Rezensionen

Nicoles Bewertung 03 Sterne.png

Annique Villiers, eine von Frankreichs Meisterspioninnen, steckt in einer verzwickten Lage. Seit sie bei einem Zweikampf eine Kopfverletzung davon trug, ist sie blind. Die Prognose, die ihr ein Arzt gibt, ist ebenfalls wenig vielversprechend. Es könnte durchaus sein, dass sie ihr Augenlicht wieder erlangt, doch genauso möglich könnte es sein, dass sie unmittelbar danach sterben wird. Doch sie hat keine Zeit sich über ihr Schicksal Gedanken zu machen, denn sie ist auf der Flucht, weil sie Napoleons Geheimpläne eine Invasion gegen England betreffend kennt, die die Engländer unbedingt in ihre Hände bekommen wollen.

Ausgerechnet in einem Kerker begegnen sich Annique, Grey und Adrian das erste Mal und müssen sich miteinander verbünden, um aus dem Gefängnis lebendig herauszukommen. Grey der englische Spion und seine Männer die auf Annique und die Albion Pläne angesetzt wurden, wissen von Anfang an, wen sie vor sich haben- im Gegensatz zu Annique. Aufgrunddessen gerät sie, kurze Zeit nach ihrem gemeinsamen Gefängnisausbruch, in Greys Hände. Dieser will Annique nach England bringen, doch Annique, denkt trotz ihrer Hilflosigkeit gar nicht daran, sich von Grey an die Engländer ausliefern zu lassen und plant einen Fluchtplan nach dem anderen. Trotzdem kann sie es nicht verhindern, dass sie sich zu Grey hingezogen fühlt…

In den USA hat Joanna Bournes Roman überschwängliche Kritiken bekommen und zudem liebe ich historische Liebesromane mit französischem Setting- daher war ich schon sehr gespannt auf „Die Geliebte des Meisterspions“. Leider haben sich meine hohen Erwartungen, die ich an diesen Roman hatte überhaupt nicht erfüllt und das hatte gleich mehrere Gründe. Zum einen kam ich überhaupt nicht damit zurecht, wie modern die Ausdrucksweise der Protagonisten in dieser Geschichte ist.

Die Story spielt zu Zeiten Napoleons, zu großen Teilen in Frankreich und später in England doch historisches Kolorit war hier absolut nicht vorhanden! Das liegt nicht nur an der modernen Ausdrucksweise der Romanfiguren (liegt es an der Übersetzung oder ist es auch im bereits englischsprachigen Original so?), sondern auch an ihrem modernen Denken, Handeln und vor allem an der Tatsache, dass Örtlichkeiten auf der immerwährenden Flucht der Protagonisten kaum beschrieben werden. Die Geschichte könnte praktisch in jeder Zeit und an jedem Ort spielen.

Anniques, Greys, Adrians und Doyles Flucht vor ihren Verfolgern, steht dagegen im Mittelpunkt und diese wird sehr spannend von der Autorin geschildert. Ich hatte beim Lesen stets das Gefühl, ich lese einen Romantic Suspense mit Spionageplot, der in der heutigen Zeit angesiedelt ist. Und auch die Liebesgeschichte zwischen Grey und Annique hat mich leider nicht überzeugen können. Es stehen doch zu viele Geheimnisse zwischen ihnen und plötzlich sind sie über beide Ohren ineinander verliebt? Statt tiefschürfende Gespräche zwischen Annique und Grey verfolgen zu dürfen, die ihre wachsende Liebe und ihr Vertrauen füreinander untermauern, bekommt man als Leser nur die geballte Ladung an sexueller Anziehungskraft zwischen dem Heldenpaar geboten und es kommt dabei zu durchaus prickelnden Liebeszenen, wobei ich die „Entjungferungsszenerie“ dann auch wieder als haarsträubend unglaubwürdig empfand. Deklariert ist der Roman als „Romantic History“ doch diese Bezeichnung hat „Die Geliebte des Meisterspions“ meiner Meinung nach nicht verdient.

Trotz meiner Kritik- wer keinen großen Wert auf historisches Kolorit legt oder auch nicht unbedingt eine tiefgründige, romantische Liebesgeschichte zu seinem Leseglück benötigt; wem eher der Sinn nach einer spannenden Spionage und Abenteuerstory steht, der sollte diesen Roman durchaus eine Chance geben. Joanna Bourne kann schreiben, definitiv, doch für meinen Geschmack sollte sie sich lieber Contemporaries oder dem Romantic Suspense Genre widmen.

