Tochter der Einsamkeit (Drixi)
| Marioni Gerber | Kaufen |
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Originaltitel: ---- Verlag: Medu Verlag ISBN: 978-3938926741 Erscheinungsdatum: Oktober 2008 Genre: Contemporary |
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Klappentext
Die mitreißende Lebensgeschichte einer starken Frau!
1980. Melissa ist kaum volljährig, als ihr Vater bei einem Autounfall stirbt. Zum ersten Mal in ihrem Leben verlässt die junge Frau das Haus, in dem sie all die Jahre von ihrem Vater gefangen gehalten wurde, und betritt eine Welt, die sie bisher nur aus Büchern kannte.
Sie begegnet dem Musiker Chris, zu dem sie sich unwiderstehlich hingezogen fühlt und versucht, mit ihm ein normales Leben zu beginnen. Vieles teilen die Jungverliebten, am stärksten aber verbindet sie ihre Liebe zu Pferden.
Anfangs scheint alles in geregelten Bahnen zu verlaufen, doch kurz nach der Hochzeit verschwindet Melissa plötzlich spurlos und hochschwanger...
Quelle: Medu
Meine Einschätzung
Eine sehr schöne Liebesgeschichte zweier junger Leute, die in zwei Teile aufgeteilt ist und relativ ungewöhnlich, sehr interessant beginnt.
Im ersten Teil wird alles aus Melissa‘s Sicht in der Ich-Form erzählt.
Melissa wurde 18 Jahre von ihrem Vater eingesperrt, als dieser stirbt lernt sie erstmals das „echt Leben“ kennen. Ihre ersten „Gehversuche“ in der neugewonnenen Freiheit werden von der Autorin in prächtigen Farben, lebensnah und wunderschön dargestellt.
Vieles, was man als selbstverständlich ansieht, zum Beispiel das Gefühl des Regens auf der Haut, das Zwitschern der Vögel, das satte Grün des Grases etc. wird von der Autorin unglaublich gefühlvoll beschrieben. Die anfängliche „Naivität“ von Melissa passt sehr gut in die Geschichte, meistens wirkt es total süß und nachvollziehbar. Ich war schon nach sehr wenigen Seiten von der Geschichte gefesselt, zwar ist die Grundidee natürlich sehr traurig, aber wunderschön „verarbeitet“.
Allerdings ging es mir ein wenig zu schnell, dass Melissa sich in der „normalen Welt“ einfügt, sie geht bereits nach kurzer Zeit ständig in Discos und auf Partys – dies ist zwar für viele „normale“ Jugendliche selbstverständlich, passte meiner Meinung nach aber nicht zu einer jungen Frau, die 18 Jahre in der völligen Isolation lebte. Aber hier fehlt mir natürlich auch das psychologische Wissen. Ich kann nur nach meinem persönlichen Empfinden gehen und vielleicht ist das ja doch „normal“.
Was mich am meisten stört, dass Melissa zeitweise als wahrer „Übermensch“ dargestellt wird – sie ist bildhübsch, bekommt wie selbstverständlich einen Job als Model („Mannequin“); kann unglaublich toll tanzen; hat ein großes Talent zum Nähen und Renovieren; singen kann sie auch perfekt; das Reiten lernt sie blitzschnell und ist ein Naturtalent in allen Reitstilen.
Aber das ist noch nicht alles sie lernt schnell tolle Freunde kennen und fast jeder Mann wird auf sie aufmerksam und steht natürlich auch auf sie (die Jungs in ihrer Clique, der „Türsteher“, der Tierarzt später in der Geschichte..); hat ein riesengroßes Haus geerbt dass sie, wie auch immer, ohne Einkommen, behalten und unterhalten kann.
Dass sie dann noch von ihrem Freund als Fahranfängerin einen relativ neuen BMW geschenkt bekommt „weil er ein neues Auto braucht“, später mehrere Pferde und einen eigenen Hof, wirkt schon sehr unrealistisch und reichlich übertrieben.
