Vita Jana Seidel

Jana Seidel wurde 1977 in Hannover geboren. Nach ihrem Studium in Kiel volontierte sie bei einer Tageszeitung. Anschließend schrieb Jana Seidel zwei Jahre als freie Journalistin für diverse Medien. Mittlerweile lebt sie in Hamburg und arbeitet in einer Zeitschriftenredaktion.

(Quelle: Random House, Photos Jana Seidel: © Suse Walczak)

Frage und Antwort (Mai 2011)

(Interview: SG)

In Ihrem Debütroman „Über den grünen Klee geküsst“ tritt die Protagonistin Louisa nach einem Liebesdebakel die Flucht nach Irland an. Was hat Sie zu dieser Idee inspiriert bzw. sind Sie selbst auch schon einmal aus Ihrem Leben kurzzeitig ausgebrochen?

Ich habe es nach einem Beziehungsende ganz ähnlich gemacht, habe fast über Nacht den Job und die Stadt gewechselt, um den Kopf so richtig frei zu bekommen. Ein echter Neustart kann sehr hilfreich sein! Allerdings bin ich nicht in ein anderes Land gereist, sondern habe es nur bis nach Hamburg geschafft ;-)


Was ist Ihnen beim Schreiben des Romans am leichtesten gefallen, was war am anstrengendsten?

Die Figuren hatte ich relativ schnell im Kopf und das Schreiben geht mir auch leicht von der Hand ¬– sobald ich eine Struktur habe. Insofern war das der schwierigste Part. Ich fange tatsächlich erst an zu schreiben, wenn ich die Geschichte zuende gedacht und alle Kapital zumindest vage umrissen habe – auch das letzte. Das ist notwendig, weil ich etwas chaotisch veranlagt bin und sonst vermutlich beim Schreiben ständig abschweifen und jeder neuen Idee nacheilen würde. Allerdings plane ich nicht jedes kleine Detail, sonst hätte ich keine Freude mehr. Ein bisschen Freiraum für spontane Ideen und neue Entwicklungen muss ja bleiben.


Warum schreiben Sie Frauenromane? Lesen Sie dieses Genre auch selbst gerne bzw. haben Sie auch Lieblingsautorinnen?

Merkwürdigerweise ist es als Leserin gar nicht mein Lieblings-Genre (obwohl ich ein paar Autorinnen – Helen Fielding, Sophie Kinsella, Kerstin Gier – in diesem Bereich außerordentlich schätze, die drei bringen mich wirklich zum Lachen). Ich schreibe aber sehr gerne heitere Liebesromane. Ich will Spaß beim Schreiben haben und mich nicht quälen. Müsste ich immer brutalere Taten für Serienmörder erfinden oder Sozialdramen über Kindstötung & Co. schreiben, würde ich wohl pausenlos Trübsinn blasen und die Welt als sehr, sehr finsteren Ort empfinden. Mir gefällt der Gedanke, dass eine Leserin eine lange, langweilige Bahnfahrt vor sich hat oder erschöpft von der Arbeit kommt, mit meinem Buch einfach nur ein wenig abschalten und – hoffentlich – vor sich hin schmunzeln kann.


Sie schreiben auch für eine Zeitschrift. Was sind Ihrer Meinung nach die größten Unterschiede zwischen journalistischem und belletristischem Schreiben?


Der einfachste Unterschied ist ja sehr offensichtlich: Für den Roman braucht man Fantasie, für den journalistischen Text eine gute Portion Realitätssinn. Bei beidem hilft eine halbwegs gute Beobachtungsgabe. Ich finde es sehr angenehm beides parallel tun zu können: mit einem Fuß im echten Leben stehen, mit den anderen in der schönen Fiktion. Die unterschiedlichen Arbeitsweisen ergänzen sich: Fantasie hilft, bei der Reportage einmal einen neuen Blickwinkel auszuprobieren. Die journalistische Arbeit erinnert mich auch beim Schreiben eines Romans daran, dass man sich auch mal kurz fassen und auf den Punkt kommen kann.


Welche drei Charaktereigenschaften sind typisch für Sie?

Humorvoll, chaotisch, zupackend

Wie sieht der Alltag von Jana Seidel aus?

