Vita Katrin Tempel
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Katrin Tempel wurde in Düsseldorf geboren und wuchs in München auf. Nach dem Studium war sie Journalistin und später Chefredakteurin verschiedener großer Zeitschriften. 2003 machte sie sich selbstständig und berät seitdem Zeitschriften, schreibt Drehbücher (unter anderem den historischen ZDF-Zweiteiler »Dr. Hope«) und Bücher − und lernte 2007 ihren jetzigen Mann kennen, mit dem sie mit ihrer gemeinsamen Tochter in Bad Dürkheim lebt. (Quelle: Piper)
Rezension auf Happy End Buecher
Stillen und Chillen (Simone)
Frage und Antwort
(Text: SG)
In Ihrem Buch „Stillen und Chillen“ erlebt Ihre weibliche Figur einen kleinen Kulturschock, als sich ihr Leben verändert. Schwangerschaft und Geburt, die Umstellung mit einem Baby und Umzug von der Großstand in die Provinz. Der Roman ist sehr witzig und unterhaltsam geschrieben, aber man bemerkt auch, wie schwierig diese Veränderungen für Alexandra sind.Der Spagat zwischen Lockerheit und Ernsthaftigkeit ist Ihnen bei Ihrem Schreibstil gut gelungen – fiel Ihnen das leicht oder ist es das Ergebnis vieler Überarbeitungen?
Diese Mischung fiel mir sehr viel leichter als in allen meinen vorhergehenden Büchern – vielleicht weil diese Art, etwas zu erzählen, am ehesten meinem Erzähl- und Sprechstil im täglichen Leben entspricht. Ich finde viel von dem, was einem so passiert, lässt sich nur mit viel Selbstironie und Humor ertragen...
Auf den ersten Blick wirken Ihre eigene Biographie und die Ihrer Figur im Buch in einigen Teilen recht ähnlich. Wie viel von Ihnen selbst steckt denn in Ihrer Hauptfigur Alexandra?
Natürlich ist so einiges biographisch. Ich habe meinen Mann tatsächlich auf de Oktoberfest kennen gelernt, habe wirklich eine eigene Firma in München und bin auch in der Realität Hals über Kopf nach Bad Dürkheim gezogen. Aber trotzdem: Das meiste ist sehr überspitzt, bei den Geschichten rings um die Schwangerschaft, Geburt und Neugeborenenversorgung habe ich alle Anekdoten und Geschichten von Freundinnen und Verwandten eingebaut, die ich je gehört habe.
Und generell bin ich mit der etwas unvermuteten Neuausrichtung meines Lebens sehr viel zufriedener als meine Figur im Buch. Ich habe mir nur vorgestellt, was wäre, wenn eine wirklich überzeugte Stadtpflanze aufs Land zieht...
Haben Sie schon immer gerne geschrieben?
Ja. Es ist auch das einzige Talent, das ich habe – mathematisch und naturwissenschaftlich bin ich eine Niete. Ursprünglich war ich allerdings ausschließlich Journalistin, habe nur für Zeitschriften geschrieben und war Chefredakteurin von Gong und Bild+Funk – das allerdings unter meinem Mädchennamen Katrin Kaiser. Und mit diesem Namen habe ich auch angefangen Jugendbücher zu schreiben – und zwar Pferdebücher für den Schneider Verlag. Als es später "erwachsener" wurde, hatte ich einen neuen Namen und habe den auch gleich genutzt um zwei verschiedene Märkte zu bedienen.
Wie kommen Sie zu Ihren Ideen?
Bei "Stillen und Chillen" war das einfach: Ich war schwanger und fand heraus, dass damit eine völlig neue Welt verbunden war... Schon nach wenigen Diskussionen über die Damm-Massage im Geburtsvorbereitungskurs, die Dauer des Stillens mit Kampf-Müttern oder den Glaubenskrieg um die richtige Beikost wurde mir klar: Ich muss darüber einfach ein Buch schreiben!!!
Die Pferdebücher entstanden aus meiner Begeisterung für das Reiten – in meinen schlimmsten Zeiten hatte ich drei eigene Springpferde und war jedes Wochenende auf Springturnieren. Als dann eine befreundete Chefin einer Pferdeklinik mit einem großen Seufzer meinte "Darüber könnte man ganze Bücher schreiben!" habe ich genau das getan: Die Reihe "Die Pferdeklinik" erfunden.
Welcher Part beim Schreiben des Buches hat Ihnen am meisten Spaß gemacht, welcher Part war der anstrengendste und warum? Wie lang dauerte es von der Idee bis zum fertigen Buch?
Am anstrengendsten ist immer das eigentliche Schreiben. Ich finde, das hat nur noch mit Disziplin zu tun: Sich jeden Tag hinsetzen und eine bestimmte Anzahl Seiten zu verfassen. Ich erlaube mir dabei auch keine „unkreativen“ Tage – sonst würde ich jeden Tag eine neue Ausrede finden, um heute „ausnahmsweise“ mal nichts zu schreiben...
