Rezensionen

Ankes Bewertung 05 Sterne.png

Ivy Wilde, fährt Taxi, vermeidet Treppensteigen im Besonderen und Anstrengungen im Allgemeinen und hat ein inniges Verhältnis zu ihrem Sofa. Doch mit ihrer Ruhe ist es schlagartig vorbei, als sie die Wohnung und Katze für ihre Nachbarin, Eve, hütet. Denn Ivy ist auch eine Hexe.

Eine Hexe, die irrtümlich, weil sie für Eve gehalten wird, durch ein Band mit Adeptus Exemptus Raphael Winter, einem Mitglied des „Ordens“ und dessen Abteilung „Arcane Branch“ (in etwa „Geheime Abteilung“), verbunden wird.

Als klar wird, an wen da Ralphael, der eigentlich lieber „Rafe“ genannt werden will, von Ivy jedoch bevorzugt mit „Adeptus Exemptus Raphael Winter“ angesprochen wird, gebunden ist, ist auch er nicht gerade begeistert. Denn Ivy steht für alles, was er nicht ist: eine wegen Betrugs- und Verrats aus dem Orden geflogene Hexe, die so natürlich nicht besonders gut auf den „Verein“ zu sprechen ist, der für ihn alles bedeutet.

Doch während der erzwungenen gemeinsamen Arbeit erkennen beide, dass der äußere Schein einer Hexe trügen kann und weder Ivy ein „Lazy Girl“ ist, noch Rafe ein „kleinkarierte Prinzipienreiter“, sondern beide ziemlich gut und erfolgreich zusammen arbeiten können.

Und das müssen sie auch, denn zu einem bleibt ihnen gebunden durch ein magisches Band nichts anderes übrig und zum anderen haben sie nicht nur eine gestohlene Ordens-Insignie und verschwundene Geheimschriften, sondern auch noch einen Mord aufzuklären.

Meine Rezension bezieht sich auf die Originalausgabe des Buches. Die Ergänzungen zum Hörbuch gelten der deutschen Ausgabe.

Ich bin durch eine zufällig Erwähnung der Autorin auf die „The Lazy Girl's Guide To Magic“-Serie gestoßen. Und da sich die Möglichkeit anbot, die Bücher über „Kindle unlimited“ auszuleihen, habe ich spontan beschlossen, dass es an der Zeit ist mal wieder einen englischsprachigen Roman zu lesen.

Damit kam zwei Probleme auf mich zu a) ich habe schon ewig keinen englischsprachigen Roman mehr gelesen und b) die Autorin ist Engländerin und ich habe noch weniger englische Romane gelesen.

Doch zum Glück hat mein Kindle diese geniale Dictionary-Funktion und mir sehr dabei geholfen den Text zu verstehen und die Autorin einen modernen, locker, flockigen und sehr amüsanten Erzählstil, der es mir leicht gemacht hat „am Ball“, bzw. „am Buch“ zu bleiben. Auch, wenn ich hier und da Schwierigkeiten damit hatte den Sinn zu verstehen und einen Zusammenhang zu schaffen.

So hat es mir vielleicht an Detail gefehlt, doch das große und ganze des Buches konnte ich erfassen. Und das war es absolut wert.

Auch die Figuren konnte ich so gut kennenlernen, dass sie mir sofort ans Leserherz gewachsen sind. Mir hat es zudem sehr gut gefallen, dass die Autorin ihre Hauptfiguren als absolut gleichwertige Partner dargestellt hat und dass sie ihnen Fehler und Ecken und Kanten zugestanden hat, die sie auch ausleben durften.

Das hatte zur Folge, dass mir sowohl Ivy, als auch Rafe, vom ersten Moment an sehr sympathisch waren, sie mich aber mitunter auch mit ihrem Verhalten herausgefordert haben. Aber vielleicht ist es ja gerade das gewesen, was die Charaktere für mich so anziehend und so überzeugend gemacht hat und sie mir hat so lebendig erscheinen lassen.

So ist der Suspense-Anteil fast ein bisschen in den Hintergrund getreten, was für mich jedoch prima funktioniert hat, obwohl er einen guten Teil der Geschichte ausmacht und auch von Bedeutung für die Entwicklung der Beziehung zwischen Ivy und Rafe ist.

Ergänzung zum Hörbuch: Es ist nun schon ein paar Jahre her, dass ich die Serie um Ivy und Rafe im englischen Original gelesen habe. Nun habe ich auch die Übersetzung im Hörbuchformat für mich entdeckt. Eine Überraschung ist das nicht, den Ivy Wilde ist einfach eine wundervolle Figur, Rafe, immer noch genau der grummelige Held, den ich so mag und die Autorin Helen Harper auch beim Wiederholen der Geschichte immer noch flott und unterhaltsam mit der Feder unterwegs. Hinzukommt, dass ich die Sprecherin Yesmin Meisheit als sehr angenehm zuhören empfinde. Auch wenn ihre Interpretation, der ein oder anderen Figur, manchmal grenzwertig-piepsig-alberne Höhen erklimmt, so hat sie den Unterhaltungswert der Serie für mich noch getoppt.

Kurz gefasst: Ein sehr spannendes Ermittlerduo, interessante Figuren und eine urbane Fantasy-Welt, die es zu entdecken wirklich lohnt (auch auf die Gefahr hin, dass man evtl. etwas mehr Mühe beim Englisch lesen hat), finde ich.