Rezensionen

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Frankreich 1297: Mahaut von Artois, die ehrgeizige Pfalzgräfin von Burgund kommt auf Reisen mit einem Kind nieder. Wieder einmal ist es eine Tochter. Doch sie weiß, dass sie ihrem Mann unbedingt einen Erben schenken muss und entschließt sich zu einem folgenschweren Entschluss. Sie tauscht ihre neugeborene Tochter mit dem neugeborenen Sohn ihrer Kammerfrau aus, die kurz zuvor am Kindbettfieber stirbt.

Sechzehn Jahre später- Mahauts verschmähte Tochter Sévérine ahnt nichts von ihrer adligen Abstammung und lebt in sehr einfachen Verhältnissen auf dem Anwesen Faucheville, dessen Besitzer ein Mitverschwörer Mahauts ist. Sein Sohn, Adrien hegt eine große Zuneigung zu Sévérine, da er mit ihr aufwuchs und ist entsetzt, als er nach einiger Zeit heimkehrt und feststellen muss, dass Sévérine wie eine gewöhnliche Magd auf dem Besitz arbeitet.
Er entschließt sich nach einiger Überlegung die junge Frau in Jehanne von Burgund, Gräfin von Poitiers, Obhut zu geben.

Beide Frauen sind trotz ihrer Ähnlichkeit zunächst ahnungslos, dass sie leibliche Schwestern sind, da Sévérines Herkunft unbedingt ein Geheimnis bleiben muss.
Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Blanche, eine weitere Tochter Mahauts und ihre Cousine Marguerite begehen Verrat an ihren Ehemännern- mit schwerwiegenden Folgen, da es sich bei diesen Männern um die Söhne des französischen Königs handelt und auch Jehanne und Sévérine in den Strudel der nachfolgenden, gefährlichen Ereignisse gezogen werden.
Wird es Adrien gelingen, Sévérine zu beschützen?

Nach ihrer Flandernsaga führt Marie Cristen, die historischen Liebesromanlesern auch als Marie Cordonnier in bester Erinnerung sein dürfte, ihre Leser nun ins mittelalterliche Frankreich.
Und sie hat für "Turm der Lügen" eine sehr interessante, spannende wahre Begebenheit ausgewählt, die sich tatsächlich zugetragen hat. Es geht darin um den Skandal um die "Tour de Nesle", der den damaligen Königshof bis im Mark erschütterte.
Geschickt verwebt Marie Cristen in ihrem Buch Wahrheit und Fiktion. Es gelingt ihr nicht nur das historische Flair der damaligen Zeit einzufangen, sondern auch eine spannende Geschichte zu erzählen.

Ihre Romanfiguren wirken echt und glaubwürdig, sie agieren ihrer Zeit entsprechend und mit ihrer weiblichen Heldin Sévérine hat sie einen starken, selbstbewussten aber liebeswerten Charakter geschaffen.

Es gibt zwar eine kleine Liebesgeschichte zwischen Sévérine und Adrien, aber sie steht eigentlich eher im Hintergrund. Der Hauptfokus liegt auf den historischen Ereignissen der damaligen Zeitepoche und man wird auf unterhaltsame Weise an die damalige Welt des königlichen Hofes und dessen intrigante Ränkeschmiede herangeführt.

Kurz gefasst: Ein lesenswerter historischer Roman- mitreißend und lehrreich zugleich!