Kurz gefasst: Wenig Historical Romance, stattdessen bekommt man einen spannenden, modern anmutenden Spionageroman geboten.

Ankes Bewertung

Zum Buch: 03 05 Sterne.png

Mal wieder hat es mir einiges Kopfzerbrechen abverlangt die gelesene und gehörte Geschichte zu bewerten. Einerseits hat mir "Die Geliebte des Meisterspions" richtig gut gefallen, denn sie erzählt eine flotte, durchdachte und vor allem fesselnde Spionagegeschichte. Andererseits aber mutiert hier erneut eine Heldin, die anfangs ein gleichstarker Mitstreiter in der Runde der Geheimdienstler war, zu einem to-stupid-to-live-Weibchen, das geblendet von der Herrlichkeit des männlichen Geschlechts zur "Geliebten des Meisterspions" degradiert wird.

Die ersten ca. 150 Seiten lasen sich flott, actionreich und höchst unterhaltsam, zudem konnte ich nicht anders als die pfiffige Heldin, die so voller Talente zu stecken schien und den männlichen Protagonisten so gleichwertig gegenüberstand, sofort ins Herz zu schließen.
Doch je weiter ich in der Geschichte vordrang, umso verärgerter und enttäuschter wurde ich. Nicht nur, dass ich eine spontan Heilung (ausgeführt von einem knüppeldicken Ast), eine dumme Verwechslung (sie erkennt ihn nicht, obwohl sie tagelang in seiner Gesellschaft war, seine Stimme und Körperbau kannte), sowie eine fast peinliche Verführungsszene (er verführt und entjungfert sie in der Badewanne um ihr Geheimnisse abzupressen - so zumindest habe ich das gedeutet) lesen musste und einen Helden vorgesetzt bekam, der mir vollkommen fremd blieb und den ich somit lediglich als Randfigur wahrnahm - so musste ich auch noch lesen, wie meine pfiffige und talentierte Heldin zu einem naiven Weibchen mutierte, das ich so gar nicht mit der seit Kindertagen in der Kriegs-, Schlachtfeld- und Spionage-erfahrenen Frau von der ich gelesen hatte in Verbindung bringen konnte.

Eine blitzgescheite, hoch intelligente und geschickte Spionin, die bei der ersten Berührung des Helden zum liebestollen und hirnlosen Weibchen mutiert, damit kam ich einfach nicht klar. Und dass mir die Autorin, dass alles am Ende als "Liebe" verkaufen wollte, empfand ich dann eigentlich als Beleidigung. Außer dass eine gewisse sexuelle Anziehung vorhanden war, konnte ich keine Erklärung dafür finden wann und warum sich die Heldin ausgerechnet in diesen Helden verliebt hat.

Zum Hörbuch: 04 Sterne.png

Vera Teltz ist eine klasse Hörbuch-Sprecherin, die mich schon in vielen amüsanten paranormalen Liebesromanen, mit dem für die Sprecherin so typischen augenzwinkernden Sarkasmus in der Stimme für sich eingenommen hat.
Was aber bei amüsanten paranormalen Liebesromanen einfach perfekt rüberkommt, erscheint mir bei einem historischen Liebesroman, der eher gediegen und ernst daherkommt und dem jeglicher leicht, lockerer und amüsanter Ton fehlt, nicht stimmig.
Ich konnte einfach die Stimme und die Vortragsweise von Vera Teltz nicht mit dem Inhalt der Geschichte zusammenführen. Es kam mir einfach disharmonisch vor und entsprechend schwer war es für mich dran zu bleiben und Lust aufzubringen, das Hörbuch fertig zu hören.

Absolut toll ist, dass das Hörbuch als Download in ungekürzter Form vorliegt; was ich als Plus in die Bewertung mit aufnehme.

Kurz gefasst: Ein spannender und flott zu lesender Spionage-Roman, wobei mich weder die Liebesgeschichte noch die Protagonisten der Story überzeugen konnten.
Das Hörbuch wird von einer tollen Sprecherin gelesen, deren wunderbare Stimme und geniale Vortragsweise, jedoch für meinen Geschmack einfach nicht zur Geschichte passte.