Vita Sandra Schwab

Ich habe die sympathische Autorin Sandra Schwab auf verschiedenen BLC’s in Wiesbaden getroffen und ich war jedes Mal aufs Neue von ihrem Einsatz und Engagement begeistert. Sie war allerorts im Einsatz, hat übersetzt, souffliert, vorgetragen und mit Bravour große Runden moderiert.
Ganz besonders hat mich aber Sandra schriftstellerischer Werdegang fasziniert, da sie ihre Romane nicht in der deutschen Sprache, sondern in Englisch schreibt und das mit Erfolg!
Auf Sandras Homepage (in englischer Sprache) erfahrt ihr mehr über die Autorin und ihre Bücher. Besonders möchte ich euch Sandra’s Podchatter (Podcast) und Sandy's Chatterblog (Blog) an Herz legen.
Ich möchte mich ganz herzlich bei Sandra Schwab für das amüsante Interview bedanken.
Eure Anke
Fragen und Antworten
Für die Besucher, die Dich noch nicht kennen, stelle Dich doch bitte kurz vor.
So lange ich denken kann, habe ich es geliebt, Geschichten zu erfinden, und schon als kleines Kind wollte ich unbedingt Schriftstellerin werden. Von einer lyrischen Zwischenphase in der Spätpubertät einmal abgesehen, habe ich immer nur Romane geschrieben, da meine Geschichten stets zur ... ehm ...Breite tendieren. Als ich mich noch im Fantasy-Genre tummelte, wo meine Vorliebe für schwertschwingende Heldinnen zur vollen Entfaltung kommen konnte, begann ich auch zum ersten Mal ernsthaft an Publikation zu denken. Und so beglückte ich deutsche, österreichische und schweizerische Verlage mit meinen Manuskriptvorschlägen - und entwickelte mich im Laufe von fünf Jahren zu einer Expertin in Sachen Absagebriefen. Irgendwann dämmerte mir schließlich, daß es mit meiner so sehr herbeigesehnten Schriftstellerkarriere wohl nichts werden würde: ich schrieb einfach nicht die Art von Geschichten, wie sie deutsche Verlage von deutschen Autoren kauften. Mein großer Traum war ausgeträumt, noch ehe er eigentlich richtig begonnen hatte.
Nun hätte ich mich natürlich in schreckliche Depressionen stürzen können, aber das wäre einer Schriftstellerkarriere ja auch nicht wirklich förderlich gewesen. Stattdessen probierte ich etwas anderes, denn ich hatte noch eine einzige, kleine Chance: da es auf Deutsch nicht geklappt hatte, konnte ich es ja mal auf Englisch probieren. Und so wechselte ich vor acht Jahren nicht nur das Genre, sondern auch die Sprache - und was zunächst als völlig hoffnungsloses Unterfangen erschien, stellte sich als die beste Entscheidung meines Lebens heraus. 2004 bekam ich schließlich Den Anruf, den einen, den wichtigen, den Anruf aus New York: Chris Keeslar von Dorchester Publishing wollte mein Buch kaufen – und aus meinem zweiten englischen Manuskript Straight to the Heart wurde The Lily Brand, mein erster veröffentlichter Roman, der im Juli 2005 erschien. Und somit ist auch endlich mein Traum, publizierte Schriftstellerin zu werden, Wirklichkeit geworden.
Ich wohne mit meinen beiden Katzen und viel zu vielen Büchern in einem Vorort von Frankfurt am Main und unterrichte englische Literatur an der Uni Mainz.
Die Arbeit an der Uni, eine schriftstellerische Tätigkeit und die ganze Organisation, die sich daraus ergibt – das hört sich nach einem beschäftigten Tagesablauf an. Wie bewältigt man das alles?
Man braucht vor allem eines: viel Schokolade! :-)
Ich muß gestehen, ich bin nicht gerade besonders diszipliniert, daher schaffe ich es auch nicht, jeden Tag eine bestimmte Anzahl an Wörtern zu schreiben, wie es viele meiner Schriftstellerkolleginnen tun. Um Castle of the Wolf und Bewitched fertigzustellen, habe ich mir jeweils einen Monat frei genommen und dann die "letzten" (haha!) 250-300 Seiten in einem Rutsch heruntergeschrieben. Der Nachteil dieser Arbeitsweise ist, daß ich hinterher immer meinen Computer aus tiefstem Herzen hasse.
Momentan kann ich vom Schreiben leider nur träumen, da mich die Arbeit an der Uni auf Trab hält. Wir stellen im nächsten Semester auf B.A./M.A. Studiengänge um (oh Graus!), und dafür gibt es noch so einiges zu organisieren. Außerdem möchte ich in diesem Jahr unbedingt meine Doktorarbeit abschließen – und dummerweise flutscht die akademische Schreibereri nicht so einfach dahin wie ein Roman.
