Rezensionen

Ankes Bewertung 04 Sterne.png

Nach mehr als 8 Jahren ist Clio Whitmore des Wartens auf ihren Verlobten, Piers Brandon, Marquess of Granville (seine Geschichte wird in „Do you want to Start a Scandal“, dem 5. Teil der Spindle Cove Serie, bzw. dem 4. Teil der „Castles ever after“-Serie erzählt) müde. Sie hat andere Pläne für ihr Leben entwickelt. Sie sucht Piers Bruder, Lord Rafe Brandon, der in Abwesenheit des Marquess für dessen Geschäfte verantwortlich ist, auf, und bitte um die Aufhebung des Verlobungsvertrages.

Doch das ist das Letzte, was Rafe, der sich einen Ruf als illegaler Prizefighting Champion gemacht hat, gerade gebrauchen kann. Piers Ankunft in England steht bevor und Rafe muss sich auf sein Training konzentrieren, um seinen Titel zurückzugewinnen. Er verweigert Clio nicht nur rundheraus ihre Bitte, sondern er setzt alles daran, seinem Bruder, die Freundin aus Kindertagen, als Braut zu erhalten. Nun muss er nur noch Clio eine Hochzeit und ein Leben als Marquise schmackhaft machen.

Das ist jedoch gar nicht so einfach, denn Rafe hat Clio aus gutem Grunde seit vielen Jahren gemieden und es geht ihm über den Verstand, warum sein Bruder ihr nicht längst mit Haut und Haaren verfallen ist, so wie er.

Meine erste Bekanntschaft mit den Büchern der Autorin Tessa Dare liegt schon viele Jahre zurück. Doch erst vor kurzem habe ich die Autorin für mich wieder entdeckt. Besonderen Gefallen habe ich dabei an der „Castles Ever After“-Serie gefunden, weil sie etwas zurückhaltender in der Komik ist. Tatsächlich findet sich „Say yes to the Marquess“ dabei eher auf der dunkleren Seite, da beide Charaktere ihren Anteil an Leid hinter sich haben, bietet aber trotzdem Amüsement und locker-leichte Tessa Dare-Unterhaltung.

Mit diesem 2. Teil der „Castles Ever After“-Serie hatte ich jedoch ein anderes Problem. Bis zur Hälfte der Geschichte fand ich diese nämlich einfach grandios: spannende Hauptcharaktere, sperrig-interessante Nebenfiguren, die für amüsante Unterhaltung sorgen und heiße Liebesgeschichte. Doch dann bin ich wieder einmal auf das „50 % Problem“ gestoßen.

Die Autorin entscheidet ab der Hälfte der Geschichte einen Weg zu gehen, mit dem ich so gar nicht zurechtkam. Sie verlegt sich auf ein ausuferndes Hin und Her, indem die Protagonisten ständige ihre Meinung ändern und es auch ansonsten viel hin und her gibt. Eben genau das, was mir noch jedes Mal die Leselaune verhagelt hat und ich als mittelmäßig enttäuschend finde.

Dabei hätte man das Problem des forbidden love-Tropes, denn Clio ist nun mal verlobt, wenn auch nur auf dem Papier, auch anders lösen können, einfach, wenn man die Ankunft von Piers vorverlegt hätte. Die Autorin jedoch entscheidet sich dafür, dass Rafe und Clio ihre Probleme allein lösen sollen – was sie aber nicht können, weil die Autorin einem politisch korrekten Weg folgen will; am Ende dann aber nicht ganz tut. Dadurch ergibt sich eine Patt-Situation, die die Geschichte keinen Schritt voranbringt, sondern lediglich in die Länge zieht. Schade, denn die Dynamik und die Problematik zwischen den Brüdern, die im Buch so viel zu kurz kommt, hat mir recht gut gefallen. Zumal Clio die Möglichkeit bekommt, ihre Probleme mit ihrer Schwester und ihrem Schwager zu klären.

Kurzgefasst: einem vielversprechenden Anfang, folgt eine mittelmäßige 2. Hälfte. Sehr Schade, den Clio und Rafe sind Charaktere genau nach meinem Lese-Geschmack und die Entwicklung ihrer Liebesgeschichte ist so romantisch und erotisch zu lesen.