Vita Petra Schier
(Text: NG)
Zu meinen Lieblingsautorinnen im historischen Romanbereich gehört die Autorin Petra Schier - denn ich liebe historische Romane in denen selbstbewusste und gewitzte Frauen eine Hautrolle spielen.
Darum habe ich mich auch sehr gefreut, dass die Autorin sich trotz der vielen Arbeit die sie momentan bewältigen muss, Zeit genommen hat, mir und euch ein paar neugierige Fragen für Happy End Bücher.de zu beantworten. Aber zunächst noch ein paar wichtige Fakten über die Autorin.
Petra Schier, Jahrgang 1978 ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann und Hund in der Eifel.
Sie studierte Geschichte und Literatur, außerdem arbeitet sie heute als Lektorin und freie Autorin. Des Weiteren ist sie unter anderem Mitglied bei DeLiA.
Die Autorin ist sehr vielseitig, schreibt nicht nur historische Romane sondern auch Unterhaltungslektüre, in denen Tiere eine große Rolle spielen und Kinderbücher.
Begeistert bin ich als Historienfan auch von der sehr umfangreichen und informativen Webseite der Autorin- hier findet der Interessierte u.a. viel Wissenswertes über das Mittelalter- über Tischsitten bis zu Kochrezepten aus der damaligen Zeit.
Frage und Antwort
(Interview: NG, April 2011)
Liebe Frau Schier, bitte erzählen Sie unseren Lesern doch zunächst etwas über sich. Woher kommen Sie, welche Hobbys haben Sie und die wichtigste Frage von allen, wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Zunächst einmal vielen Dank für Ihr Interesse an diesem Interview mit mir, worüber ich mich sehr gefreut habe!
Ich wohne mit meinem Mann und unserem Hund in einem klitzekleinen Ort in der Eifel, Luftlinie etwa in der Mitte zwischen Bad Neuenahr-Ahrweiler und dem Nürburgring. Damit wären schon einmal einige meiner Hobbys erklärt: Ich liebe die Natur, mag Gartenarbeit und Spaziergänge und natürlich Spiel und Spaß mit unserem Schäferhund. Ich koche gerne und backe noch viel lieber, komme aber leider nicht oft genug dazu. Und damit diese beiden Leidenschaften mich nicht eines Tages vollends meine Figur kosten werden, habe ich mir angewöhnt drei- bis fünfmal pro Woche Sport in unserem eigenen kleinen Fitnessraum zu betreiben (Ergometer, Crosstrainer, Step-Aerobic). Außerdem liebe ich die alten TV-Serien aus den 80er Jahren sowie einige aus den 90ern. Zum Abschalten gibt es nichts Besseres (außer natürlich ein gutes Buch).
Sie sind sehr vielseitig und schreiben nicht nur historische Kriminalromane – so sind unter anderem auch Tierromane von Ihnen erschienen. Haben Sie persönlich Haustiere und gibt es da Parallelen zu den fiktionalen tierischen Helden in Ihren Büchern bzw. fließen Streiche die Ihnen Ihre Haustiere spielen, mit ein in die Handlung ihrer Romane?
Siehe oben. Unser Schäferhund Zeus ist jetzt drei Jahre alt. Wir bekamen ihn, kurz nachdem mein erstes Weihnachtsbuch „Ein Weihnachtshund auf Probe“ erschienen ist. Darin gibt es den Hund „Otter“, der verrückt nach jeder Art von Wasser ist. Ich weiß nicht, ob ich mit diesem Buch das Universum veranlasst habe, mir einen ebensolchen Hund zu schicken, Tatsache aber ist, dass Zeus sich nirgends wohler fühlt als in Pfützen, Bächen oder im strömenden Regen …
Natürlich beobachte ich ihn und die anderen Hunde in unserem Ort immer gerne, sodass ich deren Streiche oder Verhaltensweisen hin und wieder in der einen oder anderen Form in meine Geschichten einfließen lasse. Aber meistens geschieht dies nicht eins zu eins, sodass ich Ihnen jetzt nicht sagen könnte, dieses oder jenes Ereignis in einem Buch hätte wirklich so stattgefunden.
