Rezensionen

Ankes Bewertung 03 Sterne.png

Nach 5 Jahren der Trauer um ihren kurz vor der Hochzeit verschwundenen Verlobten ist Natalie, „Nat“ Peterson, endlich so weit ihr ungebrauchtes Hochzeitskleid loszulassen und nicht mehr alleine zu Hause den Schmerz wegzutrinken, sondern mit ihrer Freundin Sloane auszugehen.

Im Restaurant trifft sie auf ihren neuen Nachbarn, Kage, eigentlich Kazimir Portnov, der sie und Sloane zunächst kalt abblitzen lässt, sich tags darauf aber trotzdem als guter Nachbar zeigt und ihr ein falsch abgelegtes Päckchen bringt, sie vor einem abgewiesenen Verehrer beschützt und am Ende sogar einem Dopple-Date mit Sloanes neuesten Eroberung zustimmt. Alles in allem scheinbar doch kein so schlechter Start für Nat.

Kage hingegen ist alles andre als begeistert darüber, dass er so derart von Nat angezogen wird, besteht doch seine Aufgabe eigentlich darin, sie zu beseitigen. Doch gegen jede Chance und über alle Hindernisse hinweg, er kann nicht anderes als Nat beschützen zu wollen und zu seiner „Queen“ zu machen.

Ich hatte bereits so eine Ahnung, dass mir J.T. Geissingers „Ruthless Creatures“, der 1. Teil der „Queens & Monsters“-Serie, vielleicht nicht so sehr zusagen würde, wie vielen der begeisterten Rezensenten. Auch wenn ich just dem Sub-Genre ein wenig verfallen bin und mich experimentierfreudig hineingestürzt habe, meine Vorliebe für dunklere Mafia-Romances, mit heftigeren erotischen Sexszenen, hält sich nun mal in Grenzen. Was das Genre betrifft, so finde ich mich eindeutig auf der Romantic Suspense Seite wieder. Leider liegen die aktuell hochgelobten Romane jedoch eher auf der „smut“ und „kink“ Seite.

So hat es mich auch nicht verwundert, dass die intimen Szenen deutlich an der Grenze kratzen, zu dem was ich lesen mag. Weil sie jedoch wirklich, wirklich gut beschrieben sind, habe ich sie tolerieren können und grundsätzlich daran, auch keine Kritik zu üben. So stimme ich auch den Kritiken zu, dass dies ein hervorragend erzählter und auf seine Art fesselnder Mafia-Romance ist - ein fesselnder easy-read, den man nicht so leicht aus der Hand legen kann.

Für meinen Lesegeschmack konzentriert sich das Buch jedoch zu stark auf die Sexszenen und zu wenig auf Handlung, Action und Charakterentwicklung. Letzteres war auch der Grund, warum ich so überhaupt nicht mit Nat zurechtgekommen bin. Sicher, ihre sexuelle Entdeckungsreise wird brillant beschrieben, doch darüber hinaus konnte ich mir einfach kein (stimmiges) Bild von ihr machen, noch habe ich eine Entwicklung vom einen zum anderen erkennen können. Ich fand sie höchst widersprüchlich und irritierend beschrieben, mal als nette Mädchen von nebenan inszeniert, mal naiv-dumm und mal bewundernswert frech-vorwärts. Ich konnte ihr weder die „reizende Unschuld von Lande“ abnehmen noch die Frau „die stärker ist, als sie glaubt“.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Erzählersicht von Nat und Kage erzählt, wobei Kage, wohl um seine geheimnisvolle Aura zu wahren, erst recht spät im Buch zum Zuge kommt; zunächst gibt es lediglich Andeutungen von seiner Seite aus zu erfahren. Ich empfand das, als verlorene Chance, seinen Charakter tiefgründiger wirken zu lassen und darüber hinaus auch unnötig; denn sogar für mich (und ich bin nun wirklich nicht der intelligenteste Leser, was das betrifft) war klar, worauf die Geschichte hinausläuft.

Kurzgefasst: für diese gekonnt erzählte Geschichte hätte ich mir mehr Suspence, weniger Sexszenen und stimmigere Charaktere gewünscht.