Die Zwillinge von Highgate (Kathi)

Audrey Niffenegger Kaufen
Originaltitel: Her Fearful Summetry
Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3-10-052407-2
Erscheinungsdatum: Oktober 2009
Genre: Contemporary

Amazon.de

Klappentext

Elspeth war Roberts große Liebe. Jetzt liegt sie auf Highgate, dem romantisch verwilderten Friedhof Londons. Doch Elspeth scheint lebendiger als je zuvor, denn die Erinnerungen sind stärker als der Tod. Robert riecht sie, spürt sie, spricht mit ihr. Es ist als lebe sie weiter und als sei ihr Tod nur ein böser Traum. Alle, die ihr nahestanden, geraten in ihren Bann. Bis ihre Nichten, die Zwillinge Valentina und Julia, eine fatale Wette mit ihr eingehen. Vor der Kulisse des pulsierenden London erzählt Audrey Niffenegger aufwühlend, in zarten und manchmal dunklen Tönen, von der unstillbaren Sehnsucht, dem anderen ewig nahe zu sein. »Die Zwillinge von Highgate« ist Audrey Niffeneggers zweiter Roman und von noch größerer emotionaler Intensität als ihr Weltbestseller »Die Frau des Zeitreisenden«.

Quelle: Fischer Verlage

Meine Einschätzung

Audrey Niffenegger erzählt in „Die Zwillinge von Highgate“ eine Geschichte von Zusammengehörigkeit und den möglichen Folgen, wenn ein Zwang daraus wird. Die Story ist sehr emotional, nur leider nicht auf diese Weise – mit emotionaler Intensität – geschildert. Das ist einer der Gründe, die mich dazu bewogen, diesen Roman mit nur 3,5 Punkten zu bewerten.

Die Charaktere wurden zwar beschrieben, kamen mir beim Lesen aber nicht näher – sie blieben Fremde, die ich oft nicht verstand. Ihr Handeln und ihre Gefühle wurden deutlich, ergriffen mich aber nicht. Seite um Seite zog sich die Geschichte hin. Es fiel mir schwer, den Roman zu lesen. Dies lag nicht nur an den Figuren, mit denen ich nicht „warm wurde“, sondern auch daran, dass sich Audrey Niffenegger auf die „allernötigste“ wörtliche Rede begrenzte. Unendliche Absätze (wie es mir schien) füllten die Seiten – nur durch wenig Gesagtes aufgelockert.

Auch die unterschiedlich weiten Zeitsprünge machten mir beim Lesen zu schaffen. Ich musste bei jedem Beginn eines neuen Kapitels oder gar Absatzes erst einmal darüber nachdenken, wie viel Zeit zwischen der jetzigen und der vorigen Situation vergangen war. Das machte mir den Einstieg in die neue Situation schwer und störte den Lesefluss.

Dennoch gibt es nicht nur Kritikpunkte!

Audrey Niffenegger verstand es, mich trotz der oben genannten „Mängel“ in den Bann der Geschichte selbst zu ziehen. Ich habe nicht eine Minute überlegt, das Buch einfach zur Seite zu legen, ohne es zu Ende zu lesen. Ich wollte unbedingt das Geheimnis zwischen Elspeth und ihrer Zwillingsschwester Edie lösen. Ich wollte wissen, ob und wie sich Valentina von Julia losreißen kann und wie sie ihr Leben gestaltet. Ich wollte erfahren, wie Robert es schafft, mit der ganzen Situation umzugehen. Ich wollte herausfinden, was es mit der geplatzten Verlobung zwischen Elspeth und Jack (Edies Mann) auf sich hatte.

Am Ende hatte ich dann die Antworten – auch wenn mir manche nicht gefielen. Ich hätte mir gewünscht, dass der „Normalzustand“ irgendwie wieder hergestellt würde, aber dazu kam es nicht:

Spoiler Anfang Auf Valentinas ausdrücklichen Wunsch hin, entzieht Elspeths Geist Valentinas lebendem Körper die Seele. Alles sieht nach einem natürlichen Tod aus. Gemeinsam haben sie eine Auferstehung geplant, bei der auch Robert mithelfen muss. Doch dann geht etwas schief. Valentina ist in ihrem „Geistzustand“ noch nicht stark genug, um ihren Körper wieder zu beziehen und zum Leben zu bringen. Doch der drohende Verwesungsprozess lässt nicht genug Zeit, um zu warten, bis sie stärker geworden ist. So bezieht Elspeth Valentinas Körper. Für Robert macht sie das zur Mörderin und ihn zum Mittäter. Sie kann recht gut mit der Situation umgehen, beginnt mit Robert ein neues Leben, bekommt sogar ein Kind. Er ist allerdings nicht fähig, mit dieser psychischen Last zu leben. Valentina wird am Ende unter Ihresgleichen – Geistern – glücklich. Dennoch hatte ich mir erhofft, dass Elspeth Valentina ihren Körper nach einiger Zeit wieder überlassen würde. Dann wäre alles so, wie es sein sollte: Elspeth ein Geist, Valentina ein lebendiges junges Mädchen mit Zielen und Wünschen für die Zukunft. Spoiler Ende

Fazit:
Trotz aller Kritikpunkte ist „Die Zwillinge von Highgate“ ein emotionaler Roman, über dessen Handlung man lange nachdenken kann. Das Ende geht nahe. Wer diesen Roman lesen möchte, sollte Geduld aufbringen und keine Heiterkeit erwarten. Nicht nur der Schreibstil wirkt erdrückend – auch die Geschichte, die Auswirkungen der Handlungen sind es.
Ein Roman für Nachdenkliche!

Bewertung

Die Zwillinge von Highgate (Kathi)      

zum Seitenanfang     zur zuletzt besuchten Seite