Rezensionen

Ankes Bewertung 03 05 Sterne.png

1815, während der „Herrschaft der Hundert Tage“ (der erneuten Machtübernahme in Frankreich durch Napoleon, nach dessen Rückkehr aus seiner Verbannung) braucht der Spion Nicolas Valette für einen geheimen Auftrag die Hilfe der Diebin und Zirkusartistin Marianne de Bonnard.

Um sich und ihre Schwester Sophie zu beschützen, ist Marianne gezwungen, für ihren Cousin und Vormund, Duval, ihr Können in der Manege, für dessen illegale Zwecke einzusetzen. Dass sie nun auch noch in den Fokus des gefürchteten und berüchtigten Nicolas Valette geraten ist, ist ein weiteres Problem. Damit bleibt ihr nichts anderes mehr möglich als Nicolas zu helfen – und sich gleichzeitig gegen seine Anziehung und seine Küsse zu wehren.

Ich habe mir Kate Bateman bereits mit ihrer aktuellen „Ruthless Rivals“-Serie zum Lesen vorgemerkt, bevor ich auf ihren Debüt-Roman, dem 1. Teil ihrer „Secrets and Spies“-Serie, die die Autorin noch unter K.C. Bateman veröffentlicht hat, aufmerksam geworden bin; zusätzlich attraktiv: die Serie ist in einer deutschen Übersetzung erschienen. Für mich war das eine gute Möglichkeit, die Autorin kennenzulernen.

Vielleicht lag es am Debüt und der Unerfahrenheit der Autorin, doch ich hatte so einige Probleme mit dem Erzählstil der Geschichte. Vor allem mit dem „old fashioned virgin“-Style der Heldin Marianne, den Retro-Elementen der Geschichte und den allzu modern klingenden Ausdrücken, wie „Shopping“, „Einkaufsliste“ oder der Bezeichnung „Team“ gespickt war.

Dann waren da noch die inhaltlichen Irritationen, die dazu geführt haben, dass ich zunächst überhaupt nicht verstanden habe, wer nun was ist und auf welcher Seite er kämpft und warum. U.a. hat sich mir auch nicht erschlossen, warum die Geschichte gegen Ende hin für knappe 24 Stunden nach England verlegt wurde.

Auch die sinngemäßen Widersprüche innerhalb ein und derselben Sätze haben mich immer wieder stolpern lassen. Etwa als Marianne „etwas Böses“ in ihrem Bauch fühlt und gleichzeitig hofft, erneut von Nicolas geküsst zu werden; ich habe mir dann selber zusammengereimt, dass sie meint, „unartig“, nicht „lady-like“ zu sein, weil sie Nicolas Küsse heimlich genießt. Die Szene hätte man aber anders deuten können, insbesondere weil bis zum Schluss betont wird, wie sehr Marianne (angeblich) Nicolas hasst.

Mit all ihren kleinen und großen Problemchen hat mich die Geschichte stilistisch und thematisch an Joanne Bournes „Die Geliebte des Meisterspions“ erinnert. Der Spionage-Plot in „Ein Herz zum Stehlen“ hat mir jedoch deutlich besser gefallen. Auch die Liebesgeschichte fand ich grundsätzlich stimmiger beschrieben.

Kurzgefasst: ein, mit modernen Ausdrücken gespickter, „old fashioned“-Style Spionage Historical, mit einigen Widersprüchen und Auslassungen und einem spannenden Plot, wenn auch etwas ausufernd erzählt.