Autoren Salon
Katja Reuter
Für Simone war das Buch „Welche Farbe hat die Liebe?“ eine echte Entdeckung und sie möchte euch deswegen die Autorin ein wenig näher bringen.
An dieser Stelle möchten wir uns herzlich bei Katja Reuter für das interessante Interview bedanken.
Rezension auf Happy End Buecher - Welche Farbe hat die Liebe? (Simone)
Katja Reuter wurde 1971 geboren, hat Design studiert und lange im Einzelhandel gearbeitet. Sie lebt mit Mann und zwei kleinen Kindern in Berlin. Ihren ersten Roman Zitronenblaues Himmelgrün hat sie vor kurzem bei BOD veröffentlicht.
Vita Quelle: Ullstein
Frage und Antwort
(Text: SG)
In Ihrem aktuellen Buch „Welche Farbe hat die Liebe“ steht die Protagonistin Jule zwischen zwei Männern und fragt sich, wie es in ihrem Leben weitergehen soll. Sie beschreiben das sehr glaubwürdig und anschaulich, die Figur wirkt auf den Leser fast schon „real“. Was mich zu der Frage führt: Wie viel „Frau Reuter“ steckt in Ihren Büchern? Beschreiben Sie teilweise selbst erlebte Situationen?
Natürlich, denn wie wir alle wissen: „Die schönsten Geschichten schreibt das Leben.“ So sind viele Situationen und Handlungsstränge des Romans „Welche Farbe hat die Liebe?“ real erlebte Szenen, nur in einen anderen Zusammenhang gebracht. Wie bei einem Mosaikbild habe ich Situationen, die mir zu Ohren gekommen sind, mir erzählt wurden oder die ich auch selbst erlebt habe neu zusammengefügt. Um den Roman authentisch wirken zu lassen, musste ich einige Begebenheiten im Buch abgeschwächt darstellen. So fand der „Polizei-Strip“ tatsächlich zu einem fünfundsiebzigsten Geburtstag statt und nicht wie im Buch zum sechzigsten. Die „Vibrator-Story“ hingegen hat sich 1:1 so zugetragen wie beschrieben. (Meine Freundin, die im Krankenhaus arbeitet, hat sie mir brühwarm nach ihrem Nachtdienst bei unserer Frühstücksrunde serviert.) Der Vorgesetzte einer anderen Freundin hat mich zu der Figur des Chefchens inspiriert.
Und so kommt eine Geschichte zur anderen.
Ich kenne einen Tom - und Erik muss für alle Snobs dieser Erde hinhalten. In Jules Charakter jedoch steckt (abgesehen von meinem Schuhtick und meiner Vorliebe für Kaffee) recht wenig „Frau Reuter“.
In ihrem Buch geht es auch um die Unterschiede von Mann und Frau. Welcher ist Ihrer Meinung nach der größte und/oder wichtigste Unterschied zwischen den Geschlechtern?
Ein unumstrittener Unterschied zwischen Mann und Frau liegt ja bekanntlich in den Chromosomen. Ist nun das Y dafür verantwortlich, dass wir so manche Verhaltensweisen der Männer befremdlich finden? Oder liegt es an der Erziehung? Der Evolution? Den äußeren Einflüssen? Schwer zu sagen.
Dass die Jäger/Sammler-Theorie heutzutage immer noch ihre Berechtigung hat, bewage ich zu bezweifeln.
Ich denke, dass Männer zum größten Teil rational durchs Leben gehen, Frauen wohl vorherrschend emotional. Schon bei meinen Kindern, Sohn (4 Jahre) und Tochter (5) macht sich dieser Unterschied bemerkbar. Ein Beispiel: Als der Nikolaus meinen Stiefel (12 cm Absatz, wirklich schöner Schuh …) mit Plüschtier „Curd Rock“ bestückte, beäugte meine kleine Tochter Kuschel-Curd, knuddelte ihn und fragte: „Mama, wen hast du denn lieber? Curd Rock oder Brüderchen und mich?“ Mein Sohn hingegen sagte: „Mama, der sieht echt knuffig aus. Tauschste den gegen meinen Keinohrhasen?“ Ich: „NEIN!“ Er: „Kriege ich ihn dann, wenn du tot bist?“
Aber, sind wir doch mal ehrlich, das wichtigste ist doch eigentlich, dass es überhaupt diese „gewissen“ Unterschiede gibt. Denn sie ergänzen und ziehen sich an. Reizen. Fordern heraus. Geben den Kick!
Wie kommen Sie generell zu den Ideen Ihrer Bücher?
