Rezensionen

Chris' Bewertung 05 Sterne.png

Lord Jarret Sharpe kann keiner Herausforderung widerstehen. Und schon gar keiner energischen Frau, die sein Büro in der Brauerei seiner Großmutter stürmt und ihn um eine Zusammenarbeit bittet. Annabelle Lake stürmt tatsächlich in Jarrets Leben und auch gegen die Mauern, die Jarret vor vielen Jahren um sein Herz gebaut hat.

Dabei hat Annabelle nichts weniger im Sinn als Jarrets Herz. Der Spross der skandalumwitterten Sharpe Familie ist ein notorischer Spieler und sie ist sehr verwundert, ihn, anstelle seiner Großmutter in der Brauerei anzutreffen. Der Brauerei ihrer Familie geht es schlecht und ihr Bruder ist dem Suff verfallen. So ist es an Annabelle zu retten, was noch zu retten ist. Sofern sie zu einer Übereinkunft mit Lord Jarret oder seiner Großmutter kommt.

Jarret hingegen denkt gar nicht daran der maroden Brauerei zu helfen. Dennoch ist er von Annabelle fasziniert. Und noch mehr, als sie mit ihm um seine Hilfe spielen möchte. Skandalös! Dabei ist das Kartenspiel mit dem verrufenen Lord nicht einmal das Skandalöseste in dieser Geschichte.

Auch Teil zwei dieser Serie konnte mich überzeugen und es war wirklich ein amüsanter Lesegenuss das Spiel zwischen Jarett und Annabelle zu verfolgen. Beide Protagonisten sind äußerst liebenswert, haben jedoch ihre Ecken und Kanten. Ihre Handlungsweisen und auch ihr gesundes Misstrauen, wie auch Ängste und Sorgen sind für den Leser sehr verständlich und machen die Protagonisten nur noch authentischer. Allerdings ist der Weg zum gemeinsamen Glück nicht leicht und so mancher Stolperstein muss überwunden werden.

Ein Großteil der Geschichte spielt in Annabelles Heimatort und so werden Jarrets Geschwister und die Großmutter zur Randfiguren degradiert. Dennoch gibt es durch Annabelle einen Familienanschluss. Und auch die Lakes haben so ihre Geheimnisse. Jarret, ein Spieler durch und durch, vermutet von Anfang an, dass die hübsche Annabelle so ihre Geheimnisse hat und auch Annabelle spürt schon bald, dass in Jarret mehr steckt als sein Ruf die Menschen glauben macht.

Kurz gefasst: Jarret und Annabelle muss man einfach gern haben. ^^

Ankes Bewertung 04 Sterne.png

Zum Buch

Sie kann es also doch: Unterhaltung schreiben ohne peinliche Albernheiten und allzu viel Gefühls-hin und her! "Spiel der Herzen" hat mir in vielerlei Hinsicht besser gefallen als der 1. Teil.

Zunächst einmal fand ich die Geschichten und seine Charaktere komplett nachvollziehbar. Ihr Verhalten und Denken hatte meiner Meinung nach Hand und Fuß, die Gründe logisch und die Handlungen verständlich.

Als ein wenig eigenwilliges, aber doch recht sittsames Landmädchen, kommt die Hauptprotagonistin trotz ihrer Naivität, dennoch sympathisch rüber. Auch wenn sie sehr behütet lebt, von einem jugendlichen Ausrutscher einmal abgesehen, so behauptet sie sich doch auch im Leben und hat sich Talente (in der Bierbrauerei) erarbeitet auf die sie stolz sein kann. Zwar ist sie nicht ohne Fehler, doch weiß sie was sie will.

Für Jarret Sharpe wurden in der Vergangenheit falsche Entscheidungen getroffen; und auch wenn diese zwar gut gemeint waren, verhärmten diese den Jungen aber auch und machten ihn zu einem sturen Mann, der nichts mehr an sich heranzulassen vermag. Er versteckt sich hinter der Maske des Spieler, des Hallodris, den nichts und niemand interessiert. Bis Annabel Lake, die Heldin des Buches ihn herausfordert - um sich dann in sein Herz zu schleichen.

Da der Spielort in diesem Teil der "Hellions of Halstead Hall"-Serie aus dem Hause Sharpe, London, in die heimliche Brauerei von den Lake verlegt wird, fällt auch der Geschwister-Bonus etwas geringer aus.
Klar, als Fan von Familienserien, fand ich das etwas schade, doch treten dafür die Lakes auf die Bühne, so dass für ausreichend Familienanschluss gesorgt ist.
Aber zumindest gibt es schon einige Andeutungen in Richtung des nächsten Teiles in denen Giles Masters, Jarrets und Olivers Freund und Minerva Sharpe die Hauptrolle spielen.

Einzig die ständigen "Mein gnädiger Herr" stellten eine echte Geduldsprobe für meine Nerven dar. Ja, ich weiß es ist die korrekte deutsche Ansprache und ja, es ist eine reine Geschmackssache.
Doch wieso kann es nicht einfach (wie im Original) "My Lord" heißen? Schließlich ist Titel nun mal "Lord" Jarret, denn er ist Engländer und die Geschichte spielt in England. Warum sich also mit dem "gnääädigen Herrnnnn" quälen, wenn "My Lord" doch so viel eleganter (für meine Ohren) klingt?

Zum Hörbuch

Ich mag Cathlen Gawlich unheimlich gerne als Hörbuchsprecherin. Und sie ist zudem eine sehr gute Wahl für einen historischen Liebesroman. Sie hat eine wunderschöne und höchst angenehme Erzählstimme - wenn sie in ihrer natürlichen Stimmlage bliebe.