Ernüchternd langweilig vermutlich: Wenn ich schreibe, stehe ich morgens sehr, sehr, sehr früh auf – um schon ein paar Stunden geschrieben zu haben, bevor das „echte“ Leben beginnt. Abends wäre ich zu erschöpft dafür. Da versuche ich nur noch, etwas Leckeres zu kochen. Ich koche wahnsinnig gerne, am liebsten für mehrere Personen. Danach falle ich recht früh mit einem Buch ins Bett. Es sei denn, ich kann mich aufraffen, meinem guten Vorsatz nachzugehen: mehr Sport! Leider bin ich fürs Joggen zu faul, für Yoga zu wenig Zen und Geräte halte ich für moderne Folterinstrumente. Deswegen bleibt es meist beim Ausflugsradeln, Freibad-Plantschen und Tanzen. Derzeit machen mir da Tango und Tsumba am meisten Spaß.


Ihre Lieblingsstadt ist …, weil ?

Edinburgh! Vielleicht spielt mein Buch deswegen in Irland und nicht in Schottland, weil mir da tatsächlich mal die Worte fehlen, um gelungen zu vermitteln, was mich da hinzieht – ein Konglomerat aus sehr diffusen Gefühlen. In Edinburgh hat man das Gefühl mitten in der Geschichte zu schweben. Die eine Seite der Stadt, der alte Teil, ist pures, fast ein wenig finsteres Mittelalter, auf der anderen Seite die trendige Shopping-Meile und liebliche viktorianische Bauten. Ich mag auch die morbide Atmosphäre, mit dem die Stadt wirbt, diese Liebe zu finsteren Schauergeschichten. Natürlich mag ich auch den herben Charme und Witz der Einwohner. Abgesehen davon ist man blitzschnell in den Highlands – raue Berge, Seen, Wälder, rapide Wetterumschwünge. Dieses Wildromantische, das liebe ich!


Auf Ihrem Nachttisch liegt derzeit welches Buch?


Ich lese immer mehrere gleichzeitig. Derzeit liegt dort ein Stapel Indien-Sachbücher (dort spielt mein drittes Buch, mit dem ich gerade anfange). Für meine Unterhaltung sorgt im Moment bestens Albert Sanches Pinol mit „Rausch der Stille“.


Bei Ihrem Verlag ist bereits ein neuer Frauenroman von Ihnen angekündigt. Möchten Sie unseren Lesern ein wenig darüber verraten?

Das Buch wird „Eigentlich bin ich eine Traumfrau“ heißen. Im Mittelpunkt steht diesmal Juli, die schon in „Über den grünen Klee geküsst“ eine Nebenrolle hat. Die ist etwas quirliger und verrückter als Louisa – und verliebt sich Hals über Kopf in einen prominenten Schriftsteller, den sie nur von seinem Autorenfoto kennt.


Worauf freuen Sie sich in diesem Sommer?

Mit mittlerweile 33 bin ich wohl eigentlich zu alt dafür, aber für mich ist Sommer immer noch mit dem wunderbaren Bullerbü-endlose-Sommerferien-alles-ist-möglich-Gefühl verbunden, das man als Kind hatte. Dazu gehört, sich einfach ein wenig treiben zu lassen. Deswegen: mit dem Rad ins Freibad fahren, dort zu wenig Bahnen schwimmen und zu große Portionen Pommes rot-weiß zu essen. Lange Abende auf dem Balkon mit Wein, Gimlet oder Campari (den Teil habe ich zu Schulzeiten ausgelassen). Und Ausflüge in den Park – ich habe nämlich einen funkelnagelneuen, äußerst unpraktischen aber sehr stilvollen Picknickkorb. Nun muss ich nur noch meinen Freund davon überzeugen, auf der karierten Decke ein paar Shakespeare-Sonette zu rezitieren. Das fände ich sehr passend! ;-) Oh – und natürlich freue ich mich auf den letzten Harry-Potter-Film, immerhin haben uns Filme und Bücher etwa zehn Jahre begleitet. Da darf ich das Finale nicht verpassen!


Top Tipp: Ihr Lieblingsbuch, das Sie unseren Lesern gerne ans Herz legen möchten ist?


Ein beliebiges Theaterstück von Oscar Wilde. So viel Wortwitz, dekadenten Charme und Zitate für jede Lebenslage findet man nirgendwo sonst.


Vielen Dank für das Interview!

Mögen Ihnen die Musen gewogen bleiben ;-)

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