Chris ist mir zeitweise zu „herrisch“, Melissa zu unterwürfig – aber auch da soll bedacht werden dass die Geschichte vor 30 Jahren spielt! (Dazu eine inhaltliche Anmerkung: Einmal ist die Rede davon, dass sie „im 21. Jahrhundert“ leben – das ist falsch, erfährt man doch auf dem Klappentext, dass die Geschichte im Jahr 1980 beginnt!) ;-)
Aber jetzt wieder zum Positiven, was ganz klar in diesem Buch überwiegt: Die Liebesgeschichte mit Chris ist wunderschön, romantisch, man freut sich mit den beiden mit, wenn sie ihre Zeit genießen.
Man kann sich gut in Melissa reinversetzen, versteht ihre „Anfänge“ im Liebesleben und ihre Gedanken sind nachvollziehbar. Vor allem die Liebesszenen sind gefühlvoll beschrieben. Man leidet und lacht mit ihr und Chris!
Im zweiten Teil ist Melissa verschwunden. Aber hier liest man abwechselnd Melissas Erlebnisse in der Ich-Form und Chris Sicht der Dinge, in der 3. Person.
Eigentlich ist relativ schnell klar, wie die Geschichte ausgehen wird. Trotzdem fiebert man mit beiden mit.
Auch der Pferde-Anteil steigt im 2. Teil enorm an, ist sogar die Rahmenhandlung für alles andere, was passiert. Für Pferdeliebhaber, besonders die des Westernreitens und/oder der Isländer, enthält besonders dieser Teil wunderschöne Pferdegeschichten, von der Arbeit mit einem störrischen Hengst, über Erfolgen auf Turnieren bis zur Geburt eines Fohlens ist vieles dabei.
Der Roman hat ein schönes Happy-End, aber auch hier wird das schon ein wenig übertrieben „happy“ dargestellt.
Die Geschichte hat auf jeden Fall großes Potenzial für eine Fortsetzung, was von der Autorin in der Danksagung auch schon angekündigt wird – ich werde sie auf jeden Fall lesen um zu erfahren wie es mit Chris, Melissa und ihrer Familie weitergeht.
Fazit: Eine wunderschöne Liebesgeschichte für „junge Erwachsene“ und Junggebliebene die sich gerne in ihre Teeniezeit mit der ersten großen Liebe zurückversetzen möchten.
Pferde muss man auf jeden Fall mögen, da sonst besonders der 2. Teil vermutlich sehr langweilig wird. Aber man sollte bedenken dass es nun mal ein Jugendroman ist, daher ist einem als Erwachsener vieles klar, weiß schon genau was die älteren Figuren in dem Buch denken und versteht deren Handeln, was die Protagonisten nicht sehen oder erst lernen müssen.
NICHT empfehlen würde ich das Buch für das typische 12-jährige pferdeverrückte Mädchen, da für ein Jugendbuch meiner Meinung nach schon recht viel Sex vorkommt (wenn auch sehr schön und „harmlos“ beschrieben) und mit dem Thema Schwangerschaft etwas, nunja, recht sorglos umgegangen wird. Hier noch ein Spoiler:
Spoiler Anfang Mich hat massiv gestört dass Melissa, nach der Geburt ihrer Zwillinge, schon ganz kurz drauf wieder (ungewollt) schwanger wird, aber alles ja soooo einfach ist a la "kein Problem, bekommen wir halt direkt noch ein Kind, und pflegen nebenher 70000 Pferde" (gut, das ist übertrieben ;-) ). Spoiler Ende
Ich denke ab ca. 15/16 kann man es seiner Tochter gut in die Hand drücken!
Positiv zu erwähnen ist auch noch die Begriffserklärung am Ende, für Leser die mit Pferden weniger vertraut sind!
Ich vergebe 3,5 von 5 Punkten und warte auf die Fortsetzung. ;-)
Bewertung
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