Vielleicht täusche ich mich ja und es würde monoton klingen (obwohl ich es mir bei dem Sprecher und Vortragstalent einer Cathlen Gawlich einfach nicht vorstellen kann), wenn sie ihre Stimme nicht in ungeahnte Höhen schrauben würde, sobald ein Kind oder eine weibliche Figur redet oder in knarzige Tiefen, wenn es um ältere Damen und Herren geht.

Und obwohl ich nicht umhin kann zuzugeben, dass die Sprecherin trotzdem ihre Sache gut macht - so ziehe ich doch die neutralere Stimmvariante vor und hätte es gerne gehört, wenn Cathlen Gawlich alleinig mit ihrer natürlichen Erzählstimme und der ihr eigenen und gekonnten Betonungsweise das Hörbuch vortragen hätte.

Kurz gefasst: Sehr schöne Liebesroman-Unterhaltung, kurzweilig, herzlich und charmant. Und wie ich zugeben muss talentiert von Cathlen Gawlich als Hörbuch vorgetragen - auch wenn ich persönlich eine Sprecherinterpretation in durchweg natürlicher Stimmlage vorgezogen hätte.

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Nachdem Oliver, Lord Stoneville bereits vermählt wurde (seine Geschichte wird in „Lord Stonevilles Geheimnis“ erzählt), soll nun Jarret unter die Haube kommen. Jarret hat es im Laufe der Jahre gelernt, seine größten Wünsche und Sehnsüchte unter Verschluss zu halten, weil er zu oft enttäuscht wurde und auch das tragische Schicksal seiner Eltern hat ihn einst sehr verstört. Mittlerweile frönt er dem Nichtstun und liebt das Glücksspiel über alles. Doch was kaum jemand weiß, ist, dass er von frühester Kindheit an, Interesse an der Brauerei seiner Großmutter zeigte und durchaus viel Sachverständnis aufweist. Während seine Großmutter krank das Bett hütet, bekommt er endlich die Möglichkeit, sich zu beweisen und die alte Frau vermeintlich davon abzubringen, ihm eine Frau aufzuschwatzen. Als Annabel und Jarret sich jedoch kennen lernen, spüren sie; auch wenn sie sich streiten wie die Bierkutscher, sogleich eine starke Anziehungskraft. Doch Annabel verbirgt einige Geheimnisse vor Jarret und fürchtet, dass er, trotz ihrer gewonnenen Wette, abspringt von seinem Versprechen wenn er die Wahrheit über ihre Familie erfährt.

Sowohl Jarret als auch Annabel sind zwei sympathische, sensible Hauptfiguren, deren Innerstes abwechselnd von der Autorin beleuchtet wird, so dass man sich als Leser gut in die beiden hineinversetzen kann. Normalerweise mag ich es nicht, wenn die Heldin oder der Held des Romans, Geheimnisse vor dem jeweils anderen hat und sie so lange verbirgt, doch in diesem Fall konnte man Annabels Beweggründe gut verstehen. Bis Annabel auffliegt, vergeht jedoch einige Zeit und in dieser Zeit gelingt es der Autorin zudem klar zu verdeutlichen, dass sich Jarret und Annabel nicht nur auf sexueller Basis anziehend finden, sondern dass sie durchaus auch viele Gemeinsamkeiten haben, die sie zusammenschweißen. Sehr niedlich sind die Versuche der beiden, ihrem Umfeld klar zu machen, dass sie eigentlich keine feste Beziehung miteinander eingehen möchten, obwohl doch jeder auf den ersten Blick sieht, wie vernarrt beide eigentlich ineinander sind. Dennoch knickt keiner von beiden frühzeitig ein. Es bedarf einiger klärender Dialoge und Geschehnisse, bis bei den Figuren die Erleuchtung eintritt- weniger aus Dummheit oder Sturheit, sondern aus dem Grund, da beide in ihrer Vergangenheit Dinge erlebten, die sie nun zögern lassen, sich erneut auf jemanden einzulassen. Es sind durchaus auch plausible Gründe, so dass hier kein unnötiges Hin und Her zu befürchten ist.

Der Schreibstil der Autorin sorgt für beschwingte und leichte Unterhaltung, zudem ist auch Jarrets und Olivers Familie ein sympathischer Haufen, selbst wenn sie dieses Mal noch ein wenig im Hintergrund agieren. Auch die Idee die Story rund um die „Bierbrauerkunst“ zu weben, fand ich erfrischend anders und interessant, wobei die Autorin sich jedoch nicht zu sehr im Detail verliert. Die Liebeszenen sind prickelnd und ansprechend und auch die Wohlfühlstimmung des Romans ließ Vergleiche zu Lisa Kleypas Hathaway- Reihe bei mir anklingen.

Einen Kritikpunkt habe ich aber dennoch anzubringen. Obwohl ich die Übersetzungsleistung im Großen und Ganzen gut fand, habe ich mich an den vielen „gnädigen Fräuleins“ und „gnädigen Herren“ gestoßen. Selbst wenn die Übersetzung wahrscheinlich den Kern trifft, erinnerte mich diese angestaubte Ausdrucksweise fatalerweise an alte Theo Lingen und Hans Moser Filme und ehrlich gesagt wäre ein „werter Sir“ oder „werte Miss.“ da um Längen wohlklingender und eindeutig die besser Wahl gewesen. Daher eine große Bitte an den Verlag/ Die Übersetzer, beim nächsten Band die gnädigen Fräuleins & gnädigen Herren ganz aus dem Roman zu verbannen.

Kurz gefasst: „Was sich liebt, das neckt sich“- Wunderschöner, romantischer Historical mit Tiefgang und sympathischen Protagonisten.