Alle Autoren bestätigen mir immer wieder, dass es ihnen nicht an Ideen und Inspiration mangelt. Ich denke dir geht es bestimmt auch nicht anders. Nun würde mich eines interessieren, wie viele von den Ideen, die Dir so im Kopf herum spuken, lassen sich dann auch zu einem Buch verarbeiten?
Wenn ich mehr Zeit hätte – vermutlich alle! Oder zumindest sehr viele, denn wenn ich eine neue Romanidee entwickle, strukturiere ich sie meist von Anfang an so, daß mal ein Buch draus werden könnte.
Und was ist er Auslöser dafür, welche Idee Du schließlich wieder verwirfst und welche Du ausbaust?
An welcher Idee ich dann tatsächlich weiterarbeite, hängt zum einen damit zusammen, welche Idee mir gerade am besten gefällt, und zum anderen damit, wie weit die entsprechende Idee bereits gediehen ist. Manche Projekte müssen einfach ein wenig reifen.
Die Grundidee für ein Buch ist also da und die Arbeit an der Geschichte hat begonnen. Und dann überkommt den Autor eine Schreibblockade? Das hört sich an wie bei einem Hollywoodfilm oder kann es wirklich passieren?
Ob so etwas passieren kann? Mir passiert das eigentlich bei jedem Buch am Ende des dritten Kapitels! Cissy, die Heldin in Castle of the Wolf, saß wochen- und monatelang auf einem Dampfschiff auf dem Rhein fest, und Fox und Amy, die Hauptpersonen in meinem neuen Roman Bewitched verbrachten eine halbe Ewigkeit im British Museum. *g*
Genauso unangenehm wie Schreibblockaden sind die Momente, in denen man feststellt, daß der Plot Löcher hat oder in Teilen nicht funktioniert. So fiel mir erst einen Tag vor Abgabe des Manuskriptes von Bewitched auf, daß ich überhaupt nicht darüber nachgedacht hatte, was ich eigentlich mit den Schurken in der Geschichte anstellen wollte. Sollten sie ins Gefängnis kommen? Nach Bedlam? Oder gleich abmurksen? Oh Graus, oh Panik!
Welche Katastrophen beim Schreiben von Bewitched noch so passierten, kann man hier nachlesen: The Diary of Doom and Disaster: Writing Bewitched
Dein Buch ‚Lily Brand‘ lief unter der Kategorie Dark Romance und ‚Castle of the Wolf’ beschäftigte sich mit Märchenaspekten. Was erwartet den Lesen nun in „Bewitched“?
Bewitched ist ein historischer Liebesroman mit phantastischen Elementen: meine Heldin Amy verfügt über magische Kräfte, doch aufgrund eines "kleinen" Unfall, bei dem das Haus ihres Onkels blau anläuft, wird sie ihrer Magie beraubt und nach London geschickt, um sich dort einen standesgemäßen Ehemann zu angeln. Ohne es zu ahnen, wird sie dort jedoch schon bald in eine düstere Intrigie verstrickt.
Bitte stell uns doch kurz Deine Hauptprotagonisten ‚Amy und Fox‘ vor?
Amy sieht genauso aus wie Annett Louisan im Musikvideo zu "Das Spiel": blond, klein, kurvig und voll ungeahnter Kräfte. Sie ist auf dem Land aufgewachsen und fühlt sich in der feinen Londoner Gesellschaft nicht wirklich wohl. Und am allerwenigsten mag sie den steifen Mr. "Fox" Stapleton mit seinen karrottenroten Haaren und seinen komischen Ansichten über romantische Lyrik ("Keats? So einen Schund lese ich nicht!") und Märchen ("Völliger Humbug!"). Mr. Karrottenkopf mag ja recht stattlich aussehen und die Sommersprosse auf seinem Ohrläppchen ist eigentlich ganz süß, aber er ist nun mal ein rechthaberischer, kalter Fisch!
Und diese Abneigung beruht durchaus auf Gegenseitigkeit: wenn er überhaupt jemals vorhätte, sich eine Ehefrau zu suchen, wäre die unverschämt vorlaute Miss Amelia Bourne die allerletzte Frau in London, die Fox für diese Rolle in Betracht ziehen würde. Denn sie ist nicht nur ein Landei, das die Unverschämtheit besitzt, sich ständig über ihn lustig zu machen, nein, es mangelt ihr auch völlig an jeglichen weiblichen Fähigkeiten – sie kann ja noch nicht mal Klavier spielen!