Besonders liebe ich Ihre historische Romanserie um die Apothekenbesitzerin Adelina, die im vierzehnten Jahrhundert in Köln spielt. Haben Sie einen besonderen Bezug zu dieser Stadt oder zum Apothekerhandwerk? Wie kam Ihnen die Idee zur Serie?
Zur Stadt Köln habe ich keinen wirklich besonderen Bezug, wenn auch einige unserer guten Freunde dort leben. Ich finde die Geschichte dieser Stadt, aber auch die Mentalität ihrer Bewohner einfach sehr faszinierend. Zum Apothekerwesen habe ich noch weniger Bezug. Meine Berührungspunkte erstrecken sich hier in der Regel auf einen Besuch in der Apotheke, um ein Päckchen Aspirin zu kaufen.
Aber die Anfänge jenes Berufszweigs sind sehr interessant, sodass ich irgendwann während diverser Recherchen beschloss, eine Protagonistin zu erschaffen, die Apothekerin im späten Mittelalter ist.
Eine Serie sollte es aber damals gar nicht werden. „Tod im Beginenhaus“ war von mir als Einzelroman geplant. Nachdem er sich aber für ein Debüt außergewöhnlich gut verkaufte, fragte meine Lektorin mich, ob ich mir vorstellen könne, eine Fortsetzung zu schreiben. Nach kurzem Überlegen konnte ich es; so entstand dann knapp zwei Jahre später „Mord im Dirnenhaus“. Und nachdem dieses Buch mir Spaß gemacht hatte, kam dann von mir der Vorschlag, eine Trilogie daraus zu machen. Rowohlt war einverstanden, also kam ein Jahr später „Verrat im Zunfthaus“ in die Buchläden. Danach hatte ich aber irgendwie genug von Köln und Adelina. Ich brauchte Abwechslung und konzipierte meine Aachen-Trilogie um die Reliquienhändlerin Marysa.
Als dann die ersten beiden Titel dieser Trilogie fertig waren (und auch vorher schon), erhielt ich zunehmend Anfragen meiner LeserInnen, sei es auf Lesungen oder übers Internet, doch bitte noch einen weiteren Adelina-Band zu schreiben. Da ich inzwischen etwas Abstand gewonnen hatte, konnte ich mir eine weitere Fortsetzung mittlerweile doch wieder vorstellen. Passend dazu kam dann auch noch eine Anfrage meiner Lektorin, ob ich noch eine Idee für einen historischen Roman in der Schublade hätte, da ein Programmplatz freigeworden sei.
So kam eines zum anderen, das Resultat ist „Frevel im Beinhaus“, erschienen im August 2010. Und um gleich die nächste Frage zu beantworten, bevor Sie sie stellen können: Ja, es wird auch noch einen fünften Band geben, jedoch wird es noch ein kleines Weilchen dauern, weil vorher noch andere Bücher geplant sind.
Sie haben zur Adelina Serie eine eigene sehr vielseitige Webseite erstellt, wo man nicht nur als Fan der Reihe auf seine Kosten kommt, sondern zudem auch noch Wissenswertes über das Mittelalter erfährt. Und unter anderem findet sich dort auch eine eindrucksvolle Sammlung an mittelalterlichen Kochrezepten, die ich als kleines Leckermaul besonders interessant finde. ;-) Wie lange hat es gedauert, bis Sie diese Sammlung zusammen hatten und wo findet man diese Art von Rezepten?
