Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Ist ein Happy End zwingend erforderlich? Diese Frage stellte sich mir, als ich beim Lesen der ersten Seiten des neuen Sandra Brown Romans erkannte, dass die Geschichte nicht mit einem herkömmlichen Happy Ending für das Liebespaar ausgehen würde. Für “In einer heißen Sommernacht” hat Sandra Brown einen etwas anderen Weg des Schreibens für sich erwählt, was mich sehr überrascht hat. Der Roman ist so völlig anders, als das; was man sonst von Sandra Brown gewohnt ist, denn die Autorin steht normalerweise für knallharte Suspense und prickelnde Liebesszenen in ihren Romanen.
Diesmal ist sogar das Setting ungewohnt, denn die Story spielt sich Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts ab; in einer Zeit als es den Menschen sehr schlecht ging und die Weltwirtschaftskrise selbst den Farmern schwer zu schaffen machte.

In Gilead, einer Kleinstadt in den USA, lebt Ella Barron zusammen mit ihrem autistischen Sohn Solly und betreibt dort eine kleine Pension. Der Arzt des Städtchens bittet sie eines Tages darum, seinem entfernten Verwandten für eine gewisse Zeit ein Zimmer zu vermieten, da dieser an einer unheilbaren Krankheit leidet und nicht in einsamer Umgebung sterben möchte. Ella nimmt David Rainwater auf und im Laufe der Zeit kristallisiert sich immer mehr heraus, dass er ein Händchen für ihren autistischen Sohn hat, der noch nicht einmal Ella richtig an sich heran lässt.

Aber nicht nur die anderen Bewohner der Pension schließen David schnell ins Herz, da er das verkörpert, was man einen Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle nennt, auch Ella fühlt sich plötzlich zu ihm hingezogen. Ein Satz in dem Roman hat mich dabei sehr berührt. Ella und David unterhalten sich über ein Buch von Hemingway, das traurig endet und zu diesem Zeitpunkt ist beiden auch schon insgeheim klar, dass sie sich ineinander verliebt haben. Aus rechtlichen Gründen gebe ich an dieser Stelle nur die Romanstelle an, wo ihr besagten Satz finden werdet. (Seite 229 1. Abschnitt)

Dieser Satz sagt eigentlich alles aus und hat mir tatsächlich ein paar Tränchen in die Augen getrieben. Er hat mich aber auch in anderer Hinsicht nachdenklich werden lassen. Bislang gehörte ich immer zu den Lesern, die eigentlich Bücher mit Happy Ending bevorzugen, doch diese bittersüße Liebesgeschichte zwischen Ella und David hat mich am Ende dann doch packen können und mich eines Besseren belehrt. Sicherlich es ist eine sehr traurige Liebesgeschichte, doch am Ende ist Davids Tod (ohne dass ich jetzt mehr darüber verraten möchte) nicht vergebens.

Der Roman dürfte besonders Leser von Inspirational Historicals ansprechen, denn in diese Richtung tendiert Sandra Browns “In einer heißen Sommernacht” sehr. Nebenbei erzählt die Autorin aber auch eine Geschichte über Rassismus, Vandalismus und der Ohnmacht der Kleinstädter gegen die sogenannte Obrigkeit und ihrem anschließenden gemeinsamen Kampf dagegen.

Obwohl es die Autorin in dieser Hinsicht sicherlich gut gemeint hat, fand ich es sehr schade, dass Sandra Brown bei diesem Thema nur an der Oberfläche gekratzt hat. Andererseits umfasst dieser Roman gerade einmal 287 Seiten und wahrscheinlich wäre es wegen der begrenzten Seitenzahl auch gar nicht möglich gewesen noch viel mehr in die Tiefe zu gehen, da ja auch der Autismus von Solly eine große Rolle in dem Buch spielte und nebenbei die Liebesgeschichte von Ella und David genug Raum zur Entfaltung benötigte. Dennoch, ich fand schon, dass die Autorin hier ein wenig Potenzial verschenkt hat. Der Roman hätte meiner Meinung nach gut und gerne 100 Seiten mehr vertragen können. Obwohl die Liebesgeschichte sehr romantisch erzählt wird, darf man diesmal nicht auf eventuelle prickelnde Liebesszenen hoffen. Diese fallen äußerst züchtig aus und anders hätte es zu dieser Art von Roman auch nicht gepasst, denke ich.

Kurz gefasst: Sandra Browns “In einer heißen Sommernacht” hat mein Denken was Happy Endings in Romanen angeht tatsächlich ein wenig verändert. Ein Roman der leisen Töne, der berührt und unter die Haut geht; auch wenn ihm, was die Nebenhandlung angeht, hier und da ein wenig mehr Tiefe gut getan hätte. Meine Bewertung: 4.0 und meine Empfehlung beim Lesen eine Großpackung Taschentücher bereit zu halten.