Rezensionen

Ankes Bewertung 02 05 Sterne.png

Vermutlich bin ich zurzeit etwas verwöhnt; nach dem ich eine Serie an höchst gekonnt erzählten historischen Liebesromane aus der Feder von Christi Caldwell gelesen habe; und vielleicht hat es Megan Bryce deshalb besonders schwer bei mir gehabt, doch mehr als ein „naja“ konnte ich dem „Herz der alten Jungfer“ nicht abgewinnen.

Zudem ist der Roman eher eine Geschichte im „MyLady“ Format, wenn auch inhaltlich nicht „MyLady“-Format-like, sondern eher „Historical“, und der „MyLady“, der hat es bei mir eh schon immer schwer gehabt.

In Sinne der geringen Seitenzahl ist es also nicht verwunderlich, dass der Inhalt der Geschichte auch zackig voran schreitet. Das Problem dabei ist nur, dass sich dadurch, die eh schon gewagte Handlung, wie eine sehr gewagte Handlung darstellt. Und ich kann die Kritik durchaus nachvollziehen.

Hätte die Geschichte ausreichend Zeit gehabt sich zu entwickeln, so denke ich, hätte sie vielleicht das Potenzial gehabt, von gewagt zu ungewöhnlich zu werden. Das gilt natürlich besonders für die Entwicklung der Figuren und ihrer Denkweisen und Handlungen. Zumal die Charaktere dann vielleicht auch eine Chance gehabt hätten mir sympathischer zu werden und mir ihre Beweggründe, die sie zu diesem Punkt geführt haben, verständlich darzulegen.

Und dann begeht die Autorin den Kardinalfehler, ab dem 2. Drittel die Geschichte plötzlich in ihrem Tempo auszubremsen und mit viel „hin und her“ aufzufüllen; und mittlerweile dürfte ja bekannt sein, wie sehr ich so was leiden kann – nämlich überhaupt nicht. Ich stehe also mit meiner Meinung grundsätzlich für Geschichten, die sich gradlinig entwickeln, doch wenn es eben sein muss, dann doch bitte im gleichbleibend-turbulenten Erzähl-Tempo.

Und wenn ich dann auch noch mit einer solch unerhörten Ausdrucksweise und einem ebensolchen Umgang, den die Charaktere pflegen, konfrontiert werden, dann ist es ganz aus bei mir. Dabei bin ich grundsätzlich kein Leser, der sich an einer modernen Sprache in historischen Liebesromanen stört; na sicher, irgendwann ist auch in dieser Hinsicht Schluss für mich, doch bin ich strapazierfähig.

Was ich jedoch überhaupt nicht mag, ist übermäßig arrogantes, anmaßend und unverschämt zickiges Benehmen - und zwar ohne einen für mich erkennbaren Grund. Und die Hauptfigur Olivia Blakesley steht für mich für all das. Erstaunlicherweise empfand ich sie darüber hinaus als fade (was widersprüchlich scheint und eigentlich auch keinen Sinn ergibt?), wie ihr männlicher Gegenpart Nathaniel Jenkins auch.

Man kann also der Autorin also nicht vorwerfen, dass sie nicht das „perfekte Paar“ geschaffen hätte.

Kurz gefasst: Ich mag „alte Jungfern“ in historischen Liebesromanen. Und ich mag die Idee der Geschichte. Aber die Ausführung der Autorin und ihre Figuren liegen mir nicht.