Rezensionen

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Bis auf Beatrix Hathaway sind bereits alle Familienmitglieder verheiratet und glücklich. Doch die Einzelgängerin zeigt auch nicht viel Interesse an menschlichen Zweibeinern. Ihr sind ihre Tiere bei weitem lieber, denn sie haben sie bislang noch nie enttäuscht. Als sich Beatrix eines Tages mit ihrer Freundin Prudence unterhält, erzählt diese ihr, dass deren Verlobter in spe, Christopher Phelan, der sich zur Zeit als Soldat an der Front befindet, Gefallen daran findet, Prue zu schreiben. Doch die egoistische und leichtfertige Prue denkt gar nicht daran, Christoper in tröstenden Zeilen zu antworten.

Aus Mitleid springt die gutherzige Beatrix als Briefeschreiberin ein und was als eine Art freundliche Geste begann, bekommt plötzlich eine Eigendynamik, mit der Beatrix nie gerechnet hätte. Obwohl Christopher einst während eines Balles, als ihr Igel ausbüxte, über sie witzelte, verliebt sich die junge Frau in den Soldaten, in dem scheinbar mehr steckt, als sie je für möglich gehalten hätte. Der einzige Haken an der Sache ist, dass Christopher glaubt es wäre sein Prue, die ihm so unter die Haut gehende Zeilen schreibt. Als er nach dem Tod seines älteren Bruders zurückkehrt, will er Prue heiraten und ist über alle Maßen enttäuscht, als er spürt, dass Prue diese Briefe nie selbst geschrieben haben kann. Doch wer mag die unbekannte Briefeschreiberin bloß sein? Christoper macht sich auf die Suche…

Ja zugegeben, da haben uns die Verlage lange auf den letzten Teil der Reihe warten lassen- und nun kann man gleich zwischen der E-Book Version (Heyne Verlag über amazon) und der Taschenbuchausgabe (Weltbild) wählen.
Aber ich muss sagen, dass sich das Warten wahrlich gelohnt hat. Wie man es von Lisa Kleypas gewohnt ist, erzählt sie wieder einmal eine süße Liebegeschichte in dessen Mittelpunkt die quirlige Kleptomanin und Tierliebhaberin Beatrix Hathaway steht. Da Beatrix auch schon als Nebenfigur in den Vorgängerbänden eine interessante Akteurin war, war ich schon im Vorfeld sehr gespannt auf ihre eigene Story.

Doch Lisa Kleypas spricht Beatrixs Probleme gar nicht in dem Maße an, wie ich es geglaubt hatte. Stattdessen stellt sie eine weitere Eigenschaft der jungen Frau in den Fokus und zwar Beatrixs Mitgefühl mit allen möglichen Kreaturen dieser Welt. Ob Zwei- oder Vierbeiner. Zwar erinnert die Geschichte schon ein wenig an die des Cyrano de Bergerac, doch verzeiht man der Autorin diesen Einstieg gerne, denn die Briefwechsel zwischen Beatrix und Christopher gehen einfach unter die Haut. Man kann sich sehr gut in den verstörten Christopher hineinversetzen, der die Gräueltaten des Krieges sehr schlecht verdauen kann und der zunächst einfach einen Rettungsanker in Gestalt einer Person aus seinem üblichen, persönlichen Umkreis, benötigt, der ihn auf andere Gedanken bringt und von seinem Soldatenalltag fern der Heimat ablenkt.

Christopher und Beatrix haben zunächst nur eines gemeinsam. Beide sind Einzelgänger. Während dabei in Beatrixs Fall Verlustängste eine untergeordnete Rolle spielen (seitdem ihre Eltern starben, als sie noch ein kleines Kind war) stand Christopher stets im Schatten seines älteren Bruders John, der von seiner Mutter stets favorisiert wurde. Diese Zurückweisung versuchte Christopher dahingehend zu kompensieren, dass er sich fortan in alle wagemutigen Abenteuer stürzte was damit endete, dass er sich ein Offizierspatent beschaffte.

Durch die traumatischen Kriegserlebnisse gewinnt Christopher jedoch an innerer Reife und stellt plötzlich fest, dass er, nun wieder in seiner Heimat, plötzlich ganz andere Dinge vom Leben will, als zuvor. Ab dem Zeitpunkt als Beatrix und Christopher aufeinander treffen sprühen die Funken zwischen ihnen, wobei Christoper zunächst etwas befremdet reagiert, als die unkonventionelle Beatrix in Hosen vor ihm steht. Doch spätestens nachdem sie sich seinem ebenfalls vom Krieg traumatisierten Hund angenommen hat, begraben beide das Kriegsbeil.

Richtig schön und romantisch wird es, wenn Beatrix mit viel Einfühlungsvermögen versucht, Christophers seelische Pein zu lindern. Die Dialoge des Paares gehen unter die Haut und man kann sich sehr gut als Leser in beide Hauptfiguren hineinversetzen.
Obschon etwas ernstere Töne in „Herzschlag der Nacht“ angeschlagen werden, bildet dieser Roman einen wunderbaren Abschluss einer tollen Serie um die Hathaways. Die Spannungselemente gegen Ende des Romans hätten meiner Meinung gar nicht mehr sein müssen und wurden dazu auch noch recht kurz und knapp geschildert, doch dieser Kritikpunkt fällt eigentlich gar nicht ins Gewicht. Auch die Übersetzung fand ich gut und so gibt es diesmal von meiner Seite nichts zu meckern. ;)

Kurz gefasst: Ein wunderbarer, romantischer und unter die Haut gehender Abschluss der Hathaway Reihe. Unbedingt lesen!