Aber ich habe richtig Spaß daran, mir eine Geschichte auszudenken. Wie soll welche Person angelegt werden, wer hat einen Konflikt mit wem – und wie sehen die alle aus? So entsteht bei mir immer ein genaues Konzept, an das ich mich beim Schreiben dann fast sklavisch halte. Wenn ich mich dann mit meinem Agenten und meiner Lektorin treffe und über neue Ideen und Konzepte rede – dann bin ich richtig in meinem Element.
Von der Idee bis zum fertigen Buch? Das kann extrem unterschiedlich sein. In der Regel sind das etwa zwei Jahre. Aber es gibt da auch Abweichungen: Bei „Dr. Hope“ vergingen von der Idee über den Film bis hin zum Buch sieben Jahre. Und die Biographie von Meredith Michaels-Beerbaum war ein Schnellschuss: fünf Monate – wir wollten noch vor den Olympischen Spielen im Buchhandel sein.
Sie schreiben auch Drehbücher für das Fernsehen, wie z.B. "Dr. Hope". Möchten Sie unseren Lesern einen kleinen Einblick in diese Arbeit geben und kurz erklären, worin die wichtigsten Unterschiede beim Schreiben eines Drehbuchs und eines Romans liegen?
Der Unterschied ist einfach: Ein Drehbuch ist ein Roman völlig ohne beschreibende Elemente. Ich muss nichts von der Farbe des Kleides, der Schönheit der Felder oder den Gefühlen der Heldin schreiben. Darum kümmern sich Kostümbildner, Scouts für Drehorte und die Schauspielkunst der Darstellerin. Zurück bleibt der Dialog. Und hier gilt: Niemals darf ein Dialog etwas erklären – das sollte immer die Handlung tun.
Außerdem ist man beim Drehbuch von sehr viel mehr Menschen abhängig: Da reden Produzenten, Sender oder Regisseure mit, es gibt x Versionen, bis alle zufrieden sind. Und wenn das Drehbuch endlich abgenommen ist, dann hat man als Drehbuchautor kein Mitspracherecht mehr über den Film: Wer die Hauptrolle spielt, wie der Film vermarktet wird, welche Musik gespielt wird – das ist dann alles Sache der Filmproduktion. Aber bei Hope hatte ich Glück: Heike Makatsch als Hauptdarstellerin ist das große Los!
Lesen Sie selbst gerne Romane? Wenn ja, welchen lesen Sie zurzeit?
Ich lese wahnsinnig gerne Krimis – im Moment den neuen von Kathy Reichs: "Der Tod kommt wie gerufen". Und der neue Deborah Crombie liegt schon bereit!
In der Belletristik geht es dann querbeet: zuletzt von Frank Goosen „So viel Zeit“ und Sue Monk Kidd „Die Bienenhüterin“. Aber die dicken Romane sind mit kleinem Kind wirklich ein Langzeitprojekt geworden!
Wie können wir uns einen typischen Katrin-Tempel-Tag vorstellen?
Die einzige Konstante: um 7.00 startet Emma (19 Monate) den Tag. Dann ist (fast) alles möglich: Mein Mann kümmert sich um Emma, ich arbeite an einem neuen Buch oder an den Zeitschriften, die ich mit meiner Firma in München betreue (wir erstellen Magazine wie die "LandIdee", "TV piccolino", "100 Rezepte" und noch ein paar andere). Oder ich spiele mit Emma, bis sie ihr Mittagsschläfchen macht. Oder ich gehe eine Runde Reiten (mit meinem letzten, reichlich betagten Pferd). Oder ich fahre mit Emma nach München (zu meiner Firma), meine Mutter kümmert sich um Emma – und ich spiele ein paar Tage lang die Geschäftsführerin im Business-Anzug.
Es kommt immer darauf an, wer von uns Zeit für unsere Tochter hat und wer gerade einen wichtigen Termin im Nacken hat...typische Tage gibt es nicht.
Wenn Sie die drei berühmten Wünsche frei hätten – für welche würden Sie sich entscheiden?
Es mag ja kitschig sein – aber ich führe im Moment genau das Leben, von dem ich immer geträumt habe.
Ist bereits ein neuer Roman in Planung? Falls ja, möchten Sie unseren Lesern ein wenig darüber verraten?
Aber sicher. Es wird eine Fortsetzung von "Stillen und Chillen" geben. Alex hat ihren Oliver schließlich dazu überredet, dass sie nach München ziehen. Also müssen sie eine Wohnung suchen, einen Umzug planen – und ich kann verraten, dass sie daran scheitern... Außerdem bekommt die kleine Hanna Zähne und ihren ersten Wutanfall, sie lernt laufen und entwickelt eigene Vorstellungen über Lieblingsspielzeug und andere Kinder. Das Buch wird im Frühjahr 2011 erscheinen.
Liebe Katrin Tempel vielen Dank für das Interview.
Quellennachweis
Photo: © Katrin Tempel
Vita Quelle: Piper