Rezensionen

Schnees Bewertung 05 Sterne.png

Eines der schönsten historischen Liebesromane, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Grace Burrowes ist für mich eine echte Neuentdeckung und ich hatte sehr viel Spaß mit ihrer heiteren Lektüre um die vermeintlich, aus einfachen Verhältnissen stammende, Haushälterin und dem sehr verliebten Adeligen, der einfach nicht locker lässt um sie für sich zu gewinnen.

Gayle hatte es nicht leicht bei mir, denn zunächst sah ich in ihm nur den hochwohlgeborenen Adeligen ohne Fehl und Tadel, neben der einnehmenden Anna ging er für mich etwas unter. Nach und nach schloss ich ihn aber in mein Herz und bewunderte ihn sehr für seine Hartnäckigkeit.

Anna jedoch eroberte mein Herz im Sturm, ihr kleines Geheimnis machte mich neugierig und ihr ganzer Charakter war sehr nach meinem Geschmack. Sie ist sehr bodenständig, hilfsbereit, liebt die Ihren und hat ein Herz aus Gold. Wenn nötig, besitzt sie auch eine spitze Zunge und weiß sich stets (es sei denn ihre Gefühle fahren Achterbahn) zu helfen.

Auch der Schreibstil der Autorin konnte mich in den Bann ziehen. Ich liebe ihre humorvollen Dialoge zwischen den Figuren und ihren flotten Schreibstil, der das Buch zu einem wahren Lesegenuss werden lässt.

Ich möchte sehr viel mehr von Grace Burrowes lesen und würde mich diebisch über Nachwuchs freuen!

Kurz gefasst: Ein wunderbar unterhaltsamer Historical mit einer fantastischen Heldin, die mich rundherum überzeugen konnte!

Ankes Bewertung 04 Sterne.png

Noch beim Lesen des Buches wusste ich schon, dass es für mich nicht leicht werden würde zu Grace Burrowes "Pflicht und Gefühl" eine Rezension zu schreiben. Und wirklich sitze ich hier nun und weiß nicht recht, wie ich es angehen soll und immer noch nicht wie viel Lesepunkte ich verteilen will.

"Pflicht und Gefühl" ist ein ungewöhnliches Buch, das über einen eigentümlichen Erzählstil, sperrige und komplizierte Charaktere und einen eher träge voranschreitenden Plot verfügt.

Diese Extreme zu lesen, haben mir zunächst einige Mühen abverlangt, so schwankte ich zu Anfangs zwischen der grundsätzlicher Neugier den Verlauf der Geschichte zu erfahren und dem Wunsch nach einer leichteren gefälligeren Lektüre.

Doch irgendwas ließ mich hartnäckig weiter lesen, was ein Glück war!
Vielleicht war es tatsächlich die Frage, wie die Autorin ein Happy End für ihre Figuren gestalten würde, die sie in einer solch vertrackten Situation zusammen gebracht hat.

Dennoch hatte ich weiterhin das Gefühl, als hätte die Autorin sich nicht entscheiden können, welcher Art sie dem Vorzug geben möchte, einem modernen oder einen altmodischen Erzählstil oder die eher träge und gesetzte Entwicklung der Geschichte, was mich mehr und mehr ungeduldig werden ließ. Ja, ich hatte sogar ziemlich mit den Charaktere zu kämpfen, die ich zunächst als unnahbar, arrogant und als viel zu stur empfand - und doch je mehr ich las und je mehr ich mich in die Geschichte (und die Figuren) einfühlen konnte, desto faszinierter wurde ich.

Wenn es bei mir auch ein Weilchen gedauert hat, so begann mich doch irgendwann die Geschichte zu fesseln; vielleicht genau wegen ihres so wechselhaften Stils. Und obwohl ich immer noch ungeduldig war, so konnte ich mich mit einem Mal an jedem Wort erfreuen, das das Ende hinauszögerte und vor allem bekam ich einen Sinn für den großartigen und teilweise herrlich sarkastischen Witz der Autorin.

Auch wenn die Charaktere nach wie vor ein wenig zu stur und zu bockig für meinen Geschmack waren, so erschienen sie mir doch mit der Zeit näher, greifbarer und im Handeln und Denken nachvollziehbarer. Und schlichen sich auf diese Weise still und heimlich in mein Leserherz.

