Rezensionen

Nicoles Bewertung 03 Sterne.png

Drei Jahre zuvor starb Rules Zwillingsbruder Remy, als dieser den alkoholisierten Rule von einer Party abholen sollte. Seitdem geben Rules Eltern ihm die Schuld am Tode von Remy und zeigen ihm das auch. Remys beste Freundin, Shaw, die für Remys Familie im Laufe der Jahre zu eine Art Tochterersatz wurde, kann es jedoch nicht ertragen, dass sich Rule langsam aber sich von seiner Familie entfremdet und so sorgt sie jeden Sonntag dafür, dass er sie zum Mittagessen begleitet. Was Rule jedoch nicht ahnt, ist, dass Shaw ihn bereits vom ersten Moment an liebte und nur aus Liebe und Fürsorge zu ihm jede Woche die Strapaze auf sich nimmt, ihn mit dem Auto abzuholen und zuvor beobachten zu müssen, wie seine zahlreichen One Night Stands vom Vortag sich bei ihrem Eintreffen, aus dem Bett räkeln. Und auch die Autofahrt zu seinen Eltern gestaltet sich überaus nervig, denn Rule ist verkatert und auch im nicht alkoholisierten Zustand nicht unbedingt einfach zu ertragen.

Dagegen hält Rule, Shaw für eine zwar attraktive, aber sehr steife Eisprinzessin, die ihm scheinbar gerne das Leben schwer macht und aus der die ständigen Ermahnungen seiner Mutter sprechen.
Auch an diesem Wochenende hängt in kürzester Zeit der Haussegen schief- und das, obwohl diesmal auch Rules ältester Bruder, der Soldat Rome, zurückgekehrt ist von einem Auslandseinsatz und nun seine Verletzung auskurieren muss.
Sogleich lässt Rules Mutter Bemerkungen über seine Frisur, seine lässige Kleidung und seine Tätowierungen fallen, die Rule bis zur Weißglut reizen.
Doch diesmal springen Rome und Shaw für ihn in die Bresche und verteidigen ihn.
Dennoch bleibt ein bitterer Nachgeschmack bei allen und so beschließt Shaw erst wieder an den sonntäglichen Mittagessen teilzunehmen, bis sich Rules Mutter mit ihrem Sohn wieder ausgesöhnt hat.

Aber auch bei Shaw läuft es privat alles andere als rosig. Zum einen ist sie mit lieblosen Eltern gesegnet, die zwar reich sind, aber sogar den Geburtstag ihrer Tochter vergessen und zum anderen mit einem hartnäckigen Ex-Freund, der zum Stalker mutiert und ein „Nein“ nicht akzeptieren will.
Ausgerechnet an dem Tag, als sie zusammen mit einer Freundin Geburtstag feiert, trifft sie in stark alkoholisiertem Zustand auf Rule, der zwischen Schreck und frisch erwachter Faszination für die optisch sehr veränderte Shaw schwankt…

„In seinen Augen“ von Jay Crownover, ist der erste Teil einer neuen New Adult Reihe und erzählt die Geschichte eines sogenannten „Bad Boys“, der bislang unangepasst und egoistisch durchs Leben ging, bis er dann seine Meisterin findet. Dass sich Gegensätze manchmal anziehen, kommt vor. So ist es auch hier. Während Rule den „Bad Boy“ Part für sich in Anspruch nimmt, verkörpert Shaw das schöne, reiche und brave Mädchen, das es bislang immer allen versucht hat Recht zu machen.

