Rezensionen

Ankes Bewertung 04 Sterne.png

An einem alkoholgeschwängerten Abend in der Taverne schließt Lucas Drake, Earl of Kendall, mit seinen Freunden Worth, Rhys Sheffield, the Duke of Worthington, und Bell, Beau Bellham, Marquess of Bellingham, eine Wette ab: 14 Tage überleben als Bedienstete, ohne, dass die Freunde von den Gästen als Adelige erkannt werden. Der Vierte im Bunde Ewan Fairchild, Viscount Clayton, wird die Bühne dafür bereitstellen, seine demnächst stattfindende Hausparty. Geboren war die Idee aus Lucas Not heraus, eine Braut finden zu wollen, die ihn als Menschen bevorzugt und nicht wegen seines Titels heiraten will.

Miss Frances Wharton ist nicht sonderlich erpicht darauf zu heiraten, doch die Familie steht finanziell nicht gut da und ein Angebot für ihre Hand gibt es auch schon. Dumm nur, dass der Bewerber so unglaublich langweilig ist. Sich hingegen mit Mr. Lucas, dem Hausdiener von Viscount Clayton zu unterhalten ist 100mal angenehmer, zudem ist er äußerst attraktiv, charmant und steht ihr hilfreich bei ihrer Flucht vor ihrem Verehrer bei. Schon bald werden ihre heimlichen Treffen in Claytons Bibliothek zum Highlight ihres Tages.

Auch Lucas ist höchst angetan von der jungen Lady, nur leider findet er sich nun in einer verzwickten Lage wieder, denn die Frances hat erklärt, dass sie den Earl of Kendall wegen seiner politischen Bestrebungen nicht sonderlich zu schätzen weiß. Egal wie er es dreht oder wendet, er weiß einfach nicht, wie er Frances beibringen soll, dass er kein Hausdiener ist, sondern ein wohlhabender Mann, dafür aber ihr erklärter Gegner, der Earl of Kendall.

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich meinen ersten und bisher einzigen Valerie Bowman gelesen habe. Damals war der 1. Teil der „Playful Brides“ im Bastei Lübbe Verlag in einer deutschen Übersetzung erschienen. Heute habe ich mich an den 1. Teil der „The Footmen's Club“-Serie im englischen Original der Autorin gewagt.

Mir hat die Idee zur Serie, eine Wette unter Freunden, ob sie als Bedienstete bestehen können, wo sie bisher doch immer die Bedienten waren, sehr gut gefallen. Die Autorin schafft eine stimmige und sehr gut ausgestaltete Grundlage dafür, die auch den kritischsten Betrachtungen zu bestehen weiß.

Die Geschichte, sowie die Figuren von Lucas und Frances, sind frei von Dramen, bis auf etwas Gefühlschaos, was jedoch durch ein paar kluge gewählte Worte eines Vermittlers, rasch wieder geklärt werden kann. Die Beiden sind also nahezu „normal“ für einen Liebesroman.

Langweilig sind sie trotzdem nicht. Ganz im Gegenteil, Frances zeigt sich als offene, interessierte und neugierige junge Frau, die sich engagiert und unbequeme Fragen zu stellen weiß; ganz zum Bedauern ihrer Mutter, die sie unbedingt an den (Ehe-)Mann bringen muss. Und Lucas, der zeigt sich empathisch und lernfähig und ist sich nicht zu schade eigene Fehler einzugestehen.

Kurz um „The Footman and I“ ist leicht, locker und amüsant zu lesen – wäre da nicht die Sache mit den seltsam mutwillig eingestreuten und hölzern wirkenden intimen Szenen zwischen den Hauptprotagonisten, hätte ich mit Vergnügen die volle Punktezahl verliehen.

Ein Beispiel von vielen: im einen Moment diskutieren Lucas und Francis gerade nach angeregt und amüsant über Politik, im anderen wälzen sie sich auch schon voller Leidenschaft auf dem Boden, nur um im nächsten wieder am Tisch zu sitzen und weiterzudiskutieren. Für meinen Geschmack war das beinahe bizarr. Zumindest ging es so schnell, dass ich mit meinem Verständnis kaum hinterherkam. Und so erging es mir nicht nur einmal. Hätte die Autorin die intimen Szenen gänzlich rausgelassen, dafür ihre Protagonisten vielleicht noch etwas verliebter wirken lassen, hätte ich diese überhaupt nicht vermisst.

Kurzgefasst: ein unterhaltsamer, sehr gekonnt konstruierter Plot, mit sympathischen Figuren – mit hölzern wirkenden (und vermutlich deswegen auch überflüssig wirkenden) intimen Szenen.