Richtig gut gefallen hat mir, dass Grace Burrowes konsequent authentisch ist. Ganz besonders was das absolut menschliche Agieren ihre Figuren betrifft. Sie steht ihren Charakteren ihre Launen und eine gesunde Portion Egoismus genauso zu, wie Hunger, Müdigkeit, Lust auf Süßigkeiten oder die Notwendigkeit regelmäßig die Toilette aufsuchen zu müssen.
Und zwar mich als Leser damit zu langweilen oder mir die Figuren (hier vor allem auf die "Launenhaftigkeit" bezogen) madig zu machen; abgesehen von anfänglichen schwierigen Eingewöhnungsphasen natürlich.

Wenn ich mir nun so durchlese, was ich bisher geschrieben habe, so muss ich doch sagen, dass ich mich dafür, dass ich nach den ersten 50 Seiten haben aufgeben wollen, letzten Endes doch ziemlich gut mit dem Buch amüsiert habe.
Ein wenig gefälligere Charaktere und ein, ein wenig erhöhtes Erzähltempo vorausgesetzt - in diesem Fall hätte ich für "Pflicht und Erfüllung" sofort die volle Punktzahl vergeben. So kann ich das Buch jedoch "nur" mit einem "gut" bewerten.

Kurz gefasst: Ein in vielerlei Hinsicht eher ungewöhnlicher Historical - der viel Zeit braucht um sich, seine Figuren und seinen Humor zu entfalten.

Nicoles Bewertung 02 05 Sterne.png

Anna Seaton ist zusammen mit ihrer tauben Schwester Morgan auf der Flucht, gibt sich als Bürgerliche aus und nimmt schließlich die Stellung als Haushälterin beim unverheirateten Earl of Westhaven an, der momentan in London weilt, obwohl die Saison bereits vorbei ist.
Doch Gayle hat einen guten Grund dafür: Sein betagter Vater will ihn, seinen Erben, nachdem kurz hintereinander bereits zwei seiner Söhne starben, unbedingt verheiratet und mit vielen Kindern sehen, damit zumindest die Erbfolge gesichert ist. Doch Gayle weigert sich vehement, seinem Vater diesen Wunsch zu erfüllen, vor allem weil dieser mit List und Tücke versucht in das Leben seines Sohnes einzugreifen. Als Gayle schließlich erfährt, dass seine Mätresse ebenfalls mit seinem Vater unter einer Decke steckt und ihm zudem auch noch ein Kind „andrehen“ möchte, das ein anderer gezeugt hat und sein Vater selbst das vorbehaltlos akzeptieren würde um seinen Willen zu bekommen, zieht Gayle die Reisleine und verschanzt sich in seinem Stadthaus. Ausgerechnet seine neue Haushälterin Anna, gerät in den Fokus seines Interesses, als er bei vielen Gesprächen die beide miteinander führen, feststellen muss, wie gut sie zueinander passen. Auch ihre fürsorgliche Ader lässt ihn nicht kalt und so macht er ihr schließlich kurzerhand einen Heiratsantrag. Doch Anna weist ihn ab. Wird Gayle diese Abfuhr hinnehmen können, oder lohnt es sich um Anna zu kämpfen?

Grace Burrowes Debütroman „Pflicht und Erfüllung“ ist mal wieder ein gutes Beispiel dafür, dass man Büchern, die im Original über den Klee gelobt wurden, mit der nötigen Dosis an Skepsis und Vorsicht begegnen sollte. Im Grunde hatte ich mich sehr auf den neuen Historical Gold Extra gefreut, doch bereits nach den ersten hundert Seiten stellte sich die große Ernüchterung bei mir ein.

Zwar fand ich die Ausgangssituation, dass sich ein Adliger in eine Bürgerliche verliebt und diese am liebsten vom Fleck weg heiraten möchte, sehr romantisch und schön (wobei es sehr fraglich ist, ob so etwas in dieser Zeitepoche, in der der Roman spielt überhaupt hätte geschehen können) , doch ehrlich gesagt wurde genau dieser Punkt von der Autorin total vernachlässigt. Weder der Held, noch sein Vater oder seine Familie stoßen sich an Annas bürgerlichem Stand, als sie erfahren, dass Gayle seine Haushälterin heiraten will. Stattdessen vermuten Gayles Brüder nebst Mutter allein aufgrund von Annas Auftreten, dass sie mit Sicherheit eine Adlige in Nöten sein muss und wollen nun alles daran setzen, um hinter Annas Geheimnis zu kommen. Dass Anna adelig und Morgan ihre Schwester ist, erfährt man recht früh im Roman, daher habe ich es in der Zusammenfassung mit angegeben und auch wieso beide auf der Flucht sind, kann man sich relativ schnell zusammenreimen; der Grund für Annas und Morgans Flucht ist nicht unbedingt innovativ zu nennen.

