Rezensionen

Ankes Bewertung 03 05 Sterne.png

Für Regina Marie Johnson ist es eine Stellenanzeige, die sie zu Mrs. Magnus lockt. Im Glauben eine Assistenz im Unternehmen der Magnus anzunehmen, die Reggies heißgeliebtes Rollen-Kartenspiel vertreiben, ist sie mehr als perplex über die ungewöhnlichen Umstände und die äußerst großzügig Bezahlung.

Es stellt sich jedoch schnell heraus, dass es keine Kartenspiele sind, die die Magnus‘ vertreiben, sondern Kräutermagie. Während der Neffe Caliban „Ben“ Magnus sich im Bereich der Manipulation von Geschäften einen gefürchteten Namen gemacht hat, hext seine Tante Dru Magnus heute nur noch, weil sie Spaß daran hat und nicht gegen ihre Natur kann.

Regina ist da nur hineingeraten, weil Tante Dru eine neue Vertraute braucht (ihre aktuelle ist schwanger und geht sozusagen in den Mutterschutz) und weil sie imstande war, die verzauberte Anzeige überhaupt erst zu lesen. Sie hat also irgendwo in ihren Ahnen Hexenblut. Grund genug für Dru sie einzustellen.

Nur Ben ist dagegen. Dem grummeligen und abweisenden Einsiedler gefällt es überhaupt nicht, die unwissende Regina im Haus seiner Tante zu haben und damit auch in seinem Dunstkreis. Reggie stiftet überall Chaos und wirkt viel zu anziehend auf ihn. Das ist jedoch auch Dru aufgefallen und sie setzt alles daran, den Funken des Interesses von Bens Seite aus zu fördern.

Nach einer kleineren Leseunlustphase habe ich mich daran gemacht, mit einer Auswahl an zeitgenössischen paranormalen Liebesromanen diese Blockade zu unterbrechen. „Go hex yourself“ hat dafür jedoch nur zum Teil für mich funktioniert.

Zunächst noch ein paar Details zum Verständnis von Drus und Bens Welt: Die Hexengemeinschaft lebt als solche im Geheimen; sie operiert jedoch dort, wo gewünscht, mit der Gesellschaft, wie wir sie kennen.

Als „familiar“ werden die Vertrauten der Hexen und Hexer bezeichnet. Sie sind nicht nur Vertraute, Gesellschaft und Assistent im Alltag, sondern stellen auch eine zusätzliche Kraftquelle dar, die Hexen zum Wirken ihrer Sprüche benötigen.

Ich habe die Welt von Ben und Dru als Kräuter- und Sprüche- und Beschwörungs-Magie verstanden. Sobald ein Anwärter aus der Hexenfamilie oder ein (ehemaliger) Vertrauter, der von seiner/m Hexe/r in die Magie eingeführt wurden und selber anfängt zu arbeiten, dann altert er deutlich langsamer. Sehr viel langsamer. 2000 Jahre und damit praktisch eine direkte Abstammung der Götter ist also möglich.

Der Roman war definitiv unterhaltsam, leicht und locker zu lesen und wie die Autorin Jessica Clare den „Enemies to Lovers“-Trope behandelt, sehr langsam, aber intensiv, hat mir sehr gut gefallen. Die Liebesgeschichte, der zwei so unterschiedlich verletzten Seelen, war einfach schön zu lesen.

Leider hat vieles der Geschichte auch keinen Sinn für mich gemacht. Da war zb. die Sache mit Reginas Eltern, die ihre Tochter, von klein auf, ständig für ihre Zwecke missbrauchen und die bis zum Ende der Geschichte nichts dazu gelernt haben. He, wozu können Ben und Dru hexen? Oder das Ding mit Bens übergriffiger Ex, einer Sex-Hexe!?! Selbst Lisa, die in Mutterschutz befindliche Vertraute von Tante Dru, hat für mich in alldem keinen rechten Platz gefunden. Und die ein oder andere (blutigere) Beschwörung, fand dich dann auch ein wenig abstrus.

Immerhin konnte die Geschichte so weit meinen Lese-Unlust-Bann brechen, dass ich darauf hin ein weiteres Buch zur Hand genommen habe.

Kurzgefasst: eine schöne Liebesgeschichte, zweier so unterschiedlich verletzten Seelen, geschmückt mit viel Kräuter-Magie und einigen eher skurrileren Szenen.