Doch dann trinken die beiden bei einer musikalischen Abendveranstaltung von einem recht seltsam schmeckenden Punsch – und sind ganz plötzlich Hals über Kopf in einander verliebt...
In der Einführung zu ‚Bewitched‘ erzählst Du, dass Du als Inspiration für eine Figur Deinen Professor gewählt hast, als nachträgliches Geburtstagsgeschenk. Ich bin neugierig: Wie hat er reagiert?
Er hat sich sehr gefreut – und glücklicherweise hat ihm auch das Buch sehr gut gefallen!
Kannst Du uns noch ein wenig darüber erzählen woher Deine Ideen für die anderen Figuren aus ‚Bewitched‘ kamen?
Außer meinem Chef spielen zudem auch alle meine Kollegen aus der British Studies Abteilung der Mainzer Uni mit: sie schlüpfen in die Rolle von mutigen Rittern und holden Damen in einem Buch-im-Buch, das Amy liest. "The Horrible Histories of the Rhine" ("Die schrecklichen Geschichten vom Rhein") waren meine Wunderwaffe gegen weitere Schreibblockaden: wann immer ich mal mit der eigentlichen Handlung nicht weiter wußte, habe ich eine neue Episode der "Horrible Histories" geschrieben und dabei versucht, möglichst viele Verknüpfungen zum wirklichen Leben herzustellen. So wird aus Martin, der mittlerweile in einem großen schwedischen Möbelhaus arbeitet, Martinus, der vom Schwedenkönig Ikearad ein magisches Schwert geschenkt bekommt. :-)
Wie viele Leser, mich eingeschlossen, bist Du auch augenscheinlich der englischen Regency-Zeit verfallen. Woher kommt Deine Faszination für die Regency-Zeit im Besonderen und Großbritannien im Allgemeinen?
Als ich mit elf oder zwölf Jahren zum ersten Mal meine englische Brieffreundin besuchte, habe ich mich sofort in das Land verliebt. Vielleicht lag es daran, daß ich zuvor bereits die Artusgeschichten und mehrere Romane von Rosemary Sutcliff verschlungen hatte – auf jeden Fall empfinde ich seitdem eine tiefe Verbindung zu Großbritannien.
Und warum es dann ausgerechnet die Regency-Zeit wurde? Ich glaube, daran sind Autorinnen wie Gaelen Foley oder Jo Beverley schuld. :-) Außerdem ist es eine wirklich faszinierende Zeit, in der es wunderbar exzentrische Menschen gab!
Gibt es schon Pläne für das nächste Buch?
Ich arbeite zurzeit daran, "Betrayal", die Geschichte, die ich für meinen Podcast geschrieben habe, zu einem Roman umzuarbeiten. Aber wie gesagt, die Doktorarbeit hat im Moment Vorrang!
Und welches Buch hast Du in letzter Zeit mit Begeisterung gelesen?
Ich liebe Harlequin-Mills&Boon Romane, und zu den besten, die ich in letzter Zeit gelesen habe, gehört The Millionaire's Blackmail Bargain von Heidi Rice. Der absolute Überraschungshit der letzten Monate war jedoch The Mouse in the Mountain, der erste Teil von Norbert Davis' absolut skuriler, aber schreiend komischer Doan & Carstairs Krimiserie.
Eine letzte Frage: Ganz besonders amüsiert habe ich über Deine ‚Fun Facts about Sandra‘ auf Deiner Homepage. Du hast es tatsächlich in 13 Minuten geschafft ein IKEA Billy Regal aufzubauen? Da ich selber so einige Billy Regale zusammengeschraubt habe, nötigt mir das Respekt ab. Das bedarf einiger Übung und es könnte aussagen, dass Du so einige Bücherregale in deiner Wohnung stehen hast oder liege ich falsch? ;-)
Mit geeignetem Werkzeug brauche ich in der Tat nur etwa zehn bis fünfzehn Minuten, um ein Billy Regal aufzubauen. Übung macht eben den Meister: sowohl mein Arbeitszimmer als auch meine kleine Bibliothek sind mit Billy Regalen (in der Ausführung Birke Furnier) vollgestopft. Dummerweise sind mittlerweile auch alle diese Regale mit Büchern vollgestopft, aber zum Glück habe ich vor einigen Monaten E-Bücher für mich entdeckt, so daß die geheimnisvolle Büchervermehrung ein wenig aufgehalten wurde. Denn anstatt von Regalen wird jetzt einfach die SD-Karte meines Lesegeräts gefüllt. :-)
Liebe Sandra ich möchte mich ganz herzlich für das Interview bedanken.
Vielen Dank für das schöne Interview! Es hat wirklich Spaß gemacht, die Fragen zu beantworten! Sandra Schwab