Vita Hilke Sellnick

(Text: JK)

Die geborene Niedersächsin, verbrachte Ihre ersten 15 Lebensjahre in Hannover an der Leine. Aber Ihre Eltern zog es dann wieder nach Hessen und die zogen nach Idstein im Taunus, wo Frau Sellnick auch noch heute wohnt.

Manche Autoren und Autorinnen sind mehr oder weniger schreibende und darstellender Kunst vorbelastet, aber Hilke Sellnick ist gleich von mütterlicher- und väterlicher Seite vorbelastet. Ihre Mutter - Fridl Mecklenborg - absolvierte die staatliche Schauspielschule in Frankfurt und war später in Duisburg/Bochum und am Staatstheater Wiesbaden engagiert. Ihr Vater - Kurt Sellnick - war Schauspieler am Staatstheater Kassel, später Regisseur und Stückeschreiber in Wiesbaden und zuletzt Dramaturg in Hannover. Zur Bühne zog es sie doch nie, laut eigener Aussage.

Künstlerisch Tätig war Sie aber schon. Das Klavierspielen erlernte Sie und eine Gesangsausbildung folgte. Lesen und Geschichten schreiben wurde mit Wohlwollen von Ihrem Vater gesehen und gefördert. Traumberuf war jedoch die Archäologie, wie Ihr großes Vorbild Heinrich Schliemann, wollte Sie die Schätze längst vergangener Zeiten ausgraben.

Es wurde aber etwas handfestes Studiert - Russisch und Französisch - fürs Lehramt, welches mit dem 1. und 2. Staatsexamen abgeschlossen wurde. Nun was für ein Glück für uns Leser- und Leserinnen, das gerade zum Zeitpunkt des Abschlusses des Studiums von Frau Sellnick, ein totaler Einstellungstop beim staatlichen Schulamt bestand und Sie deshalb nicht Gymnasiallehrerin wurde.

Es wurde erstmal geheiratet und es kamen 2 Kinder. Mann und Kinder wollten erstmal gehegt und gepflegt werden. Das Schreiben wurde klein angefangen. Erstmal wie so oft für die Schublade, welche auch heute noch bestimmt mit einigen Frühwerken, stets verschlossen ist. Dann kamen zaghaft kleine Geschichten für Literaturzeitschriften dazu und zum guten Schluss erste vollständige Bücher.

Inzwischen ist das Schreiben aber zum Vollzeitbroterwerb geworden, wo Sie Ihr eigener Chef ist. Was aber auch Konzentration, Selbstmanagment und Disziplin erfordert. Ihre Arbeitsplätze kann Sie frei wählen, wo viele Ideen und Handlungen in Ihrem Lieblingscafe entstehen.

Der Schwerpunkt liegt in der Unterhaltungsliteratur. Die Palette ist aber weitgefächert und reicht vom historischen Liebesroman bis zur schwarzen Satire. Daneben entstehen aber auch noch Sach- und Drehbücher und Geschichten für Kinder.

Seit 2007 arbeitet Hilke Sellnick mit der Literarischen Agentur Kossack zusammen.

Eure Jana

Fragen und Antworten

Wie kommt man zu so einer Vielfältigkeit?

Vielleicht liegt es daran, dass ich viel Spaß daran habe, Neues auszuprobieren, mich in ein anderes Genre hinein zuschreiben, meine Möglichkeiten auszureizen. Immer im gleichen Genre zu schreiben, wäre für mich ein Problem, weil die Arbeit dann zur Routine wird. Es tut einfach gut, nach einem dramatischen Liebesroman eine freche, oder auch böse Story zu schreiben, an einem Krimi zu basteln oder über eine Komödie nachzudenken. Klar – nicht alles gelingt auf Anhieb, ich habe etliche Manuskripte in der Schublade, die noch überarbeitungsbedürftig sind – unter uns gesagt – es gibt auch solche, die ich in den Reißwolf gebe. Aber im allgemeinen bin ich hartnäckig und komme irgendwann zum Ziel.
Etwas Besonderes ist diese Vielfalt eigentlich nicht. Ich kenne etliche Kollegen und Kolleginnen, die sich in verschiedenen Genres bewähren. Wer vom Schreiben leben will, muss vielseitig sein und sein Handwerk beherrschen – eine freischaffende Autorin ist letztlich eine Kleinunternehmerin, die sich ständig darum kümmern muss, dass der Laden läuft.

Kommen die Ideen angeflogen, oder müssen Sie sie suchen gehen?