Bis es aber zum Showdown zwischen den Schurken und Anna kommt, vergehen sage und schreibe 398 Seiten. An sich habe ich nichts gegen einen dicken Schmöker, wenn die Story mit vielen interessanten Wendungen, romantischen Liebeszenen und vielen Kennenlern-Dialogen des Heldenpaars aufwarten kann, doch leider empfand ich es als sehr mühsam, den Roman überhaupt bis zum Ende durchzulesen.

Das hatte verschiedene Gründe. Obwohl die Autorin mit Dialogen zwischen ihrem Heldenpaar wahrlich nicht geizt, ließen mich die Inhalte der Gespräche zwischen Anna und Gayle zum größten Teil recht kalt, denn es dreht sich darin zumeist um recht alltägliche Dinge und erschwerend kam dazu, dass die Unterhaltungen zwischen Gayle und Anna unglaublich geschraubt und gestelzt klingen. (und das sogar in meinen Leserohren, obwohl ich eine zeitgemäße Ausdrucksweise der Protagonisten sonst über alle Maßen schätze)

Im Gegensatz zur dem Dialogreichtum des Romans, lässt die Autorin ihre Leser leider recht selten in die Köpfe ihrer Protagonisten schauen, so dass man von Anna lediglich erfährt dass sie fürsorglich, ihrer Schwester gegenüber liebevoll und loyal und ihrem Arbeitgeber gegenüber fleißig und über alle Maßen korrekt begegnen will. Man kann zunächst nicht nachvollziehen, wieso sie sich nicht zurückzieht, als Gayle Annäherungsversuche bei ihr startet, zumal sie ja sehr viel zu verlieren hat, wenn sie ihre Anstellung wechseln muss.
Dafür weigert sie sich im Laufe der Story vehement mehr als „Heavy Petting“ mit Gayle zuzulassen und kommt durch ihre recht seltsame Ansichtsweise ein wenig seltsam rüber. Eine Art jüngere Ausgabe der fiktiven „Mutter Beimer“ (etwa wenn sie Gayle auf seine Fehler anspricht, was fast schulmeisterlich wirkt) die sich für ihre Wollust insgeheim verachtet.
Genau die gleichen Probleme hatte ich mit Gayle. Sicher er ist charmant und witzig, doch die gleichmütige Art wie er jede Verweigerung Annas sang und klanglos hin nimmt und sie trotzdem heiraten möchte ohne dass er ihre Vergangenheit kennt und sie sich ihm anvertraut hat, lag mir persönlich nicht so. Ich hätte mir definitiv einen etwas aktiveren Helden gewünscht.

Beide Figuren wirken stets so nüchtern und abgeklärt und auch die Liebesgeschichte kommt so schleppend in Fahrt, dass ich mich streckenweise sehr durch den Roman quälen musste. Ebenfalls sehr nervig fand ich die Tatsache, dass bei fast jeder Begegnung zwischen Gayle und Anna Muffins, Marzipan und Zitronenlimonade vertilgt werden; selbst für mich Leckermäulchen führte die ewige Wiederholung der genannten Speisen und Getränke zu einem „Leser-Zuckerschock“.

Nach den ersten 200 Seiten ist die Kennenlernphase zwischen Anna und Gayle abgeschlossen doch ab diesem Zeitpunkt wird man dann mit Freunden, Familienmitgliedern von Gayle und Anna vertraut gemacht. Die Nebenakteure haben mich dabei hier und da doch ein wenig in Verwirrung gestürzt, da sie recht zahlreich in Erscheinung traten und jeder dazu einen gewissen Hintergrund auf den Leib geschrieben bekommen hat. Und trotz der vielen Figuren in dieser Geschichte behält die Autorin die Langsamkeit des Erzählens auch weiterhin bei; die Story plätschert von einer Unterhaltung zur nächsten vor sich hin; wird nur unterbrochen von den angesprochenen „Heavy Petting -Liebeszenen, weil die Heldin nicht schwanger werden will und den Helden anschließend nach einem „Blow-Job“ immer noch siezt. Diese im wahrsten Sinne des Wortes recht „steife Atmosphäre“ des Romans hat mir den Rest gegeben. Zwar fand ich die Nebenfiguren,; also die Brüder des Helden und Annas Schwester Morgan durchaus sympathisch und interessant, doch da mir Grace Burrowes Schreibstil so gar nicht zugesagt hat und mir viele Elemente im Roman einfach zu modern wirkten, werde ich diese Serie wohl nicht mehr weiterverfolgen.

Kurz gefasst: Für meinen Geschmack recht langatmig gestrickte Historical Romance in dem ein in meinen Augen nüchternes, langweiliges Heldenpaar im Mittelpunkt steht, das mich nicht in seinen Bann ziehen konnte.