Rezensionen

Nicole Bewertung 04 05 Sterne.png

Lady Cecily, die nach dem Tode ihrer Eltern, zusammen mit einigen ihrer ebenfalls verwaisten Cousins und Cousinen bei ihrem Vormund aufwuchs, gilt in der Familie als naseweise Unruhestifterin. Stets ist sie für jeden Schabernack zu haben. Daher verwundert es ihre Familie und ihren Vormund umso mehr, als Cecily stur darauf beharrt, die bereits vor vielen Jahren von ihren Eltern arrangierte Ehe mit dem Duke of Norland eingehen zu wollen. Und das, obwohl dieser Mann weder mit viel Charme, gutem Aussehen oder Freundlichkeit ausgestattet ist. Dazu langweilt er jeden in seiner Umgebung mit seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen- kurz, Norland ist ein Mann, der so gar nicht zu Cecily passen mag.
Doch was Cecilys Familie nicht versteht, ist, dass sie mit Norland einen Pakt abgeschlossen hat. Bei ihrer Ehe soll es sich lediglich um eine auf dem Papier geschlossene Verbindung handeln. Jeder mag darin so leben, wie er mag und zwar an getrennten Orten. Cecily meint damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können. Zum einen wird sie durch einen höheren Stand endlich in der Lage sein können, gemeinnützige Zwecke finanziell unterstützen zu können und zum anderen muss sie nicht in ständiger Angst vor Verlust leben, denn Norland ist kaum der Mann, für den sie je etwas empfinden könnte.

Und dann ist da auch noch Rand, der Duke of Ashburn. Der völlige Gegensatz zu Norland. Zwar gehören beide Männer einer rätselhaften Gemeinschaft an, zu der auch Cecilys verstorbener Bruder gehörte, doch enden dort die Gemeinsamkeiten auch schon. Rand ist höllisch attraktiv, scharfsinnig und es gelingt ihm allein durch seine scharfsinnigen und ironischen Bemerkungen, Cecily an den Rand des Wahnsinns zu bringen. Ihre Wege kreuzen sich zum ersten Mal, als sie in Rands Stadthaus einbricht, weil sie auf der Suche nach verräterischen Briefen ist, die sie einst an ihren verstorbenen Bruder sandte und die sie heute, falls sie entdeckt würden, ihren guten Ruf kosten könnten. Diese Briefe sollen sich, laut ihrer angeheirateten Cousine, zusammen mit anderen Unterlagen ihres Bruders, in Rands Haus befinden. Rand ist amüsiert von Cecily und auch bezaubert und so macht er ihr einen Vorschlag. Er will ihr, Einsicht in sämtliche Unterlagen geben, wenn sie im Gegenzug auf einem Maskenball erscheint. Doch Cecily zögert zunächst, denn Rand ist ihr bereits unter die Haut gekrochen…

Der Duke ihres Entzückens“ ist der bereits dritte Teil der „Ministry of Marriage“ Reihe der Autorin und sogleich für mich der erste Roman von Christina Brooke, den ich gelesen habe. Christina Brookes Schreibstil ist leicht, spritzig und anschaulich zu nennen und erinnert mich ein wenig an die „Schreibe“ von Autorinnen wie Julia London, Kathryn Caskie oder auch Celeste Bradley. Der Roman ist unterhaltsam und hat einen humorvollen Unterton, was mir sehr gut gefallen hat, allerdings muss man den Schreibstil der Autorin eher in die Kategorie der neuen, moderner gestalteten Historical Romances einordnen. Und auch das unzeitgemäße Verhalten der Heldin entspricht eher dem, was neuerdings aus den USA zu uns „herüberflattert“.

Ich war ein wenig hin und hergerissen ob meiner Bewertung, denn eigentlich entspricht diese „moderne Schreibe“ in Historical Romances, nicht unbedingt dem, was ich persönlich mag. Zudem fand ich Cecily, Rand und auch die Nebenfiguren nicht unbedingt tiefsinnig charakterisiert und auch die Story ist mehr als dünn. Ein zweiter Punkt, der mich normalerweise sehr nervt. Der dritte Punkt ist die Tatsache, dass der Moment, in dem beide plötzlich in Liebe füreinander entbrennen und das bemerken, leider fehlt. Außer sexueller Anziehungskraft ist da lange Zeit nichts zwischen beiden und plötzlich sind beide Hals über Kopf ineinander verliebt. Doch warum nur?

Aber irgendwie, und ich weiß immer noch nicht wie es der Autorin gelungen ist, konnte sie mich mit ihrer Geschichte um Cecily und Rand dennoch fesseln und amüsieren. Vielleicht liegt es auch einfach an den spritzigen Dialogen zwischen dem Heldenpaar und dem Knistern zwischen ihnen, dass ich über gewisse Kritikpunkte diesmal geflissentlich wegschauen konnte?
Wie dem auch sei, ich habe den Roman innerhalb weniger Stunden ausgelesen und hatte viel Spaß beim Lesen. Und obwohl ich die beiden Vorgängerromane nicht kenne, kam ich gut in die Geschichte, so dass „Der Duke ihres Entzückens“ meiner Meinung nach auch gut als „stand alone“ gelesen werden kann.

Kurz gefasst: Eine sehr leichte, spitzige Historical Romance, die ein wenig an humorige Hollywood-Komödien erinnert. Der zwar ein wenig mehr Tiefgang gut getan hätte, die aber zu unterhalten versteht und Spaß macht.