Die Grundidee eines Romans habe ich meiner regen Fantasie zu verdanken. Hätte ich von allem so viel wie Fantasie, würde es mir an nichts fehlen.
Ich höre sehr aufmerksam zu, wenn mir jemand etwas erzählt und frage gezielt nach, wenn ich zu einem Thema Infos brauche. Als ich im Roman einen Arbeitstag von Jule beschreiben wollte, fragte ich eine Freundin, die viele Jahre als „Portrait-Fotografin“ in einem Atelier gearbeitet hatte, an welche Shootings sie sich noch gerne erinnert. Zwei Situationen sind ihr spontan eingefallen. Zum einen das „Addams-Familie-Paar“ und zum anderen das „Sahnetorten-Hochzeitspärchen“. So brauchte ich mir nur noch die Fotosession mit dem Künstler-Hund auszudenken und schon war der Arbeitstag von Jule im Kasten.
Ihr aktuelles Buch ist ein Roman über die Liebe, viele würden auch sagen ein Frauenroman. Ist dies ihr bevorzugtes Genre als Autor – wenn ja, warum? Oder halten Sie sich alles offen – vielleicht erscheint ja nächstes Jahr ein Krimi oder ein Historienschmöker von Ihnen?
Für einen Krimi fehlt mir leider das analytische Denken und einen Historienschmöker wird es von mir in nächster Zeit auch nicht geben, denn Geschichte liegt mir nicht.
Die Gegenwart, das Hier und Jetzt, fasziniert mich. Als emotionaler Mensch liegt mir das viel näher als Vergangenes. Ich schreibe gern über die Liebe, den Alltag, die Menschen, die Leidenschaft - frei aus dem Bauch heraus.
Ich möchte die Leser und Leserinnen meiner Bücher daran teilhaben lassen, so dass sie den Blick für die schönen Dinge, die flüchtigen aber auch so wichtigen Momente des Lebens nicht verlieren.
Bitte erzählen Sie unseren Leserinnen ein wenig von Ihren Schreibgewohnheiten (bestimmte Orte, Tageszeiten, verwendete Schreibmedien). Und: Was assoziieren Sie spontan mit dem Begriff „Schreibblockade“?
Meine allererste Assoziation dazu ist ein weißes Blatt. Dieser Anblick ist mir von meinem Kunststudium sehr vertraut! Sozusagen als Malblockade. Beim Schreiben dieses Buches hatte ich jedoch keine Blockade, was sich besser anhört als es letztlich ist. Denn mein großes Problem war viel mehr, zu leicht vom Thema abzukommen und dadurch den Roten Faden zu verlieren. Da hatte ich aber großes Glück mit meiner Lektorin. Sie hat mich immer wieder auf meinen Weg zurückgebracht, hat Phänomenales geleistet, stand mir stets mit Rat und Tat zur Seite.
Ich habe immer vormittags maximal vier Stunden geschrieben (wenn die Kinder in der Kita waren) und abends ab 20:00Uhr (wenn die Plagegeister schliefen) solange bis mich meine Konzentration im Stich gelassen hat.
Fantasie, Ideen und verrückte Einfälle haben mich in den vielen Monaten des Schreibens nonstop begleitet.
Ich arbeite übrigens nur an meinem Laptop, auch kurze Notizen, Gedankenfetzen, all das viele Rohmaterial, das ich dann irgendwann für meine Bücher benutze, tippe ich direkt in den Computer. Ich wandere mit ihm durch sämtliche Räume. Mein Lieblings-Schreib-Platz ist jedoch unser „Glastisch“ im Wohnzimmer mit Blick in den Garten. Gedanken brauchen Raum und Weite.
Hatten Sie eine Agentur, die das Buch beim Ullstein-Verlag untergebracht hat oder haben Sie das Manuskript einfach selbst eingereicht?
Ich habe keine Agentur in Anspruch genommen, sondern in eigener Initiative mein erstes Buch „Zitronenblaues Himmelgrün“ als eine Art „Schreibstilprobe“ präsentiert und eine Gliederung meiner neuen Idee mit dem Anfangskapitel eingereicht. Das hat die Verantwortlichen beim Ullstein Verlag überzeugt und als der Vertrag dann unterzeichnet war, habe ich geschrieben, was das Zeug hält. Täglich habe ich an dem Manuskript gearbeitet.
Generell halte ich es jedoch für eine gute Idee, eine solide Agentur in Anspruch zu nehmen.