Man wird so oft gefragt: „Woher nimmst du deine Ideen?“. Die Lösung ist einfach: es ist eine Sensibilität, die man sich im Laufe des Schreibens erwirbt. Nahezu alles, was auf uns einwirkt, kann der Kern zu einer Romanidee sein: eine eindrucksvolle Landschaft, ein interessanter Mensch, eine faszinierende Personenkonstellation, eine skurrile Situation, ein Gespräch, das man irgendwo mithört, eine Sendung im Fernsehen, ein Sachbuch, das man mit viel Interesse liest – oder einfach eine merkwürdige Wolkenbildung am blauen Sommerhimmel. Ideen liegen überall herum, man muss es nur verstehen, sie aufzulesen. Und man muss sie gut umsetzen – da fängt das Handwerk an. Die beste Idee taugt nichts, wenn es nicht gelingt, sie so zu verwirklichen, dass sie den Leser fasziniert.

Kommen Sie auch manchmal durcheinander?

Ich habe nie geschafft, was einige andere Autorinnen können: an mehreren Büchern gleichzeitig zu arbeiten. Wenn ich schreibe, dann muss ich mich vollständig auf das gerade entstehende Werk einlassen, ich habe sogar Probleme damit, während dieser Zeit einen anderen Autor zu lesen, denn ich habe festgestellt, dass mein Schreibstil sich davon beeinflussen lässt.
Durcheinander komme ich höchstens dann, wenn jemand mich nach Büchern fragt, die vor einigen Jahren erschienen sind. Da kann es passieren, dass ich tatsächlich einiges verwechsle, die Namen der Hauptpersonen durcheinander werfe oder die Handlung nicht mehr in allen Einzelheiten in Erinnerung habe.

Auf was kommt es Ihnen beim Schreiben an?

Grundsätzlich schreibe ich, weil ich den Wunsch habe, etwas zu gestalten. Ich möchte die Faszination, die ich beim Eintauchen in eine Geschichte empfinde, an meine Leser weitergeben. Und das so gut wie ich nur irgend kann - mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln und Kräften.

Gibt es einen exakten Tagesablauf für das Schreiben?

Im Prinzip ja. Ich kann mir inzwischen den Luxus erlauben, spät auf zustehen, in Ruhe zu frühstücken und meinen Hund zu führen. Danach erledige ich Büroarbeiten, Telefonate, Einkäufe, Haushalt etc. Am Nachmittag setze ich mich an die Arbeit und schreibe mit kurzen Pausen dazwischen bis nach Mitternacht. Danach brauche ich meist noch ein Weilchen, um mich abzureagieren, dann hocke ich vor dem Fernseher, gönne mir ein Gläschen Rotwein oder höre Musik.

Bleibt noch Zeit für Hobbys. Wenn ja – welche?

Wenig. Hie und da etwas Musik – ich bin Klassik-Fan, meine Lieblingskomponisten wechseln immer mal wieder, momentan ist es Franz Schubert. Ansonsten richte ich gerne Räume ein, ich mag schöne, alte Möbel mit modernen Sachen kombiniert. Tiere spielen eine wichtige Rolle in meinem Leben, ein belgischer Schäferhund und ein graugetigerter Dorfkater teilen mit mir mein Heim und jeder braucht seine Dosis Aufmerksamkeit und Zuneigung.
Außerdem interessiere ich mich für Geschichte, auch Heimatgeschichte (z. B. die Hexenverfolgung, die es in meinem Heimatort 1676 gegeben hat), ich engagiere mich im Kulturring, organisiere Lesungen und Ausstellungen und beteilige mich an der Gestaltung ökumenischer Frauengottesdienste, in denen immer eine biblische Frauengestalt im Mittelpunkt steht.

War schon einmal der Gedanke da, in einer anderen Sprache zu schreiben?

Nein. Schreiben sollte man nur in einer Sprache, die man perfekt beherrscht, und da ich nicht zweisprachig auf gewachsen bin, ist das für mich meine deutsche Muttersprache.

Welches Buch haben Sie privat zuletzt gelesen?

Connan Doyle: „Die Rückkehr des Sherlock Holmes“
Charles Dickens: „David Copperfield“

Lieblingsland: Deutschland
Lieblingsessen: Ofenkartoffeln mit leckerem Kräuterquark
Lieblingsfarbe: Grün
Lieblingstier: Katze

Wenn es eine Zeitmaschine gäbe, wo würden sie gern mal vorbeischauen?

Oh – was für eine schwierige Frage! Im antiken Rom, im alten Ägypten, bei den Kelten, den Wikingern, im Reich Karls des Großen. Ich würde gern Christine de Pizan kennenlernen und mit Diane de Poitiers plaudern, auch Katharina die Große würde mich interessieren oder Ludwig XIV. Venedig zu seiner Glanzzeit erleben und den spanischen Hof zur Zeit Philipps II. Oder eine Weile bei den Pionieren im Wilden Westen Amerikas verbringen und ... und ... und.

Eines allerdings würde ich auf jeden Fall zuerst sicherstellen: Dass die Maschine auch genügend Energiereserven für den Rückweg besitzt.

Vielen herzlichen Dank Frau Sellnick, für die Zeit, die Sie sich für das Interview genommen haben.

Quellennachweis

Photo Hilke Sellnick: © Hilke Sellnick

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