Rezensionen

Ankes Bewertung 03 Sterne.png

Aufgrund eines Irrtumes, die Organisatoren eines Brieffreundschaft-Schulprojektes gingen davon aus, dass es sich bei Ryen um einen Jungen handelte, wurde sie Misha als Briefpartner zugeteilt. Das ist nun viele Jahre her und Misha und Ryen schreiben sich immer noch gegenseitig Briefe. Mehr als das ist ihre Brieffreundschaft mit der Zeit einer vertrauten und innigen Freundschaft gewichen.

Um diesen, für die beiden, wertvollen Schatz nicht zu gefährden, haben sie beschlossen, trotz der relativen Nähe ihre Wohnorte, keinen Kontakt im echten Leben zueinander aufzunehmen und sich auch nicht gegenseitig auf Social Media zu suchen.

Bei einem Event seiner Band, eine Bilderschnitzeljagd, die das Element der sozialen Medien integriert, stolpert Misha dann trotzdem zufällig über Ryen – weil er damit eine unsichtbare Grenze überschreitet und weil Ryen so überhaupt nicht das zu sein scheint, was sie ihm in ihren Briefen von sich vermittelt hat, verrät Misha nicht wer er ist.

Eine paar Monate später bringt Misha eine Verkettung von Umständen an die Schule von Ryen. Er stellt sich dort, als neuer Schüler, unter gefälschten Angaben vor. Ryen lernt ihn als Mason kennen, der sie zwar anzieht, der jedoch vom ersten Moment an einen Hass gegen sie zu entwickeln scheint. Mishas Verachtung für Ryen und ihren Verrat an ihm ist groß, doch ihre Anziehung auf ihn ist noch größer.

„Punk 57“ wurde im Original bereits 2016 veröffentlicht und ich bin so schon vor einer ganzen Weile auf das Buch aufmerksam geworden. Doch erst die deutsche Hörbuchausgabe, aus dem Dezember 2022, hat mich ausreichend dazu verlockt, mich der Geschichte zu widmen.

Vor 10 Jahren habe ich noch regelmäßig New Adult-Romane gelesen und sie auch genossen. In den letzten Jahren konnte ich das Genre jedoch längst mehr so genießen, wie früher. Heute fühle ich mich zu (ur-)alt dazu.

Das erste Drittel des Hörbuches habe ich noch interessiert und den Entwicklungen gespannt folgend gehört, schließlich war die Ausgangssituation wirklich spannend. Dann jedoch ging es mit meiner Hör-Laune stark bergab. Zwar habe ich für Ryen durch Verständnis und Sympathien aufbringen können, mit Misha kam ich jedoch nicht wirklich zurecht. Highschool-Probleme, Cafeteria-Geplänkel und Testosteron-geschwängerte, Adrenalin-gesteuerte Teens und Tweens sind einfach nicht (mehr) meine Welt.

Zudem fand ich, dass die Autorin Mishas „Outing“ für meinen Geschmack viel zu weit herauszögert und damit Grenzen überschreitet, die mir nicht behagen (zb. Misha hat Sex mit Ryen bevor er ihr sagt, wer er ist). Ich verstehe zwar die Dramaturgie dahinter, gefallen hat sie mir jedoch nicht. Ich habe zu diesem Zeitpunkt jedoch noch weiter gehört, weil ich wissen wollte, welche Wege die Autorin nutzt, um zum Ende zu kommen.

Nachdem sich dann im letzten Drittel (bei mir braucht so etwas immer etwas länger) die Zusammenhänge und damit auch das Ende abzeichnen, war es vorbei gänzlich vorbei mit meiner Hör-Laune und ich habe das Hörbuch abgebrochen.

Das Hörbuch liegt in einem ungekürzten Format vor, was ich grundsätzlich begrüße; in diesem Fall hätte mir jedoch auch ein gekürztes Format ausgereicht. Vorgetragen wird es von Julian Mill, der den Ich-Erzähler-Part von Misha übernimmt und Sabrina Scherer, die aus Sicht von Ryen erzählt. Beide Sprecher haben mir sehr gut gefallen und ich fand es angenehm ihrem Vortrag zu lauschen.

Kurzgefasst: ich kann den Reiz und den Hype, den die Geschichte ausübt, durchaus verstehen. Ich selber fühle mich jedoch zu alt dazu, dem meine Aufmerksamkeit zu schenken.