Rezensionen

Ankes Bewertung 04 05 Sterne.png

„Aurelia Sinclair liebt Lord Justin Spencer“, daran besteht seit Kindertagen für Aurelia keine Frage, nur ob Justin ihre Gefühle erwidert? Vermutlich nicht, hat er sich doch so lange Zeit gelassen, ihr, den zwischen den Familien längst etablierten Heiratsantrag zu machen. Zumal Justin nicht gedankenlose hätte sein können und seinen so nebensächlich hingeworfenen Antrag auch noch im Beisein seines Freundes Everard Ramsay an Aurelia zu richten!

Sie hätte es sich zwar gewünscht, dass da mehr wäre als Freundschaft, aber wie soll ausgerechnet sie auf den attraktiven Lord anziehend wirken, denn weder ihre Figur, noch ihre Garderobe schreit nach Bewunderung! Nur Everard Ramsay ist nicht ihrer Meinung. Der findet ihren Witz und ihr Wesen bezaubernd.

Doch sich ehrlich zugestanden hat er das noch nicht, treiben ihn doch andere Sorgen um. Und außerdem ist Aurelia die Braut seines besten Freundes! Aber er kann dem Dummkopf eine ordentliche Lektion erteilen und sich dabei noch für allerlei Streiche rächen, die ihm sein Freund hat angedeihen lassen – indem er sich daran macht aus dem Entlein einen Schwan zu machen.

Justin würde seiner Braut verfallen, Aurelia bekäme ihren Herzenswunsch und er könnte wieder seiner Wege gehen. Nur sein eigenes Herz hat er dabei nicht bedacht!

Eigentlich wollte ich in den Kisten im Keller nach einem ganz anderen Buch suchen und dabei sind mir zwei schon etwas lädierte ältere Ausgaben von Susan Carroll in die Hände gefallen. Und wie so was manchmal ist, habe ich spontan beschlossen, die Bücher, die sich seit Jahrzehnten in meinem SUB befinden und vor Jahren in den Keller gewandert sind, zu lesen.

„Das Liebesduell“ war das, was mich zuerst angesprochen hat. Grundsätzlich mag ich „hässliche Entlein-zu Schwan“-Geschichten, finde es jedoch, aufgrund meiner eigenen Geschichte, immer etwas problematisch, wenn sie damit einhergehen, dass die Heldin „abspecken“ muss. In diesem Fall konnte ich jedoch darüber hinwegsehen, da es in der Geschichte tatsächlich vor allem darum, dass Aurelia lernen muss sich nicht mehr mit Süßigkeiten zu trösten, sondern aktiver zu werden und ihren eigenen Wert erkennen muss. Eine Wandlung, die durchaus möglich scheint, verfügt sie doch über reichlich Intelligenz, Wortwitz und Schlagfertigkeit.

Everard war dagegen weniger leicht zu mögen oder zu verstehen. Was auch daran gelegen haben mag, dass er, sehr untypisch für „moderne“ romantische Helden, so wie ich sie lieben gelernt habe, als Brummell verehrender Dandy und so stocksteif daherkommt. Er hat es mir wahrlich nicht leicht gemacht und sich auch nicht so einfach in die Karten schauen lassen, bzw. die Autorin den echten Everard, für meinen Geschmack, zu lange hinter der arroganten Fassade versteckt hält, die er für sich kultiviert hat.

Grundsätzlich geht es in der Geschichte eher locker zu. Was auch passt, denn die Charaktere leben auf dem Lande und sind seit Kindertagen vertraut miteinander. Die Wortduelle fliegen also nur so hin und her und so manche Beleidigung ist einfach nur die herzliche Ausdrucksweise echter Zuneigung. Der Roman ist übrigens ein echter Regency, der über einen Kuss nicht hinauskommt, aber trotzdem romantische Augenblicke nicht vermissen lässt. Das alles mag den ein oder anderen Leser vielleicht nicht so zusagen, ich hatte definitiv mein Vergnügen beim Lesen.

An einigen Stellen fand ich die Ausdrucksweise und den Stil der Geschichte ein wenig holprig. Ich bin jedoch geneigt diese kleinen Probleme der deutschsprachigen Übersetzung anzulasten und weniger der Autorin. Die konnte mich schon vor Jahren, mit ihrer Serie um die „St. Leger Familie“ vom Gegenteil überzeugen. Doch tatsächlich zählt „Das Liebesduell“, mit seiner Veröffentlichung in Original von 1987 und in der deutschen Übersetzung 1991 erschienen, noch zu den Anfängen ihrer Karriere.

Kurz gefasst: ein Klassiker neu entdeckt! Susan Carroll hat 1987 einen unterhaltsamen Liebesroman geschrieben, der auch heute noch wert ist, entdeckt zu werden.