Es hat eine ganze Weile gedauert; ich sammele schon seit Jahren diese Rezepte. Man findet sie, wenn man das weltweite Netz durchkämmt, aber auch in diversen (zum Teil sehr alten) Büchern. Allerdings ist meine Sammlung noch lange nicht vollständig, sodass meine Datenbank in „Adelinas Welt“ kontinuierlich wachsen wird.
Haben Sie auch schon Rezepte davon ausprobiert? Welche drei wären, falls Sie wählen müssten, Ihre persönlichen Favoriten?
Natürlich habe ich schon Rezepte ausprobiert. Leider fehlt mir aber die Zeit, dies regelmäßig zu tun.
Klarer Favorit ist der Konkavelite, ein Mandelpudding mit Kirschen (und Karamellsoße). Inzwischen werde ich sogar schon vor unseren Familientreffen gefragt, ob ich diesen Pudding nicht für alle Beteiligten kochen möchte …
Da dieses Rezept relativ einfach nachzukochen ist, bietet meine Lesungsagentin denn auch meine Lesungen aus den Aachen-Büchern regelmäßig mit der Option an, dass ich den Pudding für die Gäste mitbringe oder aber dem Veranstalter das Rezept zukommen lasse. Bisher ist dies immer sehr gerne angenommen (und von den Gästen genossen) worden.
Außerdem mag ich sehr gerne die Griechischen Hühner oder auch den heidnischen Kuchen. Es gibt noch weitere, sehr leckere Rezepte, aber diese alle hier aufzuzählen, würde den Rahmen des Interviews sprengen. Mein Tipp: einfach selbst ausprobieren und genießen!
Eine weitere historische Kriminalreihe von Ihnen spielt in der Stadt Aachen. Auch hier ist es eine Frau, die sich gegen die Männerwelt behaupten muss; die Reliquienhändlerin Marysa. Frauen im Mittelalter hatten in der Regel nicht sehr viel Rechte – lag Ihnen deshalb dieses Thema sehr am Herzen bzw., schufen Sie deshalb so starke, selbstbewusste Heldinnen, die sich mit List und Tücke durchs Leben schlagen, um nicht von der Männerwelt unterdrückt zu werden?
Jein. Natürlich waren im (späten) Mittelalter Frauen weitgehend rechtlos und immer abhängig von ihrem Vormund, sei es der Vater, Bruder, Onkel, Ehemann. So zumindest lernen wir es in der Schule (und im Studium), so ist die landläufige Meinung. Wenn man sich aber intensiver mit diesem Thema befasst, erkennt man sehr schnell, dass die Realität auch anders aussehen konnte. Es gab (gerade in Köln bzw. im Rheinland aber auch anderswo) sehr viele Frauen, die ein eigenes Handwerk oder Gewerbe ausübten, auch oft als Meisterinnen, die Lehrlinge hatten (allerdings nur Mädchen), eigene Zünfte bildeten, ihr eigenes Siegel führten. Oder aber sie arbeiteten aktiv in der Werkstatt, dem Geschäft oder Kontor ihres Ehegatten mit. Sie hinterlegten Renten für sich und ihre Familien, führten Prozesse gegen Widersacher und wussten sich offenbar sehr wohl in der rauen Männerwelt zu behaupten. Natürlich hatten sie zusätzlich noch ihre hausfraulichen und mütterlichen Pflichten zu erfüllen; das Thema Doppelbelastung ist keine Erfindung der Gegenwart!
Überlegen sie einmal: Wie hätte ein Ritter einfach so in den Krieg ziehen können, wenn nicht daheim seine Gemahlin dafür gesorgt hätte, dass Land und Gut ordentlich geführt wurden? Wie hätte ein Kaufmann auf Reisen gehen können, wenn nicht seine Frau daheim dafür gesorgt hätte, dass die Geschäfte weiterliefen? Was hätte der Handwerker ohne die tatkräftige Hilfe seiner Gattin getan, oder wie hätte der Bauer ohne seine Frau den Hof alleine bewirtschaften sollen?