Lesen Sie selber auch gerne Bücher? Wenn ja, welches Genre bevorzugen Sie und haben Sie bestimmte Lieblingsautoren oder einen aktuellen Lesetipp, den Sie gerne weitergeben möchten?
Als „Schlafmützenleser“ (ich lese Bücher meist erst, wenn sie lange schon auf dem Markt sind) habe ich folgende Tipps:
1. Das Leben der Anderen, Florian Henckel von Donnersmarck, Suhrkamp
2. Boy Wonder, James Robert Baker, List
3. Der Weltbestseller: Ein Sack voll Murmeln, Joseph Joffo, Ullstein
Diese Tipps zeigen, dass ich mich beim Lesen auf kein Genre festlegen kann. Momentan liegt „Fucking Berlin“ auf meinem Nachtisch und zu meinem Geburtstag hat mir ein lieber Mensch „Endstation Leichenschauhaus“ von James Ellroy geschenkt.
Coelho ist einer meiner Lieblingsautoren. Von ihm haben mir alle Bücher gefallen, der „Alchimist“ am besten!
Wie können wir uns einen typischen Katja-Reuter-Tag vorstellen?
Nehmen wir den Dienstag. Mein Tag beginnt um 8:00Uhr, wenn mein Mann mich weckt, dann bleibt mir eine Stunde für duschen, gemeinsames Frühstück mit den Kindern, die sich anschließend Kita-fein machen. Schnell noch die Brotdosen gefüllt, und ab geht es zum Kindergarten. Treffe ich dort auf meine Freundin, die ebenfalls gerade ihren Sprössling abliefert, schlürfen wir gemeinsam noch ein Käffchen im Eck-Bistro und schnacken. Sie hat dann gerade den Nachtdienst im Krankenhaus hinter sich und es gibt spektakuläre Geschichten aus ihrer Arbeitswelt. Naja, die Privat-Storys sind nicht weniger interessant. Es macht immer großen Spaß ihr zuzuhören, denn sie erlebt so einiges. Ihr habe ich auch die Geschichte mit der Fußamputation des Sportlers zu verdanken.
Danach habe ich Zeit für mich, fürs Schreiben, für den Haushalt, Besorgungen oder den einen oder anderen Termin. Und das bis 14:30 Uhr, denn dann hole ich schon wieder meine kleinen Räuber aus der Kita ab, und der verbleibende Tag gehört ihnen. Nun ist Animations-Programm angesagt! Im Moment stehen „Vater- Mutter- Kindspiele“ ganz hoch im Kurs. Mir wird dann die Rolle der Oma zugeteilt! Hm, warum auch immer? Als meine Tochter ganz laut (im Spiel): „Oma, komm schnell her!“ quer über den gut besuchten Spielplatz brüllte, quälte mich plötzlich eine Frage: Warum wundert sich denn jetzt niemand? Wieso fange ich mir denn jetzt keine erstaunten Blicke der anderen Mütter ein? - Nicht schön!
Das ist der ganz normale Wahnsinn bis 17:00 Uhr, dann geht es ab zum Eltern-Kind-Turnen! Eine Stunde wird gehüpft, gerannt, geklettert und getobt. Wieder daheim angekommen, trudelt mein Mann pünktlich zum Abendessen ein. Es wird gemeinsam gegessen, dann werden die Plagegeister bettfertig gemacht und zurzeit mit einer Barbapapa-Gutenachtgeschichte in die Federn geschickt. Der restliche Abend gehört dann (wenn ich nicht schreibe) meinem Mann und mir und unserer Lieblingsserie „Dr. House“.
Welchen Traum möchten Sie sich in Ihrem Leben gerne erfüllen?
Aktuell ist mein größter Traum, dass Til Schweiger „Welche Farbe hat die Liebe?“ verfilmt. Dann dürfte auch der Plüsch-Keinohrhase wieder auf meinem Kopfkissen schlafen, zurzeit hat ihn Kuscheltier Curd Rock verdrängt. Til Schweiger als Frauenschwarm Lukas würde doch passen, oder etwa nicht?
Zum Abschluss stellt sich allen Fans Ihrer Bücher die Frage, ob bereits ein neues Buchprojekt in Arbeit ist. Wenn ja, können/möchten Sie uns ein wenig darüber erzählen?
Für mein nächstes Buch habe ich schon eine Idee, stecke in den Vorbereitungen. Es wird wieder ein Liebesroman, soviel kann ich schon sagen - diesmal aber mit unvorhersehbarem Ende.
Liebe Katja Reuter vielen Dank für das spannende Interview.