Rezensionen

Ankes Bewertung 04 Sterne.png

Mittels eines (oder womöglich mehrerer) Schluck Brandys, aus dem Vorrat ihres älteren Bruders, fühlt sich Miss Olympia Hightower bekräftigt, doch lieber auf ihre bisher einzige Chance zu verzichten, die Ehefrau des Duke of Ashmont zu werden.

Ihre Flucht scheint jedoch bereits am Verschluss des Fensters zum Garten zu scheitern; ein anderer Fluchtweg aus dem Haus ist ihr wegen der anwesenden Gäste, ihrer Familie und eines immer ungeduldiger werdenden Bräutigams verwehrt.

Und so ganz wohlfühlt sie sich dabei auch nicht, denn der Bräutigam hat ihr nichts angetan hat, behandelt sie mit Freundlichkeit und ist alles andere als abstoßend fürs Auge. Allerdings ist er nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte und Teil eines skandalösen Trios, das als die Un-Dukes aka Dis-Graces im ton zweifelhafte Popularität gewonnen hat.
Und doch, lieber Flucht als Duchess of Ashmont.

Unerwartete Hilfe im Besonderen, in Sachen Fensterriegel, und im Allgemeinen, in Sachen Flucht, erhält sie überraschender Weise von Hugh Philemon Ancaster, Duke of Ripley, seines Zeichens ebenfalls Teil der Un-Dukes, Trauzeuge seines besten Freundes Ashmont und damit mit einer gewissen Verantwortung betraut, dass es Ashmont diesmal gelingt, eine Braut vor den Altar zu führen (aufgrund seines Rufes, hat er damit bisher eher Pech gehabt).

Doch Ripley kann der Naturgewalt in Form von Olympia nur wenig entgegenstellen und überhaupt, schließlich reicht es immer noch, wenn er die Braut bis zum Abend wieder in Ashmonts Obhut übergeben kann, oder? Was schadet es da, Ashmont ein weniger unter Druck und unter Zugzwang zu setzten, schließlich hat der es viel zu leicht gehabt, eine so anziehende Braut wie Olympia für sich zu gewinnen.

Mit „Die wilde Braut des Dukes“ habe ich mich zunächst für die deutsche Veröffentlichung des Titels von Loretta Chase entschieden, bin jedoch nach einer kleinen Kostprobe mit fliegenden Fahnen zur englischen Originalausgabe gewechselt.

Um es gelinde zu sagen, mit der ins Deutsche übersetzten Ausgabe konnte ich überhaupt nichts anfangen. Ach, sind wir mal ehrlich, ich war schlicht entsetzt. Zugegeben, ich habe schon lange nichts mehr von der Autorin gelesen und hätte mich so grundsätzlich in ihrem Stil täuschen können, doch in dieser deutschen Übersetzung konnte ich Loretta Chase, wie ich mich an sie erinnere, nicht mehr finden.

Ich bin so sehr durch den Text und über die Wortwahl gestolpert, dass von Lesefluß nicht mehr zu sprechen war. Und der Humor im Buch glich - allein durch die Wortwahl - mehr dieser Art von unterirdischem Slapstick, bei der ich in der Regel ausschalte, als der amüsanten unterhaltsamen Leichtigkeit, mit der ich Loretta Chase in Verbindung bringe.
Es war also lesetechnisch eine solch entsetzliche Quälerei, dass ich nach wenigen Seiten bereits eine Lust mehr auf das Buch hatte.

Da mir jedoch grundsätzlich die Idee zur Geschichte, die Figuren, die sich so wortreich zu behaupten wissen und der flotte Erzählstil gefallen hat, habe ich entschieden, es zunächst mit einer Leseprobe des englischen Originals auf der Homepage der Autorin zu versuchen. Einfach nur um festzustellen, ob es tatsächlich an der Übersetzung liegt oder ich doch ein Problem mit dem Buch oder der Autorin habe.
Und siehe da, da war sie wieder meine Loretta Chase, oder zumindest beinahe.

„A Duke in Shining Armor“ liest sich zwar immer noch ein wenig wie "Loretta Chase auf Speed", finde ich, doch ist um einiges stimmiger, harmonischer und amüsanter zu lesen, als die deutsche Übersetzung.
Trotzdem habe ich eine Weile gebraucht um mich an diesen zum Teil ein wenig überdrehten Erzählstil zu gewöhnen und bis zum Ende des Romans bin ich mir nicht wirklich klar darüber geworden, ob ich das nun mag oder nicht.

Letztendlich haben Ripley und Olympia aber dann doch gewonnen. Einfach weil ich die Hauptfiguren, sowie die Nebenrollen, sehr sympathisch fand und ich mein Vergnügen dabeihatte, sie auf ihrem amüsant-chaotischen Roadtrip zu begleiteten.

Kurz gefasst: ein wenig überdrehte, aber flott und amüsant erzählte Liebesgeschichte, die ich jedoch im Original zu lesen vorziehe, weil mir die deutsche Übersetzung nicht zugesagt hat.