Rezensionen

Ankes Bewertung 04 Sterne.png

Special Constable (eine Hilf- oder Sonderpolizistin) Cassie Lawrence reist aus ihrer Küche durch die Zeit, in das London von 1807, mitten hinein in einen Hinterhalt. Dieser gilt dem Lucian Franklin, Earl of Radcliff, der so unvermutete und hilfreiche Unterstützung bekommt, den Cassie greif sofort ein.

Dass ihm hier eine Frau aus der gefährlichen Situation geholfen hat, erkennt der Earl, aufgrund ihrer seltsamen Bekleidung erst später. Gentleman, der er ist, bietet er ihr zum Dank seine Hilfe an.

Auch, weil er diese ungewöhnliche Frau bereits in einem Spiegel gesehen hat. Ebenso wie Cassie bereits in das anziehende Antlitz des Earls im 21. Jahrhundert geblickt hat. Und sie vertraut sich ihm und seinem patenten Diener Garrick an.

Doch es scheint sich keine Erklärung für Cassies Reise durch die Zeit zu finden und ein Weg zurück ist ebenfalls nicht erkennbar. So widmen sich die beiden dem Überfall des Earls, der im Zusammenhang mit dem mysteriösen Verschwinden von Lady Arabella Trenton, der großen Liebe von Lucians Freund Clements, steht.

Es ist schon ewig her, dass ich der Autorin Louise Allen begegnet bin. Damals in Form von MyLadys aus dem Cora Verlag, die mich semi-begeistert haben. Die Geschichten waren mir ein wenig zu einfach und zu plan gestrickt und die Charaktere hatten damals keinen Eindruck bei mir hinterlassen.

Dass ich nun wieder zur Autorin gegriffen habe, ist der Entdeckung ihrer „Time Into Time“-Serie um die Zeitreisende Cassie Lawrence und den Earl of Radcliff zu verdanken. Und das war auch eine gute oder anderes gesagt, eine höchst unterhaltsame Entscheidung.

Zwar verhält es sich so, dass die Autorin nur sehr wenig darauf eingeht, wie und warum so eine Zeitreise funktioniert und sich mit den Regeln, Hintergründe und Möglichkeiten einer solchen Reise nur am Rande beschäftigt, doch das was dabei rausgekommen ist so detailliert und so liebevoll beschrieben, dass es einfach ein Vergnügen ist in die Geschichte abzutauchen.

Nicht ganz so glücklich bin ich darüber, dass die Autorin auch die Liebesgeschichte zwischen Cassie und Lucian eher nebensächlich behandelt. Und in diesem Zusammenhang, meiner Meinung nach, auch die Charakter-Beschreibungen und -Entwicklung ein wenig vernachlässigt; zumindest was diesen 1. Teil der Serie betrifft.

Diesen Eindruck mag die Ich-Erzählung, aus Cassies Sicht noch ein wenig verstärken. Dieser Erzählstil ist auf der einen Seite prima, da ich als Leser zusammen mit Cassie in die Welt meiner und ihrer Lieblingslektüre eintauchen kann. Andererseits vernachlässigt sie so natürlich die Sichtweise von Lucian, die mich als Leser ebenfalls sehr interessieren würde; zumal ich behaupten würde, dass für ihn der Kulturschock sehr viel größer sein muss, als für die aufgeklärte Cassie. Ein solcher aber nicht zum Tragen kommt, was ein wenig Schade aus meiner Leser-Sicht ist.

Auch das hin und her was Cassie veranstaltet - ich will ihn, aber die ich kann nicht – konnte ich nicht wirklich nachvollziehen. Es hatte auf mich den Eindruck, als wollte die Autorin die Liebesgeschichte bewusst hinausziehen. Und weil sie dabei, für meinen Geschmack, allzu konstruiert vorgeht, fühlt sich das alles, beim Lesen, nicht so geschmeidig an, wie ich es mir wünschen würde.

Wenn man sich „An Earl out of time“ widmen möchte, sollte man sich gewahr sein, dass der Fall um die verschwundene Lady Arabella Trenton im Fokus der Geschichte steht und alles andere „lediglich“ unterhaltsames und amüsantes Beiwerk darstellt.

Dafür bekommt man beim Lesen eine sehr detailliert und höchst liebevoll beschriebene Zeitreise und einen durchdachten und interessanten Kriminalfall präsentiert. Und das macht einfach Spaß zu lesen.

Kurz gefasst: Eine Krimigeschichte über einem Zeitreisenden Regency- Liebesroman-Fan, von einem Regency-Zeitreise-Liebesroman-Fan-Autor für Regency-Zeitreise-Liebesroman-Fans-Leser geschrieben.