Rezensionen

Ankes Bewertung 04 Sterne.png

Weil Lord Louis Royston da noch eine Rechnung mit Henry Wenton, Earl of Brentford (seine Geschichte wird in „Vicomtesse zu vererben“ erzählt) offen hat, dieser jedoch in Frankreich weilt, ist das Ziel seiner Machenschaften Henrys Schwester Catherine.

Um diese von seiner Sache zu „überzeugen“, greift er auf Erpressung und Manipulation zurück, die im Grunde unangebracht und womöglich überhaupt nicht notwendig gewesen wäre. Denn Catherine ist mehr als bereit, aus der Eintönigkeit ihrer Existenz auszubrechen und sich in ein Abenteuer zu stürzen.

Louise Plan ist es, die Stellung in der Gesellschaft zu erlangen, die im bisher verwehrt wurde, mit Miss Catherine Wenton als Verlobte an seiner Seite, spätere Ehe durchaus erwünscht. Bei aller Liebe fürs Abenteuer, aber gleich heiraten erscheint Catherine dann doch etwas zu weit zu gehen. Zumal Louis Royston, eine irgendwie befremdliche Wirkung auf Catherine zu haben scheint.

Seit ein paar Jahren verfolge ich nun schon die Veröffentlichungen der Autorin Sophy Hester. Ihre Backlist ist, zu meinem Bedauern, noch überschaubar, doch ihre Liebesromane sind von höchster Qualität und Originalität; sprich, hier werden Leser angesprochen, die ein Herz für sperrige und ungewöhnliche Charaktere haben.

Auch Catherine und Louis sind ungewöhnlich und vielleicht nicht jedes Lesers Sache. Nichtsdestotrotz sollte man es sich nicht entgehen lassen, sie trotzdem einmal kennenzulernen. Catherine ist, wie alle Hauptfiguren der Autorin, eine Naturgewalt. Doch Louis, der ebenfalls nicht gerade kleinmütig ist, scheint da einen Nerv zu treffen und gerade so eben die Oberhand über Catherine zu behalten, ohne sie in die Ecke zu treiben. Dieses Balancieren der Hauptprotagonisten auf einem schmalen Grat beherrscht die Autorin so perfekt, dass es eine wahre Freude ist, die beiden dabei zu verfolgen, wie sie ihr Grenzen ausloten. Dass dabei der Plot ein wenig aus der Façon gerät und die ganze Geschichte nicht so richtig rund wirkt, habe ich darüber leicht vergessen können. Catherine und Louis sind die Stars des Romans und alles um sie herum ordnet sich ihnen unter. Zugegeben, Catherine und Henrys Mutter Lady Emily liefert ebenfalls eine großartige Show ab und gibt eine Hester-typisch-sperrige Figur ab, die man einfach lieben muss.

Und doch habe ich meine Zeit gebraucht und musste kleinere Pausen einlegen, bis ich „Die Gunst des Ganoven“ fertig gelesen hatte. Sicher, der grandiose Stil der Autorin macht ein Durchfliegen der Seiten nahezu unmöglich. Trotzdem war nicht zu 100% dabei. Ich vermute, dass das am Verlauf der Geschichte lag, deren Verlauf ich nicht immer so ganz nachvollziehen konnte. Etwa die Scheinverlobung Catherines mit Louis Angestellten, die dem Zweck dienen sollte, Lady Emily zu überlisten und auf Umwegen Louis als Schwiegersohn zu etablieren – was völlig sinnfrei war, da Lady Emily nur froh darüber war, dass die, in diesem Punkt störrische Catherine endlich eine Ehe in Betracht zieht. Vielleicht hat mich aber auch Catherines stellenweise doch sehr unverblümte Art an der Geschichte zweifeln lassen, vor allem im Kontext eines historischen Romanes und ihre anfängliche Entscheidung (Spoiler Anfang ihre Jungfräulichkeit dem nächstbesten hinterherzuwerfen und dessen gewaltsamen Tod ohne Irritation hinzunehmen Spoiler Ende).

Kurzgefasst: ein schwungvoller Liebesroman, mit köstlich-herrlich sperrigen Figuren.