprechend umfangreicher Verwaltung. Es wurde akribische Ratsprotokolle angefertigt, Zunftordnungen niedergeschrieben und Steuerlisten angelegt. Das stellt sich eher die Frage, was aus der Fülle der Informationen auszuwählen war.

- Den Vornamen Fygen finde ich wunderschön, aber sehr ungewöhnlich. Nach welchen Kriterien suchen Sie die Namen für ihre Protagonisten aus?

Ich wähle meist Namen, die für die Zeit und den Ort typisch waren. Die Frauennamen jener Zeit in Köln klingen für uns heute recht ungewöhnlich, zum Beispiel Fygen (von Sophia), Tryngen (von Katrin), Greitgen (von Grete) und Styngen (von Sina), während die Männernamen bis heute nahezu unverändert sind wie Hermann, Peter oder Rudolf.

- Wird es eine Fortsetzung der Seidenweberin Fygen Lützenkirchen geben? Bzw. können Sie uns verraten an welchem Buch Sie zurzeit arbeiten?

Eine Fortsetzung der Seidenweberin habe ich im Moment nicht geplant. Vielleicht später einmal. Es gab im Mittelalter noch so viele andere, genauso faszinierende Frauenspersonen, deren Lebensgeschichte es wert ist, erzählt zu werden. Zum Beispiel die der Anna Laminit in Augsburg, die vorgab, keine Speisen zu sich zu nehmen, außer der Hostie in der heiligen Kommunion. Sie wurde daraufhin als Heilige verehrt, man spendete ihr großzügig, Kaiser und Könige, auch Martin Luther suchten sie ihrer Wunder halber auf. Ja sie überredete sogar die Kaiserin dazu, barfuß in einer Bußprozession durch die Stadt zu laufen. Doch natürlich muss ein solcher Schwindel eines Tages ans Licht kommen …. Das ist die Geschichte meines nächsten historischen Romans, der im November unter dem Titel „Das Heiligenspiel“ bei Knaur erscheint.

- Welches Buch hat sie in letzter Zeit begeistert?

Die Kinder der Finsternis von Wolf von Niebelschütz

Ich möchte mich ganz herzlich bei Ursula Niehaus für das interessante Interview bedanken.

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