Obwohl solch eine Konstellation sicher ihre Reize haben mag, wenn zwei so unterschiedliche Menschen aufeinanderprallen, hatte ich so einige Probleme mit Rule, die mit seinem Verhalten zusammenhingen. Er behandelt die Frauen mit denen er für einen One Night Stand ins Bett springt, wie Fußabtreter, hält sie insgeheim für „Schlampen“, denn sonst würden sie sich ja schließlich nicht auf ein Sexabenteuer mit einem betrunkenen, unbekannten Mann einlassen und verhält sich auch seinen Eltern gegenüber sehr, sehr unverschämt. Sicherlich wurden diese schon sehr extrem dargestellt, doch ich glaube jedes Elternteil würde verschnupft reagieren, wenn der liebe Sohnemann am Sonntag, ungewaschen, nach Alkohol und Sex riechend in müffelnder Kleidung vor ihnen sitzen würde und keinerlei Interesse zeigt, ein Gespräch führen zu wollen. Und nicht nur seinen Eltern gegenüber verhält er sich wie ein elender Egoist. Auch Shaw muss einiges ertragen, was jede andere Frau, außer einer Heiligen, frühzeitig in die Flucht geschlagen hätte.

Da Shaw ihn aber noch in seinem Verhalten unterstützt und ihm beisteht, hatte ich dann im Zuge der Geschichte leider auch ein Problem mit ihr. Ich fand, dass es die Autorin einfach übertreibt in ihrem Bemühen, ihr Heldenpaar auf Biegen und Brechen auf „Die Schöne und das Biest“ zu trimmen. Nicht nur sind Shaw und Rule natürlich beide höllisch attraktiv, nein, zu allem Überfluss ist Shaw natürlich auch noch eine Jungfrau, die jahrelang auf Rule gewartet hat und ihren Ex-Freund sage und schreibe sechs Monate lang hingehalten hat, bis er schließlich mehr von ihr wollte als nur Kuscheln, was sie dazu bewog, sofort den Schlussstrich zu ziehen.

Mir persönlich wirkte das einfach zu sehr an den Haaren herbeigezogen und klischeehaft gestrickt, dazu fand ich, dass die Dialoge, die Rule, Shaw, ihre Freundinnen und Rules Kumpel miteinander führen, nicht zu Menschen, knapp um die zwanzig Jahre alt, passen. Sie wirken so manches Mal, irgendwie gestelzt, fast wie aus einem Ratgeber formuliert. Gerade in Momenten, wenn Shaw sich zum Beispiel bei ihrer besten Freund ausheult, bemerkt man das. Ein wenig fühlte ich mich an alte „Dawson’s Creek“ Folgen erinnert, in denen die Protagonisten sich auch oft so geschwollen ausdrückten.

Ganz unpassend fand ich gegen Ende des Romans dann auch das völlig überzogene Verhalten der „Jungs“, als sie erfahren, was es mit Remys Geheimnis auf sich hat.
Und vor allem, wieso tragen sämtliche Haupt und Nebenfiguren bloß solche albern wirkenden Modenamen? Ich hatte zunächst einige Probleme damit, Rule und seine Brüder Remy und Rome überhaupt auseinanderzuhalten, weil sie so ähnlich klingen)

Und dennoch möchte ich alle diejenigen, die meine Rezension lesen, darum bitten, zu bedenken, dass ich womöglich eine etwas andere Meinung zum Buch vertrete, als die Zielgruppe der New Adult Romane, weil ich bereits älter bin und vielleicht deswegen auch manches einfach kritischer beäuge.
Am Schreibstil an sich gibt es nichts zu kritisieren, der ist sehr flüssig und eingängig geraten und auch die Ausgangssituation um einen Romanhelden, der gefangen ist zwischen Schuldgefühlen und Rebellion fand ich gut. Jedoch konnte mich die Umsetzung des Ganzen leider dann doch nicht so richtig überzeugen, weil es die Autorin in ihrem Roman für meinen Geschmack in allen Lebenslagen übertreibt. Selbst was die Liebesszenen angeht und in der, eine Jungfrau, natürlich ein bombastisch orgiastisches erstes Mal erlebt.

Kurz gefasst: Für meinen Geschmack nur ein mittelmäßiger und klischeebehafteter New Adult Roman über einen Bad Boy und eine wahre Heilige und typisch amerikanisch geraten. Nur für die altersmäßige Zielgruppe der New Adult Romane zu empfehlen!