Wie oft lesen wir in Quellen, dass gegen zänkische Frauen gewettert wird, dass man die Weiber aufforderte, in der Öffentlichkeit den Mund zu halten und sich nicht in Angelegenheiten der Männer einzumischen? Das steht schon in der Bibel, und nicht nur einmal. Ganz gewiss wiederholten die Verfasser dieser Ermahnungen dieselben nicht, weil die Frauen so brav waren, denn man mahnt ja nicht jemanden, der sich sowieso schon an die Regeln hält.
Nein, wenn ich jene Quellen interpretiere, zwischen den Zeilen lese, komme ich zu dem Schluss, dass Frauen sich schon seit Anbeginn der Zeit eingemischt haben. Immer im Rahmen ihrer Möglichkeiten, manche sogar weit darüber hinaus. Das ist es, was mich an Geschichte so fasziniert.
Deshalb mag ich keine Frauenfiguren erschaffen, die ängstlich und tatenlos hinter dem Ofen sitzen und warten, dass ihnen ihr Schicksal begegnet. Und abgesehen davon: Würden Sie eine solche Geschichte lesen wollen?
Anmerkung Nicole: Nein, keinesfalls, naive und gehemmte Heldinnen in Romanen sind mir eher ein Graus. ;-)
Kommen Sie denn überhaupt auch selbst mal zum Lesen? Welches aktuelle Buch liegt zur Zeit auf Ihrem Nachttisch?
Zum privaten Lesen komme ich höchst selten, leider. Da ich außerdem in der Jury des DeLiA sitze, flattern mir natürlich auch zusätzlich noch unzählige Romane ins Haus, die ich lesen muss. Wobei dies natürlich durchaus auch immer wieder mit Genuss verbunden ist.
Ich liebe z. B. die Romane von Nora Roberts. Gerade eben habe ich eine ihrer älteren Trilogien nach lange Zeit noch einmal gelesen. Das dritte Buch („So fern wie ein Traum“) habe ich vor zwei Tagen beendet, und es liegt auch noch immer auf meinem Nachttisch. Derzeit weiß ich noch nicht, was ich als nächstes lesen werde.
Haben Sie schon Pläne für Ihr nächstes Buch? Können Sie unseren Lesern schon etwas darüber verraten?
Pläne habe ich sehr viele. Leider darf ich zu den meisten noch nichts oder nicht viel sagen.
Als nächstes wird bei Rowohlt im Oktober 2011 die Fortsetzung von „Die Eifelgräfin“ erscheinen. Das Buch spielt Mitte des 14. Jahrhunderts und hat den Titel „Die Gewürzhändlerin“. Protagonistin ist Luzia, eine Bauerntochter, die es geschafft hat, Leibmagd und enge Freundin der Gräfin Elisabeth von Manten zu werden. Nun zieht sie mit ihrer Herrschaft in die blühende Handelsstadt Koblenz, wo sie einen alten Bekannten, den Wein- und Gewürzhändler Martin Wied wiedertrifft. Durch ihn, aber auch durch ihre besondere Begabung fürs Rechnen und Verhandeln kommt sie immer mehr mit dem Gewürzhandel in Berührung. Natürlich auch mit der Liebe. Und zu allem Überfluss wird sie auch noch in einen Raubmord verstrickt …
Ein neues Hundeweihnachtsbuch bei Rütten & Loening wird es im Oktober 2011 wohl auch geben, geplanter Titel ist „Ein Weihnachtshund für alle Fälle“.
Außerdem plane ich gerade einen historischen Roman, der im 19. Jahrhundert angesiedelt ist, sowie meinen ersten zeitgenössischen Liebesroman.
Sie sehen, vielseitig ist für mich gar kein Ausdruck. Und ich gebe mir redlich Mühe, dass meinen LeserInnen der Lesestoff nicht so schnell ausgeht.
Quellennachweis
Homepage der Autorin www.petra-schier.de